Francis Menton, THE MANHATTAN CONTRARIAN
Auf der spanischen Insel El Hierro wurde das Ziel verfolgt, ein Stromnetz aufzubauen, das ausschließlich durch Windkraft gespeist wird und durch ein Pumpspeicherkraftwerk abgesichert wird. Die relevanten Kennzahlen für El Hierro lauten: durchschnittlicher Strombedarf: 5 MW; Nennleistung der Windkraftanlagen: 11,5 MW (d. h. eine 2,3-fache „Überdimensionierung“ im Vergleich zum durchschnittlichen Verbrauch); Speicherkapazität des Pumpspeichersystems: 70 MWh (d. h. 14 Stunden des durchschnittlichen Verbrauchs). Der Betreiber der Anlage hat Betriebsdaten des Systems aus acht Jahren zur Verfügung gestellt. Über die Ergebnisse habe ich in meinem letzten Beitrag vom 23. Oktober berichtet [in deutscher Übersetzung hier]. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wind-/Speichersystem im besten Jahr 56 % des Stromverbrauchs der Insel deckte, im schlechtesten Jahr hingegen nur 35 %.
In diesen Jahren wurde der Rest des Strombedarfs der Insel – der zwischen 44 % im „besten“ Jahr für die Windkraftanlage und 65 % im schlechtesten Jahr schwankte – durch einen Dieselgenerator gedeckt. Das Windkraft- und Speichersystem hat sein erklärtes Ziel, den gesamten Strombedarf der Insel zu decken, bei weitem verfehlt. Aber zumindest haben sie den Dieselgenerator beibehalten. Der Dieselgenerator verfügt über ausreichende Kapazität, um den gesamten Strombedarf der Insel zu decken, selbst wenn es windstill ist und der Speicherteich leer ist. Daher konnten die Systembetreiber die Bewohner weiterhin mit Strom versorgen, obwohl das Wind- und Speichersystem seine Versprechen völlig verfehlt hat.
Doch hier sind einige wichtige Informationen, die Ihnen vielleicht noch nicht bekannt sind. Hier in den USA verfolgten die Regulierungsbehörden während der Amtszeiten von Obama und Biden den gegenteiligen Ansatz. Anstatt wie auf El Hierro vorzugehen und zunächst ein Wind-/Speicher- (oder ein Wind-/Solar-/Speicher-)System aufzubauen und erst dann die Reservekapazitäten aus fossilen Brennstoffen zu reduzieren, sobald dies machbar war, ordneten sie stattdessen an, dass die Kapazitäten aus fossilen Brennstoffen nach einem festen Zeitplan stillgelegt werden müssen – ohne jegliche Kenntnis oder Gewissheit, dass ausreichend Wind-, Solar- und Speicherkapazitäten oder sonstige Ressourcen vorhanden sein würden, um diese zu ersetzen.
Und das galt für das gesamte Land, nicht nur für eine kleine Insel mit 11.000 Einwohnern. Alle über 340 Millionen Amerikaner sollten als unfreiwillige Versuchskaninchen in dieses wilde Abenteuer hineingezogen werden.
[Das war natürlich in der gesamten westlichen Welt so – allem voran auch hierzulande! A. d. Übers.]
Das ist auch keine längst vergangene Geschichte. Nachdem der Oberste Gerichtshof mit seinem Urteil „West Virginia gegen EPA“ aus dem Jahr 2022 einen früheren Vorstoß der Obama-Regierung zur erzwungenen Stilllegung von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken gekippt hatte, legte die Biden-Regierung im April 2024 eine neue Fassung vor. Diese EPA-Verordnung der Biden -Regierung wurde am 24. April 2024 mit dem unglaublich langatmigen Titel [übersetzt] „Neue Emissionsgrenzwerte für Treibhausgasemissionen aus neuen, umgebauten und sanierten fossil befeuerten Stromerzeugungsanlagen; Emissionsrichtlinien für Treibhausgasemissionen aus bestehenden fossil befeuerten Stromerzeugungsanlagen; sowie Aufhebung der ‚Affordable Clean Energy Rule‘“ endgültig verabschiedet. Ich habe über den Erlass dieser Verordnung in einem Beitrag vom 1. Mai 2024 mit dem Titel [übersetzt] „Die Biden-Regierung wird in Sachen Energie immer realitätsferner“ berichtet.
Ein Kommentator dieses Beitrags schlug vor, dass ich den Titel der Verordnung, da er so lang sei, zu einem Akronym verkürzen sollte, das nur aus den Anfangsbuchstaben [des amerikanischen Titels] besteht: NSPSFGGEFNMARFFFEGUEGFGGFEFFFEGUAROTACER.
Aus der Zusammenfassung der NSPSFGGEFN. . . (den Rest kann man selbst ergänzen):
Im Jahr 2009 kam die EPA zu dem Schluss, dass Treibhausgasemissionen die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen unserer Nation gefährden. Seitdem haben sich die Belege für die durch Treibhausgasemissionen verursachten Schäden nur noch verstärkt, und die Amerikaner erleben täglich die zerstörerischen und sich verschlimmernden Auswirkungen des Klimawandels. Mit fossilen Brennstoffen befeuerte Stromerzeugungsanlagen sind die größte stationäre Quelle für Treibhausgasemissionen des Landes und machten im Jahr 2021 25 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der Vereinigten Staaten aus. Gleichzeitig stehen dem Energiesektor eine Reihe kosteneffizienter Technologien und Ansätze zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen aus diesen Quellen zur Verfügung – darunter die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid (CCS), die Mitverbrennung mit weniger Treibhausgas-intensiven Brennstoffen sowie eine effizientere Stromerzeugung. Der Kongress hat zudem Maßnahmen ergriffen, um durch Finanzmittel und andere Anreize den Einsatz verschiedener Technologien, einschließlich CCS, zu fördern und so eine Verringerung der Treibhausgasemissionen im Energiesektor zu erreichen.
Die vollständige Verordnung umfasst über 1.000 Seiten, sodass es unmöglich ist, alle Einzelheiten in einem kurzen Blogbeitrag zu beschreiben. Der Kern der Verordnung bestand jedoch darin, Standards für Kraftwerke hinsichtlich der maximalen Emissionen von „Treibhausgasen“ festzulegen, gemessen in Pfund CO₂ pro MWh erzeugter Energie. Die Standards waren so gestaltet, dass im Laufe der Zeit kein mit fossilen Brennstoffen betriebenes Kraftwerk sie einhalten könnte – es sei denn, es wäre ihm irgendwie gelungen, den Großteil seiner CO₂-Emissionen in einem als „Carbon Capture and Storage“ (CCS) bezeichneten Verfahren abzuscheiden. In der Einleitung der Verordnung wird CCS als „kosteneffiziente Technologie“ beschrieben. Aber war das damals der Fall? Oder ist es heute so?
Das Problem bei CCS ist, dass es trotz zahlreicher Versuche nie gelungen ist vollständig nachzuweisen, dass das Verfahren kosteneffizient und in großem Maßstab funktionsfähig ist. Mehrere gut informierte Kommentatoren der Verordnung von 2024 lieferten detaillierte Informationen zu diesem Thema, welche die EPA unter Biden bei der Verabschiedung der Verordnung jedoch allesamt ignorierte. Hier ist zum Beispiel ein Zitat aus der Stellungnahme des Generalstaatsanwalts von Ohio vom August 2023:
Eine Untersuchung von 263 Projekten zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung zwischen 1995 und 2018 ergab, dass die Mehrheit davon scheiterte und 78 % der größten Projekte gestrichen oder auf Eis gelegt worden sind. Nachdem die Studie im Mai 2021 veröffentlicht worden war, wurde das weltweit einzige andere Kohlekraftwerk mit einer CO₂-Abscheidungs- und -Speicheranlage Petra Nova stillgelegt, nachdem es in den drei Jahren seines Betriebs 367 Ausfälle verzeichnet hatte. . . . Diese [SaskPower]-Anlage ist die weltweit einzige [noch verbleibende] kommerzielle CO₂-Abscheidungsanlage in einem Kohlekraftwerk, die noch in Betrieb ist. Und sie hat ihre maximale Kapazität noch nie erreicht. Zudem hatte sie das ganze Jahr 2021 über mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen – bis zu dem Punkt, dass die Anlage die Ausrüstung wochenlang stilllegte. Infolgedessen erreichte die Anlage in diesem Jahr eine CO₂-Abscheidungsrate von weniger als 37 %, obwohl das offizielle Ziel bei 90 % lag . . . .
Die in diesem Kommentar erwähnte SaskPower-Anlage ist ein kleines Kraftwerk (115 MW) und steht seit dem Zeitpunkt des Kommentars im Jahr 2023 weiterhin vor erheblichen technischen Herausforderungen. Hier ist ein Bericht über diese Anlage vom Dezember 2025, der vom sogenannten „International CCS Knowledge Center“ stammt. Auszug:
Die BD3-CCS-Anlage nahm im Herbst 2014 den Betrieb auf und konzentrierte sich in der Anfangsphase darauf, Konstruktionsmängel zu beheben. Viele der wertvollsten Erkenntnisse ergaben sich aus unvorhergesehenen betrieblichen Herausforderungen, die im Laufe der Zeit auftraten und durch praktische Erfahrungen bewältigt wurden. Als erste Anlage ihrer Art, die CCS-Technologien einsetzt, um die Emissionen eines Kohlekraftwerks deutlich zu reduzieren, stand sie vor zahlreichen technischen Herausforderungen, die gelöst werden mussten, um den heutigen Betriebserfolg zu erreichen.
In dem Bericht dreht sich alles um die „Konstruktionsmängel“ und angeblichen „Lösungen“, die angeblich in den 13 Betriebsjahren umgesetzt worden sind. Was in dem Bericht fehlt, sind jegliche Informationen über die Großhandelskosten des Stroms aus der Anlage und darüber, wie diese im Vergleich zu den Großhandelskosten des Stroms aus dem Kraftwerk ausfallen würden, wenn man einfach den CCS-Teil abkoppeln und die Anlage so weiterbetreiben würde.
Unterdessen habe ich Google Gemini gefragt, ob in den drei Jahren (2024–2026) seit Einreichung der Stellungnahmen zur Verordnung aus der Biden-Ära neue CCS-Anlagen an großen Kraftwerken in Betrieb genommen wurden. Die Antwort:
Zwischen 2024 und 2026 sind keine groß angelegten Systeme zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS), die an große Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen angeschlossen sind, in den kommerziellen Betrieb gegangen und erfolgreich in Betrieb genommen worden.
Ich lade jeden Leser ein, ein Beispiel für eine solche Anlage zu nennen, die in Betrieb genommen wurde und erfolgreich funktioniert. Nach meinen Recherchen glaube ich nicht, dass es eine solche gibt.
Da es keine wirtschaftlich sinnvolle CCS-Technologie gibt, die an praktisch alle fossil befeuerten Kraftwerke angeschlossen werden kann, lief die NSPSFGG-Regelung der Biden-Ära … faktisch auf eine Anordnung hinaus, das bestehende, überwiegend auf fossilen Brennstoffen basierende Stromsystem in diesem Land stillzulegen – ohne dass ein bewährtes System zur Verfügung stünde, das es innerhalb des erforderlichen Zeitraums ersetzen könnte. Wir würden eine riesige Anzahl von Wind- und Solarkraftwerken errichten (mit massiven Subventionen aus Steuergeldern, um diese zu unterstützen), ohne zu wissen, ob das System funktionieren würde, wenn die fossilen Kraftwerke abgeschaltet würden. Wenn das nicht funktionieren würde, könnten wir alle einfach erfrieren.
Tatsächlich wird mit der Zeit immer deutlicher, wo die Grenzen der intermittierenden Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie für die Versorgung eines großen Stromnetzes liegen. Deutschland ist das Vorzeigeland für den Ausbau von Wind- und Solarenergie. Der gesamte Stromverbrauch Deutschlands belief sich im Jahr 2023 (dem letzten Jahr, für das mir Daten vorliegen) auf 476 TWh, was einem Durchschnittsverbrauch von etwa 54 GW entspricht. Nach Angaben der Bundesnetzagentur betrug die Nennleistung der Wind- und Solarkraftwerke in Deutschland Anfang 2026 210 GW. Das entspricht einer „Überkapazität“ von fast dem Vierfachen. Gleichzeitig verfügt Deutschland über so gut wie keine nennenswerten Energiespeicher, um die Wind- und Solarstromerzeugung abzusichern und die Schwankungen auszugleichen. Und der Anteil des Stromverbrauchs aus Wind- und Solarenergie, den Deutschland im Jahr 2025 mit dieser vierfachen Überkapazität erreichen konnte, lag laut einem Bericht von Yale Environment 360 bei (Trommelwirbel!!!!!) etwa 44 %.
Man kann immer mehr von diesen Anlagen kaufen, aber sie produzieren einfach immer mehr Strom, den man an einem windigen Sommertag nicht braucht (und entsorgen muss), und gar nichts in einer kalten Winternacht, wenn man ihn am dringendsten benötigt. Das ist eigentlich gar nicht so kompliziert. Wann wird man das endlich begreifen?
[Hervorhebungen vom Übersetzer]
Link: https://wattsupwiththat.com/2026/10/27/on-el-hierro-island-at-least-they-kept-the-diesel-backup/
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
















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