Unter Papst Franziskus und nun auch unter Leo habe die katholische Kirche den „Klima-Nektar“ in vollen Zügen getrunken, sagt Professor Roger Watson. Es sei höchste Zeit, dass sie mit der pseudowissenschaftlichen Panikmache aufhöre und sich wieder der Seelenrettung zuwende.

Dr Roger Watson, THE DAILY SCEPTIC

Wie es dazu kam, dass die römisch-katholische Kirche von ihrem großen Auftrag, Seelen zu retten, zu ihrer heutigen Besessenheit, den Planeten zu retten überging, ist unklar. Es ist jedoch offensichtlich, dass die Kirchenhierarchie den „Nektar“ des Klimawandels in vollen Zügen getrunken hat, und obwohl es unfair wäre zu behaupten, sie habe die Seelenrettung aufgegeben, ist ihre Mission zweifellos erheblich in einen Bereich abgedriftet, der nicht gerade zu ihrem Fachgebiet gehört. Woher auch immer sie ihre Ratschläge zum Klimawandel bezieht – sie hört ganz sicher auf die falschen Leute.

Das Problem, wie es manche Katholiken sehen, wird in einem Artikel in der Septemberausgabe der „Middlesbrough Diocesan Catholic Voice“ – lokal bekannt als „The Voice“ – deutlich, die an die Pfarrkirchen der katholischen Diözese Middlesbrough verteilt und über diese verbreitet wird. Immer mit einem gewissen Unbehagen nehme ich mir nach der Sonntagsmesse ein Exemplar vom Stapel hinten in der Kirche.

Die „Voice“ enthält zwar nützliche Informationen aus der Diözese, Termine für Veranstaltungen und Nachrichten aus den Pfarreien, enthält aber fast immer mindestens einen Artikel, der für mich eine „Anlass zur Sünde“ darstellt, weil das Lesen dieses Artikels Gedanken hervorruft, die weit vom Christentum entfernt sind. Meine einzige Rechtfertigung dafür ist, dass dies durch das Lesen von Inhalten hervorgerufen wird, die weit vom Christentum entfernt sind. Wenn es keinen Bericht über das oxymoronische Konzept der diözesanen LGBT-Messen gibt, wird es unweigerlich ein Artikel über den sogenannten Klimanotstand sein.

Selig sind die sich des CO₂ Bewussten

Die Septemberausgabe der „Middlesbrough Diocesan Catholic Voice“ enthält einen Artikel von Sir John Battle, dem ehemaligen Labour-Abgeordneten für Leeds West und Minister in der Regierung Blair, mit dem Titel „Hört auf, beim Klimawandel zu zocken“. Als römisch-katholischer Christ, der von Papst Benedikt XVI. – der offensichtlich nicht in allem Recht hatte – zum Ritterkommandeur des Ordens des Heiligen Gregor ernannt wurde, stützt Sir John seine Argumentation auf die Glücksspielbranche und die offensichtliche Vorliebe der britischen Bevölkerung für das Glücksspiel.

Der erste Abschnitt des Artikels, in dem es um die Beliebtheit des Glücksspiels und die Aussicht auf schnelle Gewinne geht, lässt sich nur recht vage mit dem Risiko in Verbindung bringen, das wir im Zusammenhang mit dem Klimawandel eingehen. Diese Erwartung schneller Gewinne vernebelt den Blick der Menschen auf die Realitäten dessen, was wir tun können, um die Schäden der globalen Erwärmung abzumildern.

Zur Untermauerung seiner Argumentation werden die üblichen Superlative herangezogen. So „wüten Waldbrände“ in ganz Europa und „verheerende Überschwemmungen“ treffen Bangladesch. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Brände in Europa mit ziemlicher Sicherheit vorsätzlich von Brandstiftern gelegt wurden und dass es in Bangladesch schon seit jeher Überschwemmungen gibt. Hinzu kommt die Nachricht, dass die Polkappen keineswegs schmelzen, sondern an Größe zunehmen, dass es den Eisbären und Pinguinen gut geht und die Korallenriffe wachsen. Die Fakten dürfen einem guten Argument nicht im Wege stehen. Schließlich gibt es einen „wissenschaftlichen Konsens“ zu diesem Thema und „tägliche Nachrichtenberichte über weltweite extreme Wetterereignisse“. Also muss es wahr sein.

Sünden der Emissionen

Sir John erklärt, dass das viel zitierte Mantra „Netto-Null“ „nicht bedeutet, null Emissionen zu erzeugen, sondern vielmehr Maßnahmen zu ergreifen, um die Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren“. Wenn dem so ist, warum nennt man es dann „Netto-Null“ und warum hat Großbritannien das Ziel, bis 2050 Netto-Null zu erreichen? Laut dem Net Zero Centre der Universität Oxford bedeutet Netto-Null, „die in die Atmosphäre abgegebenen Treibhausgase durch eine gleich große Menge auszugleichen, die wieder aus der Atmosphäre entnommen wird“. Das ist eine Feinheit, die ich noch von keinem der „Zero-Carbon“-Fanatiker in der Sendung „Today“ auf BBC Radio 4 erklärt gehört habe.

Sir John spricht von den „Händlern des Zweifels“ und zeigt mit dem Finger auf die „Big Carbon“-Lobby (nicht Sir Johns Bezeichnung), die ein „finanzielles Interesse“ daran hat, dass wir unseren Verbrauch an Kohlenwasserstoffquellen nicht reduzieren. Dies führt dazu, dass die Menschen bezweifeln, dass ihnen aufgrund des Klimawandels etwas Unangenehmes widerfahren könnte – bedingt durch die in den ersten Absätzen seines Artikels erwähnte Glücksspielmentalität. Diese „mächtigen Interessengruppen“ – so spricht ein wahrer Sozialist wie Sir John – versuchen dann, die Schuld auf die Verbraucher und die Gesellschaft abzuwälzen. Doch die Verbraucher wiederum denken: „Wozu sich die Mühe machen?“, wenn Länder wie China und Amerika weiterhin Treibhausgase ausstoßen, als gäbe es kein Morgen.

Nachdem Sir John scheinbar die großen Energiekonzerne und ähnliche Interessengruppen dafür kritisiert hat, dass sie versuchen, ihre Verantwortung für den Planeten auf die kleinen Leute abzuwälzen, zitiert er anschließend den eingefleischten Klimakatastrophisten Gabriel Winslow-Yost, der den Klimawandel als „Verbrechen“ betrachtet und der Meinung ist, dass wir alle „mitschuldig“ sind. Winslow-Yost, der offensichtlich ein Liebhaber dramatischer Prosa ist, sagt: „Autofahrten und Flugreisen, Kaffee und Burger, Heizen und Kühlen sowie Kleidung werden mit Blut bezahlt und tragen in jedem Augenblick zum Leid und zur Zerstörung bei, die die globale Erwärmung mit sich bringt.“ Meine Güte, er klingt aber so, als wäre er ein echter Spaßvogel, wenn man abends ausgeht, nicht wahr?

Der Katechismus des Klimawandels

Als wolle er seinem Artikel theologisches Gewicht verleihen, zitiert er Papst Leo, der „betont“, dass der Klimawandel „eine wissenschaftliche Realität und eine moralische Verantwortung“ sei. Ich glaube, Sie werden feststellen, Papst Leo, dass Sie in beiden Punkten Unrecht haben. „Laudato Si’“, die verabscheuungswürdige Enzyklika des verstorbenen Papstes Franziskus, wird zweimal zitiert, darunter auch seine lächerliche Aufforderung zur „ökologischen Bekehrung“. Wir Katholiken hatten alle mehr von Papst Leo erwartet, aber er scheint der Katastrophenagenda des Klimawandels ebenso erlegen zu sein wie alle anderen auch, wenn er von Konzepten wie „Umweltgerechtigkeit“ spricht und davon, dass es Teil des Auftrags der Kirche sei, „die Menschenwürde, den Frieden und die Bewahrung der Schöpfung zu fördern“.

Es ist schwer zu sagen, was hinter all diesem Unsinn steckt, den die Hierarchie der katholischen Kirche und hochrangige Katholiken von sich geben, die es eigentlich besser wissen müssten. Sind sie – wie ich befürchte – wirklich von der Katastrophe des Klimawandels überzeugt? Vielleicht versuchen sie, „relevant“ und „nahbar“ zu sein, indem sie aktuelle Themen aufgreifen, in dem vergeblichen Versuch, die Kirchenbänke zu füllen. Wenn dem so ist, warum sollte das funktionieren? Wenn die Menschen wissenschaftlich fundiertes Kauderwelsch über soziale Gerechtigkeit hören wollen, gibt es immer noch die anglikanische Kirche, die BBC oder den Guardian.

Die katholische Kirche ermutigt Christen zu Recht, gute Verwalter der Schöpfung zu sein, aber hat diese Verantwortung begonnen, die Erlösung in den Schatten zu stellen? Die Reduzierung der CO₂-Emissionen scheint eine größere Priorität zu haben als die Verringerung der Sünde. Die einzigartige Mission der Kirche besteht darin, das Evangelium zu verkünden, die Sakramente zu spenden und die Seelen auf die Ewigkeit vorzubereiten. Wenn sie sich dafür entscheidet, nur eine weitere Stimme im Chor des Klimaaktivismus‘ zu werden, sollte sie sich nicht wundern, wenn die Menschen zu dem Schluss kommen, dass sie mehr daran interessiert ist, den Planeten zu retten, als die Seelen der Menschen, die ihn bewohnen.

Professor Roger Watson ist ein pensionierter Wissenschaftler, Herausgeber und Autor. Er schreibt regelmäßig für verschiedene konservative Zeitschriften, darunter die „Salisbury Review“, den „European Conservative“ und den „New Conservative“. Er ist viel im Fernen Osten und im Nahen Osten gereist und hat dort gearbeitet. Sein Substack-Blog finden Sie hier.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/09/20/the-vaticans-green-gospel/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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