Anthony Watts

[Alle Hervorhebungen im Original. A. d. Übers.]

National Public Radio (NPR) hat einen Bericht der Associated Press (AP) des Klimareporters Seth Borenstein mit dem Titel [übersetzt] „Europas Hitzewelle fordert 50.000 Todesopfer. Zwei Drittel der Todesfälle werden dem Klimawandel zugeschrieben“ abgedruckt, in dem behauptet wird, dass die Sommerhitze im Jahr 2026 50.391 Europäer das Leben gekostet habe und dass der vom Menschen verursachte Klimawandel für 32.619 dieser Todesfälle verantwortlich sei. Dies ist falsch. Von NPR als beobachtete Todesfälle dargestellte Modellzahlen sind in Wirklichkeit keine. Die Daten zeigen, dass keine der beiden Zahlen eine Zählung tatsächlicher Personen darstellt, bei denen medizinisch festgestellt wurde, dass sie an der Hitze oder am Klimawandel gestorben sind; beide sind statistische Konstrukte, erzeugt von Computermodellen.

Grundlage für die falsche Schlagzeile:

Forscher haben die hitzebedingten Todesfälle für verschiedene Altersgruppen in 854 europäischen Städten während wiederholter Hitzewellen im Juni, Juli und August modelliert und festgestellt, dass 50.391 Menschen an den höheren Temperaturen starben; davon starben 32.619 aufgrund der zusätzlichen Hitze, die durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verursacht wurde, wie aus einer Studie in einer kommenden Ausgabe von „Nature Health“ hervorgeht.

Die 50.391 „Hitzetoten“ sind im wörtlichen Sinne fiktiv, da weder AP noch NPR eine Liste von 50.391 Menschen vorlegen können, deren Tod nachweislich durch Hitze verursacht worden ist. Die Forscher haben sie nicht gezählt, sondern modelliert. NPR gibt dies schließlich auch zu: „Das wissenschaftliche Team musste zudem statistische Modelle verwenden, um die Basiszahl von 50.000 Hitzetoten zu ermitteln.“ Dieser Satz widerlegt den Eindruck, den die Schlagzeile von NPR erweckt hat.

Es gibt keine nachgewiesene Zahl von mehr als 50.000 Hitzetoten. Stattdessen gibt es Sterblichkeitsdaten, Temperaturaufzeichnungen, statistische Zusammenhänge zwischen Temperatur und Sterblichkeit sowie ein mathematisches Modell, das abschätzt, wie viele Todesfälle möglicherweise mit Temperaturen oberhalb eines berechneten Optimums in Verbindung stehen. Die daraus resultierende Zahl ist lediglich eine Schätzung. AP und NPR berichten unverantwortlicherweise darüber, als gäbe es eine tatsächliche Zahl von Todesopfern.

Anschließend nehmen die Forscher diese imaginäre statistische Population von 50.391 Hitzetoten und führen eine weitere Modellierung durch, um zu ermitteln, wie viele davon angeblich durch den Klimawandel verursacht wurden. Auch hier gibt der Bericht zu, wie dies gemacht wurde: „Sie führten Computersimulationen einer Welt ohne Klimawandel durch und verglichen diese mit den Todesfällen, die in diesem Sommer auftraten. Die Differenz entspricht dem, was durch die globale Erwärmung verursacht wurde.“ Nur ist die Formulierung von NPR selbst hier irreführend. Die Forscher verglichen ihr imaginäres Klima nicht mit 50.391 individuell identifizierten Hitzetoten, die „in diesem Sommer auftraten“. Die Basiszahl der Hitzetoten wurde selbst statistisch ermittelt.

Wir haben also ein Modell, das schätzt, wie viele Menschen an den Folgen der Hitze gestorben sind, gefolgt von einem weiteren Modell, das schätzt, welche Temperaturen in einer hypothetischen Welt ohne vom Menschen verursachten Klimawandel geherrscht hätten, gefolgt von einer Berechnung, die schätzt, wie viele der im ersten Modell geschätzten Todesfälle in der imaginären Welt des zweiten Modells nicht eingetreten wären.

Das Ergebnis ist die wunderbar genaue Zahl von 32.619 klimabedingten Todesfällen. Nicht etwa 30.000 oder irgendwo um die 33.000, sondern genau 32.619. Diese Präzision ist fast schon komisch, wenn man bedenkt, dass die Menschen, für die diese Zahl steht, gar nicht erst einzeln als Todesopfer des Klimawandels identifiziert worden sind. Es gibt keine 32.619 Sterbeurkunden, auf denen „Klimawandel“ steht. Es gibt nicht einmal 50.391 Sterbeurkunden, auf denen „Hitze“ steht.

Das bedeutet nicht, dass während der Hitzewellen in Europa niemand gestorben ist. Natürlich sind Menschen gestorben, und einige Todesfälle könnten durchaus durch die Hitze verursacht oder beschleunigt worden sein. Ältere Menschen sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und anderen Erkrankungen können besonders anfällig für extreme Temperaturen sein. Mehr als die Hälfte der von NPR modellierten Todesfälle betraf Menschen im Alter von 85 Jahren und älter. Das ist jedoch etwas ganz anderes als die Behauptung, wie sie in der Überschrift von NPR zu lesen ist, dass „die Hitzewelle in Europa 50.000 Menschenleben fordert“.

Diese Unterscheidung wird umso wichtiger, als die Berechnung auf Annahmen darüber beruht, wie sich die Sterblichkeit in Abhängigkeit von der Temperatur entwickelt. Die Forscher verwendeten mathematische Temperatur-Sterblichkeits-Zusammenhänge für verschiedene Altersgruppen und Städte, ermittelten eine „optimale“ Temperatur, die mit einer minimalen Sterblichkeit verbunden ist, und berechneten die zusätzlichen Todesfälle, wenn die Temperaturen davon abwichen. Auf den ersten Blick erscheint das sinnvoll, doch diese Zusammenhänge sind keine wissenschaftlichen Gesetze. Menschen passen sich an, um sich zu schützen, beispielsweise indem sie sich einfach eine Klimaanlage anschaffen. Ärzte können Hitzestress besser behandeln, Gebäude werden besser isoliert, Arbeitszeiten ändern sich, und gefährdete ältere Menschen werden von Angehörigen und sozialen Diensten betreut.

Anpassungsmaßnahmen zeigen Wirkung. Eine Studie aus dem Jahr 2024 in „Nature Medicine“ schätzte, dass die hitzebedingte Sterblichkeit in Europa im Jahr 2023 ohne Anpassungsmaßnahmen seit dem Jahr 2000 um 80 Prozent höher gewesen wäre. Bei Menschen über 80 Jahren wäre die geschätzte Sterblichkeit ohne Anpassungsmaßnahmen mehr als doppelt so hoch gewesen. Es sollte offensichtlich sein, dass es problematisch ist, aus früheren Jahren abgeleitete Zusammenhänge zwischen Temperatur und Sterblichkeit heranzuziehen und so zu behandeln, als ob die Bedingungen unverändert blieben. Die Analyse von „Watts Up With That“ mit dem Titel „Climate Death Toll: Batteries Not Included“ [in deutscher Übersetzung hier] weist direkt auf dieses Problem hin. Die Berechnung geht von historischen Temperatur-Sterblichkeits-Zusammenhängen aus, extrapoliert diese auf Hunderte europäischer Städte, wendet sie auf aktuelle Temperaturen und Bevölkerungszahlen an und vergleicht das Ergebnis anschließend mit einem imaginären kontrafaktischen Klima. In jeder Phase kommen Annahmen hinzu, doch bis die Zahl bei NPR ankommt, sind die meisten dieser Annahmen verschwunden, und das Modellergebnis ist zu einer vermeintlich realen Todeszahl geworden.

Es gibt noch eine weitere eklatante Lücke: die Kälte. Eine bedeutende Studie aus dem Jahr 2021, veröffentlicht in „The Lancet Planetary Health“ untersuchte Temperatur und Sterblichkeit an 750 Standorten in 43 Ländern. Sie schätzte, dass 8,52 Prozent der Todesfälle mit Kälte in Verbindung standen, verglichen mit nur 0,91 Prozent, die auf Hitze zurückzuführen waren. Nach derselben Art von statistischer Argumentation, die NPR im Falle von Hitze bereit ist zu akzeptieren, war Kälte mit etwa neunmal so vielen Todesfällen verbunden. Noch wichtiger ist, dass von 2000–2003 bis 2016–2019 der Rückgang der kältebedingten Sterblichkeit den Anstieg der hitzebedingten Sterblichkeit mehr als ausgeglichen hat. Das Ergebnis war ein Netto-Rückgang der temperaturbedingten Sterblichkeit.

„Climate at a Glance“ befasst sich mit der gleichen Studie und stellt fest, dass der Rückgang der kältebedingten Sterblichkeit im Zusammenhang mit einer moderaten Erwärmung von 2000 bis 2019 zu einem geschätzten Netto-Rückgang von etwa 166.000 vorzeitigen temperaturbedingten Todesfällen geführt hat. Seltsamerweise bringt NPR keine Schlagzeile wie „Die globale Erwärmung rettet Tausende von Menschenleben durch die Verringerung tödlicher Kälte“. Das wird offenbar nicht als berichtenswert angesehen.

Die umfassenderen historischen Daten widerlegen noch eindringlicher die Behauptung, dass die Menschheit dem Klima gegenüber zunehmend hilflos sei. „Climate at a Glance“ berichtet, dass die Zahl der Todesfälle durch wetterbedingte Katastrophen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts um mehr als 99 Prozent zurückgegangen ist. Die durchschnittliche jährliche Zahl der Todesfälle durch extreme Wetterkatastrophen sank von etwa 485.000 in den 1920er Jahren auf weniger als 8.000 um das Jahr 2020. So sieht eine eskalierende Klima-Sterblichkeitskrise nicht aus.

Tatsächlich fordern die Experten von NPR selbst Hitzewarnsysteme, Kühlmaßnahmen und Nachbarschaftsprogramme, um gefährdete Bewohner zu überprüfen. Das sind sinnvolle Maßnahmen, die bei der nächsten Hitzewelle tatsächlich Leben retten können, und sie verdeutlichen etwas, was in der Klimadiskussion regelmäßig verschleiert wird: Menschen passen sich an.

Es ist an sich nichts Unangemessenes daran, dass Epidemiologen statistische Schätzungen erstellen. Solche Modelle können nützliche Instrumente sein, um Risiken zu identifizieren, Ressourcen zuzuweisen und Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu entwickeln. Aber statistische Schätzungen sind nun einmal keine Beobachtungsdaten.

Wenn NPR berichten möchte, dass Forscher schätzungsweise 50.000 zusätzliche Todesfälle verzeichnen, die statistisch mit den Sommertemperaturen in Verbindung stehen, dann soll man das auch so sagen. Wenn Forscher anhand eines kontrafaktischen Klimamodells weiter schätzen, dass die vom Menschen verursachte Erwärmung zu einem Teil dieser statistischen Sterblichkeit beigetragen hat, dann soll man das ebenfalls erwähnen. Aber erzählen Sie den Lesern nicht, dass die Hitzewelle in Europa „50.000 Menschenleben fordert“ und dass der Klimawandel genau 32.619 Menschen getötet hat, wenn niemand diese Todesfälle gezählt hat. Ein Modell kann eine Schätzung berechnen, ein kontrafaktisches Szenario generieren und statistische Wahrscheinlichkeiten zuweisen, aber ein Computermodell kann keine Leiche untersuchen, keine Todesursache feststellen, keine Sterbeurkunde ausstellen oder einen Toten zählen.

Die toten Europäer von NPR sind imaginäre Personen, die von einem Modell generiert wurden, und die 32.619, die angeblich durch den Klimawandel ums Leben gekommen sind, sind imaginäre Personen, die aus jenen imaginären Personen generiert wurden. Sowohl AP als auch NPR verhalten sich so, als würden sie einen berühmten Film-Satz zitieren: „Ich sehe tote Menschen.“

Originally posted at ClimateREALISM

Anthony Watts ist Senior Fellow für Umwelt und Klima am Heartland Institute. Watts ist seit 1978 sowohl vor als auch hinter der Kamera als Fernseh-Meteorologe tätig und präsentiert derzeit täglich Wettervorhersagen im Radio. Er hat Wettergrafik-Präsentationssysteme für das Fernsehen sowie spezielle Wettermessgeräte entwickelt und ist Mitautor von begutachteten Fachartikeln zu Klimathemen. Er betreibt die weltweit meistbesuchte Website zum Thema Klima, die preisgekrönte Website wattsupwiththat.com.

Link: https://climaterealism.com/2026/10/wrong-npr-europes-50000-heat-deaths-are-a-computer-model-estimate-not-a-real-body-count/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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