Wie sicher ist die Stromversorgung in Deutschland? Die Kapazitäten gesicherter Stromproduktion gehen zurück, es wird weiter abgeschaltet, Nachbarländer müssen bei der Netzregelung helfen. Dann kommen noch Leute, die auf ihre Weise den Kohleausstieg vorziehen wollen – wie der Anschlag am brandenburgischen Umspannwerk Turnow-Preilack zeigt.
von Frank Hennig
Am 1. September gab es einen weiteren Angriff auf unsere Stromversorgung. Medien sprechen von einem „mutmaßlichen Anschlag“. Nach dem Auffinden selbstgebastelter Raketen und explosiver Materialien kann man gesichert von einem Anschlag ausgehen, denn weder ein Unfall noch Fahrlässigkeit kommen hier in Betracht. Warum diese Wortakrobatik?
Offenbar selbstgebastelte Raketen in zweistelliger Zahl sollten leitfähiges Material zwischen die Leiterseile am brandenburgischen Umspannwerk Turnow-Preilack (Landkreis Spree-Neisse) schießen, so dass ein Kurz- oder Erdschluss erfolgt. Die Polizei spricht von USBV, unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen. Das war in einem Fall erfolgreich, so dass der Block B im Kraftwerk Jänschwalde über die Generatorschutzauslösung um 7:31 Uhr 500 Megawatt Leistung abwarf. Ein anderer Block mit gleicher Leistung lief ungestört weiter. Den wirtschaftlichen Schaden muss das Unternehmen LEAG tragen, denn der Strom des ausgefallenen Blockes war bereits vermarktet, er musste nun anderweitig über die Strombörse beschafft werden.
Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, weist im Interview darauf hin, dass keine Gefahr für das Netz bestand, weil „genug Erneuerbare“ einspeisten. Richtig ist, dass die Netzsituation entspannt war und genug Reserven verfügbar waren, falsch ist, dass die „Erneuerbaren“ die ausgefallene Leistung ersetzt hätten. Dazu wäre es nötig gewesen, dass sie kurzfristig die Leistung steigern könnten, was nicht möglich ist, da sie auf Grund des Einspeisevorrangs meist alles einspeisen, was die Naturkräfte hergeben.
Das Umspannwerk in Turnow-Preislack führt den Strom des Kraftwerks Jänschwalde, früher eines der größten Kraftwerke Deutschlands, ins Landesnetz ab. Sechs Höchstspannungsleitungen (400 Kilovolt) der einzelnen Kraftwerksblöcke enden dort. Über Sammelschienen erfolgt die Verteilung nach Neuenhagen bei Berlin, Graustein bei Spremberg (Brandenburg) und Streumen in Sachsen. Von dort wird der Strom zumeist weitergeleitet in Richtung Thüringen/Hessen und weiter nach Süddeutschland. Fast durchgehend liefert der Nordosten Deutschlands in den Südwesten, von sonnenreichen Tagen abgesehen.
Wäre das Kraftwerk mit der noch verfügbaren Leistung von 1.500 Megawatt am Netz gewesen und es wäre durch den Anschlag gelungen, alle drei Blöcke vom Netz zu trennen, hätte dies erhebliche Wirkung im Netz gehabt. Europaweit stehen 3.000 Megawatt Primärregelleistung zur Verfügung, die kurzfristig in solchen Störfällen aushelfen können. Es wäre immerhin die Hälfte der gesamten europäischen Reserveleistung, die dann in Anspruch hätte genommen werden müssen und im Fall von zeitnahen Störungen in anderen Regionen wäre eine kritische Situation nicht nur im deutschen, sondern im gesamten europäischen Netz möglich gewesen.
Nach den Anschlägen auf die Stromversorgung von Tesla im März 2024, in Berlin-Johannisthal im September 2025 und in Berlin-Lichterfelde im Januar 2026 zeichnet sich eine gefährliche Lage ab. Spezialisten wie Roderich Kiesewetter (CDU) brachten im Fall Lichterfelde sofort den allschuldigen Putin ins Gespräch, was in einem Bekennerschreiben der Vulkan-Gruppe sofort zurückgewiesen wurde. Man lässt sich nicht eigene Erfolge wegnehmen. Die polizeilichen Ermittlungen führten bisher nicht zum Erfolg.
Vor Ort in Turnow-Preilack wurde kein Pass mit kyrillischen Buchstaben, kein Portemonnaie mit Rubeln und keine leere Wodkaflasche gefunden. Die Vulkangruppe kommt als Täter in Frage, allerdings spricht die eher laienhafte Ausführung mit selbstgebastelten und teils nicht funktionsfähigen Raketen, ähnlich Silvesterraketen, eher für Trittbrettfahrer. Zudem fehlt bisher ein Bekennerschreiben, das die Vulkangruppe früher in verschwurbelten Formulierungen selbstgefällig lieferte. Es gibt leider genug irre, meist junge Menschen, die mit solchen Aktionen ihr verqueres Weltbild umsetzen wollen.
30 Jahre Hass und Hetze gegen Kohle und Kernkraft zeigen Wirkung. „Scientists for Future“, „Teachers for Future“, militante Gruppen wie „Ende Gelände“ und zahlreiche Mitglieder der „Klimaallianz“ inklusive kirchlicher Gruppen indoktrinierten Kinder und Jugendliche ohne jedes Maß und fernab der energiewirtschaftlichen Realitäten. „Fridays for Future“ wurde in den regierungsbegleitenden Medien kritiklos gehypt und Teile der Energiewirtschaft wurden schlicht dämonisiert. Schülerstreiks bejubelte man, obwohl sie Bildung verhinderten. Nun sind die Schulstreiker älter geworden und ihre Demos hatten keinen Erfolg. Im Buch „Klimadämmerung“ formulierte ich es so: „Fähnchen schwenken wird den Kindern und Jugendlichen bald nicht mehr reichen … Aktivitäten sind angesagt …“
Leider wird dieser Anschlag wohl nicht der letzte sein. Potenzielle Angreifer aus Moskau, Peking oder Teheran brauchen keine Raketen schießen, wir demontieren uns selbst. Unter anderem mit Silvesterraketen. Dagegen helfen keine Patriots.
Update: An einem Umspannwerk in Bergheim im nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis ist es in der Nacht zu Mittwoch zu einem Großeinsatz der Polizei gekommen. Die Polizei Essen übernahm die Ermittlungen, nachdem es zu einem Kurzschluss und dem Ausfall mehrerer Stromleitungen gekommen war. Die Polizei geht von einer vorsätzlichen Tat aus und nicht von einem technischen Defekt. Sie prüft mögliche Zusammenhänge zum Sabotageakt am Stromnetz in Brandenburg
Der Beitrag erschien zuerst bei TE hier















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