Alle Hervorhebungen im Original. A. d. Übers.
Es gibt wissenschaftliche Arbeiten, die Grenzen ausloten, und dann gibt es solche, die still und leise die Grenze überschreiten und sich eher in Richtung spekulativer Technikfiktion bewegen, die als politikrelevant getarnt ist. Der kürzlich erschienene Preprint mit dem Titel „A Constructed Closure of the Bering Strait can Prevent an AMOC Tipping“ fällt eindeutig in die letztere Kategorie. Er wurde im März veröffentlicht und hat in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit in den Medien erregt.
Lassen Sie uns klarstellen, was hier vorgeschlagen wird: die physische Schließung der Beringstraße – einer etwa 80 km breiten Meerespassage zwischen Alaska und Russland – mithilfe einer Reihe von Dämmen, um die großräumige Ozeanzirkulation zu manipulieren und die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) zu „stabilisieren“.
Ja, wirklich. Hier ist also meine Punkt-für-Punkt-Widerlegung dieses Wahnsinns.
Das Konzept: Ein auf Annahmen basierendes Modell
Die Autoren stützen sich auf ein Erdsystemmodell mittlerer Komplexität (CLIMBER-X), das mit einer groben Auflösung von 5° × 5° läuft – einem Maßstab, bei dem die Beringstraße selbst nicht einmal explizit abgebildet, sondern stattdessen als „barokliner Marker-Austausch“ zwischen den Becken behandelt wird.
Das allein sollte schon Anlass zum Nachdenken geben.
Mit anderen Worten: Der Prozess, den sie physikalisch abschalten wollen, wird nicht einmal direkt auf realistische Weise simuliert. Der „Durchfluss“ wird parametrisiert, nicht dynamisch aufgelöst. Dennoch wird aus dieser Abstraktion eine Schlussfolgerung über die Umsetzung eines der größten Geoengineering-Projekte der Menschheitsgeschichte gezogen.
Die Autoren räumen zwar Diskrepanzen ein:
„Die Durchflussrate in diesem Modell ist unrealistisch …“
Dann aber machen sie so weiter, als rechtfertige das qualitative Verhalten ein Eingreifen in der realen Welt. Das ist ein Sprung, und zwar kein kleiner.
Der Widerspruch: AMOC-Panik vs. Eingriffe in die Ozean-Zirkulation
Und genau hier wird die Sache besonders aufschlussreich.
Seit Jahren wird uns – oft in apokalyptischem Ton – erzählt, dass die AMOC kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Schlagzeilen warnen vor unmittelbar bevorstehenden Wendepunkten, Eiszeiten in Europa und irreversiblen Klimastörungen.
Doch in eben diesem intellektuellen Umfeld finden sich nun Vorschläge, die globale Ozeanzirkulation gezielt zu beeinflussen, indem ein wichtiges Meerestor blockiert wird. Zitieren wir aus dem Artikel:
„Wir schlagen hier als Maßnahme den Bau eines Staudamms in der Beringstraße (BSD) vor.“
Die gleiche Gemeinschaft, welche die Ozeanzirkulation als ein empfindlich ausbalanciertes System betrachtet – eines, das schon bei geringfügigen Süßwasser-Störungen zusammenbrechen könnte –, hat offenbar kein Problem damit, einen wichtigen Austausch zwischen den Ozeanen physisch zu unterbinden.
Es ist schwierig, diese Positionen miteinander in Einklang zu bringen. Man könnte sagen: Nun, die müssen verrückt sein.
Wenn die AMOC wirklich so fragil ist, warum sollte dann jemand überhaupt daran denken, eine Schlüsselkomponente des globalen Ozeansystems abzuschalten? Und wenn sie robust genug ist, um solche Eingriffe zu tolerieren, dann verdient die ganze These vom Zusammenbruch der AMOC vielleicht eine zweite Betrachtung.
Das Modell sagt … nun ja, hängt davon ab…
Selbst innerhalb ihres eigenen Rahmens sind die Ergebnisse kaum beruhigend. In der Studie wird eingeräumt, dass eine Sperrung der Beringstraße die AMOC je nach den Bedingungen entweder stabilisieren oder destabilisieren kann:
„Bei einer schwächeren AMOC verringert eine Sperrung dieses Budget.“
und:
„Eine zu spät erfolgte Sperrung … beschleunigt den Zusammenbruch der AMOC sogar.“
Die vorgeschlagene Maßnahme also kurz zusammengefasst:
• Könnte helfen
• Könnte nichts bewirken
• Könnte die Lage verschlimmern
• Hängt vom Zeitpunkt, den Ausgangsbedingungen und den Modellannahmen ab
Das ist kein Regler. Es ist ein waghalsiges Glücksspiel. Es gehört nach Las Vegas oder auf den Glücksspielmarkt, nicht in die Wissenschaft.
Die Größenordnung spielt eine Rolle: Engineering in kontinentalem Maßstab
Die Autoren versuchen, das Ausmaß des Projekts zu relativieren, indem sie es mit bestehender Infrastruktur vergleichen:
„Die baulichen Herausforderungen sind mit bereits abgeschlossenen Megaprojekten vergleichbar.“
Dieser Vergleich ist … ähm … großzügig. Wir sprechen hier von:
• Eine 80 km lange Barriere
• Unter arktischen Bedingungen
• Über eine internationale Grenze hinweg
• Mit Auswirkungen auf die globale Ozeanzirkulation
• Mit bislang kaum erforschten ökologischen Folgen
Selbst die Autoren räumen ein:
„Wir gehen davon aus, dass der BSD erhebliche Auswirkungen auf das regionale Ökosystem haben wird.“
Das ist noch untertrieben. Die Beringstraße ist kein Kanal – sie ist ein biologischer und physikalischer Engpass, der das Pazifik- und das Arktissystem verbindet. Eine Blockade würde Folgendes verändern:
• den Wärmetransport
• die Salzgehaltsverteilung
• den Nährstofffluss
• die Wanderrouten der Meeresfauna
Und diese Auswirkungen würden nicht auf die „Region“ beschränkt bleiben.
Das fehlende Teilchen: Das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen
Was passiert, wenn man ein globales System gezielt stört? Der Artikel konzentriert sich fast ausschließlich auf das Verhalten der AMOC. Doch das Klimasystem ist keine Maschine mit nur einer einzigen Variablen.
Betrachten wir nur einige wenige plausible Folgen:
1. Änderung der Arktischen Amplifikation
Die Blockierung des relativ frischen Zustroms aus dem Pazifik könnte die Schichtung in der Arktis verändern und sich möglicherweise auf unvorhersehbare Weise auf die Bildung des arktischen Meereises auswirken. Für das Geschäft mit den Klimakatastrophen-Prophezeiungen dürfte das allerdings von Vorteil sein.
2. Rückwirkung im Pazifik
Das Wasser, das nicht mehr in die Arktis gelangt, verschwindet nicht. Es verbleibt im Pazifiksystem und könnte dort die Zirkulationsmuster verändern. Wird es sich erwärmen oder abkühlen? Wer weiß das schon?
3. Rückkopplungs-Kettenreaktion
Die Ozeanzirkulation ist ein komplexes, gekoppeltes System. Verändert man einen Faktor, riskiert man:
• eine Verschiebung der Sturmrouten
• eine Veränderung der Niederschlagsmuster
• eine Veränderung des ENSO-Verhaltens
4. Ökologische Verheerungen
Die Beringstraße ist ein wichtiger Migrationskorridor für Meereslebewesen. Eine Sperrung hätte unmittelbare biologische Folgen, die im Modellierungsrahmen nicht im Geringsten berücksichtigt werden.
Abschließende Gedanken
Dieser Artikel reiht sich in einen wachsenden Trend ein: Je alarmierender die Klimaprognosen werden, desto extremer werden die vorgeschlagenen Maßnahmen. Kohlenstoffabscheidung. Sonnenstrahlungs-Management. Nun auch noch Meeresdämme. Jeder Schritt entfernt sich weiter von der Beobachtung und nähert sich einer Manipulation im Systemmaßstab, die auf Modellen basiert, die – wie selbst eingeräumt wird – erhebliche Unsicherheiten beinhalten. Das hat eine gewisse Ironie.
Uns wird gesagt, dass:
• Das Klimasystem ist äußerst empfindlich
• Geringfügige Störungen können Kipppunkte auslösen
• Die Unsicherheit erfordert dringendes Handeln
Und doch werden uns im gleichen Atemzug Vorschläge unterbreitet, die Ozeanzirkulation im planetarischen Maßstab mithilfe von Modellen mit grober Auflösung neu zu gestalten, die nicht einmal das zu verändernde Phänomen abbilden können. Das ist keine Vorsicht. Das ist übermäßiges Selbstvertrauen ohne jegliche Evidenz – oder vielleicht der schlimmste Fall des Dunning-Kruger-Syndroms aller Zeiten.
Bevor irgendjemand damit anfängt, Pläne für einen Damm an der Beringstraße zu entwerfen, sollte man sich vielleicht erst einmal eine einfachere Frage stellen:
Wenn wir noch nicht einmal genau verstehen, wie das System derzeit funktioniert, was genau wollen wir dann verbessern, indem wir es zu einem anderen Verhalten zwingen?
Bevor man sich versieht, wird irgendein Verrückter behaupten, wir müssten die Sonne abblocken. Oh, warten wir mal ab!
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
Anmerkung des Übersetzers: Mir fehlt irgendwie die Vorstellung, dass ein solcher Vorschlag – von wem auch immer – wirklich ernst gemeint ist. Die Arbeit ist auch nicht verlinkt. Wie sehen das die Kommentatoren?















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Da stimme ich zu, ohne Computer gäbe es diesen Klimaunsinn nicht.
Jede Technologie hat nun mal zwei Seiten.
Den Geldhan für Klimaforschung zudrehen, der Zauber ist dann schnell vorbei.
Es gibt eine Menge von Leuten, die sich als Klima-Wissenschaftler darstellen und Ihren Tag mit dem Bilden von Modellen verbringen, nicht nur einen Tag, sondern jeden Tag.
Ihre Modelle füttern Sie dann in ihre Großrechner ein, die alles mit höchster Genauigkeit und Präzision berechnen.
Dabei vergessen sie aber das Wesentliche:
Ihre Modelle benutzen Parameter, die einzig vorgestellte, aber ungeprüfte Annahmen sind. Das führt dazu, dass sie je nach Ergebnis die angenommenen Parameter anpassen und so lange damit herumspielen, bis die Rechner ein Ergebnis liefern, das ihrem beschränkten Vorstellungsbereich entspricht.
Dem Normalbürger wird das dann als ein von unfehlbaren Computern errechnetes Ergebnis verkauft, auf dessen Basis deren Freiheit eingeschränkt wird und beliebig Steuern erhoben werden. Als Abfall kommt dabei die finanzielle Versorgung für das eigene Leben heraus, siehe PIK.
EIKE_2026-05-05_die-bering-strasse-aufstauen-wenn-klima-panik-auf-geoengineering-phantasterei-trifft
Die Bering Strasse aufstauen ist genauso eine Art von Größenwahn,
als würde man ernsthaft den natürlichen Klimawandel
in die eine oder andere Richtung verändern wollen.
Denn dann müsste man die Riesen-Planeten
in ihrer Umlaufbahn um die Sonne stören
und damit das Baryzentrum.
Siehe auch dazu mein Kommentar in
https://eike-klima-energie.eu/2026/05/03/kaeltereport-nr-18-2026/
ECC_1943AD_NH.jpg
Kann man so sagen. Oder das Wasser den Berg rauffließen lassen. Da braucht man jede Menge Pumpen.
Da Russland und die USA zumindest in dieser Frage zu den vernünftigen Staaten zählen, die das Klimawandelgeschwindel beendet haben, kann die olle Kamelle auch in die Rundablage unterm Schreibtisch. Da liegen übrigens schon der Gibraltar-Damm, die Umleitung sibirischer Ströme nach Süden, die Wasserstoffproduktion in Namibia und die Reduzierung der Sonneneinstrahlung. Weltverbesserungsspinnereien ohne Grenzen.
Aber alles dient doch der Klimarettung auf diesem Planeten.
Wir sollten aber auch das Klima der anderen Planeten nicht vergessen 😉