Achgut Autor Manfred Haferburg hat als „gelernter Ossi“ einen reichen Erfahrungsschatz und schreibt an Friedrich Merz: „Du brauchst nur genau das zu machen, was Du am Tag vor der Wahl versprochen hast.“

Von Manfred Haferburg

Lieber Friederich,

ich schreibe Dir, weil ich fühle, dass Du trotz Deiner hohen Position als Kanzler der Bundesrepublik Deutschmark sehr darunter leidest, dass manche Leute Dich nicht lieben und verehren. Dazu möchte ich Dir gern einen guten Rat geben.

Ich bin der Ältere von uns beiden, deshalb nehme ich mir heraus, Dir das Du anzubieten. Du darfst mich gern Manni nennen, wenn ich Dich Friederich nennen darf.

Ich glaube, Dir von Nutzen sein zu können, weil ich ein paar Jahre Altersvorsprung habe und einen Regierungswechsel durch Volkswillen schon einmal erlebt habe. Du aber noch nicht. Es ist so eine Art Erfahrungsweitergabe.

Ich bin ein gelernter Ossi. Wenn ich so um mich schaue, erkenne ich vieles wieder und komme mir vor wie in der DDR im Jahre 1988. Es ist genau dasselbe wie kurz vor der sogenannten „Wende“, nur eben ganz anders.Wir hatten den Honni, der ernsthaft glaubte, von seinem Staatsvolk geliebt zu werden, weil sie ihm auf Befehl am 1. Mai zujubeln mussten. Jetzt haben sie Dich und das rhythmische CDU-Dauerklatschen.

Wir hatten die Stasi, schlimm genug. Jetzt gibt es die Online-Meldeportale, wo sich jeder Hobby-IM betätigen kann, um Freunde und Nachbarn anzuschwärzen. Ein völlig verkommener Verfassungsschutz und eifernde Staatsanwälte erledigen den Rest.

Wir hatten eine gleichgeschaltete Propagandapresse mit Karl-Eduard von Schnitzler. Jetzt gibt es die „Haltungs-Medien“ mit Gestalten wie Böhmermann und Kebekus.

Wir hatten die Berliner Mauer, an der Ausreisewillige wie Hasen abgeschossen wurden. Jetzt gibt es die Brandmauer, hinter die jeder verbannt wird, der nicht linke Beglückungsideen teilt.

Wir hatten den „demokratischen Block“, eine Einheitspartei ohne politische Alternative. Jetzt gibt es die „Parteien der demokratischen Mitte“, die sich alternativlos am linken Rand drängeln und jeden, der keine Lust auf den neuen Sozialismus hat, als Nazi denunzieren.

Wir hatten die Diktatur des Proletariats. Das galt als Demokratie und wurde sogar im Staatsnamen geführt. Es war trotzdem keine. Jetzt gibt es etwas, das sich „unsere Demokratie“ nennt. Wer nicht zu „uns“ gehört, bestimmt Ihr.

Ich könnte die Liste endlos verlängern.

Aber eines ist genau gleich geblieben: Die Leute haben die Nase gestrichen voll von der Politik.

Ich möchte Dir so gern glauben, dass Du immer nur das Beste willst, Friederich. Deine guten Vorsätze brechen ja regelmäßig aus Dir heraus, wenn Dich die Ergriffenheit über Deine eigene Rede hinfort trägt. Du sagst dann viel Wahres.

Bei einer Deiner zahlreichen emotionalen Reden hast Du gesagt: „Die Abschaltung der Kernkraftwerke war ein schwerer strategischen Fehler“. Richtig, drei Professoren haben ausgerechnet, dass der Atomausstieg die Deutschen 330 Milliarden Euro gekostet hat. Und ein Tsunami in der norddeutschen Tiefebene ist nicht zu erwarten. Wenn Du das aber als schweren strategischen Fehler bezeichnest, dann kannst Du doch nicht glaubwürdig nachschieben „Der Atomausstieg ist irreversibel“. So etwas geht einfach nicht.

In einer anderen Rede hast Du den Zuhörern zugerufen: „Die Energiewende in ihrer derzeitigen Form bringt uns um” und viel Beifall dafür bekommen. Aber hinterher zu sagen: „Wir werden die Klimaziele der Ampel grundsätzlich weiterverfolgen“, passt dann eben nicht mehr.

Du verstehst einfach nicht, warum die Bürger Dich, ihren Kanzler, nicht lieben. Du verbreitest doch so viel Optimismus: „Ich bin zuversichtlich, dass Deutschland schon in relativ kurzer Zeit wieder ganz anders aussehen kann. Dass Unternehmen wieder gern in Deutschland investieren, weil die Rahmenbedingungen besser geworden sind, dass Energie bezahlbar und verlässlich ist, dass mehr Menschen arbeiten können und wollen“. Zu solchen Sonntagsreden von Erich Honecker gab es einen Witz. Kommt ein Mann an den Fahrkartenschalter und sagt: „Bitte eine Fahrkarte nach Kürze“. „Kürze kenne ich nicht – wo ist denn das?“ fragt der Bahnangestellte. Sagt der Mann: „Unser Generalsekretär hat doch gesagt: „In Kürze ist es besser“.

Dein Plan war eigentlich anders. Du wolltest es der Rautenhexe zeigen. Sie hat Dich eiskalt abserviert. Dann hat sie das Land in die Grütze gefahren.

Jetzt bist Du der Kanzler. Du wolltest der Kanzler sein, der die Trümmer aufräumt. Du wolltest als Kanzler der Rettung Deutschlands in die Geschichtsbücher eingehen.

Wie es aussieht, wird daraus nichts. Zurzeit sieht es eher danach aus, dass die Rentnerin sich ins Fäustchen lacht. Einige Leute gehen schon ungeniert auf die Straße und brüllen: „Merz muss weg“. Was wird, wenn das immer mehr werden? Eine Wende 2.0?

Da will ich Dir jetzt mal einen guten Rat geben: Du musst die Merzwende selbst einleiten, Friederich, Du musst das Camp in Deiner Partei wechseln. Wenn Du das nicht machst, bist Du demnächst weg vom Fenster. Und Du wirst in die Geschichte als Versagerkanzler eingehen.

Denn die Merkelianer in der CDU bekommst Du nicht gedreht. Die kommen, genau wie ihre Rädelsführerin, aus der tiefsten linksgrünen Ecke und lechzen nach grüner Liebe und dem Sozialismus, diesmal aber besser. Die CDU ist längst keine Volks-Partei mehr, sie ist eine tief gespaltene Machtmaschine, mit jämmerlichen Figuren wie Klatsch-Amthor, Zensur-Günther oder Kopier-Voigt. Mit denen kannst Du keinen Blumentopf gewinnen. Viele Noch-CDU-Wähler stehen mit der Faust in der Tasche da. Wenn es denen zu viel wird, klettern sie über die Brandmauer und sind weg. Aber viele warten auf Dich. Sie haben Dir mal zutiefst vertraut!

Du musst genau zwei Probleme lösen. Das „wie“ überlasse ich Dir und Deinen hochbezahlten Beratern.

Erstens: Energie muss um die Hälfte billiger werden.

Zweitens: Der Massenzustrom in die Sozialsysteme muss gestoppt werden.

Dann lösen sich viele der anderen „Herausforderungen“ ganz von selbst. Du kannst beispielsweise der armen Frau Reiche den Rücken stärken, damit sie die verheerende Energiewende beenden kann. Du kannst den Dobrindt von der Kette lassen, damit er wenigstens die Türen des Landes zumachen kann. Und Du kannst den Linnemann zum Fraktionsvorsitzenden machen, um den unsäglichen Spahn loszuwerden.

Wenn Du, Friederich, das Land und Deine Partei retten willst, dann verbünde Dich mit den Vernünftigen, die es in der CDU noch gibt. Und, bei aller Liebe – Du musst die Brandmauer einreißen. Tear down this wall, Friederich! Lass die Grünen ruhig heulen und zähneklappern und die Medien Zeter und Mordio schreien. Den Spiegel liest eh kaum noch einer. Und der ARD glaubt schon lange keiner mehr.

Lehre die Linken das Fürchten. Links ist vorbei!

Vielleicht machst Du es diesmal so, dass Du nichts ankündigst und einfach still und leise loslegst. Zum Beispiel, völlig überraschend an einem sonnigen Morgen die Bullshit-Ministerin zu entlassen. Das wird für große Heiterkeit sorgen, und viele Herzen werden Dir zufliegen. Eine Liste der darüber hinaus zu entlassenden anderen Minister helfe ich Dir gern erstellen. Deutschland braucht beispielsweise mal wieder einen ernst zu nehmenden Außenminister.

Eigentlich ist die Merzwende ganz einfach – Du brauchst nur genau das zu machen, was Du am Tag vor der Wahl versprochen hast.

Der Beitrag erschien zuerst bei ACHGUT hier

 

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