Kelvin Kemm

Der Großteil der westlichen Welt ist davon besessen, die Kohlendioxidemissionen zu senken. Diese Haltung äußert sich in der Regel in dem Bestreben, CO₂-produzierende Industriezweige wie fossil befeuerte Kraftwerke, Stahlwerke und dergleichen einzuschränken. Daher erscheint es auf den ersten Blick nicht gerade als gute Idee, die CO₂-Emissionen durch den Bau von Kohlekraftwerken in Afrika senken zu wollen. Doch dadurch würden die CO₂-Emissionen zweifellos erheblich reduziert.

Derzeit gibt es in Afrika 600 Millionen Menschen, die keinen Zugang zu Strom haben. Aber diese Menschen kochen trotzdem Mahlzeiten für ihre Familie und müssen sich im Winter warmhalten. Wie bewältigen sie diese ganz alltäglichen Aufgaben? Sie machen Feuer. Was verwenden sie als Brennstoff? Sie sammeln Brennstoff aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Dieser Brennstoff besteht aus Materialien wie Holz und Dung. Den Dung sammeln sie von ihrem Vieh, oder vielleicht bekommen sie auch welchen von Wildtieren aus der Nachbarschaft. Das Holz beziehen sie aus der Natur. Sie gehen in den umliegenden Busch und sammeln abgestorbene Bäume und Äste. Sie fällen auch Bäume. Das ist harte Arbeit, das weiß ich aus eigener Erfahrung, habe ich doch schon mehrfach Buschholz gesammelt. Auf Campingausflügen und Tagesausflügen im Busch sammeln wir Südafrikaner ziemlich häufig trockenes, totes Naturholz, um ein Feuer zu machen und Mittag- oder Abendessen zu kochen. Es ist ein beliebter Zeitvertreib, ein BBQ zu veranstalten – oder wie wir es nennen: ein „Braai“.

Für Stammesvölker, die tief in ländlichen Gebieten leben und keinen Stromanschluss haben, ist ein Mittag- oder Abendessen vom Grill kein Vergnügen, sondern eine Frage des Überlebens. Das Sammeln von Holz gilt als Frauenarbeit, und es ist nicht ungewöhnlich, afrikanische Frauen zu sehen, die mit großen Holzstapeln auf dem Kopf lange Strecken zurücklegen. Es ist erstaunlich, welche Lasten sie auf ihren Köpfen balancieren können.

Das Verbrennen von Holz und Dung erzeugt Rauch sowie Gase, die aus den Verunreinigungen im Holz und Dung entweichen, und dazu noch jede Menge CO₂. Stellen Sie sich also vor, wie jeden Tag Millionen von Feuern brennen. Stellen Sie sich auch vor, wie schnell man die CO₂-Emissionen senken könnte, wenn all diese Menschen an das Stromnetz angeschlossen wären. Das wäre großartig. Das muss zu gegebener Zeit geschehen. Der Strom könnte in Kohlekraftwerken erzeugt werden, in denen Kohle sauber und mit hoher moderner Effizienz verbrannt wird. Solche Kraftwerke sind als HELE-Technologie bekannt. HELE steht für „High Efficiency Low Emissions“ (hoher Wirkungsgrad, geringe Emissionen).

So unlogisch es auch klingen mag: Der Bau von HELE-Kohlekraftwerken wäre gut für die Umwelt und die menschliche Gesundheit, wenn sie in großer Zahl in Afrika errichtet würden.

Aber die fanatischen Kohlegegner würden von so etwas niemals etwas hören wollen. Es geht ihnen nicht darum, das Richtige für die Umwelt zu tun, sondern darum, dass ihr Wille die Oberhand gewinnt. Sie betreiben ein politisches Spiel.

Vor einiger Zeit traf ich einen Schweizer Extrem-Grünen, der sich als Teil einer Gruppe von Grünen in Südafrika aufhielt, die hierher gereist war, um „den Afrikanern beizubringen, wie man verantwortungsbewusster Bürger dieses Planeten ist“. Bei einem Gespräch mit ihm während einer Kaffeepause sagte er, die Schweiz solle ihren Stromverbrauch um 20 % senken, weil es sich die Schweizer leisten könnten, einen weniger verschwenderischen Lebensstil zu führen. Er vertrat zudem die Ansicht, dass Afrika auf einen Anstieg des Stromverbrauchs von 10 % beschränkt werden sollte. Mit 10 % meinte er insgesamt, nicht pro Jahr. Dann holte er Bilder hervor und schwärmte davon, wie Afrikaner der Welt ein Vorbild sein sollten, wie man „im Einklang mit der Natur“ lebe. Die Bilder zeigten eine afrikanische Frau, die mit einem Eimer Wasser auf dem Kopf vom Fluss herüberkam. Ein anderes zeigte einen afrikanischen Subsistenzbauern, der mit einem Holzpflug pflügte, der von einem Ochsen gezogen wurde. Der Schweizer Öko erklärte mir begeistert, wie sie im Einklang mit der Natur lebten und nur einen kleinen ökologischen Fußabdruck hinterließen … als wäre mir dieses Konzept neu. Ich entgegnete, dass ich es lieber sähe, wenn der Bauer sich einen Traktor und einen Stahlpflug zulegen würde. Der „Grüne“ bekam fast einen Anfall und wies darauf hin, dass ein Traktor nicht nur CO₂ produziere, sondern auch dazu führen würde, dass Öl und Kraftstoff in den Boden sickern … was schlecht für Ameisen, Würmer usw. sei. Außerdem, so erklärte er ernsthaft, würde der Traktor dazu führen, dass Tankwagen Kraftstoff liefern müssten, was zu mehr CO₂-Emissionen usw. führen würde. Ich bekam auch einen Vortrag darüber zu hören, wie schlimm es wäre, Wasser ins Dorf zu pumpen … dafür wären Pumpen und Schmiermittel erforderlich.

Ich staunte über die Denkweise dieses Schweizers, der offenbar wirklich glaubte, er könne mich davon überzeugen, dass es der Menschheit und dem Planeten helfen würde, wenn man die Lieferung von Strom und Brennstoffen in afrikanische Länder blockieren würde.

Natürlich rechne ich nicht einen Moment lang damit, dass der groß angelegte Bau von HELE-Kohlekraftwerken in afrikanischen Ländern tatsächlich stattfinden wird, selbst wenn die Länder über Kohle verfügen würden, was sie aber nicht tun. Was jedoch durchaus möglich ist, ist die groß angelegte Elektrifizierung afrikanischer Länder durch den Einsatz von Kernenergie, insbesondere von kleinen modularen Reaktoren (SMR). Aus Sicht des Umweltschutzes haben SMRs nicht nur einen sehr geringen Flächenbedarf, sondern verbrauchen auch so wenig Brennstoff, dass keine großflächigen Transportwege für den Brennstoff entstehen. Ein SMR kann drei- oder viermal im Jahr mit Brennstoff beliefert werden, und zwar mit einem speziell für den Transport des Brennstoffs umgerüsteten Lkw. Es besteht kein Bedarf an einem Förderband oder einer Eisenbahnstrecke für den Brennstoff, wie sie für die kontinuierliche Lieferung fossiler Brennstoffe erforderlich sind.

Wenn man sich weltweit für Umweltlösungen einsetzt, muss man sich wirklich gründlich mit den tatsächlichen Lebensumständen der verschiedenen betroffenen Menschen auseinandersetzen.
Hier in Afrika kommt es überhaupt nicht gut an, wenn Menschen aus europäischen Ländern hierherkommen und uns selbstgerecht predigen, wie wir den „Planeten retten“ sollen – und zwar auf ihre Art, nur weil sie es so sagen.

Link: https://www.cfact.org/2026/10/07/build-power-stations-to-improve-the-environment/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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