Tilak Doshi

Satire ist überflüssig geworden. „The Nation“, eine alte, 1865 gegründete Zeitschrift, heute stolzes Aushängeschild der Linken, hat gerade Deutschland und Kalifornien zur „Umwelt-Supermacht“ gekürt. Der Autor, Mark Hertsgaard, ist Umweltkorrespondent des Magazins und zugleich Geschäftsführer von „Covering Climate Now“, einer von Stiftungen finanzierten Medienkampagne, die „The Nation“ selbst mitbegründet hat. Seine beiden Vorzeigebeispiele sind ein Interview, das Gavin Newsom „Covering Climate Now“ gegeben hat, und eine auf Umfragen basierende Kampagne, das „89 %-Projekt“, das – wie könnte es anders sein – von „Covering Climate Now“ betrieben und, wie in dem von dem Artikel zitierten AP-Beitrag erwähnt, von einem Haferdrink-Hersteller unterstützt wird. Ein perfekt geschlossener Kreislauf – was man von den von ihm gepriesenen Energiesystemen nicht behaupten kann.

Lässt man die Selbstbeweihräucherung einmal beiseite, sieht die Sache so aus: Die dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Welt sind zu Vorreitern im Klimaschutz geworden. Berlin hat sich erstmals dazu verpflichtet, die Nutzung fossiler Brennstoffe bis 2045 einzustellen. Es ist jedoch unklar, ob dies auf „Netto-Null“-Basis geschieht oder ob damit tatsächlich ein vollständiger Verzicht auf fossile Brennstoffe gemeint ist. Newsom sagt, Kalifornien habe in diesem Jahr an neun von zehn Tagen zu 100 % mit sauberem Strom betrieben. Was „The Nation“ nie fragt, ist, wem damit gedient ist.

Deutschland und Kalifornien scheinen sich perfekt mit China zu ergänzen. Pekings Weg zur globalen Vorherrschaft in den Bereichen Fertigung und Technologie – einschließlich künstlicher Intelligenz – führt über günstigen, zuverlässigen Strom und die Kontrolle über die Lieferketten. Die beiden selbsternannten Vorreiter im Klimaschutz haben den Strompreis in die Höhe getrieben, ihre eigenen Industrien lahmgelegt und die Lieferketten an Peking übergeben. Lenin soll solche Menschen als „nützliche Idioten“ bezeichnet haben. Patricia Adams brachte den gleichen Standpunkt gegenüber westlichen Umweltschützern in der „Financial Post“ zum Ausdruck und führte ihn in ihrem Artikel „The Road from Paris“ für die Global Warming Policy Foundation ausführlicher aus. Das Muster war bereits deutlich zu erkennen, als Peking als Retter des Klimas dargestellt wurde: Unterzeichnet das grüne Kommuniqué, erntet das Lob und baut weiter Kohlekraftwerke, als gäbe es kein Morgen.

Was die Realpolitik angeht, hat China – im Gegensatz zu seiner öffentlichen Haltung – wenig Verständnis für die Dringlichkeit der Dekarbonisierung. Damit steht es nicht allein da. Die USA unter Trump sowie Indien und Russland – auf die über 40 % der weltweiten Emissionen entfallen – lehnen das Narrativ der Klimakrise ab. Diese Länder sind entschlossen, Wirtschaftswachstum Vorrang vor Klimapanikmache und lähmenden „Netto-Null“-Maßnahmen einzuräumen. Sie teilen Chinas Pragmatismus: Das Streben nach wirtschaftlichem Fortschritt hat Vorrang vor unbewiesenen Prophezeiungen einer Klimakatastrophe. Das oberste Gebot für Russland, China, Indien und ihre Partner in den Entwicklungsländern sind die Sicherung des Regimes und die nationale Sicherheit, die letztlich von der Verbesserung des allgemeinen Wohlergehens ihrer Bürger abhängen.

Eine Supermacht, die seine Energie importiert

Deutschland hat die höchsten Strompreise für Privathaushalte in der EU: 0,38 € pro Kilowattstunde (kWh) im ersten Halbjahr 2025. Ein Vergleich von Verivox für das zweite Quartal 2026 ergab einen deutschen Haushaltstarif von 0,36 €, mehr als das Fünffache der in China gezahlten 0,07 €. In Kalifornien lag der Strompreis für Privathaushalte im April bei 0,35 US-Dollar, während der landesweite Durchschnitt bei 0,18 US-Dollar pro kWh lag. Bei den Industriekunden sieht es ähnlich aus. Ein Stahlwerk in Deutschland zahlt unter Umständen um eine Größenordnung mehr für Strom als eine Schmelzhütte am Persischen Golf. Mehr als 60 % der deutschen Stromrechnung für Privathaushalte entfallen auf Steuern, Abgaben und Netzentgelte – die Kosten für die Integration wetterabhängiger Stromerzeugung und für die Finanzierung von Reservekapazitäten, die im Leerlauf vorgehalten werden müssen.

Deutschland sitzt auf Schiefergasvorkommen, deren technisch förderbare Ressourcen das Bundesamt für Geologie auf 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter schätzt – eine Menge, welche die konventionellen Reserven bei weitem übersteigt. Dennoch hält ein Verbot aus dem Jahr 2016 die Fracking-Unternehmen fern, während Berlin im Jahr 2025 rund 684 Terawattstunden Gas importierte. Diese Importabhängigkeit ist eine politische Entscheidung – und zwar eine schlechte. Deutschlands Antwort auf den Gasschock von 2022, nachdem es die russischen Gasimporte für sich selbst sanktioniert hatte, bestand darin, verstärkt auf Braunkohle zu setzen, während die letzten Kernkraftwerke planmäßig stillgelegt und mit großem Tamtam abgerissen wurden. Die „Dunkelflaute“ – jene kalten, windstillen und dunklen Phasen, die Nordeuropa durchlebt – lässt sich zu keinem Preis, den eine Wirtschaft verkraften könnte, durch Batterien überbrücken. Brüssel, dessen Energiepolitik sich an Berlin orientiert, ist nicht besser. Norwegen, das nicht zur EU gehört, ignoriert Brüssel: Es hat im vergangenen Jahr das Johan-Castberg-Feld in Betrieb genommen, und sein Gas deckt bereits etwa 30 % des EU-Verbrauchs. Die Norweger retten nicht den Planeten; sie verkaufen den Deutschen Wärme.

Kalifornien, einst ein bedeutender Ölstaat, bezieht heute 61 % seines Rohöls aus dem Ausland, vor allem aus Brasilien und dem Irak. Durch die Schließung der Raffinerie von Phillips 66 in Los Angeles und des Werks von Valero in Benicia hat der Staat 17 % seiner Raffineriekapazität eingebüßt, und die Benzinimporte im Jahr 2025 überstiegen die Gesamtmenge jedes einzelnen Jahres seit mindestens 2004. Mittlerweile wird mehr als ein Viertel des Stroms über Stromleitungen aus anderen Bundesstaaten bezogen. All dies ist kein Zufall der Geologie. Der Verband der Ölindustrie des Bundesstaates gibt an, dass die Zahl der neuen Bohrgenehmigungen um 96 % zurückgegangen ist; Sacramento schließt die Bohrlöcher, legt die Raffinerien still und kauft dann die Barrel aus Bagdad.

Als ich Mitte der 1990er Jahre bei einem großen amerikanischen Ölkonzern mit Hauptsitz in Los Angeles arbeitete, fand eine „All-Hands“-Besprechung zum Thema politische Risiken für die Unternehmensvermögenswerte von Venezuela bis Indonesien statt. Ein Senior Vice President ermahnte die Anwesenden, die politischen Risiken der „Volksrepublik Kalifornien“ nicht zu vergessen. Das habe ich nie vergessen. Der Bundesstaat ist aus eigener Entscheidung eine Energieinsel, die kaum an das Rohölnetz des Festlands angebunden ist, und er hat zwei Jahrzehnte damit verbracht, den Zugang zu seinen eigenen Kohlenwasserstoffen zu erschweren.

Newsom, von dem erwartet wird, dass er 2028 für das Präsidentenamt kandidiert, hat allen Grund, die Zahlen schönzureden, und seine „100 %“-Prahlerei verdient eine genaue Prüfung. In einer früheren Version dieser Behauptung definierte sein Büro diese Leistung als sauberen Strom „für zumindest einen Teil des Tages“, was im Jahr 2025 einen Durchschnitt von sieben Stunden täglich bedeutete – das entspricht etwa 52 vollen Tagen oder fast 30 % des Jahres bis zu diesem Zeitpunkt. Neun von zehn Tagen; 30 % der Stunden. Nur ein voll ordiniertes Mitglied der Klima-Priesterklasse könnte solche Statistiken als Triumph präsentieren, und nur eine leichtgläubige Presse könnte sie abdrucken. Das US-Energieministerium hat die Sache ohne Umschweife auf den Punkt gebracht: Etwa 15 % der Primärenergie Kaliforniens stammen aus erneuerbaren Energien und mehr als 75 % aus Öl und Erdgas. Das California Policy Center hat die Behauptungen des Gouverneurs zur sauberen Energie als „offensichtlich falsch“ bezeichnet. Er sagt außerdem, die „Märkte entwickeln sich in seine Richtung“, weil der Iran-Krieg Benzin und Diesel verteuert habe. Ein Bundesstaat, der den Großteil seines Rohöls importiert, ist – gelinde gesagt – ein seltsamer Verfechter dieser Behauptung.

Kein Wunder, dass Professor Fritz Vahrenholt, ehemaliger Hamburger Umweltsenator, diese Woche gegenüber Apollo News erklärte, die deutsche Energiewende sei „kein Übergang, sondern ein Rückzug“. Der Umsatz der deutschen Chemieindustrie ist gegenüber seinem Höchststand von 2022 um etwa 22 % zurückgegangen. Das DIHK-Barometer zur Energiewende zeigt, dass Industrieunternehmen zentrale Investitionen aufschieben und die Produktion ins Ausland verlagern. Berlins Antwort darauf ist eine weitere Subvention – ein Eingeständnis, dass die Kosten der Energiewende mit der verarbeitenden Industrie unvereinbar sind.

Lenins Idioten, Pekings Nutznießer

Nun zum Nutznießer. Die IEA berichtet, dass Chinas Anteil an jeder Phase der Herstellung von Solarmodulen über 80 % liegt und dass Kohle mehr als 60 % des Stroms liefert, der zur Herstellung der weltweiten Solarmodule benötigt wird. Westliche Werte werden in chinesischen Fabriken hergestellt, die mit chinesischer Kohle befeuert werden. Peking hat im Jahr 2025 neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 78 Gigawatt in Betrieb genommen – so viel wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr –, und es gibt Pläne für weitere 161 Gigawatt, was einen Rekord darstellen würde. BloombergNEF stellt fest, dass das chinesische Festland in jedem wichtigen von ihm erfassten Segment der sauberen Technologien über 70 % der weltweiten Kapazität hält, und China hat seit 2018 Batterien, Solaranlagen, Elektrofahrzeuge und Windkraftkomponenten im Wert von rund einer Billion Dollar exportiert. Das Solarmodul auf einem deutschen Dach oder das Baidu-Elektroauto auf den Straßen von Los Angeles sind das saubere Ende einer schmutzigen Kette.

China verarbeitet zudem rund 90 % der weltweit produzierten Seltenerdmagnete, und als das Land im Jahr 2025 die Exporte drosselte, warnte die deutsche Autolobby, dass die Fahrzeugproduktion zum Erliegen kommen könnte. Professor Vahrenholts „Rückzug“ hat ein menschliches Gesicht: Volkswagen plant nun, bis 2030 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen, während der Gewinn auf dem tiefsten Stand seit 2016 liegt und das Unternehmen im Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten zu kämpfen hat. Der Rückzug beschränkt sich zudem nicht auf Wolfsburg. Im vergangenen Dezember gab die Europäische Kommission den Automobilherstellern nach und ließ ihre strenge Frist für Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis 2035 fallen – ein stillschweigendes Eingeständnis, dass eine Branche nicht per Gesetz zu einer Technologie gezwungen werden kann, die China bereits unter Kontrolle hat.

Dann ist da noch der Gewinn. Künstliche Intelligenz ist im Grunde genommen ein Wettstreit um Elektronen. China erzeugt bereits mehr als doppelt so viel Strom wie die Vereinigten Staaten, und BloombergNEF geht davon aus, dass das Land in den nächsten fünf Jahren seine Erzeugungskapazität um mehr als das Sechsfache ausbauen wird. Was glauben Sie, wohin sich die Betreiber von Rechenzentren orientieren werden: an Orte, die günstigen, zuverlässigen Strom als strategischen Vorteil betrachten, oder zu den beiden Klimavorreitern, die denselben als moralisches Versagen ansehen? Vahrenholts Kritik richtet sich genau darauf, dass Deutschland seine Reaktoren abgeschaltet hat, während China und Amerika um die Vorherrschaft im Bereich der KI wetteifern.

Eine Version dieses Beitrags erschien im Daily Sceptic hier

Dr Tilak K. Doshi is the Daily Sceptic‘s Energy Editor. He is an economist, a member of the CO₂ Coalition and a former (cancelled) contributor to Forbes. Follow him on Substack and X.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/10/06/beijings-useful-idiots-germany-california-and-the-green-road-to-chinese-supremacy/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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