Charles Rotter

In der letzten Ausgabe von „Science Advances“ vom vergangenen Freitag erschien ein neuer, die Untergangsstimmung in der Antarktis schürender Artikel – perfekt zeitlich abgestimmt auf den Nachrichtenzyklus am Wochenende. Ein Team unter der Leitung von Forschern der Universität Southampton gab bekannt, die Ursache für den Rückgang des antarktischen Meereises seit 2015 ermittelt zu haben – eine sich selbst verstärkende Kombination aus stärkeren Westwinden, Tiefenwasseraufstieg und einer positiven Rückkopplungsschleife, welche die Autoren in ihrer Pressemitteilung wie folgt bezeichneten:

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aeb0166 „eine dreifache Belastung durch das Klimachaos”

Die Presse hat ihre Arbeit getan. CNN sowie Euronews und die meisten großen Wissenschaftsredaktionen griffen die Meldung unverändert auf. Mitautor Alberto Naveira Garabato warnte, dass sich der Südliche Ozean bei anhaltend geringen Eisflächen von einem Klimastabilisator zu einem wesentlichen Faktor der globalen Erwärmung wandeln könnte. Die Hauptautorin Aditya Narayanan fügte hinzu, dass durch die jüngsten Verluste eine Meereisfläche von fast der Größe Grönlands verschwunden sei.

Es gibt jedoch ein kleines Problem mit dem Timing.

Die aktuellen Daten jedoch…

Zwei Monate zuvor, nämlich Anfang März, gab das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum (NSIDC) bekannt, dass das sommerliche Minimum der Antarktis im Jahr 2026 bei etwa 2,58 Millionen Quadratkilometern lag – das größte sommerliche Minimum seit fünf Jahren und 730.000 Quadratkilometer über dem Rekordtief von 2023. Das Minimum von 2026 war das 16. kleinste in der 47-jährigen Periode mit Satellitenaufzeichnungen. Ted Scambos vom NSIDC führte dies auf günstige Windverhältnisse zurück, die:

im späten antarktischen Sommer „das Meereis im Weddellmeer nach außen drängte“

Mit anderen Worten: Als die Studie zum „Triple Whammy“ in Druck ging, hatte das antarktische Meereis bereits genau das getan, was die Studie nun für unwahrscheinlich hält. Es erholte sich – und zwar drastisch, innerhalb eines einzigen Jahres.

Es ist bemerkenswert, dass Scambos in beiden Berichten vorkommt. Im März lautete seine Einschätzung für das NSIDC, dass der Aufschwung real sei und mit günstigen Windverhältnissen zusammenhänge. Diese Woche, in der Berichterstattung von CNN über die Southampton-Studie, lautet seine Einschätzung, dass eine Erholung unwahrscheinlich sei. Beide Aussagen könnten sich auf unterschiedlichen Zeitebenen als wahr erweisen. Doch ein Leser, der sich ausschließlich aus Pressemitteilungen über die Antarktis informiert, würde nie erfahren, dass es diesen Aufschwung überhaupt gegeben hat. Die Folgeberichterstattung von Earth.com fiel gemäßigter aus und stellte das Jahr 2026 als möglicherweise dar:

„eine Pause in einer turbulenten neuen Ära“

– was zumindest ein ehrliches Eingeständnis ist, dass sich das System in diesem Jahr tatsächlich erholt hat.

Und dann ist da noch die Eisdecke

Es gibt noch einen weiteren unbequemen Datenpunkt. Im Februar berichtete eine separate Studie, die in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“ von Nature veröffentlicht worden war (Kolbe et al., „Atmospheric rivers and winter sea ice drive recent reversal in Antarctic ice mass loss“), dass sich der Massenverlust des antarktischen Eisschildes – der seit 2000 mit nahezu linearer Geschwindigkeit voranschritt – nach 2016 verlangsamte und nun „seit 2020 einen Netto-Massenzuwachs“ zeigte.

Die Ursache laut Kolbe et al.: erhöhte Niederschläge, angetrieben durch verstärkte atmosphärische Flussaktivität und stärkere Westwinde. Die gleichen Westwinde, die die Southampton-Gruppe als Hauptverursacher im Verlauf der Meereis-Ausdehnung identifiziert.

Beide Studien können Recht haben. Die Ausdehnung des Meereises und die Massenbilanz der Eisschilde sind unterschiedliche physikalische Größen, die von unterschiedlichen Prozessen gesteuert werden. Die atmosphärische Zirkulation, die das schwimmende Meereis ausdünnt, kann gleichzeitig auch mehr Schnee auf den Kontinent bringen. Eine ehrliche physikalische Betrachtung liefert manchmal beide Antworten zugleich.

Doch das Ökosystem der Pressemitteilungen behandelt nur eine dieser Antworten als berichtenswert. In den vier Tagen seit seinem Erscheinen gab es eine lückenlose Berichterstattung über die „Triple-Whammy“-Studie. Die Kolbe-Studie, die vor drei Monaten in einer Nature-Zeitschrift veröffentlicht wurde und zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, fand fast keinerlei Beachtung.

Der Leser ist eingeladen, seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen, warum das so ist.

Das nur allzu bekannte Muster

Dies ist der mittlerweile übliche Nachrichtenzyklus in Bezug auf die Antarktis:

1. Ein neues Tiefstwert oder eine Anomalie löst eine Welle von Berichten über „Kipppunkte“ aus.

2. Das System kehrt zu seinem langfristigen Mittelwert zurück.

3. Diese Rückkehr wird, wenn überhaupt, nur in einem einzigen Nachrichtenzyklus behandelt.

4. Die nächste Studie, welche die vorherige Anomalie modelliert, wird veröffentlicht, als hätte die Umkehrung nie stattgefunden.

Ein Leser, der nur die Schlagzeilen ab 2023 verfolgt hätte, hätte nacheinander erfahren: dass das antarktische Meereis in beispiellosem Ausmaß zurückging (was damals zutraf); dass dies ein Zeichen für einen Regimewechsel war; dass eine Erholung unwahrscheinlich sei; dass das fast durchschnittliche Minimum von 2026 nur eine kurze Atempause darstellte; und nun – vor vier Tagen veröffentlicht – dass eine Rückkopplungsschleife den Kontinent praktisch in einen dauerhaften Zustand mit geringem Eisbestand gefangen hält.

Die tatsächlichen Daten hingegen haben das getan, was Daten nun einmal tun. Sie waren verrauscht. Sie waren schwankend. Und sie entwickeln sich derzeit in die entgegengesetzte Richtung der Schlagzeilen.

Was man beobachten muss

Das Wintermaximum 2026 in der Antarktis wird im September erreicht werden. Sollte es – wie bereits das Sommerminimum – nahe am langjährigen Durchschnitt liegen, wird sich die Studie über den „dreifachen Schlag“ in die wachsende Liste der Studien zum Regimewechsel in der Antarktis einreihen, die genau zu dem Zeitpunkt erschienen, als sich das von ihnen vorhergesagte Regime aufzulösen begann.

Bleibt die Ausdehnung gering, wird das Team aus Southampton stichhaltigere Argumente vorweisen können.

So oder so wird die Antwort aus den Satellitenmessungen der Ausdehnung kommen, nicht aus Pressemitteilungen. Leser sollten sich vielleicht die tägliche Ausdehnungskarte des NSIDC als Lesezeichen speichern und sie mit der nächsten Runde der Untergangsstimmung in den Medien abgleichen.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/05/10/antarctic-triple-whammy-paper-lands-just-as-the-ice-rebounds/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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