Das sommerliche Rekord-Minimum der Ausdehnung des arktischen Eises stammt weiterhin aus dem Jahr 2012. In jedem folgenden Jahr lagen die Werte über diesem Minimum.

John O’Sullivan

[Alle Hervorhebungen im Original. A. d. Übers.]

Im großen Theater des Klima-Alarmismus‘ gab es nichts Komischeres – oder nichts, das so regelmäßig daneben lag – als die Untergangs-Prophezeiungen bezüglich der Vorhersagen zum arktischen Meereis. Die „Wissenschaft“ versprach ein gewaltiges langfristiges Abschmelzen – stattdessen kam es zu einem MASSIVEN EISZUWACHS.

Seit fast zwei Jahrzehnten versichern uns eine ganze Reihe von Experten, Politikern und Medien, dass die Polkappe kurz davor stehe, wie bei einem billigen Zaubertrick zu verschwinden. Sommer für Sommer wurde uns gesagt, das Ende stehe bevor: eisfrei bis 2013, oder 2014, oder 2015, oder 2020, oder „innerhalb weniger Jahre“.

Al Gore, der 2012 frischgebackene Nobelpreisträger, verstärkte die Dringlichkeit noch. Der Nordpol, so wurde uns mitgeteilt, stünde „am Abgrund“.

Die Eisbären seien dem Untergang geweiht. Schifffahrtswege würden sich öffnen. Der Arktische Ozean würde zu einer „blauen Wasserstraße“ werden.

Neunzehn Jahre später ist das Eis nicht nur immer noch da. Tatsächlich hat sich laut Satellitendaten, auf die der unabhängige Analyst Tony Heller hingewiesen hat, die Ausdehnung des arktischen Meereises zu vergleichbaren Zeitpunkten Anfang Oktober seit dem Tag, an dem Gore seinen Preis entgegennahm, um mehr als 25 % vergrößert. Hier ein Vergleich der offiziellen täglichen Ausdehnungskarten des NSIDC vom 4. Oktober 2012 und vom 4. Oktober 2026:

Graphik 1: Der optische Unterschied ist offensichtlich. Das Eis ist nicht wie erwartet pünktlich verschwunden.

Die innere Arktis – nördlich von 80° N – hat gerade den kältesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen des Dänischen Meteorologischen Instituts im Jahr 1958 erlebt. Die täglichen Durchschnittstemperaturen stiegen zu keinem Zeitpunkt über den Gefrierpunkt. Vergeblich wird man bei NPR oder der BBC nach einer atemlosen Berichterstattung über diese Tatsache suchen.

Schweigen scheint die bevorzugte Reaktion zu sein, wenn die Realität sich weigert, mit dem Drehbuch zu kooperieren. Die DMI-Grafik selbst (öffentlich zugänglich unter ocean.dmi.dk) zeigt, dass der Verlauf der Sommertemperatur für 2026 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegt und die Gefriergrenze nie überschreitet.

Werfen wir noch einmal einen Blick auf die „Greatest Hits“. Im Jahr 2012 erklärte der NASA-Wissenschaftler Jay Zwally nach einer dramatischen Sommerschmelze, die Arktis könne bis 2012 nahezu eisfrei sein. Die BBC berichtete von eisfreien Sommern bis 2013. Norwegische Polarforscher nannten das Jahr 2008. Forscher der US-Marine und andere verbreiteten Zeitpläne von fünf bis sieben Jahren.

Auf dem Kopenhagener Gipfel 2009 zitierte Gore Studien, die eine Wahrscheinlichkeit von 75 % nahelegten, dass die gesamte nordpolare Eiskappe innerhalb von fünf bis sieben Jahren im Sommer verschwunden sein könnte – womit die Frist etwa auf die Jahre 2014–2016 fiel. Der ehemalige Vizepräsident hatte zuvor auf Studien verwiesen, die von sieben oder 22 Jahren sprachen. Die Botschaft war klar und dringlich: Handeln Sie jetzt, oder das Eis verschwindet.

Nichts davon ist eingetreten. Das sommerliche Minimum der Eisbedeckung stammt weiterhin aus dem Jahr 2012. In jedem folgenden Jahr lagen die Werte über diesem Tiefstwert.

Der Zeitraum von 2012 bis 2026 umfasst die zwanzig niedrigsten September-Minima in den seit 1979 geführten Satellitenaufzeichnungen – ja –, doch der Trend innerhalb dieses Zeitraums verlief im Wesentlichen flach. Wissenschaftler des National Snow and Ice Data Center haben diese Stagnation bestätigt.

Nach dem starken Rückgang um das Jahr 2012 schwankten die September-Ausdehnungen um eine neue, niedrigere Basislinie, ohne dass es zu dem einst prognostizierten unaufhaltsamen weiteren Rückgang kam. Als Gründe wurden natürliche Schwankungen, in einigen Gebieten noch vorhandenes mehrjähriges Eis, Bewölkung und die Ozeanzirkulation angeführt. Die „Todesspirale“ kam zum Stillstand.

Hellers Zusammenstellungen und die von ihm häufig zitierten täglichen Zeitreihen der OSISAF machen die Stabilität seit 2012 deutlich. Die Ausdehnung liegt an vielen Tagen der letzten Jahre deutlich über dem Tiefpunkt von 2012. Das gleiche Muster zeigt sich auch in anderen offiziellen Datensätzen: ein Rückgang, gefolgt von einer unruhigen Stagnation auf niedrigerem Niveau – und nicht der beschleunigte Zusammenbruch, der der Öffentlichkeit verkauft wurde.

Das ist unbequem. Panikmache lebt von einem monotonen Rückgang und einer sich beschleunigenden Katastrophe. Eine Stagnation ist heikel. Ein kalter Sommer am Pol ist noch schlimmer. Also werden die Maßstäbe verschoben.

„Eisfrei“ wird nach unten neu definiert und bedeutet nun weniger als eine Million Quadratkilometer statt null.

Die Zeitrahmen werden auf die 2030er, 2040er oder die Mitte des Jahrhunderts ausgedehnt.

Modelle, die den Test für die nahe Zukunft nicht bestanden haben, werden neu kalibriert und für einen längeren Zeithorizont wieder eingesetzt. Die gleichen Stimmen, die einst mit Gewissheit von 2013 sprachen, äußern sich nun mit vorsichtig formulierten Wahrscheinlichkeitsverteilungen über das Jahr 2050. Von der Öffentlichkeit wird erwartet, dass sie dieses Verhalten nicht bemerkt.

Das Muster ist nicht schwer zu erkennen. Lineare Extrapolationen aus kurzen, steilen Abschnitten der Zeitreihe (Ende der 1990er bis Mitte der 2000er Jahre) führten zu den aggressivsten Prognosen – und zu den spektakulärsten Fehlprognosen.

Als sich die Verlustrate verlangsamte, wurden die Prognosezeiträume einfach verlängert.

Volumen- und Dicke-Kennzahlen werden nun gegenüber der Ausdehnung bevorzugt, weil sich die Ausdehnung im Vergleich zu den Tiefstständen von 2012–2012 erholt hat, während die Eisdecke im Durchschnitt jünger und dünner bleibt als in den 1980er Jahren.

Beide Beobachtungen können gleichzeitig zutreffen. Die langfristigen Satellitendaten zeigen nach wie vor einen erheblichen Rückgang gegenüber dem Referenzwert der 1980er Jahre. Der Zeitraum nach 2012 weist jedoch nicht den vielfach propagierten anhaltenden freien Fall auf. Eine ehrliche Kommunikation würde beide Fakten berücksichtigen. In vielen öffentlichen Mitteilungen wurde jedoch vorzugsweise nur der erste Aspekt hervorgehoben.

Man betrachte die Anreize: Eine Vorhersage eisfreier Sommer innerhalb eines Jahrzehnts sorgt für Schlagzeilen, Fördergelder und politischen Schwung. Eine Vorhersage von „anhaltend geringer, aber stabiler Ausdehnung mit hoher Schwankung von Jahr zu Jahr“ tut dies nicht. Medien, die atemlos über jedes neue Minimum berichteten, haben sich über die Jahre, in denen keine neuen Rekorde aufgestellt worden waren, weitaus zurückhaltender geäußert.

Wenn sich die Innere Arktis weigert, sich wie erwartet zu erwärmen, wird darüber schlichtweg nicht berichtet. Hellers langjähriges Archiv gescheiterter Vorhersagen über eisfreie Sommer, das Jahrzehnte zurückreicht und sich seit 2012 beschleunigt hat, liest sich wie ein Friedhof der Selbstüberschätzung.

Es tauchen immer wieder die gleichen Namen auf. Es wird die gleiche Zuversicht zum Ausdruck gebracht. Es folgt das gleiche Schweigen, wenn der Monat wechselt und das Eis liegen bleibt.

All dies bedeutet nicht, dass man leugnen müsste, dass sich die Arktis erwärmt hat oder dass das Meereis im Vergleich zum späten 20. Jahrhundert zurückgegangen ist. Die Satellitendaten belegen eindeutig den Rückgang über mehrere Jahrzehnte hinweg. Auch die Winterhöchstwerte sind tendenziell gesunken. Das Eis ist jünger. Es gibt Rückkopplungseffekte. Aber die konkreten, mit hoher Sicherheit getroffenen Behauptungen über ein unmittelbar bevorstehendes Verschwinden des Eises waren falsch.

Spektakulär und wiederholt falsch.

Diese Fehlprognosen als irrelevant oder als bloße „Unterschätzungen des Tempos“ abzutun und gleichzeitig weiterhin politische Maßnahmen auf der Grundlage der nächsten Prognosen zu fordern, ist keine Wissenschaft. Es ist Interessenvertretung mit wissenschaftlichem Anstrich.

Der kälteste Sommer in der Hocharktis seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2026, die im Vergleich zum Tiefpunkt von 2012 größere Ausdehnung im Oktober und das fast zwei Jahrzehnte andauernde Plateau bei den Sommerminima sind Fakten. Sie heben den längerfristigen Trend zwar nicht auf, widerlegen jedoch die Darstellung eines unaufhaltsamen, sich beschleunigenden Zusammenbruchs nach dem Zeitplan, welcher der Öffentlichkeit einst verkauft wurde.

Eisbären sind nicht ausgestorben. Die Nordwestpassage ist keine verlässliche Handelsroute. Der Nordpol ist nach wie vor zugefroren.

Die Modelle, welche die Eisentwicklung des nächsten Jahrzehnts nicht zuverlässig vorhersagen können, werden dennoch als maßgeblich für die Politik des nächsten Jahrhunderts herangezogen.

Der vielleicht aufschlussreichste Aspekt ist die Asymmetrie [der Berichterstattung] in den Medien. Ein neues Rekord-Minimum bei der Ausdehnung sorgt für Schlagzeilen und ernste Warnungen. Ein kalter Polarsommer oder eine Erholung der Ausdehnung werden hingegen mit Schweigen quittiert. Die DMI-Grafik ist öffentlich zugänglich. Die NSIDC-Karten sind kostenlos.

Die nebeneinander angeordneten Bilder zur Ausdehnung erfordern keine spezielle Ausbildung, um sie zu interpretieren. Dennoch zeigen die Institutionen, die jahrelang die aggressivsten Prognosen hochgespielt haben, wenig Interesse daran, die Öffentlichkeit mit gleicher Energie auf den neuesten Stand zu bringen, wenn diese Prognosen fehlschlagen. Das Vertrauen schwindet aus gutem Grund.

Das Klima ist komplex. Die natürliche Variabilität ist groß. Beobachtungen schränken Modelle ein. Wenn Beobachtungen wiederholt von den alarmierendsten kurzfristigen Prognosen abweichen, ist die rationale Reaktion Bescheidenheit und Neukalibrierung – nicht die lautere Wiederholung des ursprünglichen Drehbuchs mit einer späteren Frist.

Das arktische Eis ist weder 2013 noch 2014, 2016 oder 2020 verschwunden. Es ist auch 2026 noch da, nach einem Sommer, der so kalt war, dass die Temperaturen in der hohen Arktis nie über den Gefrierpunkt stiegen.

Das ist keine Krise, die durch politische Maßnahmen abgewendet wurde. Es ist eine Vorhersage, die durch die Realität widerlegt wurde.

Die Clowns, welche die ursprüngliche Show verkauft haben, stehen immer noch in der Manege und versprechen weiterhin, dass der nächste Akt endlich das Verschwinden des Eises bringen wird.

Das Publikum hat das Recht zu lachen – und Besseres zu fordern.

Mehr: principia-scientific.com

Eine (längere) Biographie zum Autor findet sich am Ende des Original-Beitrags.

Link: https://climatechangedispatch.com/the-great-arctic-ice-meltdown-that-wasnt/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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