20. Analysewoche 2026 von Rüdiger Stobbe

Die 20. Analysewoche des Jahres 2026 wies, obwohl die PV-Stromerzeugung ordentlich und die Windstromerzeugung wesentlich stärker als in der Vorwoche, kommt es bis auf den Samstagmittag nicht zu negativen Preisen. Und die sind diesmal sehr gering. Dennoch sind die Preisdifferenzen an sechs Tagen hoch. Die Geschäfte laufen gut. Fünf Mal wird der deutsche Strombedarf über die Mittagszeit regenerativ gedeckt. An gesagten fünf Tagen plus Mittwoch wird über die Mittagszeit deutscher Strom aus dem Ausland günstig eingekauft, zum Abend wird der Strom wieder nach Deutschland zurückverkauft. Das funktioniert, weil unsere Nachbarstaaten genügend steuerbare Stromerzeugung haben. Die reduzieren sie über die „Strom-Einkaufszeit“. Oder sie nutzen den gekauften Strom, um Pumpspeicherkraftwerke aufzuladen. Zum Abend erzeugen sie den Stro, der nach Deutschland gehen soll. Oder sie erzeugen per Wasserkraft (z.B. Norwegen), per Kernkraft (z.B. Frankreich) zusätzlich den Strom, der nach Deutschland gehen soll. Auf jeden Fall sind sie in der Lage die Preisdifferenzen zu nutzen und gutes Geld zu verdienen. Am Samstag und Sonntag sind die Geschäftsbedingungen besonders lukrativ. Da schlagen die üblichen „Verdächtigen“ wieder gnadenlos zu und greifen richtig viel Profit ab. Doch was ist mit den Niederlande los? Sie kaufen praktisch die komplette Woche Strom aus Deutschland, egal ob der Preis hoch oder niedrig ist. Offensichtlich benötigen die Niederlande rund um die Uhr Importstrom aus Deutschland, um den Bedarf zu decken.

Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 20. Analysewoche 2026 gibt Agora Energiewende. Agora Energiewende erstellt auch Prognosen, wie die Stromerzeugung aussehen würde, wenn die Erneuerbaren einen bestimmten Ausbaugrad erreicht hätten. Wir nehmen den Ausbaugrad 86 Prozent und müssen feststellen, dass mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren jeden Tag über die Mittagsspitze den Bedarf weit überschreitet und praktisch jeden Tag zu zu negativen Preisen führen wird. Wenn diese Stromübererzeugung dann noch von der Technik „gebändigt“ werden kann und ein Blackout vermieden wird, wäre bereits viel gewonnen. Viel Solarkraft führt bei viel PV-Anlagen-Zubau zu starker Stromübererzeugung mit Preisverfall. Deutschland muss den Strom unbedingt loswerden!

Es wird Zeit über eine sinnvolle Zubau Strategie nachzudenken. Total Energies und BP haben dies im Windkraft-Offshore Bereich getan und blasen ihre geplanten Großinvestitionen in Nord- und Ostsee trotz drohender Milliardenverluste wahrscheinlich ab. Warum? Es rechnet sich nicht. Das Management der Großkonzerne mit ihren Millionenverdiensten war ganz tapfer und wollte keine Förderung. Bis man dann merkte, dass sich auch grundlegende Faktoren einer Investition ändern können. Daran hat man nicht gedacht.

Beachten Sie bitte nach den Tagesanalysen die aktuelle Detailanalyse „Solarstrom – Produktion und Kosten„, welche von Peter Hager erstellt wurden.

Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?

Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Stunde („h“ und „pro Stunde“) weg.

Sonderfall Wind- und Solarkraft

Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.

Tageswerte

Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora-Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.

Steigender Windstrom, nicht viel PV-Strom.  Die Strompreise.

Reichlich Windstrom, PV-Strom ist in Ordnung. Die Strompreise.

Mittwoch, 13.5.2026

Windstrom lässt etwas nach.   Die Strompreise.

Starker Rückgang Windstrom. Starker Zuwachs PV-Strom. Die Strompreise.

Leichter Zuwachs Windstrom. Starke PV-Stromerzeugung.  Die Strompreise.

Heute übersteigen die Erneuerbaren den Bedarf kräftig. Leichte Negativpreise. Die Strompreise.

 PV-Strom sehr stark. Zum Abend nimmt die Windstromerzeugung ab. Die Strompreise.

Marktwert Solarstrom erreicht im April einen neuen Tiefstand

Von Peter Hager

Der starke Zubau installierter PV-Leistung in den letzten drei Jahren (2023: rund 15 GW, 2024: rund 17,5 GW, 2025: rund 17 GW) auf insgesamt 118 GW (Ende 2025) zeigt immer mehr die Schattenseite der kräftigen PV-Stromerzeugung in den sonnenreichen Monaten. Die besonders hohe PV-Produktion in den Mittagsstunden – unabhängig vom aktuellen Strombedarf – führt immer häufiger zu fallenden oder sogar zu negativen Preisen an der Strombörse.

Dabei entspricht der Marktwert Solar dem durchschnittlichen Börsenstrompreis (Spotmarkt), welcher bei der Direktvermarktung durch die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW erzielt wird. Dieser Marktwert Solar wird – ebenso für die weiteren „Erneuerbaren Energien“ – von den ÜNB monatlich und jährlich ermittelt sowie veröffentlicht. 

Der minimale Marktwert Solar sank in den letzten drei Jahren kontinuierlich in Anlehnung und als Folge des ungesteuerten Zubaus:

2023: 5,356 Ct/kWh (Mai)
2024: 3,161 Ct/kWh (Mai)
2025: 1,843 Ct/kWh (Juni)

Im April 2026 lag der Marktwert Solar nur noch bei 1,317 Ct/kWh (zum Vergleich: im April 2025 betrug er noch bei 3,041 Ct/kWh).

Die sonnenreichen Sommermonate Juni bis August stehen noch an. Das wird sicher „lustig“.

Quelle

Für Steuerzahler wird es teuer

Für PV-Anlagen gilt je nach Jahr der Inbetriebnahme eine feste Einspeisevergütung nach EEG für 20 Jahre (für ältere Anlagen höher, für jüngere Anlagen niedriger). Von Februar bis Juli 2026 beträgt die Einspeisevergütung z.B. für neue PV-Anlagen bis 10 kW installierter Leistung 7,78 Cent/kWh (Teileinspeisung) bzw. 12,34 Cent/kWh (Volleinspeisung).

Je niedriger der Marktwert Solar ist, desto geringer fallen die Einnahmen der Stromerzeuger durch die Direktvermarktung der Übertragungsnetzbetreiber aus.

Die Differenz zu festen Einspeisevergütungen wird durch den Bundeshaushalt (d.h. durch die Steuerzahler) ausgeglichen.

Allein im April 2026 stehen den Erlösen der „Erneuerbaren Energien“ von rund 119 Millionen Euro eine Ausgleichszahlung des Bundes von mehr als 1,25 Milliarden Euro gegenüber.

Quelle

Von wegen „Wind und Sonne schicken keine Rechnung“. (Ölquellen schicken auch keine Rechnung!)

Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des  Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.deAgora Energiewende und Energy-Charts die Datengrundlage dieser Kolumne.

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