Der seit Anfang 2021 als Klimaaktivist auftretende SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach teilte auf Twitter/X eine Meldung seines Kollegen Mike Hudema/ der Zeitung Independent, in dem behauptet wurde, einige Länder, darunter afrikanische, hätten die Energiewende bereits geschafft und komplett auf „Erneuerbare“ wie Wind und Sonne umgestellt – die „Sonne schickt uns keine Rechnungen“, wie Franz-Alt-Fans wissen. Stimmt das? Kann das stimmen?

Wie Europäer seit der ersten rotgrünen Regierung Schröder/Fischer in Berlin wissen, steigen die Energie-Kosten für die Bürger seit Einleitung der deutschen Energiewende drastisch – unter Helmut Kohl mit etlichen Kernkraftwerken hingegen waren die Kosten günstig. Daß chronisch finanzschwache afrikanische Staaten den Umbau stemmen können, ist daher zweifelhaft – hier wird wie in Deutschland („Kugel Eis“) offenbar heftig getrickst. Wie funktioniert das in Afrika?

 

https://x.com/Karl_Lauterbach/status/2094723470588289525

Trick Nummer 1:

Statt Anteil an der Gesamt-Energieerzeugung (Primär!) wird gerne der Anteil der Stromerzeugung genannt, was die Leser häufig genug nicht differenzieren. In unterentwickelten Staaten, oder Schwellenländern, wird elektrische Energie nicht so selbstverständlich genutzt wie in New York City oder Berlin – die Bürger verlassen sich auf dem Schwarzen Kontinent, vor allem auf dem Land, mehr auf Primär-Energiequellen wie Holz, Gas oder Kohle. Der Elektrizitäts-Anteil ist dort gering, was die Einheimischen resistent macht gegen die traditionell häufigen Stromausfälle – übrigens auch im industrialisierten Südafrika. Ein Blackout in Daressalam oder Lagos dürfte weit weniger Tote zur Folge haben als in Berlin oder New York. Deswegen stört es die Afrikaner wohl auch nicht so sehr, wenn der Zappelstrom der Windräder und PV-Anlagen immer wieder ausfällt. Elektrizität nur tagsüber – für bodenständige Afrikaner auf dem Land kein großes Problem.

Elon Musks KI Grok listet aufrgund der Daten von Ember (u. a. ausgewertet auf nationsinquiry und in Wikipedia-Zusammenstellungen) auf:

  • Demokratische Republik Kongo: rund 100 % (überwiegend Wasserkraft, u. a. Inga-Anlagen; kleiner Solaranteil)
  • Äthiopien: rund 100 % (ca. 96 % Wasserkraft, Rest vor allem Wind)
  • Lesotho: rund 100 % (Wasserkraft)
  • Zentralafrikanische Republik: rund 100 % (Wasserkraft; sehr kleine Erzeugungsmenge)
  • Uganda: ca. 97 %
  • Eswatini: ca. 97 %
  • Namibia: ca. 97–98 % (Wasserkraft plus nennenswerter Solaranteil)
  • Malawi: ca. 95–96 %
  • Sierra Leone: ca. 95 %
  • Kenia: ca. 90 % (Geothermie oft der größte Einzelposten, dazu Wasserkraft, Wind und etwas Solar)

Trick Nummer 2:

Wie in der Liste oben zu sehen ist, werden traditionelle Wasserkraftwerke mit in die „Erneuerbaren“ eingerechnet – obwohl Wasserkraft seit Kaisers Zeiten neben Kohlemeilern mit zu den ersten Kraftwerktypen zählt. Damit kann ein großer Teil der Liste gestrichen werden, weil er mit klimaschützender „Energiewende“ nichts zu tun hat – DR Kongo, Äthiopien, Lesotho, Zentralafrika. Die finanzschwachen afrikanischen Länder können sich weder Kernkraft noch Tausende Windräder leisten – deswegen setzen sie auf vergleichweise billige im Land vorhandene Ressourcen wie Flüsse, Kenia auf Geothermie.

Trick Nummer 3:

Namibia ist als ehemals britische Kolonie mit dem ebenfalls ehemals britischen Nachbarn Südafrika energietechnisch eng verbunden und erhält von dort Kohlestrom.Die Situation ähnelt der deutschen: Viel „alternative“ Elektrizität – aber die Sicherheit der Versorgung wird durch politisch eigentlich nicht erwünschte ausländische Quellen wie Kohle oder Atom gesichert – eine Mogelpackung! Namibias Solarindustrie profitiert von sinkenden Modulpreisen und oft von Entwicklungsfinanzierung oder privaten Netzwerken, die nicht, wie in Deutschland, in die allgemeine Versorgung einspeisen, sondern nur Farmen oder einzelne Fabriken versorgen.

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