Tom Harris

Seit Jahren nutzt die Linke den angeblichen „Konsens“ in der Klimawissenschaft, um ihre Agenda ungehindert durchzusetzen. Diese Fassade beginnt nun zu bröckeln.

Die steuerfinanzierten National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine („NASEM“) haben kürzlich das Kapitel zur Klimawissenschaft von ihrer Website entfernt, das sie für die vierte Auflage des „Reference Manual on Scientific Evidence“ verfasst hatten, bis eine unabhängige Überprüfung „der bei der Erstellung des Kapitels angewandten Verfahren“ vorliegt. Die Bedeutung dieses Vorgangs kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Dieses Nachschlagewerk dient Bundesrichtern als Entscheidungshilfe bei der Beurteilung der über 1.500 „Climate Lawfare“-Fälle, die derzeit vor Gerichten in den gesamten USA anhängig sind. Einer dieser Fälle, „Suncor gegen Boulder“, wird nächsten Monat vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten mündlich verhandelt.

In diesen Verfahren wird entschieden, ob private Unternehmen – wie beispielsweise die Konzerne der fossilen Brennstoffindustrie, die uns rechtmäßig mit Brennstoffen versorgen – für den Klimawandel sowie für Überschwemmungen, Waldbrände und andere Naturkatastrophen verantwortlich gemacht werden können, von denen linke Aktivisten behaupten, dass sie durch den Klimawandel ausgelöst wurden.

Doch dem „Wall Street Journal“ zufolge stützt sich das Kapitel zum Klimawandel in diesem wichtigen Nachschlagewerk teilweise auf „die Ansichten progressiver Klimajuristen“, die davon profitieren würden, wenn Richter sich auf ihre Seite stellen würden.

Das Journal hat Recht. Nehmen wir zum Beispiel Michael Burger, den Geschäftsführer des Sabin Center for Climate Change Law an der Columbia University. Er hielt einen Vortrag vor dem Attribution Committee der National Academies und gab zu, dass er „aktiv“ an Fällen für Sher Edling beteiligt war, der auf Erfolgshonorar arbeitenden Anwaltskanzlei, die im Namen von mehr als zwei Dutzend Bundesstaaten, Landkreisen und Städten gegen Ölkonzerne klagt. Der NASEM-Attributionsbericht dankt ihm im Impressum, erwähnt jedoch mit keinem Wort die Verbindung zu Sher Edling.

Dr. Delta Merner, Leiterin der Abteilung für Klimaklagen bei der „Union of Concerned Scientists“, war ebenfalls über einen Großteil des Prozesses hinweg Mitglied des Ausschusses, verließ diesen dann jedoch Anfang 2025 stillschweigend. Ihr Name taucht im Abschlussbericht überhaupt nicht auf, obwohl sie jahrelang an dessen Gestaltung mitgewirkt hat. Dies ist ungewöhnlich, da die NASEM in der Regel ehemalige Mitglieder würdigt, die während des Untersuchungszeitraums einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

Dass die NASEM als Reaktion auf die öffentliche Kritik ihr Klimakapitel zur weiteren Überprüfung zurückzieht, ist von großer politischer Bedeutung, insbesondere zum jetzigen Zeitpunkt und unter den gegebenen Umständen, weil die mündliche Verhandlung im Fall Suncor bevorsteht.

Die Politisierung von NASEM

Einst ein relativ unbekanntes, vom Kongress eingesetztes Beratungsgremium, hat sich die NASEM mittlerweile so stark politisiert, dass sie landesweit Aufmerksamkeit erregt hat. Zu ihren Kritikern zählt auch Präsident Trump, der die Organisation dafür scharf kritisierte, „betrügerische, voreingenommene und irreführende Handbücher zum Klimawandel“ veröffentlicht zu haben.

Die NASEM sah sich zudem heftiger Kritik seitens einer Koalition aus 25 republikanischen Generalstaatsanwälten ausgesetzt, die einen offenen Brief an hochrangige Regierungsvertreter und Kongressausschüsse veröffentlichten, in dem sie forderten, der Organisation die Steuergelder zu entziehen. Die Generalstaatsanwälte wiesen insbesondere auf die „zahlreichen Verbindungen zwischen dem Bericht und Personen oder Organisationen hin, die im Fall Suncor Amicus-Schriftsätze eingereicht haben“. Eine dieser Verbindungen ist der Bezos Earth Fund, der den Bericht finanziell unterstützt hat und zudem 100 Millionen Dollar an den Natural Resources Defense Council sowie 15 Millionen Dollar an die Union of Concerned Scientists gespendet hat – beides Organisationen, die im Fall Suncor Amicus-Schriftsätze zur Unterstützung der Kläger eingereicht hatten.

Das Problem mit der Wissenschaft der Zuordnung

Die sogenannte „Attributionswissenschaft“ umfasst im Allgemeinen die Verwendung von Computermodellen, um zu simulieren, wie sich ein Extremereignis unter vorindustriellen Klimabedingungen entwickelt hätte. Anschließend vergleichen Forscher die hypothetische Katastrophe mit der tatsächlichen, um festzustellen, wie sich der vom Menschen verursachte Klimawandel angeblich auf die Wahrscheinlichkeit oder Intensität des Ereignisses ausgewirkt hat.

Das Problem ist, dass Modelle die grundlegende atmosphärische Dynamik nach wie vor nicht zuverlässig simulieren können und viele Studien zur schnellen Attribution regelmäßig gänzlich auf eine Begutachtung durch Fachkollegen verzichten. Daher ist es weder wissenschaftlich noch datengestützt, den durch die Emissionen eines Unternehmens verursachten Schäden einen genauen Dollarbetrag zuzuweisen, gibt es doch keine Möglichkeit, einen solchen Betrag zu quantifizieren. Tatsächlich stützen sich viele der Studien, auf die sich der NASEM-Attributionsbericht von 2026 bezieht, auf Klima-Eckpunkte und Szenarien, welche inzwischen offiziell als unplausibel verworfen worden sind.

Das Hin und Her von NASEM bei der Attributions-Wissenschaft 

Die NASEM war sich der Mängel dieses Verfahrens bewusst, als sie 2016 ihren Bericht zur Attributionswissenschaft veröffentlichte. In jenem Bericht räumte der Ausschuss ein, dass die Frage „Wurde ein bestimmtes beobachtetes Wetterereignis durch den Klimawandel verursacht?“ eine „schlecht formulierte (oder falsch gestellte) Frage ist, auf die es selten eine wissenschaftlich zufriedenstellende Antwort gibt“.

Diese Kehrtwende – von einem vorsichtigen, wissenschaftlichen Bericht aus dem Jahr 2016 hin zu einem selbstbewussten, für Rechtsstreitigkeiten relevanten Grundsatzdokument aus dem Jahr 2026 – erfolgte ohne eine klare wissenschaftliche Erklärung für den Wandel in der Gewissheit. Ein solch abrupter Wandel birgt die Gefahr, das ohnehin schon brüchige Vertrauen der Öffentlichkeit in wissenschaftliche Institutionen weiter zu untergraben, und die NASEM hat zu Recht eine Überprüfung angeordnet, wenn auch nur aufgrund erheblichen politischen Drucks.

Gewährleistung eines fairen Begutachtungsverfahrens

Eine Überprüfung ist jedoch nur so gut wie ihre Durchführung, und bislang hat die NASEM so gut wie nichts darüber gesagt, wie diese konkret ablaufen soll. Wenn die Ergebnisse überhaupt Aussagekraft haben sollen, muss die Überprüfung einige grundlegende Voraussetzungen erfüllen.

Erstens muss sie von Experten außerhalb der NASEM durchgeführt werden. Die internen Richtlinien der NASEM besagen, dass Gutachter keinen Bezug zu dem zu begutachtenden Arbeitsergebnis haben dürfen; eine Überprüfung des eigenen Verfahrens der NASEM durch NASEM-Insider scheitert also bereits im Vorfeld an dieser Vorgabe.

Zweitens muss die NASEM öffentlich und im Voraus genau darlegen, was sie von den Gutachtern erwartet. Wie sieht der Umfang aus, wie sieht der Zeitplan aus und welche konkreten Fragen sollen beantwortet werden? Ohne diese Informationen hat die Öffentlichkeit keine Möglichkeit zu beurteilen, ob der Abschlussbericht tatsächlich irgendwelche Fragen beantwortet hat.

Drittens müssen die Gutachter selbst öffentlich namentlich genannt werden, und keiner von ihnen darf Verbindungen zu Klimaprozessen haben – auf keiner der beiden Seiten. Das sollte eine leicht zu erfüllende Hürde sein. Wenn NASEM diese Hürde nicht nehmen kann, sagt das schon alles.

Viertens muss sich die Überprüfung tatsächlich mit den konkreten Vorwürfen auseinandersetzen, die Roger Pielke Jr. und andere Rechtswissenschaftler hinsichtlich der Frage erhoben haben, wer das Kapitel tatsächlich verfasst hat und auf welche Weise. Die NASEM hat diese Vorwürfe monatelang beiseitegeschoben. Würde sie ihnen erneut ausweichen, würde dies Bände darüber sprechen, wie ernst die NASEM diese Angelegenheit nimmt.

Fünftens sollte sich die NASEM bereits vor Beginn der Überprüfung zu konkreten Konsequenzen für ihre Ergebnisse verpflichten, sei es eine Rücknahme, eine Überarbeitung oder die Wiedereinsetzung des Kapitels. Sobald die Überprüfung abgeschlossen ist, sollte die NASEM ihre Reaktion auf jeden einzelnen Befund öffentlich bekanntgeben, zusammen mit einem konkreten Zeitplan für die Behebung der festgestellten Mängel. Das entspricht dem Maß an Offenlegung, das der Kongress bereits von anderen NASEM-Ausschüssen verlangt, auf deren Rat sich Bundesbehörden stützen – warum sollte das hier also nicht ebenso gelten?

Man könnte dies als Aktivismus, „Lawfare“, schmutzige Politik oder sogar als Kreuzzug zur angeblichen Rettung des Planeten bezeichnen. Das Einzige, was man damit nicht bezeichnen kann, ist ehrliche, unvoreingenommene Wissenschaft. Und wenn die NASEM ihrem eigenen Namen nicht gerecht werden und sich nicht zu ernsthaften Reformen verpflichten kann, dann verdient sie weder das Vertrauen der Öffentlichkeit noch öffentliche Mittel. Beenden wir diese Spielchen und lassen wir echte Wissenschaft ein für alle Mal die Oberhand über die Politik gewinnen.

This article originally appeared at RealClear Energy

Link: https://www.cfact.org/2026/09/11/the-national-academies-climate-review-must-be-truly-independent/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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