Anthony Watts

Medien wie „The Independent und „Reuters“ berichten bereits im Vorfeld, dass ein mit Spannung erwartetes starkes El-Niño-Phänomen Rekordtemperaturen und Unwetter verursachen wird. Reuters behauptet, die Auswirkungen des El Niño würden besonders gravierend sein, da er zusätzlich zum vom Menschen verursachten Klimawandel auftrete und durch diesen noch verschärft werde.* Diese Darstellung ist höchst irreführend. Sie vermischt einen natürlich wiederkehrenden Ozeanzyklus mit dem langfristigen Klimawandel, übertreibt Spekulationen auf der Grundlage von Klimamodellen und behandelt – entgegen wissenschaftlichen Erkenntnissen – kurzfristige Schwankungen als Beweis für eine sich beschleunigende langfristige Klimakrise.

*Auch die Medien hierzulande stoßen weit verbreitet in dieses Horn. A. d. Übers.

Als Reaktion auf einen aktuellen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie schreibt Reuters in einem Artikel mit dem Titel [übersetzt] „Ein starkes El-Niño-Phänomen könnte unmittelbar bevorstehen. Der Klimawandel wird dessen Auswirkungen noch verschlimmern“, dass das sich entwickelnde El-Niño-Phänomen in Verbindung mit der vom Menschen verursachten Erwärmung zu einer Verschärfung extremer Wetterereignisse führen und das Jahr 2027 möglicherweise zum heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen machen wird.

El Niño ist kein neues Phänomen. Er wird nicht durch einen Anstieg des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre verursacht. Es handelt sich um eine natürlich auftretende Ozean-Atmosphäre-Oszillation, die sich alle zwei bis sieben Jahre entwickelt, wenn die Passatwinde im Pazifik nachlassen und dadurch wärmere Oberflächengewässer nach Osten wandern können. Das Phänomen ist seit Jahrhunderten dokumentiert. Es führt zu einem vorübergehenden Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen und verändert weltweit die Niederschlagsmuster. Das ist es, was El Niño bewirkt.

Die Weltorganisation für Meteorologie projiziert eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für die Entstehung eines El-Niño-Ereignisses und warnt vor einem möglicherweise starken Ereignis, das durch pazifische Meerestemperaturen von mindestens 1,5 °C über dem Durchschnitt definiert ist. Auf der gleichen Seite wird jedoch auch auf Unsicherheiten hingewiesen, da einige Modelle ein starkes Ereignis vorhersagen, andere hingegen nicht. Das ist keine Vorhersagesicherheit. Es handelt sich um probabilistische Modellierung, denn Klimamodelle sind keine Daten.

Reuters räumt ein, dass El Niño naturgemäß in diesem Zyklus auftritt, doch der Artikel zieht schnell den ungerechtfertigten Schluss, dass der Klimawandel dessen Auswirkungen „verstärken“ werde.

Der Artikel stützt sich stark auf Projektionen, wonach 2027 aufgrund des kombinierten Effekts von El Niño und steigenden Treibhausgas-Emissionen das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte. Doch kurzfristige Temperaturspitzen in El-Niño-Jahren sind seit Beginn der instrumentellen Aufzeichnungen immer wieder aufgetreten. Der starke El Niño von 1997–98 führte zu einem vorübergehenden Anstieg der globalen Temperaturen. Gleiches galt für 2015–16. Diese Spitzen waren größtenteils auf eine Umverteilung der Wärme im Ozean zurückzuführen, nicht auf einen abrupten neuen Einflussfaktor.

Die Zeitung „The Independent“ hat diese Darstellung bereits aufgegriffen und vor einer drohenden, durch El Niño verursachten „Sommerhitzewelle“ gewarnt – eine Behauptung, die auch von Reuters aufgegriffen worden ist. Der rote Faden dabei ist eine fehlerhafte Ursachenzuordnung.

Die als Grundlage für diese Berichterstattung dienende WMO-Mitteilung projiziert Wahrscheinlichkeiten auf der Basis von Modellensembles. Doch wie „Climate at a Glance“ in seiner Erörterung der Modellleistung dokumentiert, liefern Klimamodelle seit jeher höhere Werte als Temperaturmessungen von Satelliten und Wetterballonen, wobei letztere tatsächlich beobachtete Daten erfassen. Die Behandlung von Ensemble-Ergebnissen als kurzfristige Gewissheiten ignoriert den Unterschied zwischen Modelldaten und realen Daten. In der Wissenschaft sollte man sich an den Daten orientieren und nicht daran, was laut einem Modell oder einer Theorie passieren sollte.

Ebenso zeigt die Auswertung von Hitzewellen in den USA durch „Climate at a Glance“, dass extreme Hitze in den Vereinigten Staaten in den 1930er Jahren häufiger auftrat als in den letzten Jahrzehnten. Das sind Daten der National Oceanic and Atmospheric Administration, keine Spekulationen von Computermodellen. Die Hitzewellen während des „Dust Bowl“ traten vor den heutigen CO₂-Konzentrationen auf. Hitzeextreme sind nichts Neues; sie sind Teil der normalen klimatischen Schwankungen.

Reuters zitiert Wissenschaftler, die behaupten, der Klimawandel „verstärke die Auswirkungen von El Niño“ und führe zu intensiveren Hitzewellen, Dürren und Starkregenereignissen. Diese Behauptung ist als Hypothese wissenschaftlich nicht plausibel. Es gibt keinen empirischen Nachweis dafür, dass ein langfristiger Klimawandel mit einer Verschärfung von El-Niño-Ereignissen oder einer Verschärfung von Hitzewellen, Dürren oder Starkregenereignissen in Zusammenhang steht, die zu Überschwemmungen führen. Die Zuordnung einer bestimmten Katastrophe zu einem globalen Signal erfolgt mithilfe kontrafaktischer Modellierung, wie es in diesem fehlerhaften Bericht geschehen ist: Die Überschwemmungen in Rio Grande do Sul im Jahr 2024 werden als durch den Klimawandel und El Niño verstärkt angeführt. Wetter ist nicht gleich Klima, wie bereits wiederholt bei „Climate Realism“ erörtert worden ist. Attributionsstudien sind Beispiele für Zirkelschlüsse, die sowohl logisch als auch wissenschaftlich fehlerhaft sind.

Wetterereignisse entstehen aufgrund von atmosphärischen Blockierungen, Jetstream-Konfigurationen, Rückkopplungen mit der Bodenfeuchte und ozeanischen Schwankungen. Diese Prozesse laufen unabhängig von menschlichen Emissionen ab. El Niño verändert die globale Ozean- und Atmosphärenzirkulation auf nachweisbare Weise und wird durch gekoppelte Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik angetrieben. Er bedurfte zur Entstehung von Wetterextremen weder eine Verstärkung durch Treibhausgase noch war er davon abhängig.

Der Reuters-Artikel räumt sogar ein, dass „jedes El-Niño-Phänomen anders ist“ und dass seine regionalen Auswirkungen schwer vorherzusagen sind. Allein diese Variabilität sollte alarmistische Prognosen dämpfen. Stattdessen wird uns gesagt, dass dieses El-Niño-Phänomen einen „Einblick in die Zukunft“ bieten könnte. Das ist Rhetorik, aber keine nüchterne wissenschaftliche Einschätzung auf der Grundlage realer Daten.

Die globale Temperatur unterliegt auf interannueller Ebene starken Schwankungen. Vulkanausbrüche können zu einer Abkühlung des Planeten führen. Auch Schwankungen der Sonnenaktivität spielen eine Rolle. ENSO-Zyklen sorgen für eine Umverteilung der Wärme innerhalb des Ozean-Atmosphäre-Systems. Ein vorübergehender Anstieg der globalen Temperatur während eines El-Niño-Ereignisses ist kein Beweis für einen sich beschleunigenden Klimawandel. Er verdeutlicht vielmehr die interne Variabilität, die sich einem allmählichen Hintergrundtrend überlagert. Die nachstehende Grafik veranschaulicht dies:

Abbildung: UAH-Satellitenmessung der globalen durchschnittlichen Temperaturanomalie, wobei El-Niño-Phasen rot und La-Niña-Phasen blau dargestellt sind. Aus Kapitel 7 von „Introduction to Modern Climate Change“

In den Medien gibt es zudem eine implizite Täuschung, wenn Rekordwärme in El-Niño-Jahren hervorgehoben wird. Wenn natürliche Schwankungen die Temperaturen in die Höhe treiben, wird dies als Beweis für eine Verschärfung des Klimawandels dargestellt. Wenn La Niña die globalen Durchschnittswerte vorübergehend drückt, wird diese Schwankung selten als Argument dafür herangezogen, dass sich die Erwärmung verlangsamt hat. Diese Asymmetrie offenbart die Sinnlosigkeit der zugrunde liegende Erzählung.

Der bevorstehende El Niño könnte die globalen Temperaturen tatsächlich für ein oder zwei Jahre steigen lassen. Das würde mit jedem bisherigen starken El Niño übereinstimmen. Es würde kein neues physikalisches Regime darstellen. Es wäre kein Beweis dafür, dass der Klimawandel jede Auswirkung über historische Maßstäbe hinaus verstärkt.

El Niño ist ein natürliches Phänomen, Hitzewellen sind natürlich, und die daraus resultierenden Überschwemmungen und Dürren sind unter ihrem Einfluss schon immer aufgetreten. Der Pazifik oszilliert. Die globale Temperatur fluktuiert nach oben, und die Schlagzeilen in den Medien schießen vorhersehbar im Gleichklang in die Höhe. Die Vermischung natürlicher Schwankungen mit modellbasierten Projektionen sowie die Darstellung dieser Kombination als sich beschleunigende Katastrophe ist eine bedauerlich irreführende „Berichterstattung“. Die Leser von Reuters, The Independent und anderen Medien verdienen Besseres, die El-Niño-Ereignisse mit dem Klimawandel in Verbindung bringen; sie verdienen zumindest einen Anschein von Wahrheit, der auf physikalischen Erkenntnissen basiert anstatt auf den Ergebnissen von Klimamodellen.

Link: https://climaterealism.com/2026/06/no-media-the-coming-el-nino-isnt-creating-a-looming-climate-catastrophe/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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