Was in der Öffentlichkeit so gut wie keine Beachtung fand, wurde in der Finanzbranche als sehr bedeutend wahrgenommen: Dass nämlich beim Pariser Klimagipfel 2015 in der Formulierung des Rahmenabkommens in Artikel 2 der Investmentbranche eine spezielle Aufgabe zugewiesen wurde. Darin heißt es: Um die Klimaziele überhaupt erreichen zu können, müssen ( Absatz C ) ….. „die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaveränderungen widerstandsfähigen Entwicklung.

In einer Diskussionsrunde vom 7. und 8. Juni 2019 im Frankfurter House of Finance sprach Dr. Christian Thimann in seiner einleitenden Ansprache sogar euphorisch vom „Wunder von Paris“. Er betonte die bemerkenswerte Tatsache, dass alle Außenmnister das unterschrieben hätten, obwohl sie gewöhnlich wenig oder nichts von Finanzen verstehen. Ferner teilte er mit, dass die EU-Kommission danach zwei Jahre hart an dem Plan gearbeitet habe und zuletzt noch 12 Millionen junge Menschen diese neue Idee auf die Straße getragen hätten,…….. All dies habe dazu geführt, dass „Nachhaltigkeit“ nun auch in der Finanzbranche angekommen sei (Die Einleitung wurde entfernt, stattdessen gibt es ein sehr kurze schriftliche Zusammenfassung). Dr. Christian Thimann, von 2008 bis 2013 Berater des Präsidenten der Europäischen Zentralbank und Vize-Präsident der von Mike Bloomberg gleich nach dem Pariser Abkommen noch im Dezember 2015 gegründeten TCFD ( Task Force on Climate-related Financial Disclosures ), wurde Vorsitzender der Ende 2016 ins Leben gerufenen HLEG ( Hochrangige Expertengruppe für nachhaltiges Finanzwesen, High Level Expert Group).

In einem „Insiderbericht“, der als Kommentar im März 2019 beim Grantham Institute unter der Rubrik „Sustainable Finance Leadership Series“ veröffentlicht wurde, beschreibt selbiger Dr. Christian Thimann sehr detailliert, welche Lawine von Ereignissen diese Pariser Formulierung losgetreten hat. Die vielversprechende Überschrift dieses Kommentars lautet: „Wie die EU gelernt hat, nachhaltiges Finanzieren zu lieben: die Insidergeschichte der HLEG“.

Diese Gruppe von etwa zwanzig Experten, dazu noch weiteren Beobachtern sowie „engagierten“ EU-Komissaren sah in ihrem Auftrag keine geringere Aufgabe als die „Notwendigkeit einer tiefgreifenden Umgestaltung des Finanzsytems zur Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung“ und mit dem erklärten Ziel, diese Umgestaltung Schritt für Schritt gesetzlich zu fixieren. Der im Juni 2019 im Rahmen des EU-Aktionsplans veröffentlichte Bericht der technischen Expertengruppe mit dem Titel „Taxonomie, Technical Report“ erklärt auf mehr als 400 Seiten, worauf sich die europäische Wirtschaft demnächst einstellen muss. Durchgängig für alle Wirtschaftsbereiche, wie Landwirtschaft, Forst-und Wasserwirtschaft, industrielle Produktion, Energie, Transport, Kommunikation und Bauwirtschaft wird darin untersucht, nach welchen Kriterien man zukünftig beurteilen wird, was als klimaschonend gelten kann und was nicht oder, gemäß dem neuen Pariser Passus : Was mit den „Finanzmittelflüssen in Einklang gebracht werden“ kann und was nicht.

Was hier entsteht, ist ein neues Klassifikationssystem für Nachhaltigkeit, genannt „EU-Taxonomie“, das mit Marktwirtschaft und mit Industriepolitik nichts aber dafür mit grüner Ideologie umso mehr zu tun hat (hier).

Offensichtlich muß man in der Bundesrepublik nüchtern zur Kenntnis zu nehmen, dass nach dem zwangsweise vereinbarten Ausstieg aus der Kernenergie und desgleichen für den Bereich Kohle nun gesetzliche Vorschriften von der Finanzbranche (mittels EU-Gesetzgebung) für die Finanzbranche auf der Tagesordnung stehen, alles Schritte in die gleiche falsche Richtung.

Zum großen Bedauern des grünen Abgeordneten Giegold und auch anderen in der EU ist bis heute, August 2019, die Anwendung der Taxonomie noch auf den Bereich „Nachhaltige Finanzprodukte“ beschränkt, aber auch dies soll sich ändern.

 

Warum die Hektik?

Die Hektik, mit der diese Schritte gerade in der jüngsten Zeit in der EU betrieben werden und die parallel dazu von nahezu allen Medien verbreitete apokalyptische Hysterie deuten auf Folgendes hin: Eine ganze historische Periode kommt an ihr Ende mit dem verzweifelten Versuch, auf den letzten Metern noch durchzusetzen, was über so viele Jahrzehnte nur teilweise gelang. Der Irrglaube von den Grenzen des Wachstums , der die Politik des Westens nun seit 50 Jahren immer wieder bestimmte, beruhte auf zwei Behauptungen, die beide extrem ideologischer und nie wissenschaftlicher Natur waren:

Behauptung 1: Das industrielle Wachstum der reichen Nationen verschleiße die Ressourcen der Welt und zerstöre die Umwelt und könne so nicht weitergehen.

Behauptung 2: Wohlergehen und Prosperität der Bevölkerung in den Industrienationen könne auch ohne das traditionelle Wachstum der Industrie gesichert werden, indem man stattdessen auf spektakuläre Finanmarktgewinne, Beschäftigung im Dienstleistungssektor und die Realisierung einer „Informations-Revolution“ setze.

Die New Economy platzte nach kurzem Höhenflug bereits 2001, gefolgt vom Finanzkrach 2008 und trotzdem hielten besonders die großen Banken, Investmenthäuser, Versicherungen und Pensionsfonds fest an dem Konzept, dass Finanzmarktgewinne auch zukünftig das Bombengeschäft sind. Das Konzept der Dekarbonisierung, die Idee vom entmaterialisierten Wachstum, vom ökologischen Fußabdruck und der ganzen Green Economy stammen wesentlich aus den Denkfabriken der Finanzbranche, die damit nicht nur große Gewinne machte, sondern mit unzähligen NGOs auch sehr einflußreiche Propagandamaschinen schuf, die selbst weite Bereiche der börsennotierten Firmen an der Leine führen. Von einer der erfolgreichsten NGOs, dem Carbon Disclosure Project, sagt selbst Wikipedia, dass die mit diesem Projekt verbundenen 655 Anleger ein Vermögen von mehr als 78 Billionen Dollar verwalten und damit im Besitz eines Großteils der umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen der Welt sind.

Nun, nachdem nicht nur die Deutsche Bank in Schieflage geraten und ein hoffnungsloser Fall geworden ist, hängt die zukünftige Existenz mehr und mehr an neuen Wegen.

 

Neue Wege“ sind gefragt

 

Auch in dieser Hinsicht ist die geplante EU-Taxonomie- Gesetzgebung ein Einschnitt selbst für die Investmentbranche. Man müsse nämlich, so Dr. Thimann, selbige (per Reglementierung) davon überzeugen, den gewohnten Hochrisiko-Bereich zu verlassen und wieder mehr Low-Risiko, dafür aber langfristig zu denken. In dem bereits zitierten „Insiderbericht“ verrät er überraschend und ziemlich ausführlich, warum die bisher gängige Spekulation ganz schlecht ist. Allerdings sind die Konsequenzen, die er als Lösung vorschlägt, noch schlimmer für die Wirtschaft als die Spekulation – nämlich tödlich. Hören wir aber zunächst, was er zum Thema Spekulation zu sagen hat:

 

Da er die schwärzesten Tage der Finanzkrise und das ganze Elend der Hedgefund Manager erlebt habe, sei ihm klar geworden, dass man einen ganz neuen Weg brauche und deshalb habe er die Aufgabe der High Level Expert Group mit Freude angenommen. Im Zuge dieser Arbeit sei er zu der Erkenntnis gekommen, dass spekulative Finanzmarktgewinne den inhärenten Fehler aufweisen, keinen nennenswerten wirtschaftlichen Wert zu schaffen und dass es deshalb notwendig sei, den Bereich Finanz-Investition von dem Bereich der Finanz-Spekulation zu trennen. Während im Bereich Investition an der Realisierung langfristiger Renditen gearbeitet werde, suche die Spekulation nur den kurzfristigen Profit.

Zitat: „Die Sphäre der Finanzspekulation versucht, kurzfristige Gewinne aus dem Handel mit solchen langfristigen Vermögenswerten zu ziehen. Diese >Kurzzeit< kann von Mikrosekunden bis zu Tagen oder Wochen reichen. Ziel ist es, Gewinne nicht aus den längerfristigen, zugrunde liegenden wirtschaftlichen Erträgen dieser Vermögenswerte zu ziehen, sondern aus ihren kurzfristigen Preisbewegungen an den Finanzmärkten. Der Großteil des Finanzhandels basiert auf dieser Aktivität, die praktisch keinen wirtschaftlichen Wert schafft, die Finanzzyklen verschlechtert und eine unechte Marktliquidität liefert. Die in dieser Aktivität verbrauchten Ressourcen würden in der Realwirtschaft viel nützlicher eingesetzt. Ich persönlich bin der Ansicht, dass wir erst dann zu einem nachhaltigen Finanzsystem gelangen werden, wenn Politik und Regulierung den Umfang solcher Finanzspekulationen drastisch verringern. Nur wenn das gemacht wird,– und nur dann, wird der Bereich der Finanzinvestitionen und nachhaltigen Finanzierungen florieren.“ (Zitatende)

 

So weit, so gut, aber dann kommt der Pferdefuß.

 

Das gesamte EU-Taxonomie Unternehmen zusammen mit der von Blumberg geleiteten Task Force on Climate-related Financial Disclosures, (TCFD) https://www.fsb-tcfd.org/ verfolgt die Absicht, die Transformation der Energiesysteme jetzt ohne weitere Verzögerung auf den Weg zu bringen und die Mobilisierung der notwendigen Investitionen in Billionenhöhe durch neue Reglementierungungen sowohl aus privaten als auch öffentlichen Geldern zu erreichen.

Aus prinzipiellen physikalischen und wirtschaftswissenschaftlichen Gründen ist das aber keine, wie er oben fordert, wertschöpfende Investition in die Realwirtschaft. Es ist gerade das Gegenteil mit voraussehbar katastrophalen Folgen und zwar eine Rieseninvestition in einen erzwungenen Rückschritt. Es ist der aussichtslose Versuch, eine Industrienation in einen Modus operandi mit Energiedichten des Mittelalters zu befördern und wird deswegen irgendwo auf dem Weg dahin an die Wand fahren, wenn nicht vorher die Reißleine gezogen wird.

 

Energiedichte als Entwicklungsprinzip

 

Die technologische Entwicklung gesunder Wirtschaften geht prinzipiell in Richtung höherer Energiedichten, weil die Versorgung einer wachsenden Bevölkerung von der Beherrschung höherer Formen der Energie und deren Einführung in den Produktionsprozeß abhängt.

 

Es kann gut sein, dass Dr . Thimann als Experte der Versicherungsbranche von Energiedichte genauso wenig versteht, wie die von ihm oben zitierten Außenminister von Finanzwirtschaft. Andererseits müßten ihm die Warnungen auf der Webseite der Agora Verkehrswende bekannt sein, wo erklärt wird, dass die Senkung des Energieverbrauchs oberstes Ziel sei. Niemand hätte noch vor 50 Jahren einen solchen Unsinn veröffentlichen können, und Ludwig Erhard wird sich im Grabe umdrehen. Um jetzt nicht missverstanden zu werden: Es geht hier nicht um Energiesparsamkeit, einem absolut vernünftigen kaufmännischen Prinzip. Es geht vielmehr um eine neue Wirtschaft, die von der EU, gesetzmäßig erzwungen, mit dem ehemaligen spanischen Hinrichtungsinstrument Garrotte langsam erdrosselt wird. Erdrosselt zu stetig geringerem Energieverbrauch landet sie final im Mittelalter. Es wird dazu nicht kommen, denn es gibt auch noch eine Welt außerhalb der EU, die ob dieses Wahnsinns die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, vielleicht frohlockt, eine Menge Konkurrenten los zu werden, welche aber aus unserem Ruin am Ende auch nicht profitieren werden.

 

Was hier geplant wird, kann man nicht drastisch genug ausdrücken: Eine Industrienation auf diktatorischem Wege in eine wetterabhängige Energieversorgung zu zwingen bedeutet mittelfristig eine ähnliche Vernichtung von Volksvermögen wie die Umstellung einer produktiven Wirtschaft auf die Produktion von Kriegsmaterialien. (Auch das wirft bekanntermaßen für eine Weile hohe Gewinne ab). Alleine die geplante Schließung moderner und produktiver Kernkraft-, Kohle- und Gaskraftwerke ist eine Vernichtung volkswirtschaftlichen Reichtums, die in der Geschichte ihres gleichen sucht.

 

Die Phantasie der Finanzbranche besteht darin, kurzfristig aus den potentiell notwendigen billionenschweren Investitonen zu profitieren, die nötig wären, um den Versuch zu unternehmen, die mit dieser Transformation systematisch herbeigeführte Wetterabhängigkeit unserer Energieversorgung überhaupt irgendwie managen zu können. Die EZB scheut sich nicht, zu ihrer Rechtfertigung Science- Fiction-Apostel wie Jeremy Rifkin heranzuziehen, die den gigantischen Umbau auch noch als „ Vierte Industrielle Revolution“ anpreisen, wie beim EZB Treffen im Januar 2017 in Frankfurt geschehen (hier).

Kein Land würde diesen Selbst-Zerstörungsprozess freiwillig einschlagen. Man muß die öffentliche Meinung nur lange und intensiv genug an die Anbetung neuer Klima-Götzen gewöhnen, dann tönt es selbst aus Kindermund: „Industrie ist schlecht, zurück auf die Bäume, ihr Affen„. Was wir gegenwärtig erleben, ist eine international koordinierte Manipulation, die keinen anderen Zweck verfolgt, als unter Zeitdruck gesetzlich zu verankern, was unter freiheitlichen Bedingungen niemals durchsetzbar wäre.

 

Besonders die große mittelständische Industrie in Deutschland, die sich bisher weitgehend erfolgreich den Geflogenheiten der börsennotierten Konzerne entzogen hat, sollte sich umgehend mit den Folgen der geplanten EU-Taxonomie-Reglementierung nicht nur befassen, sondern sich in den Diskussionsprozess endlich einmischen, um den Weg in ein wirtschaftliches Desaster noch gerade rechtzeitig zu verhindern. Die Unterlagen zu der geplanten Transformation sind vielfältig und für alle einsehbar. Die Herausforderung besteht darin, den gigantischen Unsinn der geplanten Energie-Transformation zu verstehen und dem begleitenden Donnergetöse der Klimagötzen cooler zu begegnen.