„Bestätigungen sollten nur dann etwas zählen, wenn sie das Ergebnis riskanter Prognosen sind, das heißt, unabhängig von der zur Diskussion stehenden Theorie hätten wir ein Ereignis erwarten sollen, das mit der Theorie nicht kompatibel ist – ein Ereignis, dass die Theorie widerlegt hätte“ – Karl Popper in Conjectures and Refutations: The Growth of Scientific Knowledge (1963).
Daniel Davies ist ein in London ansässiger Analyst und Börsenmakler. Er schreibt auf seinem Blog und hier. Hier erklärt er, warum er in der Lage war, das desaströse Ergebnis unserer Invasion im Irak genau vorherzusagen (was sich vollkommen von den auf Theorie basierenden Vorhersagen unterschied). Seine Einsichten lassen sich auf viele Dinge in Politik und Business anwenden – und auch auf Klimawandel. Ein Auszug:

Gute Gedanken brauchen nicht viele Lügen, um öffentliche Akzeptanz zu erreichen.

Zum ersten Mal wurde ich in einem Kurs über das Rechnungswesen darauf aufmerksam.

Vorhersagen von Schwindlern sind wertlos.

Ein schlechter Fall nach dem anderen belegen diesen Punkt. … Falls es irgendwelche Zweifel gibt hinsichtlich der Integrität eines Prognostikers, kann man dessen Vorhersagen in keiner Weise verwenden; nicht einmal als „Ausgangspunkt“.

Die entscheidende Bedeutung der Überprüfung

Bei Brealey & Myers on Corporate Finance gibt es hierzu einen Abschnitt, in dem sie unerfahrene Studenten daran erinnern, dass jeder diese Lektion auf die harte Weise gelernt zu haben scheint.
Im Grunde wurde diese Erkenntnis wieder und immer wieder bestätigt. Unternehmen, die vollendete Projekte nicht überprüfen, um zu sehen, wie genau die ursprünglichen Projektionen waren, tendieren dazu, genau die Vorhersagen und Projekte bekommen, die sie verdienen. Unternehmen mit einer Kultur, in der die Abgabe unehrlicher Vorhersagen keine Konsequenzen hat, bekommen die Projekte, die sie verdienen. Unternehmen, die Management-Teams Blankoschecks ausstellen, die sich durch Scheitern und Verlogenheit auszeichnen, bekommen was sie verdienen.
Hier gibt es zwei deutliche Erkenntnisse. Die erste betrifft unsere persönliche Argumentation. Die zweite betrifft die Informationsverbreitungs-Systeme durch Organisationen. Beide sind wesentliche Mängel, die moderne Propaganda so effektiv machen.
 
Aus Stephen Coveys “The Speed of Trust: The One Thing That Changes Everything“.

1) Die Bedeutung von Glaubwürdigkeit

Und doch denkt jeder in unserer Welt daran, die Menschheit zu ändern, aber niemand denkt daran, sich selbst zu ändern“ – Leo Tolstoi, „Three Methods Of Reform” (1900).
Sowohl die Rechte als auch die Linke in Amerika haben die Erfahrung gemacht, dass ihren Jüngern Skeptizismus fehlt. Sie glauben nur zu gerne alles, sofern es zu ihrer Sicht der Welt passt – Stories, die ideologisch gefällig sind mit klarer Rollenverteilung für die Guten und die Bösen. Jede Seite sieht dieses Verhalten bei ihren Feinden, aber nicht bei sich selbst (d. h., Faktencheck ist zu einem Partisanen-Spiel verkommen). Zum Beispiel dokumentieren zahlreiche Beiträge bei Crooked Timber das Leugnen der Realität seitens der Rechten. Ist irgendwo die gleiche Fehlinterpretation der Klimawissenschaft seitens der Linken dokumentiert?
Hier folgen ein paar Beispiele, wie Klimaaktivisten bewiesene Fakten der Klimawissenschaft übertreiben, fehlinterpretieren oder rundweg leugnen:
● Ein kunstvoll ungenauer Artikel im Guardian über Klimawandel-Flüchtlinge (hier)
● Eine kunstvoll irreführende Story über globale Erwärmung in Alaska, welches einen riesigen Hype bei Twitter auslöste (hier)
● Der Nordpol ist jetzt ein See! Seien Sie sehr ängstlich! (hier)
● Kunstvoll in die Irre führende Artikel über das Abschmelzen des größten Gletschers im Yosemite Nationalpark (hier)
● Kunstvolle Propaganda im New Yorker über „Den Untergang von Miami“ (hier)
● Kunstvolle Propaganda im Mother Jones über Eisbären. (hier)
● Über „Vorhersagen von Schwindlern“: Fabrizieren von Klima-Albträumen: Der Missbrauch der Wissenschaft zur Erzeugung von Schreckens-Vorhersagen (hier).
Die vielleicht abscheulichste Propaganda der Linken ist ihr Leugnen dessen, was Klimawissenschaftler als den „Stillstand“ der seit zwei Jahrhunderten andauernden globalen Erwärmung bezeichnen (von denen wir seit 1950 die hauptsächliche Ursache sind laut IPCC-Bericht AR 5). Haufenweise Studien (siehe Links und Abstracts) beschreiben den Fortschritt der Wissenschaftler bzgl. dieses Phänomens, die Analysen der möglichen Gründe und Vorhersagen, wann er zu Ende gehen wird (hier). Die Linken arbeiten emsig an der Zementierung ihrer Ignoranz dieser Forschungen. Beispiel hierfür sind die Artikel von Romm at ThinkProgress, Phil Plait at Slate und von Ökonomieprofessor in Berkeley Brad DeLong.
…man entferne zuerst den Balken aus dem eigenen Auge, dann wird man klar den Splitter im Auge des Anderen entfernen können“ (Matthäus 7, 5).

2) Warnung vor Systemen ohne starke Überprüfung

Vertrauen kann Ungewissheit ausstechen“ – Presentation by Leonard A Smith (Prof of Statistics, LSE), 6. Februar 2014.
Die öffentliche politische Debatte über Klimawandel beruht fast ausschließlich auf Prophezeiungen von Computermodellen. Prophezeiungen von Modellen sind inhärent unmöglich zu beweisen, selbst deren robuste Überprüfung ist schwierig. Außerdem gibt uns der häufige Missbrauch von Modellen Grund zum Skeptizismus. Dazu gehört die offensichtlich falsche Behauptung vom Aussterben von 30.000 Spezies in jedem Jahr (hier) und die Fehlinterpretationen der probabilistischen UN-Vorhersage von 11 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2100.
Die ,Rückschau‘ [auch der LEO gibt keine Übersetzung für hindcast] ist die Grundlage des Vertrauens in die vom IPCC verwendeten Klimamodelle, welche die Grundlage sind für politische Entscheidungen, die Auswirkungen um Multi-Billionen Dollar auf die Weltwirtschaft haben – und die vielleicht sogar die Natur unseres Wirtschaftssystems ändern (wozu wir von Papst Franziskus und Naomi Klein gedrängt werden).
Unglücklicherweise sagt die umfangreiche Literatur zur Validierung von Modellen, dass die Rückschau unzureichend ist, wenn man historische Daten heranzieht, mit denen die Modelle konstruiert worden sind (z. B. zur Parametrisierung). Schlimmer, trotz einer 27 Jahre langen Kampagne (seit der Anhörung von Jim Hansen vor dem US-Senat) konnte eine Mehrheit von Amerikanern nicht überzeugt werden, rangiert doch der Klimawandel ganz unten auf der Liste der Sorgen der Öffentlichkeit (e.g., Gallup). Das ist gut so, da weder die Modelle noch deren Prophezeiungen von außenstehenden Experten überprüft worden sind (d. h. von einem selbständigen Team von Experten aus Klima, Physik, Software usw.)
Mehr zur Validierung von Klimamodellen:
●Über Modelle, die immer öfter als Linse dienen, durch die wir die Welt sehen (hier)
●Wird ein Wiedereinsetzen von Erwärmung die IPCC-Klimamodelle validieren? (hier)
●Wir müssen uns auf die Vorhersagen von Computermodellen verlassen. Sind diese zuverlässig? (hier)
●Eine Beschränkung der Klimawissenschaft: Die Divergenz zwischen Temperatur und Modellen (hier)
●Prognostizieren Klimamodelle das Klima genau? (hier)

Wie geht es von hier weiter?

Wie unvorbereitet sind wir? „Wir planen nicht einmal für die Vergangenheit“ – Steven Mosher (member of Berkeley Earth; bio here), a comment posted at Climate Etc.
Die öffentliche Debatte ist inzwischen festgefahren, was uns einige Möglichkeiten zur Auswahl gibt. Wir können dem Gezänk beider Seiten weitere 27 Jahre lang zuhören (danach wird das Wetter die Antwort gegeben haben), oder wir können nach Wegen suchen, die öffentliche Debatte wiederzubeleben.
Karl Popper glaubte, dass Prognosen der Gold-Standard zum Austesten wissenschaftlicher Theorien seien. Die Öffentlichkeit glaubt dies auch. Zahllose Filme und Fernsehshows konzentrieren sich auf den triumphalen Zeitpunkt, wenn ein Test eine wissenschaftliche Vorhersage bestätigt. Klimawissenschaftler können solche Tests heute für die globalen Temperaturen laufen lassen (hier). Dies wäre ein Äquivalent zu einer Überprüfung und würde einen Beweis erbringen hinsichtlich der Vorhersagefähigkeit der Modelle, die über allem Bisherigen steht.
Jedes neue Verfahren wird möglicherweise von Links oder Rechts verdammt – oder von beiden. Versuchen wir es mit neuen Verfahren, selbst wenn wir dafür eingefahrene Gleise verlassen müssen.

Link: http://fabiusmaximus.com/2015/12/28/daniel-davis-insights-about-experts-predictions-92430/4
Übersetzt von Chris Frey EIKE