Englische Parlamentarier wissen nicht, wie die CO2-Ziele erreicht werden sollen, die sie beschlossen haben.

von Christopher Booker, Telegraph, 23. 6. 2012
Als Leser (des Telegraph) ihre Abgeordneten um eine Erklärung baten, wie England seine CO2-Emissionen um 80 Prozent senken könnte, fielen die Antworten besorgniserregend aus.
Der großen weltweiten Klimawandel-Alarmschlägerei geht schon seit längerem die Luft aus, und das traurige Fiasko der jüngsten Rio-Konferenz zeigt an, dass sie nun tot und begraben ist. „Es ist zum Heulen, es ist erschreckend,“ barmte ein Sprecher des WWF, einer von den Tausenden von Grünen Aktivisten, die nach Rio geflogen waren, viele davon auf Steuerzahlers Kosten, um die letzten Beerdigungsfeierlichkeiten für ihren untergehenden Traum zu erleben. Einer der ihren, der an vorderster Linie tätige Sprecher, der grüne Guru James Lovelock, bekannt wegen der Gaia-Idee (Anm. d. Ü.: Die Gaia-Idee denkt sich die Erdoberfläche als einen biologischen Organismus), gibt nun zu, dass der Klimawandel-Alarm ein tragischer Fehler gewesen wäre, und dass das Gerede von der „nachhhaltigen Entwicklung“ nichts als „bedeutungsleeres Gefasel“ wäre.
Aber das “Super Scheitern” von Rio, wie Friends of the Earth es nennen, sollte uns daran erinnern, dass sich England als einziges Land auf der Welt gesetzlich zum Vermindern seiner CO2-Emissionen um 80 Prozent in den kommenden 40 Jahren verpflichtet hat. Das Klimawandel-Gesetz präsentiert uns laut der regierungseigenen Zahlen eine Rechnung von bis zu £18 Milliarden (‚billions‘) jährlich bis zum Jahre 2050. Damit ist es das teuerste Gesetz, welches jemals von unserem Parlament verabschiedet worden ist.
Aber noch wichtiger ist die Frage: wie konnten die fast einstimmig für dieses Ziel votierenden Abgeordneten (nur drei waren dagegen) nur glauben, wir könnten diese Verpflichtung erfüllen, ohne tatsächlich unser gesamte Wirtschaft dicht zu machen?
Diese Frage sollten meine Leser ihren Abgeordneten zu stellen – wie ich im vergangenen April anregte – und ich danke nun allen, die mir die Antworten von fast 50 Abgeordneten zuschickten.
Es ist noch bedrückender, als ich befürchtete.
Die Frage an die Abgeordneten war einfach.

Da wir zu 75 Prozent von CO2-emittierenden Brennstoffen bei der Elektrizität abhängen und mit unserem Transportsystem zu 100 Prozent, wie können wir in der Praxis die Emissionen um vier Fünftel reduzieren? Wir dürfen uns doch nicht einreden, wir könnten uns auf  „Erneuerbare“ wie Wind und Solar zur Auffüllung der Lücke verlassen, weil diese Energien so unbeständig sind, dass wir eine 100prozentige Reserve an fossiler Befeuerung brauchen, damit wir unsere weitgehend computerabhängige Wirtschaft am Laufen halten können.

Keine der Antworten von 47 Abgeordneten zeigte auch nur das leiseste Verständnis für die Frage. Viele stützten sich einfach auf einen vorformulierten Brief aus dem Energie- und Klimawandel-Ministerium, der mit den Worten begann: „De-Karbonisierung bedeutet nicht De-Industrialisierung.“ Die ehrlicheren Abgeordneten schickten den Brief einfach weiter, andere kopierten Teile daraus, um den Anschein zu erwecken, die Antwort stammte aus ihrer eigenen Feder.
Einige, wie zum Beispiel unser Klimawandelminister Greg Barker, fabulierten über “den Grünen Deal, Initiative für Erneuerbare, Intelligente Stromzähler“. Fiona Bruce (konservativ, Congleton) “versicherte, dass der Wind über Land die bei weitem billigste große erneuerbare Energiequelle ist”. Roberta Blackman-Woods (Labor, Durham) behauptete, “fast eine Million Menschen arbeiten nun in der CO2-armen Wirtschaft, und es gibt Potential für weitere 400.000 grüne Arbeitsplätze bis 2020”.
Die dümmste Antwort kam von Oliver Letwin, der sagte, dass die zitierten Kosten des Klimawandel-Gesetzes grob übertrieben wären (dabei merkte er nicht, dass die Zahlen von der eigenen Webseite des Energie- und Klimawandelministeriums stammten), und er sagte voraus, dass Photovoltaik, Windenergie und das Abscheiden von CO2 (bis heute nicht da) bald so billig wären, dass sie innerhalb von ein paar Jahren “ohne Subventionen betrieben werden könnten”.
Wie jeder Leser feststellen konnte, ist kein einziger Abgeordneter auf die Frage eingegangen. Nicht einer hat sich ernsthaft damit befasst, oder das leiseste praktische Verständnis dafür gezeigt, wie Elektrizität erzeugt wird und wie unser Transportsystem funktioniert. Sie spuckten nur die irrelevante, jargon-durchtränkte Propaganda anderer aus. Wie ein Leser feststellte: „Am meisten deprimiert, dass all diese Idioten an den Nonsens auch noch glauben, der ihnen vorgekaut wird.“
Sie leben wie unter einer Käseglocke von Glaubenssätzen, abgekoppelt von der Realität. Das aber sind die Menschen, die das vernichtendste Gesetz unserer Geschichte verabschiedet haben – im Namen einer Illusion, die kürzlich in Rio gestorben ist.
Irgendwann in der Zukunft wird dieses Klimawandelgesetz im Papierkorb der Geschichte landen, wenn unser Land überleben will. Ihren Briefen nach zu urteilen, werden diese Abgeordneten die wirklich Letzten sein, die das einsehen. Wie der Mann vom WWF formulierte:

„Es ist zum Heulen, es ist erschreckend.“

Besser könnte man es nicht sagen.
Original hier.
Übersetzung: Helmut Jäger, EIKE