Mark Keenan

Die Einstufung des Klimawandels als Notfall für die öffentliche Gesundheit durch die WHO hat ein Problem: Sie steht im Widerspruch zu den Fakten.

Nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus der COVID-Ära hervorgegangen war und ihre Glaubwürdigkeit zunehmend auf dem Prüfstand steht, versucht sie nun, den Klimawandel als Notfall für die öffentliche Gesundheit neu zu definieren. [Hervorhebungen und Links hinzugefügt {vom Autor}]

Der jüngste Vorstoß geht von einer Sonderkommission aus, die darauf drängt, den Klimawandel in Europa als internationale Gesundheitskrise zu behandeln, die dringendes Handeln erfordert.

Die Sprache kommt uns bekannt vor. Man warnt uns vor katastrophalen Risiken, eskalierenden Notlagen und wachsenden Gefahren für das Wohlergehen der Menschen.

Das Ziel ist klar: Es soll ein Gefühl der Dringlichkeit geschaffen werden, das ein stärkeres politisches Eingreifen und eine intensivere internationale Zusammenarbeit rechtfertigt.

Wenn wir jedoch einen Schritt zurücktreten und die Fakten betrachten, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Die wichtigste Grafik in der gesamten Klimadebatte ist eine, die von Regierungen, Umweltaktivisten oder den Medien selten gezeigt wird.

Daten aus der internationalen Katastrophendatenbank EM-DAT zeigen, dass die Zahl der Todesfälle durch extremes Wetter im letzten Jahrhundert drastisch zurückgegangen ist:


Obwohl die Weltbevölkerung von rund zwei Milliarden auf über acht Milliarden Menschen gestiegen ist, ist die Zahl der jährlich durch Wetterereignisse verursachten Todesfälle um weit über 95 % zurückgegangen. Pro Kopf beträgt der Rückgang sogar über 99 %.

Diese außergewöhnliche Errungenschaft ist nicht darauf zurückzuführen, dass Hurrikane verschwunden sind oder Dürren nicht mehr vorkommen. Sie ist vielmehr darauf zurückzuführen, dass die menschlichen Gesellschaften wohlhabender und widerstandsfähiger geworden sind.

Bessere Infrastruktur, Bewässerungssysteme, Wettervorhersagen, Klimaanlagen und Fortschritte bei der Katastrophenhilfe haben die Anfälligkeit drastisch verringert.

Mit anderen Worten: Anpassung funktioniert.

Doch diese offensichtliche Erfolgsgeschichte findet in den Klimameldungen der WHO kaum Beachtung. Stattdessen hat sich der Fokus fast ausschließlich auf die hitzebedingte Sterblichkeit verlagert.

Die WHO beruft sich auf Studien, die darauf hindeuten, dass steigende Temperaturen europaweit zu einer zunehmenden Zahl von Todesfällen führen. Auf den ersten Blick wirken solche Behauptungen überzeugend. Viele dieser Arbeiten werden in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht und tragen die Namen Dutzender akademischer Autoren.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch ein ernstes Problem.

Wie der dänische Ökonom Bjørn Lomborg wiederholt betont hat, berücksichtigen viele dieser Analysen die rasch alternde Bevölkerung Europas nicht angemessen. Ältere Menschen sind naturgemäß anfälliger für Hitzestress.

Steigt der Anteil älterer Menschen, kann die hitzebedingte Sterblichkeit zunehmen, selbst wenn die Temperaturverläufe weitgehend unverändert bleiben.

Dies ist kein geringfügiges statistisches Versehen. Es verändert die Interpretation der Daten grundlegend.

Wenn eine Bevölkerung altert, wäre selbst ohne jeglichen klimatischen Einfluss mit mehr hitzebedingten Todesfällen zu rechnen.

Noch bemerkenswerter ist jedoch, was in diesen Diskussionen oft ausgelassen wird.


Weitaus mehr Menschen sterben an Kälte als an Hitze.

Eine in „The Lancet Planetary Health“ veröffentlichte groß angelegte Studie schätzt, dass weltweit jährlich etwa 5,1 Millionen Todesfälle mit nicht optimalen Temperaturen in Verbindung stehen, was etwa 9,4 % der weltweiten Sterblichkeit ausmacht.

Wichtig ist, dass die Studie ergab, dass die Zahl der kältebedingten Todesfälle die der hitzebedingten Todesfälle um etwa das Neunfache übersteigt.

Das Verhältnis variiert je nach Region, doch weltweit übersteigt die kältebedingte Sterblichkeit die hitzebedingte Sterblichkeit bei weitem.

Diese Tatsache taucht in den Schlagzeilen zum Thema Klima selten auf.

Der Grund liegt auf der Hand. Es verkompliziert eine einfache politische Aussage.

Wenn die Erwärmung die kältebedingte Sterblichkeit senkt und gleichzeitig die hitzebedingte Sterblichkeit erhöht, wird die Frage weitaus differenzierter, als Aktivisten zugeben möchten.

Es handelt sich nicht mehr um eine einfache Geschichte von Klimakatastrophen. Es wird zu einer Frage der Abwägung von Kosten und Nutzen, der Anpassung, des technologischen Fortschritts und der menschlichen Widerstandsfähigkeit.

Diese Diskussion löst nicht das gleiche Gefühl der Panik aus.

Sie stützt auch nicht die Forderungen nach umfassender politischer Kontrolle.

Die zunehmende Tendenz, den Klimawandel als Gesundheitsnotstand darzustellen, sollte daher genauer untersucht werden.

Die öffentliche Gesundheit hat sich zu einem der wirkungsvollsten politischen Instrumente entwickelt, über die Regierungen und internationale Organisationen verfügen. In einer Gesundheitskrise lassen sich außergewöhnliche Maßnahmen rechtfertigen, die andernfalls politisch inakzeptabel wären.

Sobald der Klimawandel als Gesundheitskrise neu definiert wird, erweitern sich die Möglichkeiten politischer Eingriffe erheblich.

Energiepolitik, Verkehr, Landwirtschaft, Stadtplanung, Wohnungswesen und sogar persönliche Lebensentscheidungen können alle unter den Begriff des öffentlichen Gesundheitsmanagements fallen.

Dieser Wandel ist bereits im Gange.

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Link: https://climatechangedispatch.com/cold-kills-heat-who-climate-health-crisis/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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