Vijay Jayaraj
Im April 2024 stellte die US-Umweltschutzbehörde (EPA) den amerikanischen Kohle- und Gaskraftwerken ein Ultimatum: Entweder sie fangen den Großteil ihrer Kohlendioxidemissionen ab oder sie müssen schließen. Am 14. September zog die Behörde die Anordnung zurück. Mit dieser Aufhebung wird eine der rücksichtslosesten regulatorischen Maßnahmen des vergangenen Jahrzehnts korrigiert.
EPA-Administrator Lee Zeldin gab die Entscheidung auf einem G20-Treffen zum Thema „Energieüberfluss“ in Houston bekannt. Er hob den Großteil der „Carbon Pollution Standards“ für 2024 auf und schlug vor, alle verbleibenden Treibhausgasstandards für Kraftwerke aufzuheben.
Die Überprüfung der Aufhebung durch das Government Accountability Office zeigt, dass die EPA Einsparungen in Höhe von 95 bis 160 Milliarden Dollar berechnet hatte. Die Energieversorger hätten dieses Geld in Maschinen gesteckt, deren Wirksamkeit in der Praxis nie nachgewiesen wurde, und die Kosten wären auf die monatlichen Stromrechnungen umgelegt worden.
Das Ziel war von Anfang an offensichtlich: Eine Hürde zu setzen, die Kraftwerke nicht nehmen konnten, und sie so zur Aufgabe zu zwingen. Der Oberste Gerichtshof hatte die Behörde bereits im Fall „West Virginia gegen EPA“ dafür gerügt, dass sie versucht hatte, den Brennstoffmix des Landes mithilfe des „Clean Air Act“ neu zu gestalten. Die Biden-Regierung versuchte es einfach auf einem anderen Weg erneut.
PJM, das das Stromnetz für 67 Millionen Menschen in 13 Bundesstaaten und Washington, D.C. betreibt, hatte gewarnt, dass bis 2030 40 Gigawatt Erzeugungskapazität stillgelegt werden könnten, wobei 25 Gigawatt davon auf politische Maßnahmen zurückzuführen seien. Zudem komme die Ersatzkapazität nach Angaben des Netzbetreibers zu langsam voran. Die jetzt der aktuellen Regierung unterstehende EPA räumt nun ein, dass die alten Standards Technologien erforderten, die nicht ausreichend erprobt waren.
Befürworter der alten Regelung verweisen nun auf Klima- und Gesundheitsvorteile in Höhe von 370 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2047. Diese Zahl ist jedoch höchst fragwürdig. Der Großteil der gesundheitlichen Vorteile ergibt sich aus der Reduzierung von Ruß, Schwefeldioxid und Stickoxiden – Schadstoffe, die bereits durch separate EPA-Programme reguliert werden. Die Regulierungsbehörden haben sich diese Vorteile ausgeliehen, um eine CO₂-Vorschrift zu stützen, die sich allein durch den CO₂-Aspekt nicht rechtfertigen ließ. Sollte für einen dieser Schadstoffe ein strengerer Grenzwert erforderlich sein, kann die EPA diesen direkt festlegen. Die doppelte Anrechnung des gleichen Nutzens ist betrügerisch.
Unbegründeter Klimabezug
Die Klimaseite der Bilanz schneidet schlechter ab. Sie hängt von den sogenannten sozialen Kosten des Kohlenstoffs ab – einer Zahl, die von Computermodellen ermittelt wird, welche Schäden über Jahrzehnte hinweg prognostizieren und sich lange Zeit auf Worst-Case-Emissionsszenarien stützten, die viele Klimaforscher heute selbst als unrealistisch bezeichnen.
Die Befürworter der Regelung geben selten an, wie viel Erwärmung durch die Vorschrift vermieden würde, weil die ehrliche Zahl um einen Bruchteil eines Grads zu gering ist, als dass ein Thermometer sie erfassen könnte. Laut einer Schätzung der EPA aus dem Jahr 2022 verursachen Kraftwerke etwa ein Viertel der US-Treibhausgasemissionen, deren Anteil an den globalen Gesamtemissionen jedoch zurückgeht. China und Indien genehmigen unterdessen weiterhin Kohlekraftwerke, um Hunderte Millionen Menschen aus der Armut zu befreien. Den Amerikanern 160 Milliarden Dollar für einen Temperatureffekt in Rechnung zu stellen, den niemand messen kann, ist nichts anderes als das „Virtue Signaling“ der grünen Ideologie, das den Steuerzahlern aufgebürdet wird.
Der tiefer greifende Fehler besteht darin, Kohlendioxid wie Ruß zu behandeln. Es handelt sich um ein Spurengas, das Pflanzen zum Wachsen benötigen, und steigende Konzentrationen gingen mit Rekordernten weltweit und einer per Satellit beobachteten Begrünung in weiten Teilen des Planeten einher. Eine Regulierungsbehörde, die das die Nutzpflanzen der Welt ernährende Molekül als Gefahr für das öffentliche Wohl einstuft, hat den Bezug zur grundlegenden Biologie verloren.
Die Folgen
Einundzwanzig Bundesstaaten unter der Führung von New York haben Klage eingereicht, um die Aufhebung der EPA-Vorschriften zu verhindern, und auch Umweltverbände haben eigene Klagen eingereicht. Die Gerichte werden entscheiden. Aber man beachte, wer klagt. Viele der klagenden Bundesstaaten verlangen bereits einige der höchsten Strompreise des Landes, und die Einwohner von New York mussten im vergangenen Jahr einen Preisanstieg von 14 % hinnehmen. Diesen Bundesstaaten steht es weiterhin frei, ihren eigenen Wählern ihre eigene Klimapolitik aufzuerlegen. Was sie von den Gerichten wollen, ist die Erlaubnis, dass eine Bundesbehörde Ihnen diese Kosten auferlegt – ohne klare Anweisung durch den Kongress.
Behalten Sie als Nächstes drei Dinge im Auge: Werden die Energieversorger die Entlastung nutzen, um geplante Stilllegungen von Kohlekraftwerken aufzuschieben und Gaskraftwerke weiterbetreiben? Werden Projektentwickler nun schneller mit dem Bau neuer Gaskraftwerke beginnen, weil eine Verpflichtung zur CO₂-Abscheidung eine 30-jährige Investition nicht mehr gefährdet? Und wird die Energieaufsichtsbehörde Ihres Bundeslandes die Einsparungen an Sie weitergeben oder sie in den Unternehmensbilanzen verschwinden lassen?
Viel zu lange haben die Regulierungsbehörden strenge Auflagen mit Katastrophenszenarien gerechtfertigt, die auf fehlerhaften Ergebnissen von Computermodellen beruhten. Diese Praxis sollte mit dem Wegfall der CO₂-Vorschrift ein Ende finden. Wenn ein Beamter das nächste Mal verspricht, den Planeten zu retten, verlangen Sie zwei Zahlen: die messbare Auswirkung der Vorschrift – sei es die Temperatur oder eine andere Kennzahl – und den Namen des Kraftwerks, das dafür sorgt, dass bei Ihnen das Licht nicht ausgeht.
Originally published at The Center Square, October 26th, 2026.
Vijay Jayaraj is a Science and Research Associate at the CO2 Coalition, Fairfax, Virginia. He holds an M.S. in environmental sciences from the University of East Anglia and a postgraduate degree in energy management from Robert Gordon University, both in the U.K., and a bachelor’s in engineering from Anna University, India. He served as a research associate with the Changing Oceans Research Unit at University of British Columbia, Canada.
Link: https://wattsupwiththat.com/2026/10/27/epas-carbon-repeal-saves-billions-protects-energy-supplies/
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
















Wir freuen uns über Ihren Kommentar, bitten aber folgende Regeln zu beachten:
- Bitte geben Sie Ihren Namen an (Benutzerprofil) - Kommentare "von anonym" werden gelöscht.
- Vermeiden Sie Allgemeinplätze, Beleidigungen oder Fäkal- Sprache, es sei denn, dass sie in einem notwendigen Zitat enthalten oder für die Anmerkung wichtig sind. Vermeiden Sie Schmähreden, andauernde Wiederholungen und jede Form von Mißachtung von Gegnern. Auch lange Präsentationen von Amateur-Theorien bitten wir zu vermeiden.
- Bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Gehen Sie in Diskussionen mit Bloggern anderer Meinung auf deren Argumente ein und weichen Sie nicht durch Eröffnen laufend neuer Themen aus. Beschränken Sie sich auf eine zumutbare Anzahl von Kommentaren pro Zeit. Versuchte Majorisierung unseres Kommentarblogs, wie z.B. durch extrem häufiges Posten, permanente Wiederholungen etc. (Forentrolle) wird von uns mit Sperren beantwortet.
- Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe.
- Drohungen werden ernst genommen und ggf. an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben.
- Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt.
Diese Richtlinien sind sehr allgemein und können nicht jede mögliche Situation abdecken. Nehmen Sie deshalb bitte nicht an, dass das EIKE Management mit Ihnen übereinstimmt oder sonst Ihre Anmerkungen gutheißt. Wir behalten uns jederzeit das Recht vor, Anmerkungen zu filtern oder zu löschen oder zu bestreiten und dies ganz allein nach unserem Gutdünken. Wenn Sie finden, dass Ihre Anmerkung unpassend gefiltert wurde, schicken Sie uns bitte eine Mail über "Über Uns->Kontakt"