Der amerikanische Umweltwissenschaftler Roger Pielke Jr. erlaubte sich, punkto Klimafolgen eine abweichende Meinung zu vertreten. Er wurde deshalb öffentlich attackiert, verleumdet und von seiner eigenen Universität gemobbt – bis er aufgab. Überraschend ist das leider nicht.

Von Peter Panther

Roger Pielke Jr. hat einen einwandfreien wissenschaftlichen Leumund: Er ist ursprünglich Politikwissenschaftler und hat sich einen Namen gemacht mit der Interpretation von Extremwetterereignissen. Pielke war viele Jahre an der University of Colorado Boulder als Professor im Bereich Umweltstudien tätig und führte dort ein Institut, das er selbst gegründet hatte. Er konnte in seiner langen Forscherkarriere in so renommierten Wissenschaftsmagazinen wie «Science», «Nature» «PNAS» und «PLOS Biology» publizieren.

Doch Roger Pielke hat ein Problem: Er vertritt einige Standpunkte, die nicht auf der Linie der Erzählung des immer schlimmeren Klimawandels liegen. Pielke anerkennt zwar den menschengemachten Klimawandel und bestreitet auch nicht, dass dieser zu mehr Hitzewellen und Starkniederschlägen führt. Er stellt aber in Abrede, dass bisher ein Trend zu mehr Hurrikanen, Dürren und Überschwemmungen belegt werden kann. Diesen Standpunkt kann er zwar mit hier- und stichfesten Daten belegen. Aber damit wurde er sowohl in der Forschungsgemeinde als auch in der Öffentlichkeit zur «persona non grata».

«Gruselige Einblicke in die Welt der Wissenschaft»

Was Roger Pielke Jr. in den letzten Jahren erleben musste, hat er kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehjournalisten John Stossel geschildert. Die Erlebnisse sind schlicht haarsträubend. Die «Welt» kommentierte so: «Seine Geschichte bietet gruselige Einblicke in die Welt der Wissenschaft.»

Es fing an, dass aktivistische Kreise Pielke öffentlich angriffen und ihn als «Klimaskeptiker» bezeichneten. Vor allem der linksorientierte Think-Tank «Center for American Progress» warf ihm vor, falsche Informationen zu verbreiten. Es wurde versucht, ihn von öffentlichen Plattformen auszuschliessen.

Nachdem Pielke 2013 vor dem US-Kongress ausgesagt und dort geltend gemacht hatte, dass langfristige Katastrophendaten keinen Anstieg von Extremwetterereignisse zeigten, geriet er in den Fokus der Regierung von Barack Obama. Ein wissenschaftlicher Berater des damaligen US-Präsidenten bezeichnete Pielkes Aussagen als irreführend – obwohl Pielke seine Äusserungen zweifelsfrei belegen konnte.

Nach der Anhörung forderten einige Kongress-Angehörigen Abklärungen, ob Pielke heimlich Geld von der fossilen Brennstoffindustrie bekommen hatte. Seine Universität leitete deshalb eine Untersuchung ein. Diese verlief zwar im Sand und konnte die Vorwürfe nicht erhärten. Dennoch beschädigten die entsprechenden Gerüchte seinen Ruf als Forscher erheblich, wie Pielke gegenüber Stossel betonte.

Die Situation wurde immer schlimmer: Es erschienen Medienberichte, welche Pielke in ein schiefes Licht stellten. Gleichzeitig bekam er kaum noch Einladungen zu Vorträgen. Wissenschaftliche Kooperationen mit ihm wurden gestoppt. Denn eine Zusammenarbeit mit ihm galt nun als riskant.

Seine Kollegen hatten Angst, selbst in Visier zu geraten

Schliesslich drängte sogar Pielkes Heimuniversität, die University of Colorado Boulder, ihn immer mehr an den Rand. Er durfte sein eigenes Institut nicht mehr weiterführen und erhielt kaum mehr Lehrverpflichtungen. Die Universität stellte die administrative Unterstützung für ihn ein und wies ihm ein winziges, unattraktives Büro zu. Hilfe von Kollegen an der Hochschule bekam Pielke nicht – denn diese hatten Angst, selbst ins Visier zu geraten.

Schliesslich zog Roger Pielke Jr. die Konsequenzen. Er verliess Ende 2024 seine Universität, nach 24 Jahren, und wechselte zum konservativ-liberalen Think-Tank «American Enterprise Institute». Dort geniesst er nach eigenen Angaben wieder volle Forschungsfreiheit. Mit seiner Webseite «The Honest Broker» stösst er zudem auf reges Interesse. Doch es bleibt dabei: Hier wurde ein verdienter Wissenschaftler fertiggemacht und quasi totgebissen – nur, weil er unbequeme Standpunkte vertritt, die dem Klima-Mainstream nicht in den Kram passen.

Wer sich regelmässig mit Klimaforschung befasst, ist ob dem Fall Pielke wohl kaum erstaunt. Immer wieder tauchen Aussagen aus, wonach in diesem Wissenschaftszweig eine Art Kadavergehorsam gefragt ist. Dieser Gehorsam gilt nicht gegenüber irgendwelchen Personen – sondern gegenüber dem Narrativ, wonach der Klimawandel schlimm ist und nur schlimm zu sein hat.

«Voreingenommene Redaktoren und Gutachter»

Man erinnert sich beispielsweise an den US-Klimaforscher Patrick T. Brown. Er schreckte vor drei Jahren mit diesem Satz auf: «In der Klimawissenschaft geht es inzwischen weniger darum, die Komplexität der Welt zu verstehen, als vielmehr darum, als eine Art Kassandra zu dienen und die Öffentlichkeit  eindringlich vor den Gefahren des Klimawandels zu warnen.»

Brown ist, wie Pielke, ein hochverdienter Forscher, der in so angesehenen Fachblättern wie «Nature», «PNAS» oder «Nature Climate Change» publiziert hat. Vor drei Jahren aber verliess er den Wissenschaftsbetrieb aus eigenen Stücken und wechselte zur liberalen Forschungsstätte «Breakthrough Institute». Warum er ausgestiegen war, schilderte er anschliessend in einem Beitrag beim Onlineportal «The Free Press».

Patrick Brown schrieb, wer es heute als Klimaforscher in ein angesehenes Fachblatt schaffen wolle, müsse die Erzählung der verheerenden Erderwärmung bedienen. Redaktoren und Gutachter solcher Fachblätter seien «voreingenommen» und würden «mehr als deutlich machen, dass sie Arbeiten über das Klima wollen, die bestimmte im Voraus festgelegte Narrative stützen».

Der Aussteiger führte ein einschlägiges Beispiel für die Folgen solcher Erwartungen an: sich selbst. Brown schilderte, sich in einer Studie zu Waldbränden in Kalifornien bewusst darauf konzentriert zu haben, wie der Klimawandel das Risiko von Bränden beeinflusse. Es habe zwar andere Faktoren wie die Waldbewirtschaftung oder Brandstiftung gegeben, die punkto der Feuergefahr mindestens so bedeutend seien. Aber, so schrieb Brwon: «Ich wusste, dass ich nicht versuchen würde, andere wichtige Aspekte als den Klimawandel in meiner Forschung zu quantifizieren, weil diese die Geschichte verwässern würden, die angesehene Zeitschriften wie ‘Nature’ und ihr Konkurrent ‘Science’ erzählen wollen».

Wer die Klimaforschung für ergebnisoffen hält, muss naiv sein

Patrick Brown hatte mit dieser Anpassungsstrategie zwar Erfolg und konnte die erwähnte Studie tatsächlich bei «Nature» veröffentlichen. Doch ihn plagte anschliessend das schlechte Gewissen – was ihn dazu brachte, sich dem Konformitätsdruck zu entziehen, seine Universitätskarriere aufzugeben und die gemachten Erfahrungen öffentlich zu machen. Man will gar nicht wissen, wie viele andere Forscher dieses Rückgrat nicht haben und duckmäuserisch die Erzählung des schlimmen Klimawandels nachbeten.

Auch wenn die Fälle Pielke und Brown etwas anders liegen, so zeigen sie doch etwas Gemeinsames: Die Klimaforschung wird heute kontrolliert von wissenschaftlichen Aktivisten, welche jede Abweichung vom geltenden Narrativ sofort bestrafen. Pielke musste zudem die Erfahrung machen, dass selbst seine eigene Universität nicht zu ihm stand, als die Klimalobby begann, ihn öffentlich zu desavouieren. Wer heute noch glaubt, in der Klimaforschung zähle das beste Argument, und es werde hier objektiv und ergebnisoffen gearbeitet, muss naiv sein.

 

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