In jüngerer Zeit hat die Professorin für Geschichte und Ökonomie Deidre McCloskey einige Hinweise gegeben, wie und warum es so gekommen war. In einem Artikel des Wall Street Journal zum Thema „wie der Westen (und alles Übrige) reich geworden ist“ schreibt sie, dass die Gründe hierfür nicht Karl Marx‘ „Der ausgebeutete Arbeiter“ oder Adam Smith‘ „virtuos beiseite geschafftes Kapital“ waren, und auch nicht die essentiellen Eigentumsrechte von Hernando De Soto und Douglas North oder anderen gesetzlichen Institutionen.

Die vielleicht wichtigste Zutat war, dass im Zuge jener zwei Jahrhunderte die „Ideen und Gedanken begannen, Sex zu haben“, wie Matt Ridley diesen Prozess in seinem Buch The Rational Optimist beschrieb. Dies ermöglichte Erfindern, Entdeckungen zu machen und technologische Wunderwerke auf den Weg zu bringen, oftmals mittels zufälliger Verbindungen, die der Historiker James Burke zwischen scheinbar zusammenhanglosen früheren Erfindungen gefunden hatte und die uns das Fernsehen, Computer und andere Wunderdinge brachten.

Warum traten die Gedanken auf einmal in Verbindung miteinander und vermehrten sich?, fragt McCloskey. Ein Grund waren die Printmedien, die es immer mehr Menschen ermöglichten, von den Gedanken zu lesen und an diesen teilzuhaben. Allerdings führt sie noch zwei andere primäre Entwicklungen an: Freiheit und Gleichheit. Freie Menschen sind erfinderisch, beobachtet sie – frei, um dem Glück nachzujagen und Ideen zu entwickeln; frei zu versuchen und zu scheitern und erneut zu versuchen, frei, ihre eigenen Interessen zu verfolgen – und die damit bessere Menschen sind.

Freiheit sozialer Würde, bevor das Gesetz die Menschen ermutigte zu investieren, zu erfinden und Risiken einzugehen. Als erst einmal Abstammung, Titel, vererbter Wohlstand oder formelle Bildung nicht mehr Kontrolle über Schicksale und Gelegenheiten ausübten, konnten sich angeborene Inspiration, der Schweiß und die Beharrlichkeit von Personen wie Franklin, Bell, Edison, Wright, Kettering, Steinmetz, Ford, Benz, Borlaug und zahllose Andere frei entfalten.

„Vermeintlich unterlegene Rassen und Klassen und Ethniken erwiesen sich als keineswegs unterlegen“, sagt McCloskey. „Ganz normale Frauen und Männer mussten nicht von oben gesteuert werden. Vielmehr wurden sie, wenn sie geehrt und allein gelassen wurden, ungeheuer kreativ“. Das ist eine wichtige Botschaft in der hervorragenden britischen TV-Serie Downton Abbey. Kurz: wenn man soziale Restriktionen abschafft, laufen viele Menschen zu immer neuen Höhen auf.

Viele andere Faktoren spielten in diesem unglaublichen Prozess Schlüsselrollen. Zwei davon sind besonders wichtig:

Die wissenschaftliche Methode: Es beginnt mit einer Hypothese darüber, wie eine Komponente der natürlichen Welt wirkt, und eine Berechnung oder auch Vorhersage, was passieren würde, falls diese Hypothese richtig wäre. Wissenschaftler vergleichen die Hypothese und die Vorhersage dann mit Experimenten. Falls sie von Daten und Beobachtungen bestätigt wird, haben wir eine neue Theorie oder auch ein neues Naturgesetz gefunden. Passt es jedoch nicht zusammen, ist die Hypothese falsch.

Dieses Verfahren führte zu erstaunlichen Fortschritten – oftmals über langes und arbeitsaufwändiges Austesten, vielen Modifikationen und oft auch begleitet von hitzigen, scharfen Debatten darüber, welche Hypothese korrekt war, welches System besser war, und zahllose andere Untersuchungen.

Reichlich zuverlässige und bezahlbare Energie – das meiste davon fossile Treibstoffe – machten all dies und noch viel mehr möglich. Sie führte uns heraus aus menschlicher und tierischer Muskelkraft, aus Holz, Dung und Wasserrädern hinein in eine Energiedichte, die zuverlässig Fabriken, Labore, Schulen, Krankenhäuser, Wohnungen und Büros versorgen konnte. Genau jene Treibstoffe trieben auch Maschinen an, die schädliche Verschmutzungen aus Luft und Wasser herausfilterten, und sie beendeten unsere wenig nachhaltige Abhängigkeit von Walöl, was diese wunderbaren Tiere vor dem Aussterben bewahrte.

Heute machen Kohle, Öl und Erdgas immer noch 80% der Energie für Amerika und die Welt aus, gebraucht für Transporte, Kommunikation, Kühlung, Heizung, Licht, Erzeugung von Gütern, Entertainment und alle anderen Komponenten des heutigen Lebens. Zusammen ermöglichen es die wissenschaftliche Methode und Energie in industrieller Größenordnung unserer Ultimate Resourcedem menschlichen Gehirn – immer neue Ideen und Technologien zu entwickeln, welche das Leben für die Menschen in wohlhabenderen Ländern besser, gesünder und länger machen als jede Möglichkeit noch vor einem Jahrhundert.

Gehirn

Medizinische Forschung entdeckte, warum Menschen an Wunden starben; außerdem die wirklichen Ursachen von Malaria, Pocken, Cholera und anderen Krankheiten; sie entwickelte Antibiotika, Insektizide und Medikamente zur Bekämpfung von Krankheiten und zur Verbesserung unseres Wohlergehens insgesamt; Narkose- und chirurgische Verfahren, die lebensrettende Operationen und auch Organverpflanzungen ermöglichten; sanitäre Anlagen (Toiletten, Seife, Müllentsorgung) und Reinigung von Wasser; neben zahlreichen anderen Fortschritten, die die durchschnittliche Lebenserwartung in Amerika von 46 Jahren im Jahre 1900 auf heute 76 Jahre für Männer und 81 Jahre für Frauen hat steigen lassen.

Verbrennungsmotoren ersetzten Pferde durch Pflüge und Fahrzeuge für Transporte; sie sorgten dafür, dass die Straßen in Städten von Mist, Urin und Kadaver befreit wurden, während sie neue Probleme hervorbrachten, mit denen sich spätere Generationen abmühen mussten. Heute können wir innerhalb von Stunden in der Welt herumreisen sowie Kleidung und andere Güter in die entferntesten Ecken der Welt tragen.

Mechanisierte Landwirtschaft – in Verbindung mit modernen Düngern, Hybriden und Gen-Saatgut, Tröpfchen-Bewässerung und anderen Fortschritten – erzeugen Spitzen-Ernteerträge, die Milliarden ernähren, wobei immer weniger Land, Wasser und Insektizide verbraucht werden.

Häuser werden besser und stärker gebaut, um Kälte, Hitze und Krankheitserreger tragende Insekten herauszuhalten; um widerstandsfähiger gegen Hurrikane und Erdbeben zu sein; und um deren Bewohner in Kontakt zu halten mit allem, was auf unserem Planeten und sogar darüber hinaus passiert.

Moderne Bergbau-Verfahren und neue Technologien erspüren, extrahieren und verarbeiten die unglaubliche Vielfalt von Metallen und anderen Rohstoffen, die erforderlich sind, um die Ausrüstung und die Maschinen zu konstruieren, die die Energie liefern.

Falls Energie die Master-Ressource ist, die all das möglich macht, dann ist elektrischer Strom der König der modernen Energieformen. Man stelle sich unser Leben ohne Strom vor – erzeugt von Kohle, Erdgas, Kern- und Wasserkraft, Wind und Solar oder Batterien. Man stelle sich das Leben vor der Erfindung des Stromes vor, oder bevor Internet und Handys das gesamte Wissen der Menschheit sofort für jedermann verfügbar machten.

Mindestens ein weiterer Faktor half, sich diese plötzliche Flutwelle von Erfindungen, Fortschritt, Gesundheit und Wohlstand entfalten zu lassen. Eine relativ neue legale Möglichkeit, die Körperschaften, organisierten und lenkten Menschen, Geld und andere Ressourcen in Richtung allgemeiner Nutzung. Ein wachsender Privatsektor – freie Unternehmer und Unternehmungen – brachten Körperschaften, Ideen, Arbeit und das Geld von Investoren auf eine Linie, assistiert von sich entwickelnden Finanzierungs- und Investment-Systemen, während juristische und legislative Institutionen das ethnologische und gesetzliche Rahmenwerk innerhalb dieser Unternehmungen schufen.

Zahlreiche „unsichtbare Hände“ arbeiteten zusammen über Kontinente und Ozeane hinweg, oftmals sogar ohne dass die einzelnen Teilnehmer voneinander wussten. Damit wurden so einfache Produkte erzeugt wie ein Bleistift oder ein Handy.

All das hinterlässt uns eine tief greifende, profunde Frage. Wenn all diese Gesundheit, dieser Wohlstand und die Langlebigkeit für so Viele vorhanden ist – warum gibt es dann immer noch viele andere, die um ihr Überleben kämpfen? Warum haben zwei Milliarden Menschen immer noch kaum Strom und weitere 1,3 Milliarden Menschen überhaupt keinen? Warum müssen zwei Milliarden immer noch mit 3 Dollar pro Tag überleben? Warum sterben immer noch eine halbe Milliarde Menschen an Malaria? Und fünf Millionen weitere an Atemwegs- und Darmkrankheiten?

Die Formel für Gesundheit und Wohlstand ist kein Geheimnis. Sie kann jederzeit auf dem Handy abgefragt werden. Tatsächlich findet sich das wirkliche „ökonomische Wunder“ Leon Louw zufolge nicht in Südkorea, Singapur oder Botswana – sondern in Nordkorea, Venezuela und dem größten Teil Afrikas.

Was uns faszinieren sollte, ist das ,Wunder der Armut‘ [the miracle of poverty], also die Art und Weise, mit der unfähige, korrupte, habgierige und über-regulierte Regierungen zusammen mit Planwirtschaft verhindert haben, dass es zu Wohlstand kommt. Was uns wütend machen sollte ist, dass zahllose UN-Agenturen, NGOs und Aktivisten ihre öko-imperialistischen Agenden (hier) so frei zur Geltung bringen konnten und Länder daran hinderten, Eigentumsrechte und Technologien zu entwickeln, die so viele Nationen gesund und reich gemacht haben.

Was uns Sorgen machen sollte ist, dass viele Kräfte konspirieren, um freies Unternehmertum, freie Rede, die wissenschaftliche Methode sowie eine zuverlässige und bezahlbare Energie zurückzufahren, die den modernen Lebensstandard ermöglichen. Dass wir diesen heute haben, ist keine Garantie dafür, dass wir ihn auch morgen noch haben. Gelingt es uns nicht, diese essentiellen Fortschritte zu sichern, würde uns dies auf den Weg bringen, dem „Wunder der Armut“ immer näher zu kommen. Es würde uns zu ERLs – ehemals reichen Ländern [FRCs: Formerly Rich Countries] machen.

Link: http://www.cfact.org/2016/06/04/how-the-west-got-healthy-and-prosperous/

Übersetzt von Chris Frey EIKE