Diese alternative Sicht der Dinge zielt darauf ab, sich auf klimatische Ereignisse vorzubereiten und sich daran anzupassen, und zwar auf deutlich unterschiedliche Weise verglichen mit der früheren Betonung durch die meisten westlichen Parlamente, die globale Erwärmung durch Drosselung der Kohlendioxidemissionen zu drosseln.
Letztendlich muss die Grundlage der Entscheidung zwischen Vermeidung oder Anpassung die Analyse der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Beweise über die Klimaänderung sein. Und doch wird die heftige öffentliche Debatte über die mögliche gefährliche, vom Menschen verursachte globale Erwärmung durch zwei Dinge beherrscht.
Erstens durch eine ungeeignete Methode historischer Temperaturmessungen, mit denen eine mittlere globale Temperaturstatistik rekonstruiert wird.
Und zweitens, befeuert durch Lobbyisten und Medieninteressen, durch eine unglückliche Emotionalisierung, die sich zwischen Gruppen von Personen entwickelt hat, die entweder als „Alarmisten“ oder als „Leugner“ bezeichnet werden.
In Wirklichkeit passt die große Mehrheit der aktiven Wissenschaftler in keine dieser beiden Kategorien. Alle kompetenten Wissenschaftler akzeptieren erstens, dass sich das globale Klima schon immer geändert hat, und zweitens, dass menschliche Aktivitäten definitiv das lokale Klima beeinflussen (nicht nur durch Emissionen von Kohlendioxid), die in der Summe das Potential haben, das globale Klima messbar zu beeinflussen und drittens, dass das Kohlendioxid ein sehr mildes Treibhausgas ist.
Die wirkliche wissenschaftliche Debatte dreht sich daher auch um keines dieser Dinge, sondern um das Signal und die Größenordnung irgendeines menschlichen Effektes und seiner wahrscheinlichen Signifikanz, wenn man es im Zusammenhang mit der natürlichen Klimaänderung betrachtet.
Aus vielen verschiedenen Gründen, darunter verschiedene Typen von Verzerrungen, Irrtümer und unberücksichtigte Artefakten stellen die Thermometeraufzeichnungen lediglich einen groben Umriss der mittleren globalen Temperatur während der vergangenen 150 Jahre dar.
Die MSU (Microwave Sounding Unit)-Aufzeichnung von 1979 bis 2011 ist unsere einzige Abschätzung der mittleren globalen Temperatur mit akzeptabler Genauigkeit, aber mit ihrer Dauer von lediglich 32 Jahren repräsentiert sie lediglich einen Punkt mit Klimadaten. Die zweite verlässlichste Schätzung der globalen Temperatur, ermittelt mit Radiosonden und Wetterballonen, datiert zurück bis zum Jahr 1958, und in dem Zeitraum, in dem sich beide überlappen, stimmen sie gut überein.
Fasst man diese beiden Temperaturaufzeichnungen zusammen, so zeigen sie keinen signifikanten Erwärmungstrend seit 1958, obwohl beide im Zuge des starken El Nino im Jahr 1998  eine stufenartige Zunahme der mittleren globalen Temperatur um 0,2°C zeigen.
Außerdem deutet die seit einiger Zeit ruhige Sonne und das Fehlen jeglicher Erwärmung während der letzten 15 Jahre – und das trotz einer Zunahme des atmosphärischen CO2-Niveaus um 10%, welches 34% aller nach-industriellen Emissionen repräsentiert – deuten darauf hin, dass die alarmistische Hypothese der globalen Erwärmung falsch ist und dass eine Abkühlung die größte Klimabedrohung der kommenden Jahrzehnte sein könnte.
Klimaänderungen erfolgen über geologische Zeiträume von Tausenden und Millionen von Jahren, aber unglücklicherweise stellen die relevanten geologischen Datensätze keine direkten Messungen zur Verfügung, schon gar nicht die gesamte mittlere globale Temperatur.
Stattdessen erfassen sie bzgl. Klimaänderungen lokale oder regionale Proxy-Daten unterschiedlicher Qualität. Nichtsdestotrotz zeigen zahlreiche hoch qualitative paläoklimatische Aufzeichnungen, vor allem jene aus Eisbohrkernen und Bohrkernen von Sedimenten am Meeresboden, dass im 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts keine ungewöhnlichen oder unbequemen Änderungen des Klimas aufgetreten waren.
Trotz einer geschätzten Geldausgabe von gut 100 Milliarden Dollar seit 1990 auf der Suche nach einem menschlichen Temperatursignal zeigt die geologische Realität bislang keinen überzeugenden empirischen Beweis für einen messbaren und schon gar nicht für einen besorglichen Einfluss des Menschen auf das Klima.
Nichtsdestotrotz, ein Schlüsselpunkt, dem alle Wissenschaftler zustimmen, ist, dass natürliche Ereignisse und Änderungen im Zusammenhang mit Klima sehr reale menschliche und umweltliche Opfer fordern. Unter diesen Bedrohungen finden sich Stürme, Überschwemmungen, Blizzards, Dürren und Buschbrände; ebenso wie sowohl lokale als auch globale Temperatursprünge und längerzeitliche Abkühlungs- und Erwärmungstrends.
Mit Sicherheit wird es all diese natürlichen klimabezogenen Ereignisse weiterhin geben, und von Zeit zu Zeit werden sie auch weiterhin Opfer aller Art fordern.
Extreme Wetterereignisse (und ihre Konsequenzen) sind Naturkatastrophen ähnlichen Charakters wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche. Unserem heutigen Verständnis nach können solche Ereignisse weder bis in ferne Zukunft vorhergesagt noch verhindert werden, wenn sie erst einmal im Gange sind. Daher ist auch das Thema, wie man mit zukünftigen Klimaänderungen umgeht, primär eine Sache der Risikoabschätzung und der Minimierung, und zwar für natürliche Risiken, die sich von Ort zu Ort auf der Welt unterschiedlich auswirken.
Der Umgang mit der Klimarealität so, wie sich diese gerade manifestiert, stellt ganz klar die klügste, praktischste und kosteneffektivste Lösung bzgl. der Klimaänderung dar. Ganz wichtig, eine Politik der Anpassung wirkt auch stark vorbeugend gegen jedweden (möglicherweise gefährliche), vom Menschen verursachten Klimatrend, der in Zukunft auftreten könnte.
Bob Carter, Financial Post
Bob Carter, a paleoclimatologist at James Cook University, Australia, and a chief science advisor for the International Climate Science Coalition, is in Canada on a 10-day tour. He speaks at Carleton University in Ottawa on Friday.
Link: http://opinion.financialpost.com/2012/05/23/deal-with-climate-reality-as-it-unfolds/
Übersetzt von Chris Frey EIKE