Autor Manfred Knake vom Wattenrat.
Ohne ein stabiles Stromnetz kann keine Windkraftanlage Strom ins Netz einspeisen. Dieser Wind“park“ kann also nicht eine einzige Glühbirne erhellen, wenn kein oder nur wenig Wind weht. Der Geschäftsführer der „Deutschen Offshore-Testfeld und Infrastruktur-GmbH & Co. KG“ (DOTI) brachte es auf den Punkt: «Für jedes Megawatt Windstrom muss auch ein Megawatt an Land als Ausgleich bereit stehen» (dpa/lni vom 27. April 2010).
Dieser bemerkenswerte Satz wurde in der Jubel-Berichterstattung vieler Medien einfach unterschlagen, Selbstzensur ist möglich. Und dieser „Ausgleich“ wird von Gas-, Kohle-, und Atomkraftwerken geleistet; Wind- und Atomenergie sind also „heimliche Schwestern im Netz“, die Windkraft keine Alternativ- sondern eine sehr teure Additivenergie, für den imaginären „Klimaschutz“ also völlig untauglich.
Für die Finanzierung hat man die haushaltsneutrale Subventionierung aus der Zwangsabgabe für alle Stromkunden mit dem „Erneuerbaren Energiengesetz“ erfunden, eine Lizenz zum Gelddrucken für Windkraftbetreiber. Der Offshore Boom begann erst richtig im Jahre 2008,  als sich die Windlobby durch den Bundestag die Einspeisevergütung von 9ct  auf 15ct/kWh erhöhen ließ, nun erst rechnete sich das Geschäft (siehe auch “Investitionsruinen auf See”). Einer der Lobbyisten der innigen Verflechtungen von Politik und Wirtschaft  ist Wolfgang von Geldern (CDU), Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Windkraftwerke. Von Geldern war von 1983 bis 1991 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Regierung Kohl. Von 1998 bis 2008 war er  Vorstandsvorsitzender der Plambeck Neue Energien AG, ebenfalls ein Offshore-Betreiber.
„Umweltfreundlich”  ist diese Art der Stromerzeugung auf See ohnehin nicht. Bei den Seekabelverlegearbeiten 2008 entstanden erhebliche Schäden in einer Schutzzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeerzwischen der Insel Norderney und dem Festland.
Für ziehende Seevögel sind Offshore-Windparks gerade bei unsichtigem Wetter Todesfallen; diese künstlichen Riffe am stark befahrenen Verkehrstrennungsgebiet der südlichen Nordsee können auch zu Havarien mit Schiffen  und dann zu großflächigen Öleinträgen in die Nordsee und das Wattenmeer führen.
DOTI: Für die Realisierung des ersten deutschen Offshore-Windparks Alpha Ventus wurde 2006 die „Deutsche Offshore-Testfeld und Infrastruktur-GmbH & Co. KG“ (DOTI) gegründet. Die EWE AG ist mit 47,5 Prozent Führungsgesellschaft und realisiert das Projekt mit weiteren Partnern aus der Energiebranche. Unter der Bezeichnung „Borkum West“ hat DOTI die Genehmigungsrechte an dem Testfeld von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für die Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See (Stiftung Offshore-Windenergie) gepachtet. Unternehmenssitz der DOTI GmbH ist Oldenburg.
Wir zitieren:

dpa/lni vom 27. April 2010

[…]Auch Minister Röttgen und die Chefs der drei beteiligten Energiekonzerne sind optimistisch: «Bis zum Jahr 2050 klimaneutrale
Stromerzeugung, also praktisch CO2-frei», gibt Röttgen das Ziel der Bundesregierung vor. Allein bis 2030 sollen bereits mehrere 1000 Anlagen mit einer Leistung von 25 000 Megawatt installiert sein. Die Hürden bis dahin sind noch hoch: Umweltfragen beim Bau sind noch ungelöst, und bei Flaute fließt kein Strom durch die Seekabel an Land. «Für jedes Megawatt Windstrom muss auch ein Megawatt an Land als Ausgleich bereit stehen», sagt Lamsbach. […]

stern.de vom 27. April 2010
Kritik von Umweltschützern
[…] Kritik gab es anfangs nach Schäden im Watt bei der Verlegung des tonnenschweren Seekabels. Es endet auf einem auf Stelzen gebauten Umspannwerk im Windpark, wo auch ein Hubschrauber landen kann.
Naturschützer wie der regionale Wattenrat in Ostfriesland sehen zudem Gefahren für Schweinswale und Zugvögel. Ein Untersuchungsbericht von der benachbarten Forschungsplattform Fino 1 zeigt eine hohe Gefährdung beim Vogelzug in der Nacht. Ornithologen hatten bereits während des Baus zum Schutz der Tiere und der Anlagen ein Frühwarnsystem in Kombination mit einem Beleuchtungs- und Abschaltkonzept vorgeschlagen. Denn bei schlechtem Wetter fliegen die Vögel niedrig und werden mangels anderer Rastplätze auf See durch beleuchtete Objekte angezogen. Die Beleuchtung wiederum ist aus Gründen der Schiffs- und Flugsicherheit vorgeschrieben.
Skeptiker befürchten aber auch Gefahren für die Schifffahrt, wenn sich weitere Windparks in der dicht befahrenen Deutschen Bucht drängeln.[…]

Handelsblatt, online, 28. April 2010
Offshore-Windpark: Brüssel prüft Zuschuss für Alpha Ventus
Der gerade eröffnete Offshore-Windpark Alpha Ventus könnte zum Zankapfel zwischen Bundesregierung und EU-Kommission werden. Brüssel blockiert einen Zuschuss in Höhe von 30 Millionen Euro für das Projekt.
NORDDEICH. Blauer Himmel, dazu eine leichte, aber stetige Brise: Die Bedingungen für die Eröffnung des ersten deutschen Offshore-Windparks schienen am Dienstag ideal. Doch aus Sicht des Unternehmenskonsortiums, das den Windpark Alpha Ventus 45 Kilometer nördlich von Borkum hochgezogen hat, ziehen dunkle Wolken auf: Die EU-Kommission blockiert einen Zuschuss für das Projekt. […]
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 Als Ergänzung eine überschlägige Kosten/Nutzen Rechnung von Michael Krüger Science Sceptical hier zu lesen