Teil 3: Die Auswirkung von Konvektion auf den Strahlungstransport

Im vorherigen Artikel haben wir gesehen, dass Schwarzschild das Modell seiner Sonnenatmosphäre um das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz herum konstruiert hat, um das Problem der kurzen Reichweiten der Strahlung in einer absorbierenden Atmosphäre zu umgehen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Lokales thermisches Gleichgewicht als Voraussetzung für die Anwendbarkeit des Kirchhoff’schen Strahlungsgesetzes

In diesem Artikel gehe ich darauf ein, wie sich Konvektion auf die Gültigkeit des Kirchhoffschen Strahlungsgesetzes in einer absorbierenden Atmosphäre auswirkt und welche Auswirkungen das auf den Strahlungstransport hat.

Denn sobald Konvektion ins Spiel kommt, ist die Bedingung des lokalen thermischen Gleichgewichtes nicht mehr erfüllt. Durch Konvektionsströmungen und den damit verbundenen Turbulenzen wird Schwarzschilds homogene Schichtung der Atmosphäre zerstört. Es entstehen große lokale Temperatursprünge. Das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz ist deshalb nicht mehr anwendbar (Abbildung 2).

Abbildung 2: Kirchhoff’sches Strahlungsgesetz nicht mit Konvektion vereinbar.

Wenn wir die Situation unter dem Aspekt der Entropie betrachten, stellen wir fest (Abbildung 3): Um die Voraussetzungen für einen reinen Strahlungstransport durch die Sonnenatmosphäre zu schaffen, muss Schwarzschild eine Atmosphäre mit einem sehr hohen Ordnungsgrad konstruieren. In flüssigen oder gasförmigen Systemen wird ein solcher Zustand schon durch geringe Störungen dazu veranlasst in einen ungeordneten, konvektiv/turbulenten Zustand überzugehen. Unter konvektiv/turbulenten Bedingungen hat das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz und damit die darauf basierende Lösung der Strahlungstransportgleichung keine Gültigkeit.

Abbildung 3: Zusammenbruch des Strahlungstransportes unter Entropiegewinn

Der Übergang in den konvektiv/turbulenten Zustand findet unter Entropiegewinn statt. Er ist spontan und irreversibel. „Der 2. Hauptsatz der Thermodynamik sorgt für einen Zusammenbruch des Strahlungstransportes in einer konvektiven Atmosphäre“.

Noch anschaulicher wird das, wenn wir ein „rein mechanisches Konvektionsmodell“ unter dem Aspekt des Kirchhoffschen Strahlungsgesetzes betrachten.

Ein idealisierter (reibungsfreier) Konvektionsstrom (Abbildung 4) leistet keine Arbeit.

Abbildung 4: Idealisierter Konvektionsstrom

Die im aufsteigenden Teil des Konvektionsstromes durch Expansion geleistete Volumenarbeit lässt die aufsteigende Luft abkühlen. Im absteigenden Teil des Konvektionsstromes wird dieselbe Arbeit durch Kompression wieder frei und bewirkt eine Erwärmung der absteigenden Luft.

Oder anders ausgedrückt: Der Konvektionsstrom beschreibt einen geschlossenen Weg im konservativen Schwerefeld der Erde und leistet deshalb keine Arbeit.

Dennoch hat Konvektion einen dramatischen Einfluss auf den Strahlungstransport durch die Troposphäre. Der Konvektionsstrom nimmt von der Erdoberfläche Wärme durch Diffusion und Strahlungsabsorption auf und gibt sie im oberen Teil als Wärmestrahlung wieder Richtung Weltraum ab. Der Konvektionsstrom transportiert Wärme von der Erdoberfläche an die Grenze der Troposphäre, auch wenn er, von Reibungsverlusten abgesehen, selbst keine Arbeit leistet.

D.h. unter konvektiven Bedingungen wird der bodennahe Teil des Konvektionsstromes zu einem Netto-Strahlungsabsorber und der obere Teil des Konvektionsstromes, entlang der Tropopause, wird zu einem Netto-Strahlungsemitter (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der bodennahe Teil des Konvektionsstromes ist ein Netto-Strahlungsabsorber. Der obere Teil des Konvektionsstromes ist Netto-Strahlungsemitter.

Die zur Lösung der Strahlungstransportgleichung verwendete Randbedingung, dass jede Luftschicht genauso viel Strahlung absorbiert, wie sie emittiert, ist nicht mehr erfüllt. Die unter dieser Randbedingung (Gültigkeit des Kirchhoffchen Strahlungsgesetzes in der Troposphäre) hergeleiteten Lösungen der Strahlungstransportgleichung liefern daher keine sinnvollen Aussagen, wenn man versucht eine konvektive Atmosphäre mit ihnen zu beschreiben.

Um die Auswirkung von Konvektion auf ein Strahlungstransportgleichgewicht etwas konkreter zu beschreiben, betrachten wir ein Volumenelement, das an einer festen Position in Schwarzschilds Modellatmosphäre fixiert ist (Abbildung 6). Das Volumenelement absorbiert die vom Kern aufsteigende Strahlung und wandelt sie in Wärme um. Diese Wärme wandelt es dann wieder vollständig zurück in Strahlung um, die das Volumenelement wieder verlässt. D.h. das Volumenelement ist nur deshalb für die Strahlung „durchlässig“, weil es die bei der Strahlungsabsorption freigesetzte Wärme wieder vollständig in Strahlung umwandelt.

Abbildung 6: Ein Volumenelement in Schwarzschilds Sonnenatmosphärenmodell vs. ein Volumenelement in unserer Troposphäre.

Wenn nun das Volumenelement von einem Konvektionsstrom durchflossen wird, der die Absorptionswärme abführt, ist eine vollständige Rückumwandlung der Absorptionswärme zurück in Strahlung nicht mehr möglich. Durch diesen Wärmeabfluss wird das Volumenelement für die Wärmestrahlung undurchlässig.

D.h. sobald Schwarzschilds konvektionslose Modellatmosphäre gestört wird und in Bewegung kommt, muss sich eine für Wärmestrahlung undurchlässige Konvektionsschicht ausbilden, die die Wärme an die äußere Grenze der Atmosphäre transportiert. Dort kann die Wärme dann in Strahlung umgewandelt und ins Weltall abgegeben werden.

Es ist also zu erwarten, dass der Bereich der Atmosphäre, der Strahlung mit der Erdoberfläche austauscht durch eine strahlungsundurchlässige Konvektionsschicht von dem Bereich der Atmosphäre, der in den Weltraum abstrahlt, getrennt ist.

Oder mit anderen Worten. Die Konvektionsschicht sorgt für eine Entkopplung der Oberflächenstrahlung von der aus den hohen Schichten der Atmosphäre ins Weltall abgegebenen Strahlung (Abbildung 7).

Abbildung 7: In einer konvektiven Atmosphäre muss sich eine für die Treibhausgasfrequenzen undurchlässige Konvektionsschicht ausbilden.

Gemäß dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik ist eine verlustfreie Umwandlung von Strahlung in Wärme und wieder zurück in Strahlung nicht möglich. In von Konvektion durchsetzen Medien erfolgt der geforderte Verlust durch konvektiven Wärmeabfluss.

Zusammenfassend können wir schon nach dieser oberflächlichen Betrachtung feststellen, dass die unter der Annahme der Gültigkeit des Kirchhoffschen Strahlungsgesetzes hergeleiteten Lösungen der Strahlungstransportgleichung zur Beschreibung unserer von Konvektionsströmungen beherrschten Erdatmosphäre ungeeignet sein müssen.

Im nächsten Artikel werde ich kurz auf die Spektroskopie der Treibhausgase eingehen, um die Grundlagen für das Verständnis der Wechselwirkung von CO2 mit IR-Strahlung zu schaffen.

Anmerkungen: Das hier gesagte heißt nicht, dass Schwarzschilds Modell vollkommen unbrauchbar ist. Oberhalb der Troposphäre kommt die Konvektion nahezu zum Erliegen. Dadurch herrschen in der Stratosphäre Bedingungen, die dem von Schwarzschild vorgeschlagenen Modell nicht unähnlich sind. Inwieweit sich das auf die Oberflächentemperatur der Erde auswirkt, besprechen wir, nachdem wir uns mit der Spektroskopie der Treibhausgase beschäftigt haben.

Schwarzschilds Idee hat auch eine technische Anwendung. Strahlungstransportmodelle werden benutz um das Abkühlverhalten großer halbtransparenter Systeme ohne Konvektion beschreiben zu können. Zum Beispiel kann die Abkühlung großer Glasobjekte während des Produktionsprozesses erfolgreich mit der Strahlungstransportgleichung modelliert werden, sobald das Objekt so weit erstarrt ist, dass keine Konvektion mehr auftritt. Frank-Thomas Lentes, Schott Glaswerke Mainz: https://kluedo.ub.rptu.de/frontdoor/deliver/index/docId/743/file/itwm_4.pdf

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Online-Buch „Die unglaubliche Physik des Treibhauseffektes“, das unter https://markusott.substack.com/p/die-unglaubliche-physik-des-treibhauseffektes zu finden ist. In diesem Werk hat der Chemiker Dr. Markus Ott zusammen mit seinem Kollegen Tom Shula, einem Physiker aus der Halbleiterindustrie des Silicon Valley, die Ergebnisse ihrer intensiven Beschäftigung mit der Physik des atmosphärischen Treibhauseffektes dargelegt. Eine englische Version des Buches ist ebenfalls auf Substack verfügbar https://markusott.substack.com/p/the-fake-physics-of-the-greenhouse . Teile ihrer Arbeit werden auch auf dem YouTube-Kanal von Tom Nelson https://www.youtube.com/@tomnelson2080 vorgestellt.

Markus Ott arbeitet seit 1994 als Forscher und Entwickler in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Er hat sich vor allem mit der Entwicklung photolithographischer Methoden zur Herstellung von Biochips sowie mit der Entwicklung lichthärtender Kunststoffe beschäftigt. Neben den theoretischen Grundlagen verfügt er über die notwendige praktische Erfahrung, um die Wechselwirkung von Licht mit Materie zu beurteilen. Als begeisterter Flieger beschäftigt er sich seit seiner Jugend mit den Vorgängen in unserer Atmosphäre. Das Buch „Die unglaubliche Physik des Treibhauseffektes“ bzw. die englische Version „The Fake Physics of the Greenhouse Effect“, sollen in möglichst verständlicher Form zeigen, dass das zentrale Dogma der modernen Klimawissenschaft jeder physikalischen Realität entbehrt.

Dank auch an Dieter Glatting, der mit seinem Artikel „Die Falsifizierung der Treibhaus-These“ diese Artikelserie angeregt hat und bei der Umsetzung behilflich war.

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