Cap Allon
Mehr als ein Jahrhundert mit Küstenmessungen zeigt überwiegend nur allmähliche Veränderungen des Meeresspiegels, wobei an den meisten Messstationen kaum eine deutliche Beschleunigung festzustellen ist. Unterdessen wird in veröffentlichten Forschungsarbeiten die Genauigkeit der aus Satellitendaten abgeleiteten Schätzungen zur Beschleunigung weiterhin in Frage gestellt.
Stündliche Beobachtungen des Sea Level Center der Universität von Hawaii, von denen einige bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, zeichnen ein deutlich anderes Bild als der Eindruck einer sich überall beschleunigenden Küstenüberflutung, den die „Klima-Alarmisten“ verbreiten.
Die Messdaten lassen sich in Fünfjahresintervalle gruppieren, wobei lineare Trends mit quadratischen Kurven verglichen werden, die darauf ausgelegt sind, Beschleunigungen zu erkennen. In San Francisco ist der relative Meeresspiegel seit 1897 um etwa 2 mm pro Jahr gestiegen. In New York sind es 3,2 mm, in Charleston 3,6 mm und in Galveston 6,6 mm. An anderen Orten sinkt der Meeresspiegel jedoch. Stockholm verzeichnet einen relativen Rückgang von etwa 3,7 mm pro Jahr, während Ratan in Nordschweden einen Rückgang von fast 8 mm pro Jahr aufweist.
Ein Großteil dieses Kontrasts lässt sich durch Landbewegungen erklären.
Während der letzten Eiszeit drückten riesige Eisschilde die Erdkruste nach unten. Tausende Jahre nach deren Rückzug hebt sich das Land in Teilen Skandinaviens und Kanadas immer noch. An anderen Orten, darunter Abschnitte der US-Ostküste, sinkt das Land ab, weil ehemalige Gletscherausbuchtungen zusammenbrechen. Lokale Bodensenkungen können den relativen Anstieg weiter beschleunigen.
Der Ozean verhält sich nicht einheitlich, ebenso wenig wie das Land unter uns.
Noch auffälliger ist, dass viele der längsten Pegelmessreihen bemerkenswert linear verlaufen.
Der nachstehende Vergleich von neun Messstationen veranschaulicht dies. Die quadratischen Anpassungen (in Rot) weichen relativ wenig von den geradlinigen Trends ab. Sechs zeigen eine moderate positive Beschleunigung, zwei eine negative Beschleunigung und Honolulu praktisch gar keine. In den meisten Fällen weichen die gekrümmten Anpassungen kaum von den geraden Linien ab.

Langjährige Pegelaufzeichnungen von neun Küstenstationen. Die blauen Linien zeigen lineare Trends; die roten Linien zeigen quadratische Anpassungen, die zur Abschätzung der Beschleunigung verwendet worden sind. Die meisten weisen nur geringfügige Abweichungen von einer geraden Linie auf. [Sea Level Center der Universität von Hawaii]
Die Unterscheidung zwischen dem sich verändernden globalen Durchschnitt, wie er sich aus den Satellitendaten ergibt, und den tatsächlichen Wasserständen an den einzelnen Küsten ist in der wissenschaftlichen Literatur ein weit reichendes Thema.
Im Jahr 2017 stellten Forscher der NASA ein mutmaßliches Kalibrierungsproblem bei frühen TOPEX-Satellitenmessungen fest, bei denen die Abweichungen beim Meeresspiegel offenbar bis zu etwa 5 mm betrugen. Vergleiche mit Pegel-Messstationen trugen dazu bei, das Problem aufzudecken.
Eine nachfolgende Studie aus dem Jahr 2019 in „Scientific Reports“ wandte eine alternative Satellitenkalibrierung an und stellte fest, dass die geschätzte globale Beschleunigung im Zeitraum 1993–2016 bei einem Konfidenzniveau von 95 % statistisch nicht mehr von Null zu unterscheiden war.
Diese Forscher zeigten, dass die Beschleunigung des Meeresspiegel-Anstiegs erheblich davon abhing, wie die Satellitenmessungen verarbeitet wurden.
Und die Korrekturen gehen weiter.
Eine im Mai 2026 in „Science Advances“ veröffentlichte Studie senkte die geschätzte Beschleunigung seit Beginn der Satellitenbeobachtung von 1,20 auf 0,83 mm pro Jahr pro Jahrzehnt – eine Verringerung um etwa 31 % –, nachdem Korrekturen hinsichtlich des Wassergehalts in der Atmosphäre vorgenommen worden waren.
Satellitendaten werden als unwiderlegbare Beobachtungsdaten verkauft und mit außergewöhnlicher Präzision präsentiert, doch die daraus resultierenden Beschleunigungsschätzungen sind nach wie vor anfällig für Kalibrierungsentscheidungen und Korrekturen und werden ständig überarbeitet – sogar noch im Jahr 2026.
Für Gemeinden, denen eine „unmittelbar bevorstehende Überflutung“ droht, zählt der Wasserstand an ihren eigenen Küsten – nicht ein globaler Durchschnittswert, der von Satellitenkalibrierungen, modellbasierten Korrekturen und statistischen Auswertungen abhängt.
Lokale Wasserstände, Landverschiebungen, Sturmfluten und Hochwasserschwellen bestimmen das tatsächliche Risiko.
Die seit einem Jahrhundert bestehenden Gezeitenpegel liefern die unverzichtbare Realitätsprüfung: Was das Wasser tatsächlich an der Küste tut, und nicht, was ein aus Satellitendaten abgeleiteter globaler Durchschnitt vermuten lässt.
Link: https://electroverse.substack.com/p/europe-and-asia-face-cold-snaps-as?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke. Alle verlinkten Studien sind aber frei zugänglich)
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
















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