Paul Homewood, NOT A LOT OF PEOPLE KNOW THAT

Hierzulande hat man diesen Orkanwirbel mit „Manja“ bezeichnet. Zum Sinn oder Unsinn der Namensgebung für atmosphärische Druckgebilde siehe die längeren Ausführungen am Ende des Beitrags! A. d. Übers.

„Zwei Stürme an einem Wochenende“ haben die Medien unweigerlich in Aufruhr versetzt. Sie wollen uns weismachen, dass so etwas bisher so gut wie nie vorgekommen ist.

Das passiert, wenn man Stürmen alberne Namen gibt; genau aus diesem Grund hat das Met Office 2015 damit begonnen.

Früher akzeptierten die Menschen, dass nasses und windiges Wetter oft mehrere Tage dauerte. Sie betrachteten es als Teil eines einzigen Ereignisses, nicht als zwei separate.

„Boelo“ scheint stärkere und weitreichendere Winde gehabt zu haben als sein Vorgänger „Austen“. Wie gewohnt veröffentlicht das Met Office alle seine üblichen, besonders exponierten Messstandorte:

Leider stehen auch hier die Angaben in der altmodischen Einheit Meilen pro Stunde mph. Im Beitrag sind die Angaben gleich in km/h umgerechnet, in den Graphiken geht das aber nicht. Zur Orientierung: 1 mph ≅ 1,6 km/h. A. d. Übers.

Machrihanish liegt an der Spitze des Mull of Kintyre, während Capel Curig, hoch oben in Snowdonia, regelmäßig in diesen Listen auftaucht. Tiree und Port Ellen liegen auf den Inneren Hebriden bzw. auf der Insel Islay.

Brizlee Wood liegt auf einem 250 m hohen Hügel in Northumberland und ist so exponiert, dass die RAF dort eine Radarstation unterhält. South Uist ist natürlich eine weitere Insel der Äußeren Hebriden.

Bild: Die erwähnte Radarstation

Brizlee Wood

In den Medien waren Schlagzeilen wie „Winde mit 130 km/h peitschen Großbritannien“ zu lesen. Diese Behauptung ist eine glatte Lüge.

Keine der oben genannten Messstationen ist auch nur annähernd repräsentativ für das gesamte Land. Abseits der Inseln und hohen Hügel lagen die Windgeschwindigkeiten deutlich niedriger.
Eine der am stärksten betroffenen Regionen war der Südwesten Schottlands. Hier in Eskdalemuir erreichten die Windgeschwindigkeiten Spitzenwerte von 100 km/h:

Hier in Sheffield hatten wir Windgeschwindigkeiten von 85 km/h. Vor ein paar Jahren schickte mir das Met Office die Datei mit den täglichen Windgeschwindigkeiten in Bingley, West Yorkshire, wo der Wind gestern in Böen bis zu 93 km/h (50 kts) erreichte:

Die Daten des Met Office für Bingley sind in Knoten angegeben – wie die untenstehende Grafik zeigt, sind 50 Knoten in Bingley keineswegs ungewöhnlich. In den 1980er- und 1990er-Jahren kam es in den meisten Jahren zu Stürmen mit 60 Knoten und mehr:

Bingley ist vielleicht nicht repräsentativ für das gesamte Land, was Boelo betrifft; doch die Trends sind aufschlussreich und äußerst relevant.

Was die Niederschlagsmenge betrifft, so fielen in England und Wales insgesamt am Donnerstag während des Sturms „Austen“ 16,71 mm und gestern 18,81 mm:

Die KNMI-Daten reichen zwar nur bis 2022, aber 18 mm Regen an einem Tag sind wiederum nichts Ungewöhnliches:

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/10/26/storm-boelo/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

Wie es dazu kam, atmosphärische Druckgebilde mit Namen zu versehen

Dipl.-Met. Christian Freuer

Die Benennung von Druckgebilden hat eine ziemlich lange Vorgeschichte. Angefangen hat es schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts seitens des amerikanischen Hurrikan-Warnzentrums NHC. Die Schifffahrt musste natürlich vor diesen Hurrikanen gewarnt werden, und weil es damals nicht selten vorkam, dass zwei oder sogar drei Hurrikane gleichzeitig auftraten, war es immer etwas verwirrend, jeweils mit den Längen- und Breitengrad anzugeben, von welchem Hurrikan in der entsprechenden Warnung gerade die Rede war. Also wurde die Idee geboren, diese Hurrikane mit Namen zu versehen. Das waren damals ausschließlich Mädchennamen, weil man den (männlichen) Kapitänen wenigstens eine angenehme Assoziation mit diesen gefährlichen Stürmen vermitteln wollte (ob das wirklich so war, sei mal dahin gestellt). Jedenfalls hat sich das schnell etabliert.

Wie es in Deutschland zu Namensgebungen kam

Nach der Gründung des Instituts für Meteorologie der Freiern Universität Berlin Anfang der 1950er Jahre wurde dort ab dem Jahr 1953 jeden Tag eine Wetterkarte erstellt, die danach immer weiter entwickelt wurde. Weil darin öfter mehrere für Mitteleuropa relevante Druckgebilde, also Hoch- und Tiefdruckgebiete beschrieben wurden, kam Frau Dr. Karla Wege (manch einem älteren Semester vielleicht noch bekannt) auf die Idee, diese für uns bedeutsamen Gebilde mit Namen zu versehen. Entsprechend der Vorlage aus den USA wurden Tiefdruckgebiete mit weiblichen, Hochdruckgebiete mit männlichen Namen versehen, jeweils in alphabetischer Reihenfolge. In den Wetterkarten selbst waren zunächst nur die Anfangsbuchstaben verwendet worden, doch die Medien waren begeistert von diesen Namensgebungen.

Dann – der genaue Zeitpunkt ist mir entfallen – haben irgendwelche Feministinnen gegen diese Gewohnheit Einspruch erhoben. Da Tiefdruckgebiete ja häufig „schlechtes Wetter“ bringen, hatten sie sich verbeten, dieses „schlechte Wetter“ ausschließlich mit weiblichen Namen zu versehen. (Persönliche Einschätzung: Ich selbst fand die Analogie nicht so schlecht, denn Tiefdruckgebiete bringen Regen und Fruchtbarkeit. Wo nur Hochdruckgebiete herrschen, ist Wüste!). Aber dem Protest wurde Rechnung getragen, und zwar nicht nur bei uns, sondern auch bzgl. der Hurrikane. Diese wurden dann vom NHC abwechselnd mit weiblichen und männlichen Vornamen belegt. Hier in Deutschland hat man dem Protest dergestalt Rechnung getragen, dass in geraden Jahren (2026) Tiefdruckgebiete weiterhin weibliche und Hochdruckgebiete männliche Namen verpasst bekamen. In ungeraden Jahren war und ist es dann umgekehrt: 2027 werden Tiefdruckgebiete männliche und Hochdruckgebiete weibliche Vornamen erhalten.

Zurück zum obigen Beitrag. Das mit den Namen hat offenbar Schule gemacht, und in UK ist man, wie ganz oben erwähnt, ebenfalls dazu übergegangen, eigene Namen zu vergeben, die natürlich nichts mit der hiesigen Namensgebung gemein hatte. Das war im Jahre 2015.

Folge: In dieser Hinsicht herrscht nun in Europa ein heilloses Durcheinander. Das kann man finden, wie man will, aber schon der Autor Paul Homewood hat dafür den Terminus „albern“ verwendet.

image_pdfBeitrag als PDF speichernimage_printBeitrag drucken