Pierre Gosselin

Extreme Kälte bedroht Europa, Energiekrise … Wenn zwei der stärksten Klimaphänomene unseres Planeten in einem beispiellosen Ausmaß zusammenkommen, beobachten Meteorologen die Lage mit großer Aufmerksamkeit.

Meteorologen wie Joe Bastardi verfolgen aufmerksam ein dramatisches Zusammenspiel hoch über der nördlichen Hemisphäre – nämlich ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Phänomen im tropischen Pazifik, das mit einer massiven plötzlichen stratosphärischen Erwärmung zusammenfällt. Ihr gleichzeitiges Auftreten schafft eine ungewöhnliche atmosphärische Konstellation, die den kommenden Winter in Europa grundlegend verändern könnte.

Umkehrung der polaren Höhenströmung

Um zu verstehen, was dieses atmosphärische Doppelereignis für den Kontinent bedeutet, müssen wir unseren Blick mehrere Kilometer über den Polarkreis richten. Unter normalen Winterbedingungen hält ein enger Ring aus starken Westwinden, bekannt als stratosphärischer Polarwirbel, die arktische Kälte sicher in den hohen Breitengraden gefangen. Während einer plötzlichen stratosphärischen Erwärmung steigen die Temperaturen in der Stratosphäre innerhalb weniger Tage dramatisch, wodurch diese Polarwinde abgeschwächt oder sich sogar vollständig umkehren.

Die nächsten 2 bis 6 Wochen

In den folgenden zwei bis sechs Wochen wird sich diese Störung in der Höhenlage auf die darunter liegenden Wetterschichten auswirken. Die Folge ist häufig eine Hochdruckblockade über Grönland oder Skandinavien. Wenn sich solche Blockaden bilden, werden die milden, feuchten Winde vom Atlantik abgehalten und ebnen den Weg für einen direkten Korridor, durch den arktische oder kontinentale Luftmassen aus Sibirien und dem Polarkreis direkt nach Nord- und Mitteleuropa strömen können. Historisch gesehen wurden Ereignisse wie das „Beast from the East“ im Jahr 2018 genau durch diesen atmosphärischen Prozess ausgelöst.

Verstärkung durch El Niño 

Kommt nun noch ein starker El Niño hinzu, entsteht eine zweite bedeutende Kraft. El Niño erwärmt den äquatorialen Pazifik, gibt dabei enorme Mengen an Wärme an die Atmosphäre ab und verändert die Lage des Jetstreams in Tausenden Kilometern Entfernung. Entscheidend ist, dass El Niño die atmosphärischen Wellen verstärkt, die sich nach oben in die Stratosphäre ausbreiten, und damit häufig die Voraussetzungen für einen plötzlichen Zusammenbruch des Polarwirbels schafft.

Europa: erhöhte Wahrscheinlichkeit für anhaltende extreme Kälte und Schneefall

Wenn diese beiden Kräfte zusammenwirken, dürfte es in Europa zu einer deutlichen atmosphärischen Zweiteilung kommen. Für Nord-, Mittel- und Osteuropa bleibt die stratosphärische Instabilität der dominierende Faktor, was die Wahrscheinlichkeit für anhaltende Kälteperioden, starken Frost und Schneefall deutlich erhöht. Süd-Europa und der Mittelmeerraum hingegen sehen sich unter dem Einfluss der südlichen Sturmbahn einem ganz anderen Winter gegenüber, der von häufigen Tiefdruckgebieten geprägt ist, die starke Regenfälle, heftige Winde und erhebliche Schneefälle in den Bergen mit sich bringen.

Die Chancen stehen gut für eine strenge, lang anhaltende Winterkälte

Dort, wo diese beiden gegensätzlichen Luftmassen aufeinandertreffen – häufig in einem Streifen, der sich von Nordfrankreich über Deutschland bis nach Polen erstreckt –, kann eine Zone mit besonders unbeständigem Wetter entstehen. Diese Grenzflächen lösen häufig schwere Winterstürme aus, die starken Schneefall, Eisregen und Eisstürme verursachen können. Da zudem die globalen Meerestemperaturen weiterhin erhöht sind, könnte arktische Luft, die über die wärmeren Gewässer der Ost- und Nordsee strömt, zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen und so in den Küstenregionen lokal stärkere Schneefälle verursachen, als dies bei einem gewöhnlichen Kälteeinbruch der Fall wäre.

Blockierungen in hohen Breiten als entscheidender Faktor

Mehrere entscheidende Variablen werden letztendlich darüber entscheiden, ob sich dieses atmosphärische Potenzial in einer historischen Kältewelle am Boden niederschlägt. Der ausschlaggebendste Faktor ist die Position des skandinavischen Hochdruckgebietes. Wenn sich diese Blockierung direkt über Skandinavien festsetzt, werden Mittel- und Nordeuropa die Hauptlast der Kälte zu spüren bekommen, weil arktische Luft ungehindert über den Kontinent strömt. Sollte sich dieses Hoch jedoch auch nur um einige hundert Meilen nach Westen über den Atlantik verlagern, könnte die arktische Luft West- und Mitteleuropa leicht vollständig verfehlen.

Letztendlich spricht zwar die Kombination aus einem starken El Niño und einer starken stratosphärischen Erwärmung stark für eine strenge, lang anhaltende Winterkälte, doch bleibt die genaue geografische Lage des Hochdruckblocks das einzige Element, das darüber entscheidet, welche Regionen mit tiefen Minustemperaturen zu kämpfen haben und welche nur gewöhnliche Winterkälte erleben.

Erhöhte Energie-Volatilität in Europa

Die Gasreserven in Deutschland gehen mit extrem niedrigen Beständen in den Winter, so dass bei Kälteperioden praktisch kein Spielraum für Fehler bleibt. Sollte der Winter eine anhaltende arktische Kältewelle mit sich bringen, die durch eine solche plötzliche stratosphärische Erwärmung ausgelöst wird, werden die täglichen Gasentnahmemengen stark ansteigen. Ohne eine solide Reserve in den Untergrundspeichern werden plötzliche Nachfrageschübe heftige Marktpanik auslösen und die kurzfristigen Energiepreise über Nacht exponentiell in die Höhe treiben.

Link: https://notrickszone.com/2026/10/25/sudden-stratospheric-warming-powerful-el-nino-combination-may-lead-to-extreme-europe-cold-energy-crisis/

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Hierzu bringt Cap Allon am 30. Oktober noch eine Aktualisierung, die hier angefügt wird:

Dem Polarwirbel droht der früheste Zusammenbruch seit Beginn der Aufzeichnungen

Cap Allon

Prognosemodelle deuten auf eine beispiellose Störung des arktischen Polarwirbels Anfang November hin, was mit dem Herannahen des Winters möglicherweise den Weg für großflächige Kälteeinbrüche in Europa, Asien und Nordamerika ebnen könnte.

Der Atmosphärenwissenschaftler Judah Cohen warnte in seiner jüngsten Analyse vor einer außergewöhnlich frühen Störung des Polarwirbels, die durch starke atmosphärische Wellen und anhaltenden Hochdruck über dem Ural und Skandinavien ausgelöst wird.

Die neuesten europäischen Modellsimulationen bestätigen dieses Signal weiterhin.

In der Ensemble-Prognose des ECMWF vom 29. Oktober sagten 49 von 50 Vorhersage-Läufen eine Umkehrung der stratosphärischen Winde über der Arktis bis zum 8. November voraus.

Die früheste jemals verzeichnete plötzliche stratosphärische Erwärmung ereignete sich sowohl 1968 als auch 2025 am 28. November. Eine Umkehrung Anfang November würde diesen Rekord um fast drei Wochen unterbieten.

Der Polarwirbel ist eine Zirkulation starker Winde hoch über der Arktis. Wird er gestört, können sich die daraus resultierenden Veränderungen nach unten ausbreiten, den Jetstream verändern und dazu führen, dass kalte arktische Luft nach Süden vordringt. Die Modelle sagen eine starke Abkühlung in Sibirien und Ostasien voraus, wobei sich vom 6. bis 10. November unterdurchschnittliche Temperaturen möglicherweise über weite Teile Europas, einschließlich Großbritanniens, ausbreiten könnten.

Die größten Kälterisiken könnten im Dezember auftreten.

Die Modellrechnungen des Meteorologen Andrej Flis vergleichen Winter mit einem Zusammenbruch des Wirbels Anfang November mit solchen ohne einen solchen Zusammenbruch unter ähnlich starken El-Niño-Bedingungen, wie wir sie derzeit beobachten. Zwei unabhängige Simulationsreihen zeigen einen kälteren Dezember nach einem frühen Zusammenbruch: bis zu 1,7 °C kälter im mittleren und östlichen Teil der USA sowie 2 °C kälter in Skandinavien und Nordosteuropa im Vergleich zu den Szenarien ohne Zusammenbruch.

Cohen selbst verweist auf den Zeitraum 2009–2010 als möglichen Vergleich. Eine ungewöhnlich frühe stratosphärische Störung im November ging einer weitreichenden Kälte- und Schneewelle in Europa und im Osten der USA voraus, einschließlich historischer Schneefälle im mittleren Atlantikraum.

Wir müssen nicht mehr lange warten.

Link: https://electroverse.substack.com/p/antarctic-spring-freeze-greenland?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email

Beides übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

Anmerkungen des Übersetzers hierzu: Natürlich stecken auch in diesem Beitrag viele Konjunktive. Und laut Boulevardpresse sind die Winter bei uns IMMER entweder extrem kalt oder extrem mild. Das kann man sicher vergessen. ABER: Im Beitrag werden auch die Grenzen einer solchen Erwartung gezeigt, was ihn weit über das Niveau der MSM hebt. Außerdem zeigt die beigefügte Aktualisierung, dass der Vorgang offenbar so wie beschrieben im Gange ist.

Fazit: Die aktuelle Lage bestätigt die Aussagen des obigen Beitrags. Aber natürlich heißt dass nicht, dass es nun den ganzen Winter so weiter geht, doch ist die Wahrscheinlichkeit dafür offenbar diesmal deutlich höher als sonst.

Für mich ergibt sich daraus aber ein ganz anderes Problem: Schon die erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen solchen Vorgang sollte bei den Energieversorgern eigentlich die Alarmglocken schrillen lassen. Davon ist aber weder in der Politik noch in den MSM etwas zu hören. Und DAS ist es, was mir Angst macht!

Oder sollte man einen eventuell heilsamen Schock vielleicht begrüßen?

Dipl.-Met. Christian Freuer

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