H. Sterling Burnett
Mehr als ein Jahrzehnt lang dominierte der „Representative Concentration Pathway 8.5“ (RCP8.5), das Klimamodellszenario mit hohen Emissionen, die Klimaforschung und -politik und wurde als „Business-as-usual“-Szenario betrachtet. Es prognostizierte einen Anstieg der globalen Temperaturen um 4,3 °C oder mehr bis zum Jahr 2100.
Viele Klimaforscher wiesen von Anfang an öffentlich darauf hin, dass RCP8.5 „unplausibel“ sei und nicht als erwartetes Szenario oder „Business-as-usual“-Szenario behandelt werden sollte, doch das hinderte viele dieser Wissenschaftler nicht daran – und die überwiegende Mehrheit der anderen, die in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlichten und sich in den Mainstream-Medien äußerten – es genau so zu behandeln und Regierungschefs sowie politische Entscheidungsträger dazu aufzufordern, einen raschen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen durchzusetzen, um die katastrophalen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen zu verhindern, die RCP8.5 prognostizierte.
Die genauen Zahlen schwanken täglich, doch bis Mitte 2026 haben Zehntausende von begutachteten Klimastudien RCP8.5 verwendet. Allein bis Anfang 2020 veröffentlichten Forscher täglich etwa 20 Studien, die dieses Szenario nutzten, wobei Schätzungen von mehr als 8.500 Artikeln in einem Zeitraum von 18 Monaten ausgehen.
Bereits 2017 habe ich in „Climate Change Weekly“ die Verwendung von RCP8.5 für die Klimawissenschaft und -politik kritisiert und seitdem immer wieder darauf hingewiesen. Ich habe anhand der Aussagen der Wissenschaftler selbst argumentiert, dass RCP8.5 nicht nur unglaubwürdig, sondern unmöglich sei. Es gibt viele Gründe, warum RCP8.5 von Anfang an ein falscher Anknüpfungspunkt für die Klimapolitik war; der vielleicht wichtigste davon ist die Tatsache, dass weltweit nicht genügend förderbare Kohle vorhanden ist, um den angenommenen fünffachen Anstieg des Verbrauchs bis 2100 zu decken. Zudem ist die Weltbevölkerung nicht auf dem Weg – und wird es auch unter keinem vorhersehbaren Szenario sein –, auf den im RCP8.5-Szenario angenommenen Bereich von 12,6 Milliarden bis 14,5 Milliarden zu steigen. Kurz gesagt: Meine Kritik war richtig: RCP8.5 war von Anfang an eine Lüge. Alle Wissenschaftler, die es trotz seiner bekannten Schwächen verwendet haben, lagen falsch.
Sie müssen mir nicht glauben, um zu wissen, dass dies wahr ist. Der IPCC höchstselbst – der das RCP8.5-Szenario jahrelang wie eine Keule einsetzte, um Regierungsvertreter bei Klimaverhandlungen zu zahlreichen ungerechtfertigten Klimaabkommen zu zwingen – hat dies Mitte April 2026 zugegeben.
Um es mit den unvergesslichen Worten des „Die Hard“-Helden John McClane zu sagen: „Willkommen auf der Party, Kumpel.“
Besser spät als nie, nehme ich an.
Schockierenderweise wurde RCP8.5 trotz seiner offiziellen Zurückweisung in mehr als 70 begutachteten Artikeln als Referenzszenario herangezogen. Die Zeitschriften, die diese Artikel veröffentlichen, machen sich nicht einmal die Mühe, sie zurückzuziehen oder mit einem Hinweis zu versehen, der auf die Ungültigkeit ihrer Ergebnisse hinweist, weil die Schlüsselkennzahl für ihre alarmierenden Behauptungen zurückgezogen wurde. So viel zum viel gepriesenen Peer-Review-Verfahren.
Der IPCC und die ihm hörigen Medien behandeln diese Schlussfolgerung, als wäre sie eine neue Entdeckung, doch das ist sie nicht. Die Unplausibilität, ja sogar die Unmöglichkeit des RCP8.5-Szenarios war dessen Befürwortern von Anfang an bekannt, doch anstatt es über Bord zu werfen, errichteten sie auf der Grundlage seiner falschen Vorhersagen ein gewaltiges Konstrukt aus Veröffentlichungen, Gesetzen und Vorschriften. Damit folgten sie lediglich dem Rat eines frühen Klimaalarmisten, des verstorbenen Dr. Stephen Schneider, der zugab, dass Ehrlichkeit in Bezug auf die Wissenschaft die Bemühungen untergraben würde, Regierungen dazu zu bewegen, die von den Alarmisten gewünschten politischen Maßnahmen zu erlassen. Schneider sagte gegenüber dem Magazin „Discover“:
Einerseits sind wir als Wissenschaftler ethisch an die wissenschaftliche Methode gebunden und versprechen damit im Grunde, die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen – was bedeutet, dass wir alle Zweifel, Vorbehalte, „Wenns“, „Unds“ und „Aber“ einbeziehen müssen. Andererseits sind wir nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Menschen. Und wie die meisten Menschen möchten wir, dass die Welt ein besserer Ort wird, was in diesem Zusammenhang bedeutet, dass wir daran arbeiten, das Risiko eines potenziell katastrophalen Klimawandels zu verringern. Dazu brauchen wir breite Unterstützung, um die Öffentlichkeit zu begeistern. Das bedeutet natürlich, dass wir für umfangreiche Medienberichterstattung sorgen müssen. Also müssen wir beängstigende Szenarien entwerfen, vereinfachte, dramatische Aussagen treffen und unsere eventuellen Zweifel kaum erwähnen. … Jeder von uns muss für sich entscheiden, wo das richtige Gleichgewicht zwischen Wirksamkeit und Ehrlichkeit liegt. Ich hoffe, dass dies bedeutet, beides zu sein.
Die Wissenschaft als Mittel zur Erweiterung des Wissens und zur Entdeckung von Wahrheiten wird untergraben, wenn ihre Vertreter Platons Kunst der (un)edlen Lüge zur Verfolgung politischer Ziele anwenden. Genau das haben der IPCC und seine Mitstreiter getan.
„Die Integrität der Wissenschaft hängt von ihrer Fähigkeit ab, ein immer zuverlässigeres Bild davon zu vermitteln, wie die Welt funktioniert“, schrieben Roger Pielke Jr. und Justin Ritchie in ihrem Blogbeitrag über die öffentliche Rücknahme von RCP8.5 und die Aufregung, die dessen langjährige Verwendung und endgültige Ablehnung begleitet hat. „In den letzten rund zehn Jahren sind ernsthafte Bedrohungen für diese Integrität zutage getreten“, schreiben Pielke und Ritchie.
„Die Erwartung, dass die Wissenschaft von Natur aus selbstkorrigierend ist und sich kumulativ und schrittweise von falschen Annahmen weg und hin zur Wahrheit bewegt, wurde in zahlreichen Bereichen in Frage gestellt“, schreiben die Autoren. „Ein Versagen der Selbstkorrektur in der Wissenschaft hat die Fähigkeit der Klimawissenschaft beeinträchtigt, plausible Aussichten auf unsere gemeinsame Zukunft zu liefern“, stellen Pielke und Ritchie zutreffend fest.
Ich empfehle den Lesern von CCW, die ausführliche und fundierte Diskussion über den Aufstieg und Fall extremer Klimaszenarien vollständig zu lesen.
Nun gibt es eine ganze Website, die sich der Aufdeckung des gesamten schmutzigen RCP8.5-Skandals widmet. Die neue Website „www.they-knew.com“ wurde von Jason Isaac vom American Energy Institute ins Leben gerufen. Isaac beschreibt die Website in der Pressemitteilung zu ihrer Ankündigung wie folgt:
They-Knew.com, eine umfassende öffentliche Dokumentation, die den systematischen Missbrauch von RCP8.5 aufzeigt – jenes extremen Klimaszenarios, das über ein Jahrzehnt lang fast jede alarmierende Schlagzeile, jede Vorschrift, jede Klage und jeden Schullehrplan zum Klimawandel befeuert hat – und das der Szenarioausschuss der Vereinten Nationen im April 2026 offiziell als „unplausibel“ eingestuft hat.
Die Website dokumentiert einen der folgenschwersten Verstöße gegen die wissenschaftliche Integrität dieses Jahrhunderts: Wissenschaftler wiesen bereits 2017 darauf hin, dass RCP8.5 unrealistisch sei, veröffentlichten diese Warnungen in den renommiertesten Fachzeitschriften der Welt und mussten mit ansehen, wie Regierungen, Zentralbanken, Gerichte, Pädagogen und Interessenverbände es trotzdem weiter verwendeten.
They-knew.com bietet einen chronologischen Überblick über die Entstehung, Einführung und den Missbrauch von RCP8.5. Die Website dokumentiert die Organisationen und einflussreichen Akteure sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor, die RCP8.5 genutzt haben, um fehlerhafte, kostspielige und die Freiheit beschränkende Gesetze, Vorschriften und finanzpolitische Maßnahmen durchzusetzen. Das Vorgehen großer Banken, Investmenthäuser, Portfoliomanager, Bürokraten und Amtsträger hat zu Fehlinvestitionen im privaten Sektor geführt, die Unternehmen, Rentnern, Arbeitnehmern, Aktionären und der Wirtschaft geschadet haben. RCP8.5 bildete zudem die Grundlage für ungerechtfertigte staatliche Eingriffe in die Märkte für Energie, Verkehr, Infrastruktur und Haushaltsgeräte, die Menschenleben gefährdet und die Bevölkerung ärmer gemacht sowie in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt haben, als dies sonst der Fall gewesen wäre.
All dies ist darauf zurückzuführen, dass die Eliten aus Wirtschaft und Politik RCP8.5 als Leitstern oder treibende Kraft hinter der Klimapolitik von Unternehmen und Regierungen übernommen haben. Selbst wenn die Eliten nicht wirklich daran glaubten, dass die apokalyptischen Prognosen von RCP8.5 wahrscheinlich waren oder eintreten würden, bot es ihnen doch den „wissenschaftlichen“ Deckmantel, um Maßnahmen durchzusetzen, die sie ohnehin wollten – sei es aus finanziellen, paternalistischen, hochmütigen oder größenwahnsinnigen Gründen.
They-knew.com merkt an, dass die vielleicht nachhaltigste und schädlichste Auswirkung von RCP8.5 darin besteht, dass es dazu genutzt wurde, eine ganze Generation von Kindern zu indoktrinieren und ihnen Angst einzujagen, sodass sie glaubten, die Welt würde aufgrund ihrer eigenen und der Entscheidungen ihrer Eltern bzgl. Energie untergehen – und das auf der Grundlage eines Szenarios, von dem Wissenschaftler insgeheim wussten, dass es reine Fiktion war. They-knew.com beschreibt all dies und noch viel mehr im Detail. Schaut es euch an.
[Hervorhebung vom Übersetzer. Noch schlimmer ist ja, dass genau das in allen Schulbüchern und Unterrichts-Materialien zu finden ist – ohne Aussicht einer Korrektur. Immer noch schlimmer: Ich weiß inzwischen, dass dem Vernehmen nach Lehrer Angst haben, den Kindern die Realität zu vermitteln.]
Ich bin mir sicher, dass ihr darüber zu Recht empört sein werdet.
Quellen: American Energy Institute; They Knew; Issues.org; Climate at a Glance
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE















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