Cap Allon
Der National Energy System Operator (NESO) – die staatliche Stelle, die für den Ausgleich von Stromangebot und -nachfrage sowie die Sicherheit des britischen Stromnetzes zuständig ist – sieht seine Dementis angesichts der Aussagen eigener Ingenieure in sich zusammenbrechen.
Eine Gruppe von Insidern aus der Netzleitstelle hat The Mail on Sunday nun berichtet, dass routinemäßige Sicherheitsverstöße vertuscht würden, die Operatoren „die Kontrolle über das System verloren“ hätten und ein großflächiger Blackout eine „technische Gewissheit“ sei.
Einer der NESO-Whistleblower wird mit den Worten zitiert: „Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Wir fliegen jetzt blind, während das Flugzeug brennt. Es ist keine Frage des ‚Ob‘ bei einem großflächigen Blackout; es ist eine technische Gewissheit.“
Die Gruppe fügte hinzu: „Wir Ingenieure fordern Ofgem nun schon seit zwei Jahren auf, Nachforschungen anzustellen und die Sicherheit des Systems zu gewährleisten. Doch sie tun es nicht; sie verweigern die Untersuchung. Deshalb haben wir uns an die Öffentlichkeit gewandt. Wir haben keine Kontrolle über das System. Wir haben unser Bestes gegeben. Nun liegt es an der Öffentlichkeit und der Regulierungsbehörde. Bitte helfen Sie.“
Das sind die Menschen, die dafür sorgen, dass in Großbritannien die Lichter nicht ausgehen; sie flehen öffentlich um ein Eingreifen, weil Management und Regulierungsbehörde sich weigerten, auf sie zu hören.
Der Schreckmoment vom 23. Juni scheint ihr Schweigen gebrochen zu haben.
An jenem Abend lag die Netzfrequenz 48 Minuten lang außerhalb des normalen Betriebsbereichs der NESO. Interne Berichte, die der „Times“ vorliegen, verzeichneten fünf Fälle, in denen Übertragungsgrenzen überschritten wurden – darunter eine Überschreitung um 700 MW – und hielten fest, dass die „Systemsicherheit gefährdet“ war. Dennoch behauptete die NESO öffentlich, das Netz sei sicher betrieben worden, und bezeichnete die internen Dokumente als vorläufig.
Berichten zufolge werfen weitere Whistleblower der NESO nun vor, die „Modelle erneut durchzurechnen“, um Berechnungen zu erstellen, die belegen sollen, dass der Betrieb am 23. Juni doch sicher war. Inzwischen werden Forderungen nach einer Untersuchung laut, die gänzlich außerhalb des Einflussbereichs der NESO liegt.
NESO ist sich der gravierenden Probleme bewusst.
Ein vertraulicher, 82-seitiger Bericht von Cornwall Insight, der von NESO in Auftrag gegeben wurde, warnte davor, dass das rasante Wachstum von Wind-, Solar- und Batteriespeichern – insbesondere von Anlagen, die an lokale Verteilnetze angeschlossen sind – die Übersicht über Stromerzeugung und -verbrauch in der Leitwarte erheblich verschlechtert hat. NESO überwacht zwar direkt das Übertragungsnetz, doch ein Großteil der darunterliegenden, wachsenden erneuerbaren Energieerzeugung ist schwerer zu beobachten und zu steuern. Die Prognose von Angebot und Nachfrage ist daher zunehmend von Schätzungen, uneinheitlichen Berechnungen und dem Ermessen der Netzbetreiber abhängig.

https://www.neso.energy/what-we-do/systems-operations.
Großbritannien hat große, steuerbare Kraftwerke durch Tausende wetterabhängige und netzgebundene Anlagen ersetzt und anschließend von den Ingenieuren verlangt, das entstandene System in Echtzeit auszubalancieren, ohne ihnen ein vollständiges Bild zu liefern. „Man fliegt im Blindflug.“ Ofgem hat nun endlich eine formelle Überprüfung eingeleitet, die den 23. Juni sowie die am 24. und 26. Juni erlassenen Notfallmargenmitteilungen umfasst. Untersucht werden der Systemzustand, die Entscheidungen der Leitwarte, die Dokumentation und mögliche Verstöße gegen regulatorische Bestimmungen.Die Ingenieure geben jedoch an, Ofgem bereits vor zwei Jahren um all dies gebeten zu haben. NESO dementiert weiterhin alle Vorwürfe, während Regierungsmitglieder Kritiker der Panikmache bezichtigen. Unbestreitbar ist jedoch, dass das britische Stromnetz durch den überstürzten Ausbau von Wind- und Solarenergie geschwächt wurde. Dieser hat die synchrone, bedarfsgerechte Erzeugung verdrängt, dem System seine zuverlässige Trägheit genommen und zu immer heftigeren Versorgungsschwankungen geführt. Das britische Stromnetz wird durch die Netto-Null-Politik destabilisiert – und von Führungskräften und Regulierungsbehörden geschützt, die scheinbar mehr daran interessiert sind, den Energiewandel zu verteidigen, als sich dem sich anbahnenden technischen Desaster zu stellen.
Link: https://electroverse.substack.com/p/portillo-buried-under-17-feet-antarctic (Zahlschranke)
Mein Kollege Christian Freuer hat bei Electroverse Substack ein Abo und die Erlaubnis, Beiträge zu übersetzen und zu posten. Sie kennen das mit der Zusammenstellung der „Kältereports“. Danke für die Weiterleitung.















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