Kelvin Kemm

Die Wissenschaft stützt sich auf Beweise, auf echte Beweise. Wissenschaftliche Wahrheit ist keine Meinung und kein Mehrheitsbeschluss. Allerdings können Meinungen bis zu einem gewissen Grad genau zu Beginn des Prozesses eine Rolle spielen, nämlich wenn eine wissenschaftliche Hypothese aufgestellt wird.

Schauen wir uns also ein Beispiel an. Vor etwa 120 Jahren kam ein junger, unbekannter Mann namens Albert Einstein auf Ideen, die zunächst ziemlich verrückt erschienen. Eine davon war, dass die höchstmögliche Geschwindigkeit die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum sei. Eine andere war, dass die Zeit umso langsamer verläuft, je schneller man sich bewegt. Und wieder eine andere war, dass Licht durch die Schwerkraft abgelenkt wird. Diese Ideen klangen sehr weit hergeholt, und viele Leute sagten zu Einstein: „Hören Sie, Herr Einstein, wenn Sie nur Ihren gesunden Menschenverstand einsetzen, werden Sie erkennen, dass …“

Jedenfalls blieben Einsteins Ideen bloße Ideen, bis tatsächlich beobachtet wurde, dass die Schwerkraft das Licht krümmt. Als sich die Gelegenheit bot, wurde ein Experiment durchgeführt. Am 29. Mai 1919 fand eine totale Sonnenfinsternis statt. Einstein reiste zusammen mit anderen Wissenschaftlern auf einem Schiff hinaus aufs Meer, um von dort aus die Sonnenfinsternis optimal beobachten zu können. Als die Finsternis einsetzte, konnten sie das Sternenlicht des Hyaden-Sternhaufens messen und stellten fest, dass es sich beim Vorbeiziehen an der verdunkelten Sonne leicht krümmte. Über Nacht wurde Einstein von einem unbedeutenden, unbekannten Wissenschaftler zu einer internationalen Berühmtheit. Ein winziger Beweis deutete darauf hin, dass der Rest seiner Theorie wahrscheinlich richtig war.

Wie sieht es also mit der Sicherheit der Kernenergie aus?

Beginnen wir mit der bekanntesten sogenannten „Kernkraftkatastrophe“, Fukushima. Betrachten wir den Vorfall, als wäre er ein wissenschaftliches „Experiment“. Eine riesige Wasserwand, der Tsunami, prallte gegen einen Kernkraftwerkskomplex und überwand dabei die Flutwellenbarriere. Das war also die erste Phase unseres „Experiments“: ein Tsunami, der die Auslegungsspezifikationen überstieg.

Als Nächstes wurden die primären elektrischen Kühlpumpen so ungünstig positioniert, dass sie vom Wasser überflutet und außer Betrieb gesetzt wurden. Der Reaktorkomplex tat daraufhin genau das, was er sollte, und schaltete auf die Diesel-Reservepumpen um. Doch dann trat die dritte Phase des „Experiments“ in Kraft. Ein Teil des Dieselkraftstoffs war in Außentanks gelagert worden, die weggespült wurden. Den Pumpen ging der Kraftstoff aus. Es gab noch eine Reihe weiterer Phasen dieses „Experiments“, wie zum Beispiel mangelhafte Managementsysteme und andere. Alles in allem hätte man kein besseres „Experiment“ entwerfen können, um die nukleare Sicherheit von Fukushima auf eine harte Probe zu stellen.

Nun fragen wir: „Wie viele Menschen sind nach all diesem Drama, diesen Versäumnissen und Fehlentscheidungen durch radioaktive Strahlung ums Leben gekommen?“ Die Antwort lautet: null. Wie viele Menschen wurden also durch radioaktive Strahlung verletzt? Antwort: null. Und wie viel Privateigentum wurde durch radioaktive Strahlung beschädigt? Antwort: null.

Das endgültige „experimentelle“ Ergebnis lautete also, dass die radioaktive Strahlung keinen Schaden angerichtet hat.

Daraus lässt sich schließen, dass Fukushima keine Atomkatastrophe war. Es handelte sich um einen herkömmlichen Industrieunfall, der sich für den Kernkraftwerksbetreiber als finanzielles Desaster und für das Unternehmen sowie die japanische Regierung als PR-Desaster herausstellte. Aber es war keine Atomkatastrophe.

Hätte man die gesamte Fukushima-Affäre als gezieltes Experiment zur Überprüfung der nuklearen Sicherheit konzipiert, hätte man es nicht besser machen können, um zu veranschaulichen, wie sicher die Kernenergie ist, wenn eine riesige Energiemenge von einer riesigen Wasserwand getroffen wird.

Das Gleiche galt für den Atomunfall von Three Mile Island in den USA. Niemand kam ums Leben oder wurde durch radioaktive Strahlung geschädigt.

Einschub des Übersetzers: Zu diesem Unfall war es Ende der 1970er Jahre gekommen; er fiel in meine Zeit in den USA. Ich wohnte etwa 50 km vom Unfallort entfernt – und erhielt in der Folge von Bekannten hierzulande besorgte Briefe, wie es mir ginge und so weiter. Das Ganze war (schon damals!) in deutschen Medien enorm aufgebauscht worden.

Vor Ort in Pennsylvania war das Ganze jedoch nur eine Randnotiz wert. Niemand regte sich auf, niemand war zu Schaden gekommen. Also war das Ganze weder für die Anwohner noch für die lokalen oder die überregionalen Medien zwei Tage später noch ein Thema. – Ende Einschub

Okay, wie sieht es dann mit Tschernobyl aus? Ja, einige Menschen starben an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Aber es waren weniger als 60, nicht Tausende, wie oft von einigen Anti-Atomkraft-Aktivisten behauptet wird. In Tschernobyl gab es jedoch keine Strahlenschutzhülle, das Reaktordesign war mangelhaft und es gab weitere Mängel. Dennoch starben nur wenige Menschen, darunter auch Ersthelfer, die mutig in die brennenden radioaktiven Trümmer stürmten, um die Brände zu löschen. Also ein weiteres gutes „Experiment“, das die Sicherheit der Kernenergie belegt.

Hinzu kommt, dass diese drei Reaktorkomplexe alle sehr alt waren. Die Kerntechnik hat sich weiterentwickelt, und moderne Reaktoren sind weitaus ausgefeilter und wesentlich sicherer als ihre Pioniervorläufer. Das Ergebnis ist, dass moderne Reaktoren extrem sicher sind, wie praktische technische Ergebnisse belegen. Doch die Atomkraftgegner verbreiten weiterhin wilde theoretische Spekulationen über Hunderttausende von Menschen, die ums Leben kommen könnten, wenn ein Kernreaktor außer Kontrolle gerät. Die tatsächlichen Beweise widerlegen jedoch diese theoretischen Spekulationen.

Lassen Sie uns nun unsere eigene theoretische Spekulation aufstellen. Große Boeing-Flugzeuge fliegen über New York. Stellen wir uns also eine voll beladene Boeing 747 vor, die in Richtung Johannesburg fliegt. Und eine weitere voll beladene Boeing 747 fliegt aus London heran. Die beiden stoßen über Manhattan frontal zusammen, und die beiden Feuerbälle stürzen auf den Broadway und die Wall Street. Beim Aufprall explodieren sie.

Können Sie sich das Ausmaß der Katastrophe vorstellen?

Nur weil Sie sich das vorstellen können, heißt das noch lange nicht, dass das Fliegen verboten werden sollte. Natürlich nicht.

Warum also so ein Drama um die Sicherheit der Kernenergie machen, nur weil man sich in seiner Fantasie ein abwegiges, katastrophales Szenario ausmalen kann? Die bisherigen konkreten Erkenntnisse haben eindeutig gezeigt, dass Kernenergie weitaus sicherer ist, als sich irgendjemand jemals vorgestellt hat.

Fantasievolle Spekulationen sind schön und gut – für Geschichten, wie Einstein sie gemacht hat. Aber dann braucht man Beweise aus der realen Welt, um zu zeigen, ob diese fantasievollen Spekulationen wahr oder falsch sind.

Link: https://www.cfact.org/2026/07/03/nuclear-safety-and-einsteins-truth/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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