Der kritische Bürger wundert sich in den letzten Jahren nicht nur über den offensichtlichen Klima-Unfug in den Medien, sondern zunehmend auch über das erstaunlich offene Eingeständnis der Antiwissenschaftlichkeit.

Michael Klein machte auf Sciencefiles gerade auf einen Artikel im Berliner Tagesspiegel von Jutta Allmendinger und Harald Wilkoszewski aufmerksam, der den frappierenden Titel „Wissenschaft kann in diesen Zeiten nicht unpolitisch sein. Ein Plädoyer für eine gesellschaftlich engagierte Forschung“ trägt. Der Text ist eine Erwiderung auf den Aufruf des Historikers Jürgen Kocka, „Werdet nicht zu Propagandisten!“, der zwar zu politischen Engagement aufruft, aber verlangt, nicht die eigenen Verhaltensregeln zu verletzten. Das ist zwar ein Widerspruch in sich, versucht aber wenigstens noch, Standards vor der kompletten Abräumung zu bewahren.

Allmendinger, die Chefin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB, und ihr Kollege Wilkoszewski hingegen wollen lästige Selbstbeschränkungen ganz offen loswerden. Die Autoren behaupten dazu allen Ernstes, daß Gesellschafts- und Geisteswissenschaftler früher zu viel Distanz zur Realität außerhalb ihrer Alma mater gewahrt hätten, um sich nicht an „konkreten Fragen“ die Finger zu verschmutzen. In welchem Staat soll das wann so gewesen sein? In der alten Bundesrepublik, in den 1960ern, in Bielefeld, bei Helmut Schelsky und Niklas Luhmann? Halbwegs einverstanden. Ansonsten haben wir spätestens seit Mitte der 60er mit Figuren wie zum Beispiel Wiesengrund Adorno oder Max Horkheimer Altmarxisten in den Gesellschaftswissenschaften am Ruder, die sich seit den 1920er Jahren geistig nicht mehr bewegt hatten und die die friedliche und soziale Realität Adenauer-Deutschlands unbedingt ändern wollten.

Heute, geben die beiden Autoren zu, mischen sich immer mehr Uniforscher dienstlich in die politische Debatte ein und machen bei FFF oder ähnlichem mit. Mich erinnert das an den „Aufruf an die Kulturwelt“ von 1914, als 93 deutsche Wissenschaftler, immerhin sogar echte Koryphäen wie Max Planck, fleißig Propaganda dafür machten, daß in Europa die Lichter ausgehen.

„Sozialwissenschaften können gar nicht unpolitisch sein“

„Sozialwissenschaften können gar nicht unpolitisch sein“, schreiben in diesem Sinne Allmendinger und Wilkoszewski. Sie kritisieren, daß ihresgleichen immer häufiger kritisiert werde, weil der nötige Abstand zum Objekt fehle, nichtvorhandener Konsens frei erfunden, komplizierte Sachverhalte mediengerecht verknappt, und die Falsifizierbarkeit der Ergebnisse zugunsten einfacher Lösungen aufgegeben würden.

Die Kritiker haben da natürlich mehr als nur Recht, was Allmendinger und Wilkoszewski naturgemäß anders sehen und die Kritik für „übertrieben“ halten. Begründung:

„Alle wichtigen Forschungsfragen unserer Zeit sind hochpolitisch, denn sie betreffen zentrale Lebensbereiche der Menschen, die politisch gestaltet werden. Über Demokratie [sic!], Integration [sic!], Gleichstellung oder soziale Ungleichheit zu forschen, bedeutet automatisch, politisch zu wirken.“

(Klima hat sie noch vergessen, aber das holt sie nach…)

Zu solchen Aussagen kann man nur bemerken, daß hier einer religiösen Autorität wohl die Trennung von Staat und Kirche nicht schmeckt. Es ist das zentrale Kennzeichen der westlichen Demokratie, die verschiedenen Machtbereiche der Gesellschaft voneinander zu trennen: Gesetzgebung, Jurisdiktion, Exekutive, Medien, Wissenschaft, Religion und so weiter. So können Genforscher im Rahmen der Gesetze Genforschung betreiben, haben sich aus der Gesetzgebung aber gefälligst herauszuhalten. Da Genforscher echte Wissenschaftler sind und keine Politiker, funktioniert das gut. Unsere Klimatologen hingegen sind üblicherweise eher Politiker und PR-Spezialisten, die wirre Forderungen nach Belegplätzen für sich selbst im Parlament oder Schneekanonenbeschuß von Antarktika fordern und naturwissenschaftliche Rohrkrepierer wie gewinkelte CO2-Moleküle und nichtvorhersagefähige Vorhersageprogramme produzieren.

Nichtsdestotrotz behaupten Allmendinger und Wilkoszewski, daß

„die Ergebnisse nachvollziehbar, die verwendeten Methoden und Daten transparent sein müssen.“

Ein Hohn für den, der an die Klima-Gates oder das Verhalten Michael E. Manns Verhalten im Verfahren Mann/Ball denkt.

„Wer Kampagnen unterstützt, ist kein Propagandist“

Politisch korrekte Forscher wie die beiden WZB-Autoren betreiben in der Regel „Intersektionalismus“, vermengen also alle gerade vom Zeitgeist gehypten Themen, um die Reihen des Juste Milieus geschlossen zu halten und Profitmaximierung zu betreiben. Deswegen vergessen sie natürlich nicht, auf den Klimazug aufzuspringen und zu behaupten, daß „99%“ der Klimaforscher die Apokalypse befürworteten, und natürlich: „Weniger CO2“. Und:

„Es ist weder verwerflich, noch schadet es der wissenschaftlichen Integrität, wenn sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hier zusammentun und mit gemeinsam mit der jungen Generation den Druck auf die Politik erhöhen.“

Es schadet der fachlichen Reputation also nicht, wenn Wissenschaftler mit ahnungslosen, medial und gymnasial angestachelten Minderjährigen, die sich selbst erfahrungsgemäß nicht umweltgerecht verhalten, erhebliches mediales Tamtam veranstalten? Nun, was denn dann? Ramin Peymani sprach im Zusammenhang der teils linksextremen und Antifa-lastigen Kinderkreuzzüge bereits von Ochlokratie, also der sprichwörtlichen Pöbelherrschaft, die ohne Sinn, Anstand und Verstand die politischen Entscheider dazu zwingt, irgendetwas Sinnloses oder Schädliches zu beschließen; Hauptsache, man hat erst einmal Ruhe vor den Aufständischen.

Und das soll die wissenschaftliche Reputation nicht beschädigen? Man stelle sich rein hypothetisch vor, ein Gen- oder Pharmaforscher würde seine Ergebnisse derart bewerben. Der könnte einpacken, und zwar völlig zu Recht.