Zunächst machen Sie den Fehler, die Realität der Erwärmung im 20. Jahrhundert, die niemand bezweifelt, mit den vielen Gründen dafür zu verbinden. Sie behaupten, dass die Beweise für den Einfluss des Menschen mit jedem Jahr stärker werden, und doch vermögen Sie es nicht, irgendeinen empirischen Beweis für diese Behauptung anzuführen.
In Wirklichkeit ist es vielen Wissenschaftlern während der letzten Jahre immer klarer geworden, dass andere Einflüsse (wie die Sonne, stratosphärischer Wasserdampf, ozeanische Zyklen, um nur einige der Wichtigsten zu nennen) wahrscheinlich signifikanter einwirken als ursprünglich gedacht. Diese Faktoren haben die Schätzungen der Größenordnung des menschlichen Einflusses schwer getroffen.
Ihr Glaube an die Schlussfolgerung des Garnaut Review in Australien – dass es während der letzten Jahre keine Änderung der globalen Erwärmungsrate gegeben hat – steht total im Gegensatz mit den jüngsten wissenschaftlichen Arbeiten und selbst mit dem Met. Office der Regierung: Die meisten der in den letzten 12 Monaten veröffentlichten Studien bestätigen, dass es während der vergangenen 10 Jahre keinen Erwärmungstrend gegeben hat.
Es stimmt, dass der grundlegende Treibhauseffekt lediglich eine Temperaturzunahme um 1,2°C zur Folge hat, würde man den CO2-Gehalt verdoppeln (die sog. Klimasensitivität), und ein noch größerer Anstieg hängt von vielen Rückkopplungsmechanismen ab. Jedoch gibt es keinen überzeugenden Beweis, der Ihre Behauptung stützt, dass der zunehmende Gehalt an Wasserdampf in der Atmosphäre (als Folge der CO2-Verdoppelung) die globale Mitteltemperatur um etwa 3°C steigen lassen würde.
In Wirklichkeit ist die Größenordnung der Rückkopplungen durch Wasserdampf, sowohl positiv als auch negativ (wie z. B. Wolkendecke und Niederschlag), nach wie vor ein wenig verstandener Prozess. Glauben Sie ernsthaft, dass ‚ein oder zwei Leute’ (sic) Forschungen veröffentlicht haben, die eine moderate anstatt einer katastrophalen Erwärmung während der nächsten 100 Jahre zeigen?
Sie scheinen den unvollkommenen Status des wissenschaftlichen Verständnisses dieser extrem komplexen Rückkopplungen nicht zu verstehen. In Wirklichkeit werden Ihnen die meisten Wissenschaftler sagen, dass wir noch nicht alle kennen; und dass wir diejenigen, die wir kennen, nur rudimentär verstehen.
Noch mehr zählt, dass die Abschätzungen der Klimasensitivität in der begutachteten Literatur immer schwächer angegeben werden. Sie und Ihre Berater werden zweifellos die jüngsten Forschungsergebnisse zu diesem speziellen Thema von Schmittner et al. gesehen haben, die in dieser Woche in dem Journal Science veröffentlicht worden sind. Dies ist eine weitere Studie, die eine geringe Schätzung der Klimasensitivität erhärtet und zu dem Ergebnis kommt, dass „diese Ergebnisse eine geringere Wahrscheinlichkeit einer drohenden extremen Klimaänderung nahe legen als vorher gedacht“.
Ihr Glaube in die Integrität des IPCC ist nicht weniger unklug. Es gab drei Berichte über das IPCC – durch das InterAcademy Council im Jahr 2010; das vor kurzem erschienene Buch von Donna Laframboise (hier) und der Bericht von Professor Ross McKittrick, der vor kurzem durch die GWPF veröffentlicht worden ist. Sie und Ihre Berater müssen diese drei alle studieren, weil sie ein gerüttelt Maß von Unzulänglichkeiten bei der wissenschaftlichen Arbeit des IPCC und seinen Arbeitsmethoden identifizieren.
Das IPCC geriert sich selbst al seine Körperschaft unabhängiger, objektiver Beratung durch die besten Wissenschaftler der Welt auf diesem Gebiet. Alle drei Berichte enthüllen ernste Betrügereien bei dieser Behauptung – das Fehlen jeder Transparenz, wie diese sogenannten Experten ausgewählt worden sind, ihr Widerstand, ihrer Orthodoxie widersprechende Meinungen zu akzeptieren, ihr fehlender sauberer Umgang mit Interessenkonflikten, der exzessive Gebrauch nicht begutachteter (grauer) Literatur und die Infiltration durch Aktivisten von Umweltgruppen.
Wir sind überrascht, dass Sie so lange gebraucht haben um zu erkennen, dass das IPCC, welches die Politik in UK wesentlich beeinflusst hatte, nicht länger die Glaubwürdigkeit hat, die Gesellschaft zu den massiven Änderungen zu veranlassen, die sie befürworten. Es sollte drastisch reformiert oder ganz abgeschafft werden.
Wir bemerken, dass Sie offenbar den Vorwurf der Politik des Alleingangs in UK ablehnen. Dies ist seltsam, waren doch Sie und Ihre Vorgänger darum bemüht, dass der Climate Change Act (Gesetz zur Klimaänderung) Britannien zu einem Weltführer der Dekarbonisierung befördern würde. Und Sie persönlich haben die EU gedrängt, sogar noch ambitioniertere Ziele anzupeilen, zum Glück jedoch erfolglos.
Zugegeben, Sie begrenzen Ihre Behauptung, dass Britannien keine Politik im Alleingang betrieben hat, „bis 2020“, aber selbst diese Deckelung steht im Gegensatz zur Einführung eines Kohlenstoffpreises, den Sie während der nächsten Jahre einführen wollen. Dieses System ist mit Sicherheit eine einseitige Torheit, die schon jetzt verheerende Auswirkungen auf die produzierende und energieintensive Industrie hat – welche sich natürlich ebenfalls Sorgen machen, was für die Zeit nach 2020 geplant ist.
In Wirklichkeit steht UK allein als das einzige Land in der Welt, dass langzeitliche bindende Ziele zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes einführen will. Kein anderes Land in der Welt ist bereit, sich eine solche einseitige Belastung ihrer Industrie und der Wirtschaft aufzubürden.
Selbst innerhalb der EU-Kommission dringen allmählich immer größere Sorgen über ihre einseitigen Ziele an die Oberfläche. Die EU überlegt inzwischen ernsthaft, die einseitige Dekarbonisierung auszusetzen, sofern keine internationale Übereinkunft zustande kommt.
Ob Sie es nun mögen oder nicht, der Kanzler der Finanzen (Chancellor of the Exchequer) George Osborne hat versprochen, dass sich die Regierung nicht länger an einseitige Ziele bei der Dekarbonisierung gebunden fühlt, die den CO2-Ausstoß schneller und stärker reduzieren als in anderen Ländern Europas. Wir vertrauen darauf, dass dieses Versprechen, den Weg der grünen Einseitigkeit zu verlassen, wahr gemacht wird, besser früher als später, und durch eine weniger extreme und pragmatischere Politik ersetzt wird.
Lord Lawson
Lord Turnbull
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Übersetzt von Chris Frey für EIKE
Bemerkung des Übersetzers: Von Art und Stil der politischen Diskussion in Großbritannien, die hier zum Ausdruck kommt, könnte sich das deutsche politische Establishment ruhig eine dicke Scheibe abschneiden!