Mao setzte beim Großen Sprung auch auf Scharlatane wie den sowjetischen Agronom Trofim Lyssenko. Der hatte schon in der UdSSR den Wissenschaftsbetrieb gründlich ruiniert, Vererbungs-Theorien beim Pflanzenmaterial entworfen, die ungeheure Ernteerträge versprachen, leider nie funktionierten. Weil sein Größenwahn dem Großen Vorsitzenden Mao gut passte, wurde Lyssenkos Lehre auch in China zum Dogma. Wer dagegen redete, kam ins Lager.

Auch bei der Eisen- und Stahlproduktion wollte Mao den Kreis quadrieren. 1957 hatte China 5,3 Millionen Tonnen Stahl produziert. 1975 sollten es ungeheure 700 Millionen Tonnen sein, so Maos Zielvorgaben. Statt moderner großer Hochöfen sollten viele kleine selbstgebastelte Öfchen, aus Sand, Steinen, Tonerde und Ziegeln gefertigt, diesen Schub auslösen und überall im Land massenhaft Eisen und Stahl erzeugen. Was bei der archaischen Produktionsweise heraus kam, war aber viel zu aufwändig produziert und außerdem von so mieser Qualität, dass es zum großen Teil nicht weiterverarbeitet werden konnte.

Erinnert das jemanden an Aktuelles? Noch etwas Geduld.

Ich selber, kurzer Ausflug, erinnere mich an eine Informationsreise ins China von 1979, wo Funktionäre die Begehung einer Eisenbrücke zum feierlichen Programmpunkt für die Besucher aus Deutschland gemacht hatten. Beim Gang über die eher schlichte Konstruktion – sie führte über einen Fluss bei Shanghai, wenn ich mich recht erinnere – fragte ich einen unserer Gastgeber, was es mit der Brücke denn nun auf sich hätte. Erfuhr, dass sie historische Bedeutung besaß. Sie war nämlich eine der wenigen, wenn nicht die einzige der Region, die aus dem berüchtigten „Volksstahl“ der Großer-Sprung-Ära gefertigt und trotzdem bis dato nicht zusammengekracht war.

Das Ergebnis des Großen Sprungs, der 1961 abgebrochen wurde, war etwas, das man einen Ökonomiezid nennen könnte. Die groteske Fehlsteuerung der chinesischen Planwirtschaft führte zu Chaos und Produktionszusammenbrüchen, schließlich zu Hungersnöten biblischen Ausmaßes, die zwischen 15 und 45 Millionen Menschen das Leben gekostet haben sollen. In der Mao-Biografie von Jung Chang und Jon Halliday werden Einzelheiten des Irrsinns in Kapitel 40 dokumentiert.

Wer heute durch den ländlichen Raum Deutschlands fährt, zum Beispiel in Niedersachsen, spürt einen Hauch von China, dem China Maos. Überall wird kleinteilig Strom produziert. Auf jedem dritten Haus steht ein staatlich gefördertes Solarfeldlein, in jeder zweiten Gemarkung daddeln Windräder, müffeln Biogasanlagen. Für die Fütterung der Letzteren hat sich schon jetzt die Landwirtschaft sichtbar und dramatisch verändert. Maisfelder ohne Ende; Maisfelder, wohin man blickt. Die Bodenpachten steigen rapide, noch mehr kleine Bauern müssen aufgeben. Der Begriff Vermaisung hat es bis in die letzte Lokalzeitung geschafft. Sogar die Naturschützer-Szene, ansonsten jedem erneuerbaren Unsinn zugeneigt, schlägt Alarm. Denn die riesigen Mais-Monokulturen, die wegen der staatlichen Förderung der „Erneuerbaren“ entstehen, schädigen die Böden, vergiften die Gewässer, vernichten Flora und Fauna. Ein alter Öko-Freak gestand mir neulich auf einer Party, er wisse selbstverständlich, dass Biogas- und Solaranlagen sinnlos seien. Was er für Windräder so nicht gelten lassen mochte, Kunststück: er ist an Windspargelfeldern finanziell beteiligt.

Noch eine Parallele zwischen Mao-China und Energiewende-Deutschland drängt sich auf. In beiden Fällen waren es Scharlatane und Ideologen, die das Märchen vom Großen Sprung, der ganz schnell machbar sei, in die Welt gesetzt haben – Trofim Lyssenko und der hl. Franz Alt von der Kirche zur solaren Erleuchtung haben in dieser Hinsicht einiges gemeinsam. In beiden Fällen basierten die Wendemärchen auf Zahlen, die keiner Überprüfung standgehalten hätten. Die phantastischen Erfolgsmeldungen, die gleich nach Beginn des Großen Sprungs von den Funktionären der chinesischen Landwirtschaft und Industrie hinausposaunt wurden, ähneln verblüffend den Hochrechnungen, die sich unsere Politiker heutzutage gern in die Tasche lügen lassen. Die Industrienation Deutschland, bis 2050 fast komplett erneuerbar energetisiert – dazu braucht man schon eine Mao-Denke.

Oder eine große Maise.

Blöd wie Brot, aber unvermeidlich wie Stuhlgang sind die üblichen Reden von windigen Geschäftemachern und grün gewendeten Politikern, die bei irgendeiner Einweihung eines heftig subventionierten Windparks in irgendeinem Entenhausen der Republik geschwungen werden. Textbaustein: „Dieser Windpark kann einen Ort von 3000 Einwohner mit Strom versorgen.“ Kann er natürlich nicht, aber kaum jemand hält dagegen. Schon gar kein so genannter Qualitätsjournalist, dessen Aufgabe es wäre, offenkundigen Unfug mit Lust zu zerpflücken.

Hier liegt noch eine Parallele zur frühen Volksrepublik China: Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten, halten smart die Klappe. Denn wer gegen die grassierenden Energiesprung-Legenden anrecherchierte, stände in den meisten deutschen Medien schnell auf der zeitgeistigen Shitliste. Und abseits vom Mainstream zu sein, ist für die schreibenden Nachfahren der antiautoritären Bewegung – sad to say – womöglich beinahe so schlimm wie ins Lager zu wandern.

Damit endet der chinesisch-deutsche Vergleich. Nein, es wird bei uns natürlich keine Hungersnöte geben. Was wir an Nahrungsmitteln nicht mehr erwirtschaften, weil die Felder mit der Produktion von Gas-Mais beschäftigt sind, holen wir aus dem Ausland. Den Strom, welcher fehlt, weil Atomkraftwerke abgeschaltet werden und der Bau moderner Gas- und Kohlekraftwerke durch grüne BIs blockiert wird, diesen Strom holen wir uns ebenfalls aus dem Ausland. Solange, wie das Ausland partout nicht am deutschen Energiewesen genesen will. Also noch ziemlich lange.

No problem? Höchstens eines: Die hunderte Milliarden, die in ein aussichtloses Energiekonzept gesteckt werden, gibt es nicht doppelt. Sie fehlen, um neue, belastbare Energiequellen mit aller Kraft zu erforschen. Aber keine Sorge, damit beschäftigen sich längst andere. Im Ausland, wo sonst.

Energiewende-Deutschland hat dagegen den Großen Sprung. …..In der Schüssel.

von Gastautor Wolfgang Röhl

zuerst erschienen bei ACHGUT