37. Analysewoche 2026 von Rüdiger Stobbe

Die 37. Analysewoche des Jahres 2026 begann praktisch mit dem meteorologischen Herbstanfang. Und wie es der Zufall so will, kam es bereits in dieser ersten Herbstwoche zu einer ziemlich kräftigen Windstromerzeugung. Gleichzeitig war die PV-Stromerzeugung stark. Jeden Tag wurde die Bedarfsline über die Mittagsspitze erreicht, so dass es den eifrigen Leser dieser Kolumne nicht wundert, dass die Strompreise an vier Tagen dieser Woche auf der Null-Linie oder sogar darunter lagen. Da wurde von unseren Ländernachbarn gerne Strom „eingekauft“, wurde der bundesdeutsche Strom, um es salopp zu sagen, für „umme“, manchmal sogar für „umme plus Abnahme-Bonus“ mitgenommen. Ganz gleich, ob der Mittagspreis unter 0€/MWh liegt, oder wie am Mittwoch bei 92€/MWh. Gute Geschäfte werden allemal gemacht. Vor allem von Norwegen und Dänemark.

Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 37. Analysewoche 2026 gibt Agora Energiewende. Die Hochrechnung im Vergleich zu den aktuellen Zahlen sieht in dieser Woche so aus. Bemerkenswert ist, dass der Zukunftschart nicht ausgeworfen wird. Die Werte sind wahrschlich zu hoch, um sie im definierten Grafikrahmen darstellen zu können. Nicht nur der PV-Stromüberschuss zur Mittagszeit wächst an. Auch die Windstromerzeugung wird bei dem geplanten Ausbau ungeahnte Höhen erreichen.  Ob weiterhin Strom fossil erzeugt und importiert werden muss, ist heute nicht so offensichtlich wie bei einem vorhandenen Zukunftschart. Nach meiner Einschätzung aber sind fossile Ergänzungsstromerzeugung und Stromimporte weiterhin und zumindest am Dienstag und Mittwoch in erheblichem Umfang notwendig.

Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?

Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Stunde („h“ und „pro Stunde“) weg.

Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.

Tageswerte

Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.

Viel Windstrom, viel PV-Strom.  Die Strompreise.

Die Windstromerzeugung lässt über Tag nach, PV-Strom stark. Die Strompreise.

Wenig Windstrom, PV ist stark.  Die Strompreise. 

Windstrom stark, PV-Strom mittel. Die Strompreise. 

Wind stark, PV-Strom mittel. Die Strompreise.

Winddelle über Tag wird durch PV mehr als ausgeglichen. PV-Strom reichlich. Die Strompreise.

Wieder eine starke Winddelle. Die Strompreise.

Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de.

Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.deAgora Energiewende und Energy-Charts die wesentliche Datengrundlage dieser Kolumne.

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