Der österreichische EU-Abgeordnete Gerald Hauser stellte Anfang Juni 2026 eine parlamentarische Anfrage an die EU-Kommission zur Thematik der Mikroplastik-Emissionen durch die immer zahlreicher werdenden Windräder in Europa, vor allem in Deutschland.

Hauser: „Wir sind die Umweltschützer“

Zum Hintergrund: Windkraftanlagen bestehen aus einer Stahl- oder Stahlbetonachse und einem Turm mit Rotor. Die Achse ist gegenüber der Witterung recht robust und besteht aus Materialien, die vergleichsweise leicht wiederverwertbar sind. Beim Rotor sieht es hingegen völlig anders aus: Da die Blätter recht dünn sind und sich – zumindest theoretisch – laufend drehen sollen, sind klassische harte Materialien nicht ausreichend. Daher werden Rotorblätter aus zugfestem und zugleich elastischen Kompositmaterial hergestellt, die in unterschiedlicher Zusammensetzung Balsaholz, Kunststoffe wie Epoxidharz, Aluminiumstreben oder Glas- und Carbonfasern enthalten.

Aus materialwissenschaftlicher Sicht die ideale Lösung, stellen die Komposit-Rotoren eine ökologische Katastrophe dar: Die mit dem Kunstharz verklebten Bestandteile können am Lebensende der Anlage, meist nur 20 Jahre, nicht wiederverwertet werden. Aber auch während des laufenden Betriebes sind die für den Klimaschutz montierten Rotoren alles andere als umweltfreundlich: Die Oberfläche der Flügel sind nicht witterungs- und UV-beständig und werden nach und nach als Mikroplastik abgetragen und durch den Wind in der Umgebung verteilt.

Eine norwegische Studie von einem unabhängigen Team um Asbjörn Solberg von 2021 mit dem Titel „Erosion und Verschmutzung an der Vorderkante durch Windradflügel“ schätzt den jährlichen Material-Abrieb an den Rotor-Vorderkanten eines einzigen Windrades auf sage und schreibe 62 Kilogramm. Dabei gehen die Autoren von einer Masse der Flügelkante von 700 kg aus. Voraussetzung für die hohe Erosion sei ein Standort an der süd-norwegischen Küste mit einem jährlichen Niederschlag von 2.500 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: der mittlere Niederschlag in Deutschland beträgt im Jahr rund 800 Liter pro Quadratmeter.

Basierend auf dieser Quelle reichte der EU-Abgeordnete folgende Fragen bei der EU-Kommission ein: 

1. Warum verschweigt die EU-Kommission die Umweltverschmutzung durch Mikroplastik von Windrädern?

2. Wie will die EU-Kommission ihr Ziel einer Null-Umweltverschmutzung bis 2050 erreichen, wenn die Windenergie weiterhin massiv ausgebaut werden soll?

3. Hat für die EU-Kommission der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und einer intakten Umwelt Priorität, oder steht das Festhalten am Narrativ der „sicheren“ und „ungefährlichen“ Windkraft im Vordergrund?“ 

Die zuständige EU-Kommissarin Jessika Roswall antwortete am 12. August 2026 im Namen der Europäischen Kommission mit der Feststellung, daß sich diese der ökologischen Herausforderungen durch Mikroplastik (Zitat) „voll und ganz bewußt“ sei – gleich, ob die Partikel absichtlich Produkten beigesetzt, oder ob diese unbeabsichtigt in der Umwelt freigesetzt würden. Roswall vermeidet in ihren Ausführungen gezielt den Begriff Windkraftanlage.

Sie wird erst konkret, als sie die von Solberg und Team genannten Mikroplastikabrieb in Höhe von 62 kg in Frage stellt. Dabei verweist sie auf eine 2025er Studie von Leon Mishnaevsky, Jr. und Team mit dem Titel „Mikroplastikemissionen durch Abrieb an Windkraftanlagenflügeln: Vorläufige Schätzungen des Volumens“. Mishnaevsky, Jr. und Kollegen kommen zu ganz anderen Zahlen als Solberg – sie gehen von einer Masse des erodierten Kunststoffs zwischen 30 und 540 g pro Jahr und Rotorblatt aus. Da ein Rotor drei Blätter besitzt, ist diese Zahl zu verdreifachen, also 90 bis 1620 Gramm pro Rotor und Jahr. Der Massenverlust sei dabei bei Meeres-Windkraftanlagen (80–1.000 g/Jahr pro Rotorblatt) deutlich höher als bei Onshore-Anlagen (8–50 g/Jahr pro Rotorblatt).

Wie kann es zu solch hohen Unterschieden in beiden Studien kommen? Einerseits bezieht sich das unabhängige Team um Solberg auf norwegische Küstenanlagen mit erheblicher Regenbelastung. Andererseits stammt die Studie von Mishnaevsky, Jr. und Kollegen von der Dänischen Technischen Universität DTU, die kürzlich erst den politisch mißliebigen Klimaforschungspionier und EIKE-Referenten Henrik Svensmark herauswarf. Es ist daher fraglich, ob die Daten der DTU-Studie vertrauenswürdig sind.

Roswall nennt aber auch noch eine weitere Studie aus den Niederlanden von einem Team um Caboni von 2025. Sie schätzt, daß die Mikroplastikemissionen einer modernen 15 MW-Offshore-Windkraftanlage, die mit einem Vorkantenschutzsystem auf Polyurethanbasis ausgestattet ist, bei etwa 240 g  pro Jahr liegen. Aber auch hier ist fraglich, ob Caboni und Kollegen keinen Interessenkonflikt haben, da ihre nationale Forschungsgesellschaft TNO – vergleichbar mit der Fraunhofer-Gesellschaft – hauptsächlich von der Regierung finanziert wird und die TNO sich selber in der Öffentlichkeit als Windkraft-Organisation vermarktet.

Sowohl Roswall wie auch Caboni und Team schätzen die Mikroplastikfreisetzung durch Windräder im Vergleich zu anderen Industriequellen wie Reifenabrieb, Farben, Kunststoffe, Kunstfasertextilien und so weiter als sehr gering ein, da etwa 1.000 mal geringer.

Diese Argumentation ist aus der Debatte um getötete Vögel, Insekten und Fledermäuse bekannt: Windradlobbyisten verweisen auf wesentlich höhere Tötungszahlen durch Fenster, Autoverkehr und so weiter.

Angesichts von rund 30.000 Windrädern in Deutschland, die in der Landschaft fein verteilt montiert wurden und damit jeden Quadratkilometer mit seinen Natur- und Landwirtschaftsflächen durch Abrieb kontaminieren, ist die Argumentation der Lobbyisten als rein taktisch zu bezeichnen. Ein wichtiges Beispiel für eine ohne Windräder sonst unmögliche Verseuchung von Nahrungsmitteln im großen Stil ist die behördlich angeordnete Vernichtung einer Maisernte im September 2024 nach Abbruch eines Rotorblattes im Kreis Gütersloh.

Was macht die Mikropartikel aus Windrädern und anderen Quellen so gefährlich? Zum einen wären mögliche chemische Reaktionen im Körper von Lebewesen zu nennen, die weniger von den Polymeren, aber von häufigen Zusätzen wie Härtern oder Weichmachern ausgehen. Zum anderen wären Ansammlungen von sogenannten Ewigkeitschemikalien wie PFAS in Lebewesen zu nennen, also fluorierten organischen Verbindungen, die zumindest im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Da die PFAS von der Natur nur extrem langsam abgebaut werden, können sie in der Umwelt akkumulieren und nach mechanischer Zerkleinerung als Nanopartikel bislang unvorhersehbare Wechselwirkungen zur Folge haben.

Das Problem der Substanz-Anreicherung in Lebewesen wurde seit den 1960er Jahren durch die grüne Umweltbewegung in Bezug auf das Insektenvernichtungsmittel DDT in der Öffentlichkeit und sogar in Schulbüchern bekannt gemacht. Aber heute, da mit den PFAS-Stoffen in der Klimaschutz-Technik reichlich Kasse gemacht wird, wird das Thema verschwiegen. Aber nicht von uns!

image_pdfBeitrag als PDF speichernimage_printBeitrag drucken