Der „Boston Globe“ behauptet in dem Artikel [Titel übersetzt] „Der Klimawandel hat die extreme Hitze in Europa angeheizt. New England ist als Nächstes dran“ (später umbenannt in „Was uns die Hitzewellen auf zwei Kontinenten über die Klimakrise verraten“), dass die heutigen Hitzewellen die unverkennbaren Spuren des vom Menschen verursachten Klimawandels tragen und dass New England mit weiteren solchen Ereignissen rechnen müsse. Das ist Unsinn! Die historischen Aufzeichnungen zeigen, dass es schon lange, bevor die modernen Treibhausgasemissionen zu einem politischen Thema geworden sind, immer wieder schwere und tödliche Hitzewellen gegeben hat. Der Globe ignoriert sowohl diese Tatsache als auch die erheblichen Verzerrungen, welche die heutigen Hitzewellen als beispielloser erscheinen lassen als sie tatsächlich sind.
Der „Globe“ stützt sich stark auf eine Analyse der World Weather Attribution Group, wonach die jüngste Hitzewelle in Europa ohne den Klimawandel „praktisch unmöglich“ gewesen wäre, und zitiert einen Wissenschaftler mit den Worten: „Zum jetzigen Zeitpunkt muss man grundsätzlich davon ausgehen, dass es einen gewissen Einfluss gab.“
Diese Aussage sagt mehr über die moderne Klimazuordnung aus als über das Wetter selbst.
World Weather Attribution zieht Klimamodelle heran, die davon ausgehen, dass Kohlendioxidemissionen die Erwärmung verursachen, und schätzt dann, inwieweit menschliche CO₂-Emissionen zu einem bestimmten Ereignis beigetragen haben. Diese Studien sind keine direkten Beobachtungen. Es handelt sich um Modell-Simulationen, die auf Annahmen darüber beruhen, wie sich die Atmosphäre in einer alternativen Welt ohne erhöhte Treibhausgaskonzentrationen verhalten hätte. Climate Realism hat einzelne „Attributionsstudien“ und die zu ihrer Erstellung verwendete Verfahrensweise bereits mehrfach widerlegt. Modelle liefern keine Daten, und Attributionsstudien sind Paradebeispiele für „Garbage in, Garbage out“ (GIGO) – ein von Informatikern geprägter Begriff, der die Datenmanipulation durch verzerrte Eingabedaten beschreibt.
The Globe stellt nie die grundlegendere Frage: Gab es im Laufe der Geschichte schon immer schwere Hitzewellen? Die Antwort lautet eindeutig: Ja. Siehe die folgende Tabelle:
Die historische Übersichtstabelle über bedeutende Hitzewellen seit dem Jahr 1743 macht eines ganz deutlich: Die aktuellen Hitzewellen sind kein beispielloses Phänomen. Sie stellen in keiner nennenswerten Weise einen Rekord dar, sondern sind vielmehr Teil einer langen Geschichte natürlich auftretender Wetterextreme, die sich über fast drei Jahrhunderte erstreckt.
Lange bevor der Klimawandel zur Erklärung für jedes Wetterereignis wurde, wurden Europa, Nordamerika, Asien und Australien wiederholt von katastrophalen Hitzewellen heimgesucht. Zu den historischen Aufzeichnungen zählen die verheerende Hitzewelle in Peking im Jahr 1743, schwere Hitzewellen in Europa im 18. Jahrhundert wie die von 1857, die berüchtigte Hitzewelle in London von 1808, die katastrophale Hitzewelle im Osten der USA von 1901, bei der schätzungsweise 9.500 Menschen ums Leben kamen, die tödliche Hitzewelle in Frankreich von 1911, die rund 41.000 Menschenleben forderte, die Hitzewelle während des „Dust Bowl“ von 1936 sowie die verheerende Hitzewelle in den USA von 1980. Jedes dieser Ereignisse ereignete sich zu einer Zeit, als die globale Durchschnittstemperatur der Erde und die Kohlendioxidwerte niedriger waren.
„Climate at a Glance“ kommt zum gleichen Ergebnis. Die dortige Auswertung von Hitzewellen in den USA zeigt, dass es in den 1930er Jahren in den Vereinigten Staaten häufigere und intensivere Hitzewellen gab als in den letzten Jahrzehnten. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf Beobachtungen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und nicht auf Prognosen von Computermodellen.
Auch der „Globe“ leidet unter einer sozusagen historischen Verzerrung der Berichterstattung.
Heute dominieren Hitzewellen die Berichterstattung, weil jedes Ereignis sofort von Tausenden von Zeitungen, Fernsehsendern, Websites, Blogs, Podcasts und Millionen von Social-Media-Nutzern gemeldet wird. Suchmaschinen katalogisieren jeden Artikel, jedes Foto und jedes Video dauerhaft. Vor einem Jahrhundert gab es all das noch nicht, daher die Tendenz, die Gegenwart stärker zu wichten.
Als 1901 oder 1911 eine große Hitzewelle aufgetreten war, beschränkte sich die Berichterstattung auf Lokalzeitungen, Nachrichtenagenturen und Regierungsberichte. Viele Ereignisse außerhalb der Großstädte wurden kaum dokumentiert. Hinzu kommt, dass unzählige historische Hitzewellen den Sprung vom Papier in die moderne digitale Archivierung einfach nie geschafft haben.
Der Vergleich der heutigen Flut an Internetberichten mit den spärlichen Zeitungsarchiven von vor einem Jahrhundert erweckt unweigerlich den falschen Eindruck, dass Hitzewellen häufiger auftreten, während in Wirklichkeit nur die moderne Berichterstattung dramatisch umfassender geworden ist.
Der Globe stellt zu Recht fest, dass es in Europa mehr hitzebedingte Todesfälle gibt als in den Vereinigten Staaten. Der Artikel geht jedoch kaum auf den wichtigsten Grund ein: das Fehlen von Klimaanlagen. Tatsächlich wird in weiten Teilen Europas versucht, den Einsatz von Klimaanlagen einzuschränken.
Der Globe räumt ein, dass fast 90 Prozent der Haushalte in Massachusetts über eine Klimaanlage verfügen, während dies in Europa nur auf etwa 20 Prozent der Haushalte zutrifft. Diese eine Tatsache erklärt den Unterschied in der Sterblichkeitsrate weitaus besser als Diskussionen über Treibhausgase.
Laut der Harvard School of Engineering and Applied Sciences ist die Klimatisierung eine der bedeutendsten Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Geschichte, verhindert sie doch jährlich Hunderttausende vorzeitiger hitzebedingter Todesfälle. Durch die drastische Verringerung der Anfälligkeit gegenüber extremer Hitze ist die Kühlung von Wohnräumen zu einer unverzichtbaren Lebensader geworden, insbesondere für ältere Menschen und gefährdete Bevölkerungsgruppen weltweit. Es gibt noch einen weiteren Faktor, den der „Globe“ nie erwähnt: den städtischen Wärmeinseleffekt (UHI).
„Climate at a Glance“ belegt, dass in Städten regelmäßig deutlich höhere Nachttemperaturen gemessen werden als in den umliegenden ländlichen Gebieten, da Asphalt, Beton, Ziegel und Gebäude tagsüber Sonnenenergie speichern und diese über Nacht langsam wieder abgeben. Diese erhöhten Nachttemperaturen in den Städten sind besonders gefährlich, weil sie verhindern, dass sich die Menschen im Schlaf abkühlen können, was zu einem Hitzschlag führen kann.
Genau dabei treten die meisten hitzebedingten Todesfälle auf.
Der städtische Wärmeinseleffekt (UHI) führt auch dazu, dass Temperaturrekorde in Großstädten häufiger vorkommen – nicht, weil die Umgebungstemperaturen dort höher sind, sondern weil der UHI die Temperaturen im Vergleich zum umliegenden ländlichen Raum erhöht. Dies verzerrt zudem die klimatischen Trends in Städten und Regionen.
Ironischerweise gehören viele der Städte, die in der Berichterstattung über Hitzewellen besonders hervorgehoben werden – darunter Boston, Paris, London und New York –, zu den am stärksten urbanisierten Gebieten in ihren jeweiligen Regionen.
Boston selbst kann auf eine beachtliche Geschichte von Hitzewellen zurückblicken. Der absolute Hitzerekord von Boston stammt nach wie vor aus dem Jahr 1911. Am 4. Juli 1911 wurden in der Stadt 40°C gemessen, und dieser Rekord hält nun schon seit 115 Jahren. Wenn die durch den Menschen verursachte Erwärmung durch Treibhausgase zu immer extremeren Hitzewellen führen würde, wäre zu erwarten, dass der absolute Rekord inzwischen gebrochen worden wäre. Das ist jedoch nicht der Fall.
[Hervorhebungen im Original]
Da für Boston fast 150 Jahre instrumentelle Temperaturdaten vorliegen, brauchen wir keine Klimamodelle, um zu wissen, ob Hitzewellen dort beispiellos sind. Siehe die folgende Tabelle zu den Hitzewellen in dieser Stadt:
Die historischen Aufzeichnungen der Stadt zeigen, dass Hitzewellen in Boston kein Novum sind. Komisch, dass der „Globe“ darüber nicht berichtet hat.
Der „Globe“ deutet ferner an, dass die Hitzewelle dieser Woche in Neuengland dem gleichen atmosphärischen Muster folgt wie die in Europa, spielen doch bei beiden stabile Hochdruckgebiete eine Rolle. Das nennt man Wetter; das Klima wird über einen Zeitraum von 30 Jahren erfasst.
Hitzekuppeln, Blockierungs-Wetterlagen und anhaltende Hochdruckrücken sorgen seit Jahrhunderten für gefährliche Sommerhitze. Sie gab es schon vor der Industrialisierung, vor SUVs und vor Studien zur Klimazuschreibung. Ihr Auftreten allein ist kein Beweis für menschlichen Einfluss.
Wetterereignisse entstehen durch atmosphärische Zirkulation. Klimatrends entwickeln sich über viele Jahrzehnte hinweg, doch es gibt keinen mehrdekadischen Trend zu schlimmeren oder häufigeren Hitzekuppeln – lediglich eine alarmierendere und häufigere Berichterstattung darüber.
Der „Globe“ schließt mit der Feststellung, dass die Hitze nun „wie nie zuvor im Mittelpunkt steht“. Das ist zwar richtig, sagt aber mehr über die heutigen Medien und Technologien aus als über das aktuelle Wetter.
Noch nie zuvor gab es Tausende von Nachrichtenmedien, Smartphones, Live-Wetter-Apps, Satellitenbilder, Social-Media-Feeds und 24-Stunden-Nachrichtensender, die jede Hitzewelle zu einem globalen Ereignis machen. Das Wetter ist nicht plötzlich berichtenswerter geworden. Die Medien sind mittlerweile weitaus besser in der Lage, es aufzubauschen.
Der Boston Globe vernachlässigt seine Pflicht zur verantwortungsvollen Berichterstattung, indem er die aktuelle Hitzewelle nicht in einen historischen und meteorologischen Kontext stellt. Schreckensschlagzeilen über „beispiellose, vom Klimawandel getriebene“ Hitzewellen verkaufen vielleicht Zeitungen und sorgen online für gute Klickzahlen, aber sie stehen für falschen und schlampigen Journalismus.
Link: https://climaterealism.com/2026/07/no-boston-globe-heat-waves-didnt-start-with-climate-change/
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

















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Das ist jedoch kein schlüssiges Argument.
Die oben im Artikel beantwortete Frage, ob es auch früher Hitzewellen gab, wird von der Wissenschaft ebenfalls eindeutig mit Ja beantwortet, hat aber nichts mit der durch uns verursachten globalen Erwärmung zu tun.
Der Boston Globe beschäftigt sich mit der Frage, ob Hitzewellen mit dem heutigen, wärmeren Hintergrundklima häufiger, intensiver oder wahrscheinlicher werden. Diese Frage wird durch die Wissenschaft ebenfalls eindeutig bejaht und das ist auch die Aussage des Artikels im Boston Globe.
Die unbestrittene Existenz früherer Hitzewellen widerlegt nicht, dass ein wärmeres Klima die Wahrscheinlichkeit und Intensität von Hitzewellen erhöht.