Charles Rotter
Heute vor 20 Jahren wurde der Stern-Bericht über die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels veröffentlicht, und die Umweltredakteurin des „Guardian“ Fiona Harvey ging diesem Anlass bereits im Vorfeld mit einer Kolumne nach unter der Überschrift [übersetzt] „Die Klimakrise wird unsere Volkswirtschaften zerstören – das haben wir schon vor 20 Jahren gelernt“.
Ihr Fazit dazu, wie sich der Bericht bewährt hat:
Doch Stern hielt an seiner Analyse fest, und in den 20 Jahren seitdem hat sich diese als zutreffend erwiesen – wenn überhaupt, dann hat er sowohl die Geschwindigkeit der Erwärmung als auch die wirtschaftlichen Folgen unterschätzt und die Kosten für erneuerbare Energien überschätzt. – https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/oct/28/nicholas-stern-report-climate-consensus-lessons-capitalism
Für „als stichhaltig befunden“ oder für „unterschätzt“ wird keine Quelle angegeben. Ein Teil der in der Studie dargestellten wirtschaftlichen Folgen lässt sich anhand der Buchhaltungsdaten der letzten zwei Jahrzehnte überprüfen, hat doch Stern dafür konkrete Zahlen genannt. Aus Kapitel 5:
Die Kosten extremer Wetterereignisse sind bereits hoch und steigen weiter: Seit den 1990er Jahren belaufen sich die jährlichen Verluste auf rund 60 Milliarden US-Dollar (0,2 % des weltweiten BIP), und im Jahr 2005 wurden Rekordkosten in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar verzeichnet (mehr als 0,5 % des weltweiten BIP). Eine neue Analyse auf der Grundlage von Daten der Versicherungsbranche hat gezeigt, dass wetterbedingte Katastrophenschäden seit den 1970er Jahren jährlich um 2 % gestiegen sind, und zwar unabhängig von Veränderungen des Wohlstands, der Inflation sowie des Bevölkerungswachstums und der Bevölkerungsbewegungen. – https://biotech.law.lsu.edu/climate/Stern-%20Report/d/Chapter_5_Costs_Of_Climate_Change_In_Developed_Countries.pdf
Die Studie hat diese 2 % dann auf die Zukunft hochgerechnet. Fußnote 27 erklärt, wie:Basierend auf einer einfachen Extrapolation bis in die 2050er Jahre. Die Untergrenze geht von einem konstanten Anstieg der Kosten für Wetterextreme um 2 % aus, der über die Veränderungen des Wohlstands und der Inflation hinausgeht. Die Obergrenze geht davon aus, dass sich die Steigerungsrate pro Jahrzehnt um 1 % erhöht, beginnend bei 2 % heute, 3 % im Jahr 2015, 4 % im Jahr 2025, 5 % im Jahr 2035 und 6 % im Jahr 2045. Diese Werte sind wahrscheinlich zu niedrig angesetzt. – https://biotech.law.lsu.edu/climate/Stern-%20Report/d/Chapter_5_Costs_Of_Climate_Change_In_Developed_Countries.pdf
Darauf geht die Überschrift der Zusammenfassung zurück: „Die Kosten für Wetterextreme allein könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts 0,5–1 % des weltweiten BIP pro Jahr erreichen.“
Bei der „neuen Analyse“ handelte es sich um ein Weißbuch von Muir-Wood, Miller und Boissonade, das für einen von Munich Re und Roger Pielke Jr. organisierten Workshop im Mai 2006 in Hohenkammer in Deutschland erstellt worden war. Die Konsenserklärung des Workshops selbst, fünf Monate vor der Veröffentlichung des Stern-Berichts, lautete wie folgt:
-
Analysen langfristiger Aufzeichnungen über Katastrophenschäden deuten darauf hin, dass gesellschaftlicher Wandel und wirtschaftliche Entwicklung die Hauptfaktoren sind, die für den bislang dokumentierten Anstieg der Schäden verantwortlich sind.
-
Aufgrund von Problemen im Zusammenhang mit der Datenqualität, dem stochastischen Charakter der Auswirkungen von Extremereignissen, der Länge der Zeitreihen und verschiedener gesellschaftlicher Faktoren, die in den Aufzeichnungen über Katastrophenschäden zum Tragen kommen, ist es nach wie vor nicht möglich, den Anteil des Schadensanstiegs zu bestimmen, der auf den durch Treibhausgasemissionen verursachten Klimawandel zurückzuführen sein könnte. –https://sciencepolicy.colorado.edu/research_areas/sparc/research/projects/extreme_events/munich_workshop/executive_summary.pdf
Pielke legte in einem Artikel aus dem Jahr 2007 in „Global Environmental Change“ dar, was Stern in Muir-Woods Studie ausgelassen hatte:
Was der Stern-Bericht über Muir-Wood et al. nicht erwähnt, ist, dass diese für den längeren Zeitraum von 1950 bis 2005 keinen Trend bei den Schäden feststellen konnten und dass Muir-Wood et al. einräumen, dass der von ihnen festgestellte Trend von den Hurrikansaisons 2004 und 2005 in den USA „dominiert“ wird. Mit anderen Worten: Der Trend ist nicht global, sondern das Ergebnis von Hurrikan-Schäden in den USA. – https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2007.05.004
Die 2 % pro Jahr stammten also aus einem 35-jährigen Zeitraum, der mit Katrina endete, und der Bericht rechnete eine steigende Rate darauf auf und bezeichnete das Ergebnis als Unterschätzung.
Zwanzig Jahre später hat Pielke nun die Prognose anhand der Schadensdaten überprüft, wobei er sich auf Munich Re – die Quelle, auf die sich Stern stützte – sowie auf Aon als zweite Datenquelle stützte. Dabei ging er bei jeder Prognose von den vor der Studie verfügbaren Daten aus und ließ Erdbeben außer Acht:
Nach Angaben der Münchener Rück lagen die Schäden in einem von zwanzig Jahren (2017) über der Prognose von Stern. Im Jahr 2025 betrugen sie 0,18 % des BIP, gegenüber prognostizierten 0,41 %. Seit 1990 ist bei den Gesamtschäden durch Wetterextreme im Verhältnis zum BIP keinerlei Aufwärtstrend zu verzeichnen.
Bei Verwendung der Daten von Aon ergibt sich ein ähnliches Bild: 0,22 % des BIP im Jahr 2025 gegenüber prognostizierten 0,46 % und seit 2017 jedes Jahr unterhalb der Prognose. – https://rogerpielkejr.substack.com/p/the-stern-reviews-28-trillion-miss
Die Zahl für 2025 lässt sich anhand öffentlich zugänglicher Zahlen leicht überprüfen. Die Münchener Rück meldete für das Jahr 2025 Gesamtverluste durch Naturkatastrophen in Höhe von etwa 224 Milliarden US-Dollar, davon 92 % durch Wetterereignisse. Das sind etwa 206 Milliarden US-Dollar im Verhältnis zum weltweiten BIP von 118,4 Billionen US-Dollar laut Weltbank, was einem Anteil von 0,17 % entspricht; in diesem Jahr waren auch die Brände in Los Angeles mit 53 Milliarden US-Dollar enthalten, der teuerste Waldbrand seit Beginn der Aufzeichnungen.
Auf den gesamten Zeitraum hochgerechnet:
Für den Zeitraum von 2006 bis 2025 ging die Prognose des Stern-Berichts auf der Grundlage von Daten der Münchener Rück von Wetterverlusten in Höhe von 7,0 Billionen US-Dollar (in Dollar von 2026) aus. Die tatsächlichen Verluste beliefen sich auf 4,3 Billionen US-Dollar, also 2,8 Billionen US-Dollar weniger. Bei Verwendung der Daten von Aon beträgt die Differenz 1,5 Billionen US-Dollar. – https://rogerpielkejr.substack.com/p/the-stern-reviews-28-trillion-miss
2,8 Billionen Dollar weniger als von Stern prognostiziert!
Harveys Kolumne endet mit der Feststellung, dass die Wirtschaftswissenschaftler bei Stern aufholen müssten, und darin heißt es: „Der besonders starke El Niño droht Schäden in Höhe von Billionen Dollar.“ Um welche Prognose in Billionen handelt es sich dabei?
# # #
Loss figures: Munich Re NatCatSERVICE via Pielke Jr., The Honest Broker, Oct 29 2026; Munich Re 2025 press release; World Bank world GDP (NY.GDP.MKTP.CD).
h/t Bjørn Lomborg
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

















Wir freuen uns über Ihren Kommentar, bitten aber folgende Regeln zu beachten:
- Bitte geben Sie Ihren Namen an (Benutzerprofil) - Kommentare "von anonym" werden gelöscht.
- Vermeiden Sie Allgemeinplätze, Beleidigungen oder Fäkal- Sprache, es sei denn, dass sie in einem notwendigen Zitat enthalten oder für die Anmerkung wichtig sind. Vermeiden Sie Schmähreden, andauernde Wiederholungen und jede Form von Mißachtung von Gegnern. Auch lange Präsentationen von Amateur-Theorien bitten wir zu vermeiden.
- Bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Gehen Sie in Diskussionen mit Bloggern anderer Meinung auf deren Argumente ein und weichen Sie nicht durch Eröffnen laufend neuer Themen aus. Beschränken Sie sich auf eine zumutbare Anzahl von Kommentaren pro Zeit. Versuchte Majorisierung unseres Kommentarblogs, wie z.B. durch extrem häufiges Posten, permanente Wiederholungen etc. (Forentrolle) wird von uns mit Sperren beantwortet.
- Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe.
- Drohungen werden ernst genommen und ggf. an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben.
- Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt.
Diese Richtlinien sind sehr allgemein und können nicht jede mögliche Situation abdecken. Nehmen Sie deshalb bitte nicht an, dass das EIKE Management mit Ihnen übereinstimmt oder sonst Ihre Anmerkungen gutheißt. Wir behalten uns jederzeit das Recht vor, Anmerkungen zu filtern oder zu löschen oder zu bestreiten und dies ganz allein nach unserem Gutdünken. Wenn Sie finden, dass Ihre Anmerkung unpassend gefiltert wurde, schicken Sie uns bitte eine Mail über "Über Uns->Kontakt"