Stephen Heins, The Word Merchant, Sheboygan, Wisconsin

Euronews veröffentlichte diese Woche einen Beitragdes Inhalts, dass „der Klimawandel die geistige Gesundheit Europas gefährdet“. Der Neurologe Ulf Kallweit, Co-Vorsitzender einer Umwelt-Arbeitsgruppe der Europäischen Akademie für Neurologie, warnte davor, dass steigende Temperaturen zu mehr Schlaganfällen führen, den Schlaf stören, die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen und Demenz sowie Parkinson verschlimmern würden.

Am stärksten gefährdet seien diejenigen, die sich keine Klimaanlage leisten könnten, merkte er an. Die Darstellung ist bekannt: Das Klima als neue, alles überragende Bedrohung, wobei politische Maßnahmen das einzige wirkliche Mittel dagegen sind.

Dabei sehen die tatsächlichen Fakten ganz anders aus. Die neurologische Belastung in Europa steigt in erster Linie, weil die Bevölkerung altert und länger lebt – nicht, weil das Klima plötzlich zum Feind des Gehirns geworden wäre. Kälte fordert immer noch weit mehr Todesopfer als Hitze.

Die altersstandardisierten Schlaganfallraten sind seit Jahrzehnten rückläufig. Die Luftqualität hat sich erheblich verbessert. Und die eigentliche Gefährdung – die Unfähigkeit vieler Europäer, ihre Wohnungen zu kühlen – wird gerade durch jene Energiepolitik verschärft, für die sich Klimaschützer einsetzen.

Betrachten wir zunächst Temperatur und Schlaganfälle. Studien zur temperaturbedingten Sterblichkeit in Hunderten europäischer Städten zeigen durchweg, dass Kälte den Ausschlag gibt. Eine Analyse von 854 Städten ergab, dass in einem typischen Jahr etwa 130.000 zusätzliche Todesfälle auf Kälte zurückzuführen waren, gegenüber etwa 13.600, die auf Hitze zurückzuführen waren – ein Verhältnis von etwa 10 zu 1.

Breiter angelegte europäische Schätzungen beziffern das Verhältnis von Kälte zu Hitze auf etwa acht zu eins. Weltweit belief sich die durch nicht optimale Temperaturen bedingte Belastung durch Schlaganfälle im Jahr 2019 auf etwa 474.000 Todesfälle aufgrund niedriger Temperaturen und 48.000 aufgrund hoher Temperaturen. Extreme Hitze erhöht zwar das Schlaganfallrisiko, insbesondere bei älteren Menschen, doch der absolute Beitrag bleibt im Vergleich zu Kälte, Bluthochdruck, Rauchen, Vorhofflimmern und dem Alter selbst gering.

Kallweits Prognose, wonach hitzebedingte Schlaganfälle von derzeit etwa 1 Prozent der Fälle auf 5–8 Prozent in 20–30 Jahren steigen könnten, ist eine Vorhersage und kein gemessener Trend. Die altersstandardisierte Schlaganfallinzidenz in West- und Mitteleuropa ist in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen – um 28 Prozent oder mehr in länderübergreifenden Analysen, die den Zeitraum von den 1990er bis zu den 2010er Jahren umfassen, und in einigen westlichen Ländern sogar um noch größere Prozentsätze.

Die absolute Zahl der Schlaganfälle ist vor allem deshalb leicht gestiegen, weil immer mehr Menschen ein Alter erreichen, in dem das Schlaganfallrisiko stark steigt. Eine bessere Blutdruckkontrolle, der Rückgang des Tabakkonsums und eine verbesserte Akutversorgung sind für den größten Teil dieser Fortschritte verantwortlich. Das Klima spielt im Vergleich zu demografischen und medizinischen Faktoren nur eine untergeordnete Rolle.

Die Luftqualität wird ebenso behandelt. Der Artikel führt „schlechte Luftqualität“ als klimabedingten Belastungsfaktor für die Gehirngesundheit auf. Tatsächlich verzeichnet Europa jedoch eine stetige Verbesserung. Die Schwefeldioxid-Emissionen sind seit 2005 um rund 85 Prozent gesunken, die Stickoxidemissionen um mehr als 50 Prozent und die Feinstaubbelastung erheblich.

Daten von Copernicus und der Europäischen Umweltagentur zeigen einen anhaltenden Rückgang der PM2,5- und NO₂-Konzentrationen im letzten Jahrzehnt. Diese Fortschritte sind auf sauberere Kraftwerke, bessere Fahrzeugnormen und industrielle Emissionskontrollen zurückzuführen – nicht auf die Klimapolitik an sich. Die verbleibende Luftverschmutzung schadet zwar nach wie vor der Gesundheit, insbesondere in Städten, doch der Trend verschlechtert sich nicht aufgrund der Erwärmung.

Schlafstörungen durch tropische Nächte sind real und unangenehm. Anhaltender schlechter Schlaf erhöht das Risiko für Schlaganfälle und kognitiven Verfall. Die praktische Lösung liegt jedoch in der Kühlung, nicht in der Atmosphärenchemie. Die meisten amerikanischen Haushalte verfügen über eine Klimaanlage; in Europa liegt die Ausstattungsrate im Durchschnitt bei etwa 20 Prozent und ist in Deutschland, Großbritannien sowie weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas deutlich niedriger.

Das historische Klima machte eine intensive Kühlung weniger notwendig. Das ändert sich gerade, und die vernünftige Anpassung besteht in erschwinglichem Strom für die Kühlung – nicht in der Vorhersage, dass Hitzewellen unweigerlich zu einer Demenzwelle führen werden. Wo Kühlung verfügbar und günstig ist, sinkt die hitzebedingte Sterblichkeit. Wo Energie teuer und unzuverlässig ist, leiden die Schwachen am meisten.

Infektionskrankheiten wie die Lyme-Borreliose breiten sich immer weiter aus. Zeckenpopulationen reagieren auf die Temperatur, aber auch auf Veränderungen in der Landnutzung, die Dichte von Rehen und Kleinsäugern sowie menschliche Aktivitäten im Freien. Die Verschiebung in erster Linie dem Klima zuzuschreiben, überbewertet die Rolle eines einzelnen Faktors unter vielen.

Neurologische Komplikationen aufgrund dieser Infektionen sind im Vergleich zu den großen degenerativen und vaskulären Erkrankungen des Alterns nach wie vor relativ selten.

Der Artikel stellt zu Recht fest, dass Menschen in benachteiligten Stadtvierteln höheren Risiken ausgesetzt sind und dass die Unfähigkeit, sich eine Klimaanlage leisten zu können, den Hitzestress noch verstärkt.

Dies ist der wichtigste Punkt, und er steht im Widerspruch zu den üblicherweise vorgeschlagenen politischen Maßnahmen. Einfach ausgedrückt: In Europa herrscht seit langem ein Vorurteil gegenüber Klimaanlagen.

Die Strompreise in der EU sind im Vergleich zu den USA nach wie vor hoch – in Deutschland, Belgien und Irland liegen sie nach Steuern oft bei 30 bis 40 Eurocent pro Kilowattstunde. In den Jahren 2022–2023 konnte etwa ein Viertel der europäischen Haushalte ihre Wohnungen im Sommer nicht angenehm kühlen; bei einkommensschwachen Gruppen lag dieser Anteil noch höher.

Energiearmut im Sommer wird mittlerweile ebenso anerkannt wie Heizarmut im Winter. Politische Maßnahmen, die die Kosten für zuverlässige Stromversorgung in die Höhe treiben – CO₂-Bepreisung, die Menschen in Armut am stärksten belastet, Subventionen für intermittierende Stromerzeugung, die eine Reserveversorgung erfordern, sowie Einschränkungen bei Kernkraft und Gas –, erschweren die Kühlung genau dann, wenn sie am dringendsten benötigt wird.

Eine älterer Mensch in einer schlecht isolierten Wohnung in Süd- oder Osteuropa braucht keinen weiteren Vortrag über Emissionen. Sie braucht bezahlbare Kilowattstunden, wenn die Temperatur über Nacht über 20 °C bleibt.

Die alternde Bevölkerung Europas ist der entscheidende Faktor für die steigende Belastung durch neurologische Erkrankungen. Die Prävalenz von Demenz steigt ab dem 80. Lebensjahr steil. Schlaganfall, Parkinson und verwandte Erkrankungen folgen der gleichen demografischen Kurve. Die Überlebensrate nach einem ersten Schlaganfall hat sich verbessert, so dass mehr Menschen mit bleibenden Beeinträchtigungen leben.

Diese Trends sind messbar und von großem Ausmaß. Klimabedingte Zuwächse sind, sofern sie überhaupt bestehen, geringer und unsicherer. Die Ressourcen im Bereich der öffentlichen Gesundheit sind begrenzt. Die Priorisierung spekulativer Klimaszenarien gegenüber Blutdruckprogrammen, Raucherentwöhnung und dem Zugang zu Energie für die Kühlung ist eine Entscheidung, keine wissenschaftliche Notwendigkeit.

Der Energie-Humanismus geht von einer einfachen Beobachtung aus: Reichlich vorhandene, zuverlässige und bezahlbare Energie ist eine Grundlage moderner Gesundheitsversorgung. Sie versorgt Krankenhäuser, Kühlanlagen, Diagnosegeräte und zunehmend auch die Klimatisierung von Wohnräumen mit Strom. Sie ermöglicht es den Menschen, sowohl der Kälte zu entkommen, die in der Vergangenheit mehr Europäer das Leben gekostet hat, als auch der eventuell häufiger auftretenden Hitze.

Politische Maßnahmen, die Energie als ein Problem betrachten, das es einzudämmen gilt, anstatt als Instrument für das Wohlergehen der Menschen, lassen die Schwächsten schutzlos zurück. Die Darstellung von Euronews betrachtet das Klima als die primäre Bedrohung und die Anpassung daran als zweitrangig.

Die Daten deuten jedoch auf das Gegenteil hin: Anpassung durch ausreichend Energie ist die praktische Abwehrmaßnahme, während Energiearmut das deutlichere und unmittelbarere Risiko für die Gesundheit des Gehirns und für das Leben selbst darstellt.

Dieser Energiehumanist meint:

• Kälte verursacht in Europa immer noch etwa zehnmal mehr temperaturbedingte Todesfälle als Hitze.

• In Europa gibt es seit langem Vorurteile gegenüber modernen Klimaanlagen.

• Die altersstandardisierten Schlaganfallraten sind seit Jahrzehnten rückläufig; die alternde Bevölkerung ist der Hauptgrund für die absolute Belastung.

• Die Luftqualität hat sich erheblich verbessert; verbleibende Umweltverschmutzung ist zwar real, stellt jedoch keine klimabedingte Verschlechterung dar.

• Bezahlbarer Strom für die Kühlung ist der direkte Schutz für ältere Menschen und Menschen mit geringem Einkommen.

• Netto-Null-Maßnahmen, die die Stromkosten in die Höhe treiben, erschweren die Anpassung, die sie angeblich unterstützen sollen.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/10/17/climate-alarmism-not-climate-is-what-threatens-europes-brains/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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