Eike, Andreas Demmig, Meinungskommentar

„Net-zero und klimaneutral“ sind offenbar nur für die wohlhabenden Länder in den westlichen Regionen ein Thema, mit dem sie ihr Gutmenschentum zeigen wollen. In Deutschland wird bewusst die Industrie in die Knie gezwungen – keine Produktion bedeutet auch keine Co2 Emissionen.

Da aber für viele Produkte ein unbedingt notwendiger Bedarf besteht, springen gerne andere Länder ein, schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand im eigenen Land.

Ursprünglich „unterentwickelte“ Länder suchten schon immer gute Produkte zu kopieren und selbst zu vermarkten. Natürlich punkten sie mit billigeren Lohnkosten und geringeren „Umweltstandards“ [Wer hat die erfunden und wo stehen die?]. Heutzutage glänzen diese Länder auch noch mit billigerer Energie – und die auch noch zuverlässig in genügender Menge.

Nach Japan (elektronische Produkte, Autos, Kameras, …) ist es z.b. China, das mit Ausbildung und weltweitem Handel für die nennenswerte Beseitigung der Armut im eigenen Land sorgt.

Denken Sie beispielsweise an Zement. Der größte Produzent dieses unverzichtbaren Baustoffs ist – wenig überraschend – China, gefolgt von Indien. Vietnam liegt mit deutlichem Abstand an dritter Stelle, was die Jahresproduktion angeht. Unter den zehn größten Zementproduzenten weltweit findet sich kein einziges europäisches Land. Das einzige westliche Land auf der Liste sind die Vereinigten Staaten auf Platz vier mit einer Jahresproduktion von 90 Millionen Tonnen im Jahr 2023, verglichen mit 2 Milliarden Tonnen in China.

Dieser Trend hat auch das Wachstum anderer asiatischer Volkswirtschaften wie Indien, Vietnam, Indonesien – dem weltweit größten Nickelproduzenten – und der Türkei beflügelt. Wie Gavin Maguire von Reuters kürzlich in einem Kommentar feststellte , dehnt sich die Verlagerung der Produktion nun auch auf Afrika aus. Mit fortschreitender Verlagerung vertieft sich die Kluft zwischen Verarbeitern und Verbrauchern in Bezug auf Energie, die Bedeutung von Kohlenwasserstoffen und einen möglichen Ausstieg aus diesen Rohstoffen.

Die Länder der westlichen Welt, investierten 2024 insgesamt 2,4 Billionen US-Dollar in die Energiewende, darunter in Stromnetze, Elektrofahrzeuge, Wind- und Solarenergie, Batteriespeicher und Energieeffizienz. 49 % dieser Investitionen wurde z.b. aus China importiert. Der Rest wurde (noch?) in westlichen Ländern ausgegeben. Den grünen Ideologen ist es egal, das Windkraftanlagen und Solarpanels nicht mehr im eigenen Land hergestellt werden können – nein, eine unzuverlässige Energieversorgung mit Wind- und Sonnenstrom passt nicht zur Herstellung genau dieser so grünen Industrieanlagen. Gut, dass China weiterhin auf zuverlässige fossile Kraftwerke setzt, sonst könnten die Profiteure keine Subventionen aus Steuergeldern abgreifen. Wie sagte ein berühmter Kopf in Deutschland, auf diese Situation leicht abgewandelt: Die Arbeitsplätze sind nicht verloren, sie sind jetzt nur woanders.

Wie war das nochmal mit der Abhängigkeit Deutschlands vom Ausland? Deutschland zahlt anderen Ländern viel Geld dafür, dass diese nun die Emissionen aus der Herstellung von vielen Wirtschaftsgütern und Komponenten bei sich zu Hause lassen und uns nur das emissionsfreie Fertigprodukt verkaufen.

Damit ist es Europa gelungen, die Gesamtemissionen zu reduzieren, indem es seine eigene Schwerindustrie auch zusätzlich durch den Zwangseinkauf von Emissionszertifikaten dezimiert hat. Produktion in Deutschland (und anderen europäischen Ländern, die Net-zero anhängen) ist global und sogar lokal nicht mehr wettbewerbsfähig.

Ironischer ist die Tatsache, dass alle von den Befürwortern der Energiewende angepriesenen Branchen enorme Mengen an Rohstoffen und Produkten benötigen, die von den erdölabhängigen Ländern mithilfe der billigen Energie aus Kohle hergestellt werden. Windkraftanlagen beispielsweise benötigen erhebliche Mengen an Zement für ihre Fundamente und ebenso große Mengen an Stahl . So ist es im wahrsten Sinne des Wortes die Energiewende selbst, die die erdölabhängigen Volkswirtschaften in Asien, Afrika und Südamerika mit antreibt.

Trotz der Demonstrationen gegen die Verwendung von fossilen Brennstoffen, erreichte die weltweite Kohlenachfrage weiterhin Rekordwerte. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) dürfte die Nachfrage nach dem umweltschädlichsten Kohlenwasserstoff im Jahr 2025 weiter auf 8,85 Milliarden Tonnen gestiegen sein.

Aufgrund des massiven Wachstums im Rechenzentrumsbau steigt die Nachfrage nach Kohlenwasserstoffen und der daraus gewonnenen Energie. Wie auch auf Eike mehrfach berichtet, sind KI und die dazugehörige Infrastruktur die neuen Triebkräfte der – sehr weit westlich gelegenen Volkswirtschaften, die sich von Zement, Stahl und Kohle abgewandt haben. Dennoch sind es genau diese Rohstoffe, die die Komponenten dieser Infrastruktur antreiben und die Existenz der Technologiebranche überhaupt erst ermöglichen. Rechenzentrumsbetreiber sind daher offen für alle Kohlenwasserstoffe, die ihre Anlagen rund um die Uhr mit Strom versorgen können.

Es scheint also eine wachsende Kluft zwischen Ländern zu bestehen, die für ihr zukünftiges Wirtschaftswachstum auf Technologien wie KI setzen, und solchen, deren BIP auf der zerstörten Rohstoffindustrie basiert. Es ist eine unbequeme Tatsache – wie China deutlich zeigt, dass die Energiewende genauso stark von billiger und reichlich vorhandener Energie abhängt wie jede andere Branche.

Dipl. Ing. Andreas Demmig

 

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