Wer (Öko-)Sozialismus kennt, weiß jedoch aus allen Beispielen der jüngeren Geschichte: Auf dem Weg zum sozialistischen Paradies muss das Volk immer zuerst einen Leidenspfad durchschreiten. Und wann dieser endet, hat bisher noch niemand herausfinden können, da sich bisher fast alle – sich diesem Weg verschrieben habenden – Länder vor dem Erreichen dieses Paradieses notgedrungen auflösten und die wenigen verbliebenen, sich immer noch auf dem mit Mühsal beladenen Weg dorthin befinden.

Ökostrom wird zur Universalwährung

Erfolge muss man feiern – und vor allem endlos wiederholen – auch wenn sie eher das Gegenteil belegen:
SZ: [2] … Und doch war der Neujahrstag eine kleine Sensation. Es war der erste Tag, an dem in Deutschland 95 % des Stromes aus erneuerbaren Energien kam
Man kann dieses denkwürdige Ereignis von wenigen Stunden auch anders interpretieren:
EIKE 14.01.2018: Am Neujahrsmorgen hat sich Deutschland zum ersten Mal in der Geschichte komplett mit Ökostrom versorgt
Doch muss ja nicht jeder die gleiche Meinung haben. Es sei aber erwähnt, dass der Redakteur diese Neujahrgeschichte im weiteren Verlauf relativiert – und darauf hinweist, dass der Ökostrom eben weiter ausgebaut werden muss.
Die Begründung ist immer die Gleiche: … angesichts der Klimaziele der Bundesregierung, nach denen sich die Treibhausgasemissionen in Deutschland bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 % verringern sollen.
Wenn man ein Ziel aus den Augen verloren hat, wird eben mit doppelter Geschwindigkeit darauf zugegangen. Die Notwendigkeit belegen viele Experten. Und davon gibt es seit der ausufernden Akademikerschwemme ausreichend.
Das neue Zauberwort heißt „Sektorkopplung“. Was beim EEG schon nicht funktioniert, muss auf alle Sektoren ausgeweitet werden. Der Vorteil: Dann fehlt der Vergleich mit funktionierenden Systemen und die Probleme des EEG werden als normal empfunden.
Jedenfalls wissen es so die Experten: … demnach muss Ökostrom künftig zur universellen Energiewährung werden … Benutzt man Strom bislang fast ausschließlich für die Beleuchtung und für Elektrogeräte, so wird er künftig zwei weitere Sektoren versorgen: Den Verkehr und die Wärmeerzeugung ...
Der Fachredakteur hat dabei nur übersehen, dass der Strom auch bisher schon Sektor-übergreifend genutzt wurde. Nämlich überall dort, wo es sinnvoll war. Nur darf das eben in Zukunft nicht mehr der Nutzer entscheiden, sondern es wird ihm von den viel besser wissenden „Experten“ – in Wirklichkeit von der Politik – vorgeschrieben.

Das alte Stromnetz passt nicht in die moderne Zeit …

lässt die SZ weiter fabulieren. Während man früher alle paar Generationen das Heimatland durch vom Zaun gebrochene Kriege verwüsten ließ, darf eine neue Generation es endlich einmal selber vollbringen. Und es macht Spaß:
SZ: … Letztlich passt das alte Stromnetz, das sich in mehr als 100 Jahren (Zufügung: so positiv und zuverlässig) entwickelt hat, nicht in die neue Zeit
Denn so, wie sich Ärzte endlich auch um den Klimawandel „kümmern“ wollen [4], erschließt das moderne, intelligente Netz ebenfalls ganz neue Betätigungsfelder:
SZ: … Es kommt also mehr Bewegung denn je ins Netzt – durch Haushalte, die Strom einspeisen oder durch Elektrofahrzeuge, die plötzlich den Verbrauch in die Höhe schrauben
Dazu fehlt noch die Ergänzung: Und nicht vorhersehbare Zeiten völlig fehlenden Stromangebotes infolge von Flauten.
Moderne Lösungen sind nicht da, aber in Sicht: … Herrmann de Meer, Professor für Informatik an der Universität Passau: Für ihn gibt es deshalb nur eine Lösung: Im Verteilnetz müssen künftig Sensoren das Stromnetz aus der Ferne überwachen und steuern. Wie das geht, untersucht de Meer mit seinen Partnern im EU-Projekt Electrific …
Was interessiert einen IT-Fachmann der Strom. Der kommt doch schon jetzt übers Internet per Zertifikat, so wie Geld aufs Konto. Unstabilitäten sind im kein Gräuel, sondern tägliche Routine. Künftig unstabiler Ökostrom ist ihm also schon aus dem Arbeitsumfeld geläufig.

Der Preis könne auch von der Versorgungssicherheit abhängen

Ein Stefan Tenbohlen, Direktor des Instituts für Energieübertragung und Hochspannungstechnik an der Universität Stuttgart hat sich ebenfalls erkennbar mit den neuen Gegebenheiten arrangiert. Er ist voller Enthusiasmus und trägt Lösungen bei:
SZ: … Tenbohlen ist sich sicher, dass künftig ganz neue Geschäftsmodelle möglich werden, wenn man das Verteilen (Anmerkung: des kontingentierten Stromes) intelligent macht. „Es ist ja so, dass Strom künftig kostenlos zur Verfügung stehen wird – weil Windräder und Solaranlagen umsonst Strom liefern, sobald sie abgeschrieben sind“
Damit zeigt dieser Direktor, dass er keine Ahnung von den Sach-Zwängen einer Reduzierung des CO2-Budgets über das Versorgungsnetz hat. Dieses erfordert einen vollkommenen Umbau – im Neusprech: Repowering – aller derzeit installierten Ökoerzeuger zu weit größeren Systemen.
[6] … Die Studie (IWES 2013) fand heraus, dass, um eine 80 % EEG-Versorgung überhaupt zu „ermöglichen“, euphorische (und für die Bürger teure) Maßnahmen durchgeführt werden müssen.
Konkret: Der Energieverbrauch muss drastisch gesenkt werden (um ca. 40 %) und alle Windkraftanlagen sind von derzeit ca. 128 m Nabenhöhe auf ca. 200 m Nabenhöhe zu erhöhen …

Bild 1 Öko-Industrieland Deutschland. Screenshot BDI-Vortragsvideo [1] [5]

Und beide (Professor und „Fach“-Redakteur) zeigen, dass sie weder kaufmännisch rechnen können, noch aus der jüngeren Geschichte irgend etwas gelernt haben. Nach 20 Jahren ist ein Windrad zwar abgeschrieben, aber auch so kaputt, dass die Wartungs- und Reparaturkosten den Betreibern noch „graue Haare“ wachsen lassen werden. Und auf die teils enormen Pachtzahlungen werden die Grundstückseigentümer auch kaum plötzlich verzichten. Vor allem, wenn sie daran denken, dass das Entsorgen der riesigen Betonfundamente vielleicht einmal an ihnen hängen bleibt.
Es gab einen Staat, der hat das Prinzip „abgeschriebene Anlagen“ perfekt betrieben: Die untergegangene DDR. Es stimmt, dass dort im Vergleich zum Westen, alles spottbillig war. Der Autor war zu dieser Zeit vor der „Wende“ nur wenige Male „im Osten“. Es gab dort fast nichts, was sich selbst für dieses „spottbillig“ mit Westgeld zu kaufen gelohnt hätte. Synonym gilt dies auch für den „abgeschriebenen“ Zappelstrom.
Der Professor für Informatik weiß aber eine weitere Lösung: „Der Preis könnte auch von der Versorgungssicherheit abhängen, ergänzt de Meer. „Heutzutage soll jeder Kunde, jede Maschine gleichberechtigt und gleich sicher mit Strom versorgt werden.“ Das sei aber im Grunde übertrieben Warum solle eine Glühbirne im Schuppen genau so sicher versorgt sein wie ein Dialysegerät in der Klinik …
Es ist eben nur eine Frage der Definition, was in Zukunft als „Schuppen“ bezeichnet wird. Es wird wohl jedes Gebäude werden, welches auf einen Haushaltsstromanschluss angewiesen bleibt. Doch liegt der Professor damit im modernen Meinungstrend, wonach der normale Untertan sowieso keinen Anspruch auf eine gesicherte Stromversorgung hat [7]. Dass diese bisher sicher war, war reiner Zufall, weil die „Politikstudierten“ den „Technikstudierten“ früher weniger ins Handwerk pfuschten.

Bis der schwierige Pfad zum Ökoparadies durchschritten ist, gibt es noch viel zu lösen …

Im Artikel werden dann die vielen Probleme des EEG und seines weiteren Ausbaus gelistet. Meistens ergänzt um die Aussage irgend einer Fachperson, die dafür zwar keine Lösung hat, aber von zukünftigen schon einmal etwas gehört hat: … „Natürlich könne man den Ökostrom auch an Ort und Stelle speichern, sagt Fischedick (Anm.: Vizepräsident des Wuppertal-Instituts). Da gebe es derzeit bundesweit eine ganze Fülle an Prototypen – Zum Beispiel sogenannte Redox-Flow-Batterien, deren Tanks ganze Hallen füllen. Auch könne man den mit Strom per Elektrolyse Wasserstoff gewinnen … Über eine Brennstoffzelle kann man daraus bei Bedarf wieder Strom erzeugen. „Bei vielen solchen Speicherprozessen geht aber viel Energie durch die Wandlung verloren“ … Mehr, als wenn man den Strom direkt nutzt ...

… doch da bricht der Artikel ab

SZ: … Der Umbau des Stromnetzes sei eine Generationsaufgabe. „Ein Windpark ist in zwei Jahren errichtet. Für das Stromnetz aber braucht man Jahrzehnte …“
Das hat einen großen Vorteil: Bis dahin sind die ausgestorben, welche noch wussten, wie zuverlässig und billig Strom sein kann, sofern man die richtigen Technologien verwendet.

Nun bietet eine Doppelseite in der SZ leider nicht mehr Platz (ca. zwei Drittel der Doppelseite nimmt das Headerbild ein) und so endet der Artikel da, wo es interessant würde.
Wie der Artikel in einer seriösen Zeitung weitergehen könnte, lässt sich aber nachlesen:
Novo Argumente 27.04.2018: Der Strompreis steigt und steigt
Quellen
[1] Video: BDI Klimapfade für Deutschland – Chancen und Herausforderungen aus Sicht der Industrie. Link
[2] SZ Printausgabe vom 28./29.04.2018: Energie!
[3] SZ Homepage: 27. April 2018 Hochspannend
[4] EIKE 24. April 2018: Klimaretter – Lebensretter. Ärzte sollen Fossil-Ausstieg fordern
[5] EIKE: Die deutsche Industrie vereint sich im Endkampf gegen den Klimawandel mit unserer Regierung. Einzige Bedingung: Dieser „Waffengang“ darf die Industrie auf keinen Fall selbst etwas kosten.
[6] EIKE 27.12.2017: Offshore lieferte jeden Tag Strom und onshore gab es im Jahr 2016 deutschlandweit keine einzige Stunde ohne Windstromerzeugung
[7] EIKE 07. 02.2018: In Zukunft sorgt die EU für die Sicherheit von Deutschlands Stromversorgung