Bis zum bitteren Ende

Wissenschaftlern vorzuwerfen käuflich zu sein, nur weil sie Fragen zum Thema Klima stellen, ist an die Stelle der wissenschaftlichen Debatte getreten und wird inzwischen sogar als eine solche angesehen. Anders als die Kritik der GWPF ist dieses Vorgehen absolut keine Wissenschaft. Al Gore erneuerte jüngst seine Forderung nach Bestrafung der Klimaleugner (wie sie abschätzig von den Dogmatikern genannt werden). Dies folgt schamlosen Angriffen im Politiker-Stil auf Wissenschaftler wegen ihrer Ansichten zum Klima. Insbesondere gab es einen aggressiven Angriff, der unsere Ethik, Moral, Kompetenz und sogar geistige Gesundheit in Frage stellt. Er war bemerkenswert gut koordiniert, kam er doch gleichzeitig von einer ganzen Reihe von Fronten: Aktivisten, dem Kongress, Hollywood und sogar einigen Psychologen.

Dieser gesamte Angriff könnte nicht antiwissenschaftlicher sein. Die Protagonisten sind Eindringlinge in die Wissenschaft, die die Natur wissenschaftlicher Wahrheit weder verstehen noch respektieren. Eine der größten Lektionen aus der Historie der Wissenschaft lautet, dass Menschen nicht nur in die Irre gehen, sondern auch stur den stupidesten Gedanken nachhängen bis zum bitteren Ende. Ich spreche mich selbst nicht davon frei; es ist meine Altlast genau wie Ihre.

Eris‘ Jünger

Was die Dogmatiker sehr gut können ist eristische Argumentation; benannt nach der antiken griechischen Göttin Eris, ,zuständig‘ für Zwietracht und Chaos. Eristische Taktiken erreichten uns von den antiken griechischen Sophisten. Eristische Methoden manifestieren sich heutzutage in den Arbeiten von Saul Alinsky. Wie die Zuständigkeiten der Göttin nahelegen, sind sie inhärent Unfrieden stiftend. Ihr Ziel ist Sieg, nicht Wahrheit. Dies ist der Ausbildung und der Persönlichkeit der meisten Wissenschaftler völlig fremd. Ich gehe genau wie andere Wissenschaftler in Diskussionen mit einer kollegialen Haltung, tolerant gegenüber konträren Gedanken, egal wie falsch diese aussehen. Werde ich jedoch mit eristischen Taktiken konfrontiert, welche oftmals absurd, aggressiv und zutiefst irrational sind, bleiben wir konsterniert zurück. Wie jeder andere Mensch auch können Wissenschaftler die Sprache politischen Unsinns sprechen, aber sie sprechen sie schlecht. Ihre berüchtigte politische Naivität macht sie zu einfachen Werkzeugen für jeden politischen Funktionär. Und so verlieren wir gegen eristische Taktiken, selbst wenn wir wissen, dass sie angewendet werden.

Die Jünger von Eris betrachten Opposition als eine Gier nach Macht, während Wissenschaftler Opposition als ein Mittel betrachten, Ansichten zu testen. Für Wissenschaftler ist Opposition ein Charakteristikum, nicht ein Schädling. Behörden können sich stolz selbst davon überzeugen, auf absurde Weise falsch zu liegen, bis einige tapfere Seelen gegen sie aufstehen. Manchmal zahlen sie einen sehr hohen Preis.

Eine leicht einzusehendes Beispiel war der Fall des Arztes Ignaz Semmelweis. Er regte an, dass es den Patienten sehr helfen würde, wenn sich das Personal zwischen der Behandlung zweier Patienten sorgfältig die Hände waschen würde. Es war für die Experten seiner Zeit Konsens, dass er unrecht hatte. Er wurde aus seiner Stellung gemobbt und beendete sein Leben in einem psychiatrischen Krankenhaus. Dieses Phänomen ist nicht eine Ausnahme, sondern die Regel. In zahllosen anderen Fällen, von obskuren, nur für Experten verständlichen technischen Dingen bis hin zu großen Erkenntnissen wie der Kontinentaldrift, dieses Beitrags oder Ähnlichem, trat das Phänomen immer wieder auf.

Das heißt nicht, dass Experten immer oder gar häufig falsch liegen. Es heißt lediglich, dass immer wenn die Menschheit einen Schritt vorwärts macht, dieser Schritt natürlicherweise etwas betrifft, dass stolze Experten zuvor nicht gewusst haben. Über viele Generationen hinweg hat die Wissenschaft diese Lektion allmählich aber stetig übernommen. Die Häretiker und Spinner könnten ja vielleicht recht haben, und deswegen gibt es ein Bewusstsein dafür (wenn auch mitunter widerwillig), dass Toleranz für das vermeintlich Falsche wesentlich ist – die wissenschaftliche Version der freien Rede. Es ist möglicherweise kein Zufall, dass wissenschaftliche Fortschritte dazu tendieren, in Umgebungen mit den größten Freiheiten gemacht zu werden. Wissenschaftler müssen sich untereinander kritische Fragen über ihre Arbeit stellen, um uns alle voranzubringen. Das ist ihr Job. Opposition ist notwendig, aber nur Opposition mit der Maßgabe guten Willens, wo alle darin übereinstimmen, dass die Objektive Wahrheit ist und nicht das Zerschlagen ihrer Feinde.

Der Bereich, den es nie gegeben hat

Klima ist so, wie es uns heute als wissenschaftliches Gebiet bekannt ist, sehr jung. Es wurde zusammen geschustert aus Bruchstücken einer Anzahl etablierter Felder und erst in allerjüngster Zeit in das Rampenlicht der Wissenschaft gehoben. Besonders verwundbar war es gegenüber anti-rationalen Eingriffen, weil es keinen Kern wissenschaftlicher Erkenntnisse gab, wie es beispielsweise in Physik und Chemie der Fall war. Vor der großen Klima-Leidenschaftlichkeit hatte man den Terminus „Klimawissenschaft“ praktisch noch nie gehört. Stattdessen war Klimatologie ein ruhiges, eng gefasstes und beschreibendes Gebiet mit wenig Förderung und nur wenigen, die in diesem Bereich tätig waren. Die heutige Version „Klimawissenschaft“ ist genauso stark getrieben von hinausposaunten öffentlichen Befürchtungen und traditionellen wissenschaftlichen Objektiven. Ich habe sehr oft gehört, dass das, woran wir Wissenschaftler arbeiten sollten, „davon abhängt, was Politiker wollen“.

Die Bereiche und Methoden der Klimawissenschaft sind eine unzusammenhängende Sammlung, der sich zu nähern nur wenige befähigt sind, geschweige denn befähigt, um einen sachkundigen Konsens zu bilden. Ist Klimaforschung das Einsammeln und die Beschreibung von Daten? Ist sie eine statistische Zeitreihen-Analyse? Ist sie Meteorologie ausgeweitet durch Supercomputer? Ist sie molekulare Spektroskopie? Ist sie Ozeanographie, Glaziologie, Geologie, Thermodynamik, Physik, Orbitaleigenschaften, Forschungsbegutachtungen, Wirtschaft, Biologie, dynamische Systemtheorie [?], Solarphysik und/oder noch viel mehr? Es ist einfach zu sagen „von Allem etwas“, aber Spezialisten dieser Unterbereiche fragen sich oft im Privaten, wozu die anderen Spezifikationen überhaupt da sind. Zum Beispiel: „Brauchen wir wirklich komplexe Modelle, wenn die Treibhausgas-Hypothese so einfach ist?“ Oder: „Wir Modellierer können den Paläontologen mehr helfen als sie uns“. Es gibt viele solcher Beispiele.

Die anteilige Vision dieser Sammlung von Bereichen war bislang großenteils nicht akademisch. Dessen Identität ist untrennbar mit der Klima-Leidenschaftlichkeit selbst verbunden, welche wiederum erzeugt und angefacht wurde von Politikern und Medien mittels unablässiger Promotion, riesigen Geldzuflüssen und der Bestrafung nicht konform gehender Wissenschaftler. Es ist unklar, durch was Klimawissenschaft als Ganzes akademisch definiert ist und was Klima selbst überhaupt ist. Nein, wir haben keine kohärente, physikalisch fundierte Definition für Klima, geschweige denn für Klimawandel. Grund hierfür ist nicht, dass wir die Änderung nicht bemerken können, sondern dass wir nicht wissen, welche Bereiche der endlosen, ständig stattfindenden allgegenwärtigen Änderung tatsächlich von Bedeutung sind. Dies ist ein genauso grundlegendes Problem wie die moderne Wissenschaft. Alles, was wir haben, sind Ad-Hoc-Definitionen durch wissenschaftliche Kritik durch ignorante Jünger von Eris. Diese Jünger nennen dies ,settled‘ Wissenschaft.

Hohle Siege

Die Dogmatiker und Jünger von Eris haben die kollegiale Atmosphäre unter den Wissenschaftlern zerschlagen, und sie dringen darauf, Wissenschaftler auf der falschen Seite ihres Dogmas als Staatsfeinde zu behandeln, wovon wir jüngst Zeuge geworden sind. Die Wissenschaft als Ganzes ist von ihnen schwer beschädigt worden. Ihretwegen verbleibt Klimawissenschaft gefroren und zutiefst betrügerisch ohne jede Chance, erwachsen zu werden – trotz der massiven Geldzuflüsse in sie. Geld ist nicht genug. Akademische Freiheit scheint manchmal ein unentgeltlicher Anachronismus zu sein, aber Klimawissenschaft ist genau das, wofür sie gemacht worden ist. Glücklicherweise haben einige akademische Institutionen wie die American Meteorological Society und die University of Delaware eine prinzipientreue Position eingenommen. Aber andere scheinen verwelkt zu sein. Moderne Universitäten und Institutionen sind nicht so unabhängig, wie wir gerne glauben würden. Sie leben von Zuwendungen und regierungsamtlicher Förderung.

Eristische Methoden haben sich als politisch höchst effektiv erwiesen. Aber die politischen Siege jener, die sich ihrer bedienen, sind hohl. Sie können die gegen das Dogma ankämpfenden Wissenschaftler nicht definitiv besiegen, weil jene Wissenschaftler niemals in der Politik mitgemischt haben, egal wie stark die Dogmatiker toben und schreien. Sie können uns leicht aus der politischen und öffentlichen Wahrnehmung hinauskanten, aber die Natur ist der letztendliche Richter. Sie geht weit über ihren Horizont hinaus. Kein eristisch geschulter Hyper-Politiker kann jemals über die Natur triumphieren. Falls es Ihnen jetzt immer noch nicht offensichtlich ist, dass die Dogmatiker deswegen Tomaten auf den Augen haben – Moment, die Natur hat noch mehr auf Lager. Wenn sie sich mit „welche Tomaten auf meinen Augen?“ einmauern, wird die breitere Öffentlichkeit über sie nur noch mehr lachen als ohnehin schon.

Es gibt keine Rechtfertigung dafür, gegenüber Wissenschaftlern wie wütende Dachse aufzutreten. Die Reaktion einiger GWPF-Wissenschaftler auf die Klima-Orthodoxie zeigt, dass die Wissenschaftler nicht einer Bezahlung bedürfen, um Gründe zu haben, die Klima-Orthodoxie in Frage zu stellen. Dessen Position ist wissenschaftlich sehr schwach, nicht stark, und es sind die Dogmatiker, die für diese Schwäche verantwortlich sind. Falls sie die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft nutzen wollen, um ihre Agenden zu stützen, müssen sie lernen, Wissenschaftler mit konträren Ansichten in glaubwürdiger Manier zu behandeln. Derartigen Wissenschaftlern kommt eine wichtige und anerkannte Rolle zu beim Voranbringen der Wissenschaft. Dogmatiker ändern sich natürlich nicht einfach so. Darum könnte dieses Patt noch so lange weitergehen, bis intelligente Laien davon die Nase voll haben und sie von der Bühne schubsen. Inzwischen sind wir immer noch da, und wir gehen nirgendwohin.

Breitbart London 25 March 2015

Bemerkung des Übersetzers: Bei Anklicken dieses Links erscheint das Original zusammen mit einigen Kommentaren.

Link: http://www.thegwpf.com/chris-essex-climate-scepticism-not-because-of-payment-but-because-the-science-is-bad/

Übersetzt von Chris Frey EIKE

Noch eine Bemerkung des Übersetzers: Den ganzen Beitrag kann man mit einem Satz von Goethe zusammenfassen: „Niedere Geister haben zu jeder Zeit versucht, den Höhenflug des Genies zu verhindern“.