Anthony Watts

Die Reporterin des TIME Magazine Simmone Shah behauptet in ihrem Artikel [Titel übersetzt] „Der Klimawandel schreitet schneller voran, als wir reagieren können, warnen Wissenschaftler“, dass die Erde eine sich rasch beschleunigende Klimadestabilisierung durchläuft, mit der die Menschheit zunehmend überfordert ist. Dies ist falsch und äußerst irreführend. Die Beobachtungsdaten zeigen einen moderaten langfristigen Erwärmungstrend mit erheblichen kurzfristigen Schwankungen oin beide Richtungen, während sich die Lebenserwartung der Menschen, die Nahrungsmittelproduktion, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterkatastrophen und die globale Vegetation im gleichen Zeitraum dramatisch verbessert haben.

TIME beginnt mit der bedrohlichen Feststellung, dass „sich das Klima schneller erwärmt, als wir reagieren können“, und stützt sich dabei auf einen neuen Artikel in BioScience mit dem Titel „Der Klimazustandsbericht 2026: Herausforderungen und Chancen“. Der Artikel behandelt anschließend in rascher Abfolge Themen wie Erwärmung, Meeresspiegel, Waldbrände, hitzebedingte Todesfälle, Treibhausgase, Korallenriffe, Kipppunkte, fossile Brennstoffe und die „Lebenserhaltungssysteme“ des Planeten und vermittelt den Lesern den Eindruck, dass die Zivilisation zusehen muss, wie die Kontrollleuchten des planetarischen Motors eine nach der anderen auf Rot springen.

Es wird bemerkenswert wenig versucht, die naheliegendste Frage zu stellen: Wenn der Klimawandel die Reaktionsfähigkeit der Menschheit übersteigt, wo sind dann die Beweise dafür, dass die Menschheit den Kampf verliert?

Beginnen wir mit der zentralen Behauptung des TIME-Artikels. Shah schreibt, dass sich die Erwärmung von etwa 0,05 °C pro Jahrzehnt zwischen 1880 und 1970 auf 0,36 °C pro Jahrzehnt von 2010 bis 2024 beschleunigt habe.

Das klingt beängstigend, bis man es in gewöhnliche Zahlen umrechnet.

Ein Trend von 0,36 °C pro Jahrzehnt entspricht 0,036 °C pro Jahr. Das sind etwa sechs Hundertstel eines Fahrenheit-Grads pro Jahr. Kein Mensch kann eine solche Veränderung von einem Jahr zum nächsten wahrnehmen, geschweige denn als eine Art außer Kontrolle geratene klimatische Umwälzung erleben.

Noch wichtiger ist: TIME vergleicht einen 90-jährigen Trend mit einem jüngeren 14-jährigen Trend, der unmittelbar nach dem außergewöhnlichen Temperaturanstieg von 2023–2024 endet. Das ist ein hervorragendes Verfahren, um einen beängstigenden Vergleich zu konstruieren, aber ein schlechtes, um den Klimawandel zu erklären.

„Climate Realism“ ging im März in dem Artikel „Nein, TIME, der Planet erwärmt sich nicht ‚schneller als je zuvor‘“ fast genau auf diese Behauptung ein. Die Satellitendaten der University of Alabama in Huntsville (UAH) zeigten seit 1979 einen langfristigen Trend in der unteren Troposphäre von etwa 0,16 °C pro Jahrzehnt, mit starken kurzfristigen Schwankungen im Zusammenhang mit El Niño und anderen natürlichen Einflüssen.

NASA Science selbst hat die Wärmeperiode 2023–2024 als „außergewöhnlich“ bezeichnet und mehrere Faktoren untersucht, darunter El Niño, Veränderungen bei den Aerosolen, die Wolkendecke, die Sonnenaktivität sowie die enorme Einbringung von stratosphärischem Wasserdampf durch den Vulkanausbruch des Hunga Tonga-Hunga Ha’apai im Jahr 2022.

Doch hier liegt die peinlichste Auslassung im Artikel von TIME: Der Artikel in BioScience selbst ist zurückhaltender als TIME.

Die Forscher sagen, die Erwärmung „scheint“ sich beschleunigt zu haben. Anschließend räumen sie ausdrücklich ein, dass andere Analysen die jüngste Erwärmung – einschließlich des Anstiegs von 2023–2024 – eher als im Einklang mit Klimamodellsimulationen stehend betrachten und nicht als Beweis für einen neu beschleunigten Verlauf.

TIME macht sich nicht die Mühe, dies den Lesern mitzuteilen.

Stattdessen springt Shah sofort von der Berechnung der kurzfristigen Erwärmung zu Kipppunkten, irreversiblen Veränderungen und der Möglichkeit, die 2-°C-Marke noch vor 2050 zu erreichen. Das ist keine Erklärung der Unsicherheit. Das ist das Ausblenden der Unsicherheit und das Beibehalten des beängstigenden Teils.

Dann wendet sich TIME dem Thema Extremwetter zu. Shah verweist auf Hitzewellen und Waldbrände im Jahr 2026 und erklärt, dass die Auswirkungen einer „sich immer schneller erwärmenden Erde“ mittlerweile „unmöglich zu ignorieren“ seien. Doch im selben Absatz räumt sie ein: „Wir wissen noch nicht genug, um diese einzelnen Wetterereignisse mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen.“

Lesen Sie das noch einmal.

TIME nutzt einzelne Wetterereignisse als Beweis für eine sich beschleunigende Klimakatastrophe und räumt dann ein, dass diese einzelnen Ereignisse derzeit nicht mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden können. Das ist keine Klimaanalyse. Das ist eine Weltuntergangsbehauptung, bei der zuerst die Darstellung und erst danach die Beweise kommen.

Waldbrände sind ein besonders schlechtes Beispiel. Die Auswertung globaler Waldbranddaten durch „Climate at a Glance“ stellt fest, dass die von der NASA gesammelten Satellitenbeobachtungen zeigen, dass die weltweit verbrannte Fläche zwischen 1998 und 2015 um 24 Prozent zurückgegangen ist. Auch der Weltklimarat (IPCC) bestätigt, dass die weltweit von Bränden betroffene Fläche zwischen 1998 und 2015 zurückgegangen ist, obwohl in einigen Regionen eine Zunahme von brandfördernden Wetterbedingungen festgestellt werden konnte. Neuere Forschungsergebnisse belegen weiterhin einen Rückgang der weltweit von Bränden betroffenen Gesamtfläche seit Beginn von Satellitenbeobachtungen.

Diese Nuance fehlt in der Aufzählung der Katastrophen durch das TIME-Magazin vollständig.

Dann ist da noch die Sterblichkeit. TIME-Magazin zitiert eine vorläufige Schätzung von 35.000 zusätzlichen Todesfällen während der Hitzewellen in Europa. Hitze tötet Menschen, und eine vernünftige Anpassung an extreme Hitze ist wichtig. Doch die Darstellung der Schätzung für einen einzigen Sommer ohne Berücksichtigung der umfassenderen Sterblichkeitsdaten ist äußerst irreführend.

„Climate at a Glance“ belegt, dass die Zahl der Todesfälle durch wetterbedingte Katastrophen im Laufe des letzten Jahrhunderts um mehr als 99 Prozent zurückgegangen ist. Die durchschnittliche jährliche Zahl der Todesfälle sank von etwa 485.000 in den 1920er Jahren auf weniger als 8.000 um das Jahr 2020.

So sieht erfolgreiche Anpassung aus.

Die temperaturbedingte Sterblichkeit liefert eine weitere unbequeme Tatsache. Eine umfangreiche Studie aus dem Jahr 2021 in „The Lancet Planetary Health“ schätzte, dass 8,52 Prozent der Todesfälle mit Kälte in Verbindung standen, verglichen mit 0,91 Prozent, die auf Hitze zurückzuführen waren. Von 2000–2003 bis 2016–2019 überwog der Rückgang der kältebedingten Sterblichkeit den Anstieg der hitzebedingten Sterblichkeit, was zu einem Netto-Rückgang der temperaturbedingten Sterblichkeit führte.

TIME schafft es irgendwie, einen Artikel darüber zu schreiben, dass sich das Klima „schneller verändert, als wir reagieren können“, ohne dabei eine der deutlichsten Messgrößen unserer Reaktion zu erwähnen: Die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen von Wetterextremen zu sterben, ist deutlich gesunken.

Gleiches gilt für die Ernährung.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtet, dass die weltweite Getreideproduktion von 2010 bis 2024 um 27 Prozent auf 3,1 Milliarden Tonnen gestiegen ist, was in erster Linie auf steigende Erträge zurückzuführen ist. Die Produktion von Ölsaaten stieg um 50 Prozent. „Climate at a Glance“ dokumentiert ebenfalls rekordverdächtige weltweite Ernteerträge und Erzeugungsmengen während der Phase der modernen Erwärmung.

Anscheinend haben die „Lebenserhaltungssysteme“ der Erde vergessen, die Landwirtschaft zu benachrichtigen. Auch die Pflanzen haben das Untergangs-Memo des „TIME“-Magazins nicht erhalten.

Satellitenbeobachtungen der NASA ergaben, dass sich zwischen einem Viertel und der Hälfte der bewachsenen Landfläche der Erde über einen Zeitraum von 35 Jahren deutlich begrünt hat, wobei Forscher schätzen, dass die Kohlendioxid-Düngung etwa 70 Prozent der beobachteten Begrünung ausmachte. NASA

Auch die Menschen haben sich der Apokalypse-Erzählung gegenüber ebenso unkooperativ gezeigt. Die Vereinten Nationen berichten, dass die weltweite Lebenserwartung im Jahr 2024 73,3 Jahre erreichte – ein Anstieg um 8,4 Jahre seit 1995.

Denken Sie einmal über die Absurdität der Darstellung durch TIME nach.

In dem Zeitraum, in dem die Menschheit angeblich den Wettlauf gegen den Klimawandel verlor, sank die wetterbedingte Sterblichkeit drastisch, die Ernteerträge stiegen sprunghaft, die Vegetation nahm zu, Milliarden weiterer Menschen wurden ernährt und die weltweite Lebenserwartung stieg.

Das bedeutet nicht, dass der Klimawandel keine Auswirkungen hat. Es bedeutet vielmehr, dass die Behauptung von TIME, das Klima verändere sich „schneller, als wir reagieren können“, durch einige der wichtigsten Messgrößen für menschliches Wohlergehen und Resilienz widerlegt wird.

Selbst die zugrunde liegende Veröffentlichung in BioScience erkennt etwas an, das durch die Katastrophenerzählung von TIME verschleiert wird. Darin heißt es, dass Extremwetterkatastrophen aus Wechselwirkungen zwischen klimatischen Gefahren und menschlichen Sozialsystemen resultieren, und es werden Anpassungsmaßnahmen aufgeführt, darunter Kühlzentren, Hochwasserschutz, kontrollierte Brandrodungen, Bewässerung, widerstandsfähige Nutzpflanzen, Frühwarnsysteme, Küstenschutz und eine robustere Infrastruktur.

Mit anderen Worten: Wir reagieren. Und wir haben außerordentlich gut reagiert.

TIME schließt mit der theatralischen Feststellung des Berichts, dass wir Zeugen einer „raschen Destabilisierung des Klimasystems der Erde“ seien und dass dies „eine Diagnose der Gegenwart“ sei.

Na gut. Dann diagnostizieren Sie den Patienten doch anhand aller Vitalparameter.

Zeigen Sie den Lesern nicht den Kohlendioxidausstoß, während Sie die Ernteerträge verschweigen. Zeigen Sie nicht eine Hitzewelle in Europa, während Sie den jahrhundertelangen Rückgang der wetterbedingten Sterblichkeit ignorieren. Zeigen Sie nicht ausgewählte Waldbrandsaisons, während Sie die weltweit rückläufige Brandfläche außer Acht lassen. Sprechen Sie nicht von planetarischen „Lebenserhaltungssystemen“, während Sie die weltweite Begrünung vernachlässigen. Behaupten Sie nicht, die Menschheit könne nicht mithalten, während die Lebenserwartung steigt und die Anfälligkeit der Menschen gegenüber Naturkatastrophen drastisch gesunken ist.

Vor allem sollte man nicht einen 14-jährigen Temperaturtrend, der in einem außergewöhnlichen Temperaturanstieg gipfelt, mit einem 90-jährigen historischen Trend vergleichen, die in der zugrunde liegenden Studie enthaltene eigene Warnung vor dieser Beschleunigung außer Acht lassen und dann Millionen von TIME-Lesern erzählen, dass die Erde auf eine irreversible Katastrophe zusteuert.

Das ist keine verantwortungsvolle Berichterstattung über Klimawissenschaft. Es ist inkompetenter und unverantwortlicher Klimakatastrophen-Journalismus, verfasst von einer Reporterin, die offensichtlich nicht in der Lage ist, sachlich zu recherchieren. Die „TIME“-Reporterin hatte die Gelegenheit, eine alarmierende wissenschaftliche Studie zu hinterfragen, ihre Annahmen zu prüfen, ihre Behauptungen mit Beobachtungsdaten abzugleichen und zu fragen, ob die tatsächliche Entwicklung des menschlichen Wohlergehens die Schlagzeile stützt. Stattdessen hat sie den Alarmismus einfach noch verstärkt. Ich würde es als das Nachplappern einer Pressemitteilung bezeichnen.

Das Klima verändert sich langsam. Die Menschheit passt sich rasch an. Die Welt geht nicht unter. Das Einzige, was sich in dem Artikel der „TIME“ unkontrolliert beschleunigt, ist die Rhetorik.

Link: https://climaterealism.com/2026/10/wrong-time-climate-change-is-not-accelerating-faster-than-we-can-respond/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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