H. Sterling Burnett
In den letzten Monaten hat „Climate Change Weekly“ ausführlich über die Wendungen und Entwicklungen in der Geschichte der Bemühungen der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (NASEM) berichtet, die Justiz des Landes in Klimaklagen zu beeinflussen, die von Dutzenden von Städten und Landkreisen gegen Produzenten fossiler Brennstoffe wegen „Klimaschäden“ eingereicht worden waren (zum Beispiel hier, hier, hier und hier). Das Paradebeispiel für diese Bemühungen war das Einfügen eines extrem voreingenommenen Kapitels zur Klimawissenschaft durch die NASEM in das vierte Referenzhandbuch zu wissenschaftlichen Beweisen des Federal Judicial Center (FJC). Das Kapitel wurde in Zusammenarbeit mit Anwälten und Wissenschaftlern verfasst, auf die Bezug genommen und aus denen zitiert wurde, die tatsächlich an der Vertretung und/oder Beratung der Kläger in diesen Rechtsstreitigkeiten beteiligt waren.
Zwei neue Entwicklungen verdienen Beachtung, die sich in den letzten Wochen ergeben haben.
Erstens fordert ein Schreiben einer Koalition aus 25 Generalstaatsanwälten an den Kongress und Bundesbehörden diesen auf, Ermittlungen gegen die NASEM einzuleiten, und fordert den Kongress sowie die Behörden auf zu prüfen, ob angesichts der offensichtlichen Voreingenommenheit der NASEM in klimawissenschaftlichen und rechtlichen Fragen weiterhin Forschungsaufträge an die NASEM und mit ihr verbundene Wissenschaftler vergeben und diese finanziert werden sollen.
Die Generalstaatsanwälte werfen der NASEM vor, bei ihren klimabezogenen Arbeiten erhebliche Interessenkonflikte im FJC-Bericht und einem nachfolgenden Bericht zur „Attributionswissenschaft“ ignoriert zu haben.
Die Generalstaatsanwälte argumentieren, diese Berichte hätten einen undurchsichtigen oder zweifelhaften Begutachtungsprozess durchlaufen, wobei die Gutachter offenbar aus Verbündeten derjenigen bestanden, die im Namen der Kläger an den Klimaklagen beteiligt waren, und dass die Berichte zeitlich gezielt so abgestimmt wurden, um die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in der Rechtssache „Suncor Energy gegen Boulder County“ zu beeinflussen, einem Fall, der für den Herbst auf der Tagesordnung des Gerichts steht.
In jenem Fall klagen der Landkreis und die Stadt Boulder gegen Suncor Energy und ExxonMobil und fordern nach dem Deliktsrecht von Colorado Schadenersatz für angebliche Schäden, die durch den Klimawandel verursacht worden sind. Die Unternehmen argumentieren, dass Bundesstaaten das Deliktsrecht nicht anwenden dürfen, um angebliche Schäden zu regulieren, die aus zwischenstaatlichen und internationalen Treibhausgasemissionen resultieren, weil die Energie- und Klimapolitik dem Bundesrecht unterliege – insbesondere der ausschließlichen Befugnis des Kongresses zur Regulierung des zwischenstaatlichen Handels und der ausschließlichen Zuständigkeit der Bundesregierung für ausländische Verträge und Verpflichtungen.
Konkret heißt es in dem Schreiben der Generalstaatsanwälte:
Diese Überprüfung scheint eine Farce zu sein, wie die Geheimhaltung seitens der NASEM in Bezug auf alle Aspekte des Überprüfungsprozesses zeigt. Eine wirklich unabhängige Überprüfung würde ein externes Gremium einsetzen, Gutachter heranziehen, die weder Aktivisten noch Prozessbeteiligte noch NASEM-Mitarbeiter sind, den Überprüfungsprozess und die Ergebnisse veröffentlichen, den Umfang der Überprüfung festlegen und sicherstellen, dass dieser Umfang die wesentlichen Kritikpunkte an dem Kapitel berücksichtigt.
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts ermöglichte es den Anwälten der Kläger im Fall Suncor, sich auf den Bericht zu berufen, verhinderte jedoch Kritik seitens der Anwälte der Beklagten, deren Einreichungsfrist bereits abgelaufen war.
Bemerkenswerterweise prahlte eine die Kläger im Suncor-Verfahren unterstützende Anwalts-Organisation mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts, zitierte den Bericht auf zehn ihrer Seiten immer wieder und erhielt vom Bezos Earth Fund – der auch den NASEM-Bericht finanzierte – 100 Millionen Dollar zur „Beschleunigung des Klimaschutzes“.
Steuergelder sollten nicht zur Finanzierung der voreingenommenen Handlungen der NASEM verwendet werden, die eine Suspendierung oder den Ausschluss rechtfertigen. Sollte die NASEM weiterhin prozessorientierter Interessenvertretung ihren Segen erteilen, sollte der Kongress eine andere Quelle für objektive Analysen finden und erwägen, die Urkunde von 1863 zu widerrufen, welche die Akademien als Berater der Bundesregierung ausweist.
Wie ich bereits in früheren CCW-Beiträgen angemerkt habe, sind die Generalstaatsanwälte nicht die ersten Amtsträger, die direkten oder indirekten Druck auf die NASEM ausüben, damit diese das Klimakapitel im FJC-Handbuch zurückzieht, ihre Klimapolitik einstellt und wieder ihre Rolle als neutraler Vermittler und Prüfer wissenschaftlicher Erkenntnisse einnimmt. Vielleicht diente das Schreiben der Generalstaatsanwälte als der letzte Anstoß, den die NASEM brauchte, um ihre Klimapolitik zu überdenken oder zumindest eine Bestandsaufnahme ihrer Handlungen vorzunehmen, um sich diplomatisch abzusichern, falls sie – wie ich vermute – die Berichte der „wissenschaftlichen“ Organisation dennoch befürworten sollte.
Warum sage ich das? Die FJC hat das Klimakapitel schnell aus ihrem Bericht gestrichen, weil sie es nicht verteidigen konnte. Die NASEM hingegen, die bei der Erstellung und Einfügung in das Dokument die Federführung übernommen hatte, behielt es nicht nur auf ihrer Website bei, sondern ihre damalige Präsidentin, Marcia McNutt, verteidigte es öffentlich in einem Brief an das „Wall Street Journal“ und schrieb:
… In der Kritik an diesem Kapitel wird ein Kapitel über Klimawissenschaft in unserem „Reference Manual on Scientific Evidence“ fälschlicherweise als voreingenommen beschrieben.
Tatsächlich wurde es nach den strengen Verfahren der National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine erarbeitet, um sicherzustellen, dass dieses Kapitel – wie alle Kapitel des Handbuchs – die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse reflektiert.
McNutt’s unüberlegte, reflexartige Verteidigung des Kapitels und der undurchsichtigen Verfahren, die zu dessen Entstehung geführt hatten, gehörten zu ihren letzten Handlungen als Präsidentin – doch diese wurden in weniger als zwei Monaten untergraben, als die NASEM bekannt gab, das Klimakapitel von ihrer Website zu entfernen und eine formelle Untersuchung des Entstehungsprozesses einzuleiten.
McNutt hatte kein Argument, auf das sie sich stützen konnte, und offenbar erkennt der neue NASEM-Präsident Neil H. Shubin dies und möchte die Organisation schnell von dem Prozess distanzieren, der zu diesem Dokument geführt hat. Ich bezweifle, dass sich diese Distanzierung auch auf die wissenschaftlichen Behauptungen in dem Kapitel erstrecken wird, aber es ist ein Anfang.
Bei einem Podcast-Auftritt räumte Shubin schließlich ein, dass die Autoren der Kapitel eng mit den Klägern in Klimaklagen „verbunden“ waren, was den Menschen „guten Grund“ gab, das Kapitel als voreingenommen anzusehen. „Wir wissen, dass das Ergebnis – und für manche aus gutem Grund – als einseitig wahrgenommen wurde, weil die Autoren stärker mit der Klägerseite als mit der Verteidigungsseite verbunden waren“, sagte Shubin. „Dieses Ergebnis verdient eine erneute Betrachtung.“ Um es klar zu sagen: Keiner der Autoren stand in irgendeiner Verbindung zur Verteidigungsseite; sie alle arbeiteten mit der Position der Kläger zusammen oder vertraten diese.
„Dies ist ein bedeutendes Eingeständnis seitens der NAS-Führung – und macht die Bemühungen zunichte, Bedenken hinsichtlich der Neutralität des Kapitels als nichts weiter als parteiische Kritik abzutun“, schrieb ein Reporter in der Berichterstattung von Energy in Depth (EID) zu dieser Geschichte.
„Wir haben uns den Prozess angesehen – nur einen sehr oberflächlichen Blick auf den dahinterstehenden Prozess geworfen – und es stellte sich heraus, dass es sich um ein Buchkapitel handelte, das einem ganz anderen Prozess folgte als die Berichte, die wir erstellen“, sagte Shubin und untergrub damit McNutts vorherige Verteidigung des Produktionsprozesses und des Peer-Review-Verfahrens als im Einklang mit den Standardverfahren der NASEM für ihre Forschung. „Die Berichte, die wir erstellen, sind – ich verwende das Wort ‚Goldstandard‘ nur ungern, aber sie sind sozusagen das Nonplusultra“, sagte Shubin.
„Es gibt zahlreiche Ausschüsse, die sich mit Interessenkonflikten befassen, und Ausschüsse, die sich mit der Begutachtung durch Fachkollegen befassen“, sagte Shubin. „Es gibt ein hohes Maß an Kontrolle, das darauf abzielt, möglichst unparteiische, überparteiliche und von Interessenkonflikten freie … Berichte zu erstellen. Bei diesem Buchkapitel war davon jedoch nichts zu sehen.“
Der ehemalige Abgeordnete des Bundesstaates Texas Jason Isaac, CEO des American Energy Institute, wurde für den EID-Bericht über den Skandal interviewt und äußerte die Meinung: „Rechenschaftspflicht muss weit über eine bloße Überprüfung hinausgehen.“
„Um das Vertrauen wiederherzustellen muss die NAS untersuchen, wie es dazu kommen konnte, wie sich eine Wiederholung verhindern lässt und wie verhindert werden kann, dass wichtige Ressourcen von aktivistischer Propaganda missbraucht werden“, sagte Isaac.
Genau das sagen wir bei CCW schon seit Monaten. Die Überprüfung soll beginnen, doch um Glaubwürdigkeit zu gewährleisten, muss sie – wie im Schreiben des Generalstaatsanwalts vorgeschlagen – von externen Forschern durchgeführt werden, die uneingeschränkten Zugang zu den Akten und E-Mails der NASEM im Zusammenhang mit dem FJC-Kapitel und dessen Studie zur Förderung der „Wissenschaft“ der Klimazuschreibung haben. Das bisherige Verhalten der FJC weckt kein Vertrauen darin, dass eine interne Überprüfung ehrlich sein wird oder zumindest von jenen als ehrlich wahrgenommen wird, die von Anfang an zu Recht die Rücknahme des Klimakapitels gefordert haben – jene Menschen, von denen Shubin anerkennt, dass sie guten Grund haben zu glauben, es sei zugunsten eines bestimmten gerichtlichen Ausgangs in einem Rechtsstreit voreingenommen gewesen.
Quellen: Daily Caller; Energy In Depth; Daily Caller
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE
















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