Von Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke

Selbst im beschaulichen Villingen-Schwenningen erhitzen sich die Gemüter des Gemeinderats im Disput über angedachte PV-Anlagen auf Freiflächen. Darüber berichtet nun auch der Schwarzwälder Bote am 29 Januar 2025 unter Sonstiges mit dem Titel „Das ist der Faktencheck von Steffen Ettwein (FW)“. Liest man den angeblichen Faktencheck Ettweins, fragt man sich, ob es hierzulande überhaupt noch ordentlichen Sachkundeunterricht (Mathe, Physik, Technik, vielleicht auch ein wenig Wirtschaft) in Schulen gibt, und sei er wenigstens homöopathisch. Meine eindeutige Antwort auf diese Frage nach lesen des Artikels im SCHBOT lautet leider „Nein“. Nun die Argumente im Artikel des SCHBOT:

  • Dem Einwand eines Gegners der PV-Freianlagen, der auf bereits genügend Dachanlagen hinweist, entgegnet der „Faktenchecker“ Ettwein, dass diese gemäß Fraunhofer ISE nicht ausreichen würden. Diese Argumentation wurde schon unzählige Male als falsch widerlegt, es ist offenbar hoffnungslos. Sie ist nur vordergründig richtig, weil sie auf der falschen Vorstellung beruht, dass es ausreiche Strom-Mengen auszugleichen, die sich aus den gemittelten Leistungen der installierten Stromerzeugungsanlagen (hier PV und Windräder) und dem Verbrauch von Bevölkerung und Industrie ergeben. So einfach ist es aber nicht. Strom muss zuerst einmal genau dann verbraucht werden, wenn er erzeugt wird und dies in Sekundenbruchteilen! Längerfristig zu wenig erzeugter Strom, aber auch zu viel erzeugter Strom sind fatal für die Auftrechterhaltung der Netzstabilität! Bei zu wenig Strom sind zusätzliche Stromquellen zu aktivieren, bei zu viel Strom besteht das fast noch größere Problem des „wohin damit“. Für Begriffsstutzige: Auch eine Million deutscher Windräder bringen nichts bei einer wochenlangen deutschlandweiten Windflaute, denn eine Million mal Null ist immer noch Null. Und noch so viele PV-Anlagen auf Dächern oder sonst irgendwo bringen ebenfalls nichts, wenn die Sonne im Winter tief steht und sich auch noch hartnäckig hinter Wolken versteckt. In beiden Fällen müssen die so verteufelten Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke eingreifen, damit das Netzt nicht zusammenbricht. Dieses Eingreifen kostet extrem viel Geld, was sich nicht zuletzt auch im Strompreis niederschlägt. Zudem verschleißen die Ersatzkraftwerke schneller, denn sie waren ursprüglich nicht auf intermittierenden Betrieb ausgelegt. Schlussendlich hat es sich offenbar noch nicht herumgesprochen, dass ausreichend Speicher eine unbezahlbare und infolge nicht stemmbaren Materialbedarfs undurchführbare Option ist.
  • PV ist extrem wetterabhängig, d.h. der PV-Strom ist meist unbrauchbar – begriffen? Im Winter gibt es ihn so gut wie nicht, im Sommer ist er im Überflus vorhanden und gefährdet die Stabilität der Stromnetze, weil Dachanlagen (noch) nicht abregelbar sind. Das ist politisch mit sog. Smartmetern geplant, die wieder selber ein wenig Strom verbrauchen, vom Mieter bzw. Hausbesitzer zu bezahlen sind und gleichzeitig ein wunderbares Überwachungsinstrument des übergriffigen Staates sowie Einfallstor für kriminelle Internet-Hacker sind. Man kann jedem Hausbesitzer nur allen rechtlich zulässigen Widerstand gegen Smartmeter anempfehlen, die bisher übliche Messung durch Ablesung reicht aus.
  • Jede neue PV-Anlage und jedes neue Windrad verschärft das Problem der Netzstabilität. Grundsätzlich müssen mindestens 30% aller Stromerzeugung aus Grundlastkraftwerken (Kohle, Gas, Uran) kommen. Deren Turbinenwellen , zum Teil über 60 m lang und über 100 t schwer, die sich mit Netzfrequenz drehen, bügeln alle ansonsten nicht beherrschbaren Kurzstörungen weg wie z.B. Blitzeinschläge in Trafostationen, oder Zerstörung einer Hochspannungsleitung durch äußere Gewalteinwirkung. Es kann nicht genug betont werden, dass nur mit PV oder Windrädern allein ein Wechselstromnetz nicht betrieben werden kann. Ob Deutschland mit seinen nicht einmal 2% aller weltweiten CO2-Emissionen seine Energiewende noch durchdrückt oder nicht, ändert zudem nichts an irgendeiner Klimazone von tropisch bis polar. Das haben 80% der Weltbevölkerung schon lange vor der US-Wahl begriffen, nun sind es auch noch 300 Millionen US-Amerikaner mehr. Es gibt keinen Klimanotstand, sondern nur Notstand des gesunden Menschenverstands bei denjenigen Zeitgenossen, die immer noch den von grüner Ideologie und grünen Medien verbreiteten Klima-Unsinn glauben.
  • Befürwortern der PV entgeht außerdem der zweite fundamentale Nachteil, dass PV nach Energiemais die geringste Leistungsdichte S (S ist Leistung P pro benötigter Bodenfläche in W/m2) von allen Methoden der Stromerzeugung aufweist. Oder anders herum: P = S x Bodenfläche. Somit wird bei zu kleiner Leistungsdichte S eine sehr große Bodenfläche und sehr viel Material fällig, um das oben genannte Produkt von elektrischer Leistung P überhaupt noch ausreichend zu machen. Dies ist zum Beispiel auch der Grund, warum Windräder so riesig und schwer sein müssen (7000 t inkl. Fundament für angesichts dieses Aufwands lächerlich geringe jahresgemittelte Leistung). Die Anwendung von Methoden kleinster Leistungsdichte wie Strom aus Wind und Sonne dreht die historische und in aller Zukunft unabdingbare Tendenz der technischen Entwicklung hin zu immer höheren Leistungsdichten mit grüner Gewalt und Dummheit ins genaue Gegenteil, oder im Klartext ins energetische Mittelalter.
  • Ettwein behauptet „Der Vorwurf, Solarstrom sei nur durch Subventionen rentabel, ist irreführend.“ Das ist zweierlei falsch. Ersten ist Solarstrom grundsätzlich nicht rentabel. Möglich wurde er wegen seiner zu geringen Leistungsdichte und Wetterabhängigkeit nur in Planwirtschaften wie der Energiepolitik des heutigen Deutschlands. Mit Rentabilität im wirtschaftlichen Sinne hat Planwirtschaft wenig zu tun. Zweitens muss aller PV-Strom hierzulande gesetzlich eingespeist werden und wird somit auch vergütet, auch wenn er nicht gebraucht wird. Ohne diesen planwirtschaftlichen Schwachsinn würde der PV-Spuk nur noch für private Hobbys Sinn machen und schnell verschwinden. Bekanntlich sind die Spanier nicht gerade auf den Kopf gefallen, denn auf den Kanaren sucht man PV in maßgebendem Umfang vergeblich – trotz der dort kaum noch zu übertreffenden besten Sonnenscheinbedingungen.
  • Durch den starken Windrad- und PV-Ausbau hat Deutschland heute die höchsten Strompreise weltweit. Woran das wirklich liegt, wurde oben kurz erläutert. Wenn PV und Windräder wirklich so toll wären, warum machen dann nur wir die Energiewende? Andere Länder können vielleicht doch besser rechnen und lassen klugerweise diesen Unsinn sein.
  • Die Behauptung Ettweins „Untersuchungen zeigen, dass biodiversitätsfreundliche PV-Anlagen die Artenvielfalt sogar erhöhen können“ kann nur Kopfschütteln um so viel sachlichen Schwachsinn auslösen.
  • Alle Zitate von Ettwein sind fragwürdig. Agora Energiewende ist befangen und keine zuverlässige Quelle. Das Gleiche gilt für viele Fraunhofer Institute. Ferner ist Ettweins Argumentation, so und so viel Prozente aller Deutschen würden PV unterstützen, vielleicht eine interessante Info zu Meinungen, aber kein Sachkriterium für die reale Sinnhaftigkeit von PV.

Die Gemeinde Villingen wäre gut beraten, das herausgeworfene Geld für eine PV-Anlage vernünftigeren Zwecken zu widmen.

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