Edgar L. Gärtner

Unter diesem Titel hat der Wiesbadener Chemiker Dr. Heinz Hug im vergangenen Jahr eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage seines Buches „Die Angsttrompeter“ von 2006 vorgelegt – eines ebenso polemischen wie humorvollen Frontalangriffs auf die von den Grünen aller Parteien errichtete „Ökoquisistion“. Um das vorweg zu sagen: Heinz Hug schafft es auf über 400 Seiten Text mit seinem unterhaltsamen, satirisch-kurzweiligen Stil und zahlreichen Illustrationen, komplizierte Sachinformationen zu vermitteln, ohne die Leser zu überfordern. Mit Hohn und Spott stellt er grüne Ammenmärchen bloß und gibt sie der Lächerlichkeit preis. Dieses Stilmittel hat er gewählt, um den Lesern und Leserinnen (Frauen lesen mehr als Männer) zu zeigen, „wie lächerlich sie sich machen, wenn sie den aus Ökosprechtüten dröhnenden Narrativen folgen.“ Denn Lächerlich machen ist nach Hug die schärfste Waffe anständiger Menschen gegen den Totalitarismus, denn es nimmt den Respekt vor der neuen Obrigkeit. Wer jetzt meint, man dürfe das Werk und den Autor nicht ernst nehmen, täuscht sich, denn der gelernte Diplom-Chemiker, der im Industriepark Frankfurt-Höchst Jahrzehnte lang Chemikanten in instrumenteller Analytik ausgebildet und darüber auch verbreitete Lehrbücher verfasst hat, untermauert seine Argumente mit über 900 Literaturzitaten. So lernen die Leser schmunzelnd eine Menge über grundlegende Naturgesetze und Analysetechniken.

Den real existierenden Klimaschutz identifiziert Hug als Blaupause des gescheiterten real existierenden Sozialismus, wobei die Orwell‘sche Sprachschöpfung „Klimaleugner“ Skeptiker wohl in die Nähe von Holokaust-Leugner rücken soll. Schon über die Sinnhaftigkeit des Begriffs „Weltklima“ kann bzw. muss man geteilter Meinung sein. Denn der Begriff „Klima“ diente ursprünglich zur Abgrenzung der Lebensbedingungen einer Region gegenüber einer andern. Nur wenn in den Tropen die gleichen Lebensbedingungen herrschten wie in den Polarregionen, wäre der Begriff „Weltklima“ sinnvoll. Gemeint ist damit offenbar der Gesamtzustand der Erdatmosphäre. Dieser lässt sich, so Hug, von so genannten Treibhausgasen so wenig beeindrucken wie die Eiche, an der sich eine Wildsau kratzt. Weshalb dies so ist, legt Heinz Hug gut nachvollziehbar im Kapitel 10 seines Buches dar. Ich für meinen Teil frage mich ohnehin, ob man einen Raum ohne Dach als Treibhaus behandeln kann.

Auf der Basis der gängigen Treibhaus-Hypothese und mithilfe der offiziell veröffentlichten spektroskopischen Daten des IPCC rechnet Hug nachvollziehbar vor: Wird der CO2-Gehalt der Atmosphäre um 100 Prozent gesteigert, erhöht sich der „Treibhauseffekt“ um gerade einmal 1,2 Prozent, was für eine Erwärmung von etwa 0,6 °C reichen würde. Um diese Petitesse zu umgehen, benutzen die im Sold der Nachhaltigkeitspolitik stehen Klimaforscher, so Hug, einen faulen Taschenspielertrick. Sie argumentieren: Diese 0,6 °C lassen mehr Wasser aus den Ozeanen verdampfen. Da der gebildete Wasserdampf aber ebenfalls als „Treibhausgas“ gilt, kommen die Computerklimamodelle auf eine wesentlich stärkere Temperaturerhöhung. Für diese steile These gibt es aber keinen naturwissenschaftlichen Beweis.

Das bisschen mehr Wasserdampf bei 0,6 °C Temperaturerhöhung käme auch zustande, wenn die Bewölkungsdichte über den Ozeanen wegen stärkerer Sonneneinstrahlung etwas geringer wäre – wie im wolkenarmen Sommer 2022. Die Folge war ein verregnetes Jahr 2023, denn das unter starker Sonneneinstrahlung verdampfte Wasser verschwindet nicht einfach, sondern kehrt als Regen auf den Erdboden zurück.

Lapidar stellt Heinz Hug fest: „(Es) gibt nicht einen einzigen naturwissenschaft­lichen Beweis für die politisch festgelegte Behauptung, das Klima werde von ‚Treibhausgasen‘ gesteuert.“ Und tatsächlich liest man auf Seite 257: „Ein schlüssiges Experiment hierzu existiert nicht, denn „der Treibhauseffekt selbst kann nicht gemessen, sondern nur berechnet werden. Das gibt selbst Professor Raschke vom politisch-korrekten Klimaforschungs­zentrum Geesthacht unumwunden zu.“ Berechenbar ist die Erdatmosphäre als chaotisches System ohnehin nicht. Da bräuchte es den berühmten Laplace’schen Dämon, der nicht nur die Lottozahlen der kommenden Woche vorausberechnen könnte. Klimamodellierung sei deshalb der „Versuch, den Laplace’schen Dämon zum Leben zu erwecken“, schließt Heinz Hug.

Über dem virtuellen Klimaschutz sollte man aber den klassischen Umweltschutz nicht vernachlässigen, betont Heinz Hug. Das Gegenteil eines sinnvollen Umweltschutzes ist der Ökologismus von dem die weltweite grüne Bewegung lebt. Es handele sich dabei um eine neuzeitliche, freiheitsfeindliche Religion, die vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon und dessen Beratern um 1970 begründet wurde, um vom Desaster des Vietnam-Krieges abzulenken. Aus dieser Zeit stamme auch die politische regulatorische Toxikologie, die streng von der wissenschaftlichen Toxikologie unterschieden werden müsse. Die wissenschaftliche Toxikologie definiert anhand von Tierversuchen und empirischen Daten Grenzwerte, die beispielsweise der Liste der maximal an Arbeitsplätzen zulässigen Schadstoff-Konzentrationen (MAK) zugrunde liegen. Die regulatorische Toxikologie nimmt diese wissenschaftlich ermittelten Gift- und Schadstoffmengen und definiert als Grenzwert ein Tausendstel der Dosis, bei der der empfindlichste Organismus gerade noch keinen Schaden nimmt. Wird dieser Umweltschutzgrenzwert um den Faktor 10 überschritten, beträgt der Sicherheitsabstand noch immer 100. Dadurch wurden Stoffe, die kaum giftiger sind als Kochsalz, auf einmal zu gefährlichen Umweltgiften. Ein Beispiel dafür ist das vielfach bewährte, weil harmlose Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat. Dazu Heinz Hug: „Ganz offensichtlich kann man der Journaille vorsetzen, was man will: wenn sich ein schöner, brühwarmer Ökosud daraus kochen lässt, dann wird er dampfend serviert.“

Nach Meinung Hugs wurde die ursprünglich wissenschaftsbasierte Ökologie durch etwas verdrängt, das die jüdische Philosophin Hannah Arendt in ihrem Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1955) als „organisiertes Lügen“ bezeichnete. Die damals 74-jährige Anthropologin Margaret Mead gab das 1975 in einer Grundsatzrede auf der von der US-Regierung einberufenen Konferenz im Fogarty International Center, Bethesda, zum Thema „The Atmosphere endangered and endangering“ offen zu: „Wir stehen vor einer Periode, in der die Gesellschaft Entschei­dungen im globalen Rahmen treffen muss …. Was wir von Wissen­schaftlern brauchen, sind plausible, möglichst widerspruchsfreie Abschätzungen, die Politiker nutzen können, ein System künstlicher, aber wirkungsvoller Warnungen aufzubauen, Warnungen, die den Instinkten entsprechen, die Tiere vor dem Hurrikan fliehen lassen … Es geht darum, dass die notwendige Fähigkeit, Opfer zu erbringen, stimuliert wird. Es ist deswegen wichtig, unsere Aufmerksamkeit auf die Betonung großer möglicher Gefahren für die Menschheit zu kon­zentrieren.“ Im Bericht des Club of Rome „Die globale Revolution“ von 1991 wird das so übersetzt: „Auf der Suche nach einem neuen Feind, der uns wieder zusammenbringen könnte, kam uns die Idee, dass Umweltverschmutzung, die drohende Klimaerwärmung, Wasserknappheit, Hunger und dergleichen das auch leisten können.“

Das ist nur eine kleine Auswahl der von Heinz Hug witzige Art behandelten ernsten Themen. Bei allen macht Hug deutlich, dass man über der (angeblichen) Komplexität gesellschaftlicher Probleme die Kompetenz des gesunden Menschenverstandes nicht vernachlässigen sollte. Im Klartext: Wir brauchen keine Gremien wie das World Economic Forum (WEF) mit seiner Künstlichen Intelligenz und Hirn-Transplantaten oder den Club of Rome (CoR) mit seinen Computersimulationen, um erkennen zu können, was nottut. Hilfreich wäre vielmehr meines Erachtens die Entpolitisierung der wissenschaftlichen Forschung.

Heinz Hug: Die Grüne Falle. Wie der Ökologismus unsere Gesellschaft vergiftet. WELTBUCH Verlag, CH-Sargans 2023. 436S. € 22,90

 

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