Soweit diese Darstellung als Erklärung, die man mit folgendem Diagramm als grottenfalsch widerlegen kann.

Grafik 1: Der Mai wird kälter und nicht wärmer in der Gegenwart. In BaWü war der Mai 2016, anders als auf dieser DWD-Grafik für Gesamtdeutschland, auch noch kälter als der Mai 2015

Frage an den Leser: Wie kann ein kälter werdender Mai zugleich ein Beweis der Klimaerwärmung sein? Der Ausdruck „Lügenpresse“ für das Heute-Journal von Claus Kleber ist absolut berechtigt. Richtig ist, die kältere Luft enthält weniger Wasser und nicht mehr. Deswegen sind diese Starkniederschläge relativ „kurz“ und heftig, im Gegensatz zu früheren Jahrhundertniederschlägen, die über Tage anhielten.

Wie kam es nun zu diesen Hochwassern in der unmittelbaren Nähe meines Wohnortes in Süddeutschland? Gründe

In der folgenden Expertise soll auf die Hintergründe eingegangen werden, schließlich wurde ein Gebiet mit 50 km im Umkreis gleichermaßen getroffen, aber Braunsbach traf es am schlimmsten, zudem existiert von dort ein deutschlandweites Video. Dabei vergleiche ich Braunsbach mit unserem Teilort Niederalfingen, den es ähnlich „erwischt“ hat. Braunsbach hat ohne Eingemeindungen über 900 Einwohner, unser Teilort 550 Einwohner.

Der Fluss heißt „der Kocher“ und nicht „die Kocher“, Braunsbach liegt am Kocher, mein Heimatort Hüttlingen auch. Mit dem Kocher selbst hatte das Unglück in Braunsbach und bei uns weniger zu tun, der war zwar übervoll und ist bei uns in die Überschwemmungswiesen gelaufen, die heute bebaut sind. 1955 beim letzten ähnlichen Ereignis sahen Hüttlingen und Braunsbach noch anders aus.
Wir haben einen Teilort, in ähnlicher Lage wie Braunsbach, nämlich am Seitenbach des Kochers, von diesem getrennt durch Überschwemmungswiesen. Und der Schlierbach mitsamt "Kuhseich" und „Filgenbach“ schossen in 50 cm bis 1 Meter Höhe diesmal durch Niederalfingen mit seinen schmucken Häusern. Alle Häuser hatten Schäden, nur die Burg Niederalfingen selbst nicht, das wird in Braunsbach ähnlich sein.

Warum traf es Braunsbach und Niederalfingen? Und warum sind die Schäden in Braunsbach viel größer?
Braunsbach, der Name ist nicht umsonst, sondern erklärt schon die Umstände. Ein enges Tal, durch das immer wieder einer brauner Bach in der Vergangenheit schoss. Vor allem die Orlach – Dialekt, bei uns der Schlierbach – bringt das Ungemach. Der keltisch/germanische Name "Orlach, Horlach, Ohrlach" sagt alles: Eine weite Hochebene hat ein Gefälle zu einem Taleinschnitt hin, der dann vollends steil bis zum Talgrund hin abfällt. Also ein enger Taleinschnitt inmitten einer Ebene, der die Ebene entwässert. Im Mittelalter war der Talgrund immer nass und sumpfig, eine Horlache, gesprochen auf schwäbisch wie man das a bei Schwab spricht. "schwoab". Und diese (H)orlachen wurden trockengelegt und besiedelt. Die Besiedlung ist der Fehler.

1955, beim gleichen Ereignis, war bei uns der Regen noch ausdauernder mit den gleichen Folgen, nur gab es da noch nicht so viele Häuser in Niederalfingen und Braunsbach. Die Silbe -al ist germanisch/keltisch und heißt fließendes, also sich bewegendes Wasser ähnlich wie Bach, im Gegensatz zur Lache.

Die Gründe sind in Braunsbach wie bei unserem Teilort nun folgende:
1) Die Hochebene über dem Taleinschnitt, also über der Horlache selbst wurde zunehmend während der letzten vier Jahrzehnten versiegelt und bebaut, das Wasser läuft schneller auf den Taleinschnitt zu. Und noch eine weitere Sünde: Damit das Regenwasser auf der Hochfläche keinen Schaden anrichten kann, wurden in den dortigen Ortschaften und Ansiedlungen neue und bessere Ableitungen zum Taleinschnitt gelegt.
2) Die Landwirtschaftlichen Flächen auf der Hochfläche wurden zunehmend intensiviert und die Humusbildung verringert, aus den einst das Wasser wie ein Schwamm aufsaugenden Ackerböden entstanden zunehmend Betonackerböden mit geringerer Wasseraufnahme. Der Effekt wird in der Gegenwart verstärkt durch den intensiven Anbau von Nahrungspflanzen für Biogasanlagen. Biogasanlagen sind somit mitschuldig am Hochwasser!

3) Die Bebauung im Tal selbst: Braunsbach und Niederalfingen weiten sich in der Fläche immer mehr aus, die Bebauung des Talbodens nimmt zu, so dass die aufsaugenden Wiesen verkleinert werden.
4) Der ursprüngliche Bach in der Horlache wurde verdolt bzw. teilverdolt, und die Dole schluckt im Normalfall bis 50-jährige Hochwasser. Aus den Augen aus dem Sinn. Die Dohle leitet das Wasser unter dem Ort hindurch.

5) Der plötzliche Starkregen hat nun die drei kleinen Bächlein vor Braunsbach, insbesondere die Orlach, stark anschwellen lassen, die mitgerissenen Steine vom Abhang und die Holzstämme haben den Eingang zur Dole zugeschüttet und der Braunsbach nahm seinen alten Weg durch den Ort, wie er vor der Verdohlung geflossen ist, nur stehen da heute eben Häuser, Straßen und Autos. Der einstige Bachverlauf mit Überschwemmungszone ist bebaut, aber die Wassermassen finden wegen der erhalten gebliebenen Geländeform natürlich den alten Weg zum einstigen Bachbett hin.

6) Bei Braunsbach kam nun noch dazu, dass das Hochwasser nicht langsam angestiegen ist im Ort, sondern plötzlich donnernd daherkam, was auf den Bruch eines im Oberlauf gebrochenen Erddammes oder mehrerer kleiner Rückhaltedämme hinweist, in Niederalfingen hingegen gab es ein langsames Anstiegen und dann wieder ein langsames Zurückgehen.

Frage: Gibt es einen deutschlandweiten Trend zu vermehrtem Starkregen? Auch das wird immer als Folge einer Klimaerwärmung behauptet: Beim Deutschen Wetterdienst kann man sich die Anzahl der Gewittertage aus dessen umfangreichem Archiv herunterladen.

Das Ergebnis ist überraschend.

Grafik 2: Wie die Grafik von Stefan Kämpfe zeigt, haben die Gewittertage in Deutschland ab 1893 bis heute, also seit über 120 Jahren leicht abgenommen und keinesfalls zugenommen. Die beiden Kurven zeigen die Gewittertage des Gesamtjahres (obere Grafik), darunter die Gewittertage in den Sommermonaten Juni/Juli/August.

Trotz abnehmender Gewittertage mit Starkniederschlägen werden wir in Zukunft verstärkt Hochwasser erleben. Die möglichen Gründe wurden zuvor beschrieben.

Doch dieser Mai 2016 war natürlich ein Nichts im Vergleich zur "Magdalenenflut", die vielleicht schlimmste Naturkatastrophe der letzten 1.000 Jahre in Deutschland. So schlimm die Hochwasser von 1997, 2002, 2013 oder die momentanen Unwetter auch sein mögen, sie sind nur ein Klacks gegen das Drama der Magdalenenflut vom Sommer 1342.

Zukünftiger Hochwasserschutz: Der Hochwasserschutz muss an den Seitenbächen und deren großflächigem Einzugsgebiet ansetzen. Die Seitenbäche brachten die Schäden und nicht Hauptfluss, der Kocher selbst.

Josef Kowatsch, Naturbeobachter und unabhängiger Klimaforscher.

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Anhang: Mögliche Ursachen der schweren Gewitter in letzter Zeit

Abb. 3. Quelle: Verein Berliner Wetterkarte e. V.

Die Abbildung 3 zeigt die Wetterlage im 500-hPa-Niveau vom 3. Juni 2016 im Gebiet Atlantik-Europa. Man erkennt zwei gebündelte Polarjets im Norden und über dem Mittelmeer. Dazwischen lag Mitteleuropa im Bereich schwacher Luftdruck- und Geopotentialgegensätze. Folge hiervon war die nur sehr geringe Windgeschwindigkeit bis hinauf zur Tropopause.

Man erkennt außerdem ein zwar schwach ausgeprägtes, aber – wie sich gezeigt hat – sehr wetterintensives Höhentief über Mitteleuropa. Höhentief, das bedeutet immer auch höhenkalte Luft. Dies wiederum bedeutet eine starke Labilisierung der Luftmasse, das heißt, der mit der Kaltluft angefüllte Höhenwirbel heizt sich bei dem hohen Sonnenstand von unten her auf. Dies führte zu zahlreichen labilen Umlagerungen, sprich der Bildung von Gewittern oder auch größeren, zusammenhängenden Regengebieten, die wegen des hohen Gehaltes an Feuchtigkeit der Luft entsprechend intensiv ausfielen. Zusammen mit der geringen Verlagerungsgeschwindigkeit wegen der schwachen Höhenwinde ergaben sich dabei auf engem Raum sehr große Unterschiede hinsichtlich der Regenmenge.

Und natürlich ließ die übliche Propaganda der Klima-Alarmisten nicht lange auf sich warten. Fast scheint es, als reiben sie sich vor Freude die Hände, dass endlich wieder einmal eine (vermeintlich) Katastrophen-Wetterlage auftritt, die sie für ihre Propaganda ausschlachten können. Was aber ist fachlich davon zu halten?

Gar nichts! Eine solche Aufsplittung des Polarjets kommt immer wieder vor, wenngleich auch nicht in jedem Jahr. Gerade im Frühjahr hat ein solcher Vorgang rein statistisch die zweithöchste Häufigkeit im Jahr (das Hauptmaximum liegt im Herbst). Es handelt sich also um eine ziemlich „normale“ Extremwetterlage, und kein Alarmist kann mir weismachen, dass es so etwas noch nie gegeben hat. Auch der Autor dieses Beitrags hat ja schon darauf hingewiesen, ebenso wie auf die vermutlich wirklichen Ursachen der Überschwemmungen.

Kann man nun aus diesem Vorgang Rückschlüsse auf den kommenden Sommer ziehen?

Nun, dazu muss man sich mal ähnliche Wetterlagen in anderen Frühjahren ansehen und dann schauen, ob sich danach ein gewisser Sommertyp besonders häufig einstellt. Das ist nicht der Fall! Allerdings gibt es ein Phänomen, das ich selbst vor längerer Zeit in Beiträgen auf diesem Blog schon angesprochen habe und vom dem ich bislang dachte, dass es eher vorübergehender Natur ist. Gemeint ist die riesige Kaltwasserinsel im Nordatlantik, die sich dort jetzt schon ununterbrochen im dritten Jahr befindet (siehe folgende Abbildung):

Abb. 4. Quelle: http://weather.unisys.com/surface/sst_anom.gif

Ob das nun Anzeichen für den Wechsel der NAO in eine Kaltphase oder für irgendeine andere Phasenänderung irgendeines Zyklus‘ ist, sei mal dahingestellt. Aber: Das Phänomen sorgt dafür, dass der Hauptgegensatz der absoluten Wassertemperatur deutlich weiter nach Süden verschoben ist als ohne dieses Phänomen. Man kann nicht ausschließen, dass auch die ungewöhnlich weit südlich verlaufende Hauptfrontalzone über dem Atlantik diesem Vorgang geschuldet ist.

Die lange Dauer des Phänomens lässt erwarten, dass es nicht auf einmal wieder verschwindet. Es kann also sein, dass es auch im Sommer noch der Frontalzone ihren Stempel aufdrückt und diese weiterhin weit südlich verlaufen lässt. Das würde für Mitteleuropa eher einen kühlen Sommer bedeuten. Aber das ist keine Vorhersage! Auch im vorigen Jahr war das Phänomen ja schon vorhanden, und es gab eine heiße Südwestlage nach der anderen.

Aber wer weiß? Vielleicht ist der diesmal besonders drastische Wechsel von einem El Nino zu einer La Nina im Pazifik ein „Game Changer“?

Dipl.-Met. Hans-Dieter Schmidt