Wessen es bedarf, mich zu überreden, dass die gegenwärtige Klimapolitik sinnvoll ist.

Seit über 25 Jahren habe ich über Klimaänderung und Energiepolitik geschrieben. Ich bin zu der Schlussfolgerung gekommen, dass die gegenwärtige Energie- und Klimapolitik sowohl ökonomisch als auch ökologisch gefährlicher ist als die Klimaänderung selbst. Das ist nicht das Gleiche wie das Argument, dass sich das Klima nicht verändert hat oder die Menschheit nicht teilweise dafür verantwortlich ist. Dass sich das Klma wegen des anthropogenen CO2 verändert hat, akzeptiere ich. Was ich nicht akzeptiere ist, dass die Änderung schädlich ist oder sein wird oder dass die gegenwärtige Politik daran etwas ändern wird.

Zum Wohle der Befürworter der Politik zur Klimaänderung, die sich durch Leute wie mich frustriert fühlen, der ich zögere, ihren Versicherungen Glauben zu schenken, benenne ich hier, was sie tun müssen, um meine Meinung zu ändern.

1. Man muss mich davon überzeugen, dass der städtische Wärmeinsel-Effekt UHI aus den Temperaturaufzeichnungen vollständig herausgefiltert worden ist. Die Satelliten zeigen weniger Erwärmung als die Thermometer am Boden, und es gibt Beweise dafür, dass die lokale Erwärmung wachsender Städte sowie die ungeeignete Aufstellung der Thermometer immer noch die globale Aufzeichnung verfälschen. Man muss mich auch davon überzeugen, dass die Adjustierungen seitens jener, die die globalen Temperaturaufzeichnungen zusammen stellen, gerechtfertigt sind. Allein seit 2008 hat die NASA zum Trend etwa 0,1°C hinzu addiert, und zwar durch nicht erklärte „Adjustierungen“ an ältere Aufzeichnungen. Es ist wenig Vertrauen erweckend, dass eine der wesentlichen Temperaturaufzeichnungen von einem Extremisten stammt, der sich darauf vorbereitet, verhaftet zu werden (James Hansen).

2. Trotz diesen beiden verzerrenden Faktoren bleibt der Temperaturtrend moderat: nicht viel mehr als 0,1°C pro Dekade seit 1979. Also muss man mich davon überzeugen, dass Wasserdampf den CO2-Effekt in der Zukunft um das Dreifache verstärkt, was bisher noch nicht der Fall war. Dies jedenfalls geht aus den Modellen hervor, trotz der Beweise dafür, dass aus Wasserdampf entstandene Wolken irgendeine Erwärmung eher abschwächen als verstärken.

3. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass Schwefel-Aerosole und die Wärmeaufnahme der Ozeane die Lücke erklären können, die sich zwischen den Modellvorhersagen und tatsächlichen Beobachtungen während der letzten 34 Jahre aufgetan hat. Beides ist inzwischen gut erforscht und bietet nur eine unzureichende Erklärung für dieses Fehlverhalten. Negative Wolken-Rückkopplungen, die die Gesamt-Rückkopplung moderat halten, sind eine plausiblere Erklärung.

4. Der einzige Trend, der schlimmer war als erwartet – beim arktischen Meereis – wird plausibel durch Ruß und nicht durch Kohlendioxid erklärt. Ruß aus schmutzigen Dieselmotoren und Kohlekraftwerken wird inzwischen als ein viel größerer Faktor bzgl. der Klimaänderung angesehen; es ist ein kurzlebiger Verschmutzer, gegen den man eher einfach auf lokaler Ebene als im globalen Maßstab vorgehen kann. Also muss man mich davon überzeugen, dass dieses Ergebnis, das etwas von der gegenwärtigen Klimaänderung erklären kann, die wahrscheinliche Sensitivität der Atmosphäre hinsichtlich des CO2 nicht noch weiter reduziert. Mit Sicherheit „kaufen wir damit Zeit“.

5. Selbst das Met Office räumt inzwischen ein, dass das Fehlen des Temperatur-Stillstands der letzten 16 Jahre in den Modellvorhersagen ein Beweis dafür ist, dass natürliche Faktoren genauso wichtig sind wie anthropogene Faktoren. Wir wissen jetzt, dass das Niveau und die Rate der Temperaturänderung heute im Vergleich zum Mittelalterlichen, Römischen und Holozän-Klimaoptimum nichts ist, was noch nie vorgekommen ist. Zu jenen Zeiten hat sich der CO2-Gehalt nicht wesentlich verändert, wohl aber die Temperatur. Man muss mich davon überzeugen, dass hinsichtlich ihrer Auswirkungen natürliche Faktoren in Zukunft deutlich hinter den anthropogenen Faktoren zurück bleiben.

6. Wir wissen, dass die Erwärmung bisher dazu geführt hat, dass die globale Vegetation und die Niederschlagsmenge zugenommen haben, dass Wachstumsphasen verlängert worden sind, dass es dadurch nur minimale ökologische Veränderungen gegeben hat und dass sie keine Auswirkung auf Extremwetterereignisse hatte. Angesichts dieser Umstände muss man mich überzeugen, dass die zukünftige Erwärmung schnell und stark genug ausfällt, um insgesamt mehr Schaden als Nutzen zu bringen. Die Modelle zeigen eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Temperaturänderung unter 2°C, und das wird von fast jedermann als vorteilhaft angesehen [„unless water-vapour supercharged“. ?]

7. Auch ist keineswegs klar, dass sich Ökosysteme und die Menschen nicht anpassen können, weil es klare Beweise gibt, dass Anpassung schon jetzt die Schäden des jetzigen Klimas erheblich reduziert haben – es gab beispielsweise seit den zwanziger Jahren eine Reduktion von 98% der Wahrscheinlichkeit, bei Dürren, Überschwemmungen oder Stürmen zu Tode zu kommen, und die Malaria hat sich rapide zurück gezogen, selbst während des Temperaturanstiegs im 20. Jahrhundert.

8. Daher kann ich nicht erkennen, warum diese relative arme Generation die Kosten von Schäden tragen soll, die sich nicht vor dem Erscheinen einer weitaus reicheren zukünftigen Generation zeigen, jedenfalls nicht in größerem Umfang als die Menschen im Jahr 1900 Opfer hätten bringen sollen, um uns heute ein wenig reicher zu machen. Oder warum die heutigen Armen durch Subventionen mittels ihrer Stromrechnungen die heutigen Reichen unterstützen sollen, die diese Subventionen für Windparks einstreichen, obwohl diese weniger als 0,5% des Stromes dieses Landes erzeugen.

9. Tatsächlich muss man mich überreden, dass die überstürzte Hinwendung zu den Erneuerbaren die Emissionen reduzieren kann anstatt sie zu erhöhen; es ist keineswegs sicher, dass der von der Klimapolitik gewollte vermehrte Verbrauch von Bioenergie wie Ethanol aus Holz oder Mais die Emissionen nicht eher verstärkt. Inzwischen hat der Schiefergas-Boom in den USA dort zu einer erheblich stärkeren Reduktion der Emissionen geführt als jede andere Technologie, und dennoch wird jeder Schritt auf diesem Weg durch die Klimaalarmisten behindert.

10. Und schließlich: man kann das Argument vorbringen, dass selbst eine geringe Wahrscheinlichkeit einer sehr gewaltigen und gefährlichen Änderung des Klimas schon heute drastische Aktionen rechtfertigt. Aber ich würde darauf antworten, dass eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit einer sehr großen und gefährlichen Auswirkung durch Übernahme erneuerbarer Energie im großräumigen Maßstab, reduziertes Wirtschaftswachstum durch Kohlenstoff-Steuern oder Geo-Engineering nicht extreme Vorsicht rechtfertigt.

Derzeit scheint es höchst wahrscheinlich, dass die Medizin schlimmer ist als die Krankheit. Wir nutzen eine Chemotherapie zur Bekämpfung eines Schnupfens.

Der gesamte Artikel nebst Graphiken und Referenzen ist hier.

Dr Matt Ridley

Matt Ridley war Wissenschaftler, Journalist und Geschäftsmann. Mit BA und PhD von der Oxford University arbeitete er neun Jahre lang für den Economist als Wissenschaftsredakteur, Korrespondent in Washington und Amerika-Redakteur, bevor er ein selbständiger Autor und Geschäftsmann wurde. Er ist Autor zahlreicher Bücher, die sich inzwischen 900000 mal verkauft haben und in 30 Sprachen übersetzt worden sind. Er war nominiert für neun große Literaturpreise und hat mehrere Orden bekommen. Er ist Mitglied im Academic Advisory Council der GWPF.

Link: http://www.thegwpf.org/mett-ridley-lukewarmers-ten-tests/

Übersetzt von Chris Frey EIKE