Am 26. Oktober veröffentlichte „Our World in Data“ einen Beitrag von Hannah Ritchie und Pablo Arriagada, in dem die Frage gestellt wurde, wie viel Entwicklungshilfe für den Klimaschutz ausgegeben wird. Ritchie erklärt zu Beginn, dass ihr sowohl das Klima als auch Moskitonetze sehr am Herzen liegen und dass diese beiden Anliegen miteinander in Konflikt geraten könnten.
Bei einem festen Hilfsbudget bedeutet jeder für Klimaprogramme ausgegebene Dollar einen Dollar weniger für alles andere. Und angesichts der erheblichen Kürzungen bei der Entwicklungshilfe in den letzten Jahren schrumpft dieses Budget zunehmend. – Quelle
Die Daten stammen aus der RioMarkers-Datenbank der OECD, in der bilaterale Hilfsprojekte danach gekennzeichnet werden, ob sie auf Klimaschutz oder Klimaanpassung abzielen. Die Antwort:
Rund ein Drittel dieser Mittel – 50 Milliarden US-Dollar – wurde im Jahr 2024 für klimabezogene Projekte bereitgestellt. – Quelle
Das entspricht einem Drittel der projektspezifischen bilateralen Hilfe, fast einem Viertel der gesamten bilateralen Hilfe und nach deren Schätzungen etwa einem Fünftel der gesamten Entwicklungshilfe. Im Jahr 2010 lag der Projektanteil bei rund 18 %. Bis 2024 stieg er auf 34 %.
Bjorn Lomborg veröffentlichte die gleiche Zahl am gleichen Tag auf X:
In den Industrieländern fließt mittlerweile fast ein Viertel der gesamten Entwicklungshilfe in Klimaprojekte.
Das Kernproblem sind die Opportunitätskosten. Jeder Dollar, der für die Förderung von Solaranlagen oder die CO₂-Bilanzierung ausgegeben wird, ist ein Dollar, der nicht für Schulen, die Gesundheit von Müttern oder sauberes Wasser ausgegeben wird. – Quelle
Dieser zweite Absatz stammt aus einem Gastbeitrag in der „Financial Post“, den er gemeinsam mit dem ehemaligen Chefökonomen der Weltbank Indermit Gill verfasst hat und in dem die Zahl für die reichen Länder mit 49 Milliarden US-Dollar angegeben wird.
Hier wird es interessant. Ritchie und Arriagada haben untersucht, was genau unter diesen Begriff genau.
Wie man der Grafik entnehmen kann, fließt mehr als die Hälfte der klimabezogenen Mittel in Projekte, bei denen der Klimaschutz nur ein sekundäres Ziel darstellt. Alle Mittel für diese Projekte werden in voller Höhe angerechnet, nicht nur der Anteil, den wir dem Klimaschutz zuschreiben würden. – Quelle
Zählt man nur die Projekte, bei denen der Klimaschutz das Hauptziel ist, sinkt der Anteil von 34 % auf 13 %. Dann werden einzelne Projekte näher betrachtet. Japans 310-Millionen-Dollar-Wasserversorgungsprojekt im dürregefährdeten Samawah im Irak wird als Anpassungsmaßnahme mit dem Klimaschutz als Hauptziel eingestuft. Frankreichs 122-Millionen-Dollar-Wasserkraftwerk in Kakono in Tansania hat den Klimaschutz als vorrangiges Ziel. Und das hier:
Schließlich stellte Südkorea 163 Millionen Dollar für ein Krankenhaus und ein Ausbildungszentrum in Tansania bereit. Der Bau eines Krankenhauses und von Gesundheitseinrichtungen ist ein recht typisches Entwicklungshilfeprojekt. Da es jedoch unter Berücksichtigung von Energieeffizienz und CO₂-armer Bauweise errichtet wird, wird es als Klimaschutzmaßnahme mit sekundärem Ziel gewertet. Es dient zwar nicht der Bekämpfung des Klimawandels, aber die gesamten 163 Millionen Dollar gelten als klimabezogene Hilfe. – Quelle
Die gesamten 163 Millionen Dollar für ein Krankenhaus!
Wasser für eine Wüstenstadt und Strom für Tansania waren Hilfsprojekte, lange bevor jemand ihnen das Etikett „Klimaschutz“ verpasste. Ritchie drückt es so aus: Reiche Länder finanzierten Energieinfrastruktur in armen Ländern, „lange bevor Hilfsstatistiken mit dem Etikett ‚Klimaschutz‘ versehen worden waren“.
Was trifft also zu: umgeleitetes Geld oder umbenanntes Geld? Die Autoren sagen, wahrscheinlich beides, und dass die Daten ihnen nicht verraten können, wie viel von jedem. Die Geber haben einen Grund, die zweite Variante zu bevorzugen. Zusagen zur Klimafinanzierung sollen neues Geld sein. Ein Krankenhaus, das gleichzeitig auf die Zusage und das Entwicklungshilfebudget angerechnet wird, ermöglicht es einer Regierung, mit einem Scheck zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Die OWID-Daten liefern einen Hinweis. In konstanten Dollarwerten des Jahres 2024 belief sich die bilaterale Projekthilfe der DAC-Mitglieder ohne jeden Klimabezug im Jahr 2010 auf 97,6 Milliarden Dollar und im Jahr 2024 auf 95,8 Milliarden Dollar. Die gesamte Projekthilfe stieg. Alles, was zunahm, trug das Klimalabel.
Auch die Geber sind nicht einheitlich.
Südkorea stuft mehr als 60 % seiner bilateralen Hilfe als klimabezogen ein, Japan zwischen etwa 50 % und 80 %, Frankreich über 40 %. Die Vereinigten Staaten und Kanada liegen unter einem Fünftel. Ritchie fragt, ob dies einen tatsächlichen Unterschied in der Art der Finanzierung darstellt oder lediglich einen Unterschied darin, wie sehr sie darauf bedacht sind, das Kästchen anzukreuzen. Angesichts des tansanischen Krankenhauses würde ich auf das Kästchen tippen.
Und das Geld fließt größtenteils nicht an die Ärmsten. OWID stellt fest, dass klimabezogene Projekte die Hilfsausgaben in Brasilien und Indien dominieren, beides Länder mit mittlerem Einkommen.
Was wollen die Empfänger unterdessen? Gill und Lomborg:
Bezeichnenderweise stuften die Afrikaner den Klimawandel in einer aktuellen Afrobarometer-Umfrage auf Platz 31 von 34 Prioritäten ein. – Quelle
Sie verweisen zudem auf Schätzungen des Copenhagen Consensus, wonach 2,50 US-Dollar für Mikronährstoffpräparate für eine schwangere Frau langfristig einen Nutzen von fast 100 US-Dollar bringen und die Behandlung von Tuberkulose und Malaria mehr als 45 Dollar pro investiertem Dollar einbringt. Ihr Vorschlag stammt aus Norwegen, wo eine Expertengruppe empfohlen hat, die Klimafinanzierung vom Entwicklungshaushalt zu trennen.
Abschließend fordert Ritchie dazu auf, historische Hilfsprojekte unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, wie viel von den Klimamaßnahmen tatsächlich neu ist. Das wäre lesenswert.
Wie viele weitere Krankenhäuser sind in den 50 Milliarden Dollar enthalten?
Und wie viel von der zugesagten Klimafinanzierung entpuppt sich letztendlich als das alte Entwicklungshilfebudget mit einem grünen Aufkleber darauf?
Charts and quotes from Our World in Data, CC BY 4.0.
Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE


















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