Oder

Die Geschichte vom Traumhaus (Das Fass ohne Boden)

Die aktuelle Studie „ZUKUNFT DER STROMSYSTEMKOSTEN“ (hier) des Vereins „Global Energy Solutions All in forderte Elektroingenieur Klaus Maier zum Widerspruch heraus. Maier kommt abschließend zu dem Schluss:

„Deutschland zerstört seinen Wohlstand und erhält als ‚Lohn‘ lediglich, dass der Zeitpunkt, an dem die magischen 2 °C Temperaturerhöhung erreicht werden, nur um wenige Monate später eintritt.

Die Energiewende ist nicht schlecht gemacht – sie ist nicht zumachen!

Die längere Stellungnahme folgt unten.

Von Klaus Maier

Was will der Verein „Global Energy Solutions All in“?

Auf deren Internet-Seite findet man:

„Wir arbeiten an Lösungen, wie die Welt den Zustand der Klimaneutralität erreichen kann und alle Menschen ein Leben in auskömmlichem Wohlstand führen können.“

Aus der Seite „Partner werden“ des Internetauftrittes

Der Plan B für die Energiewende…

„Energie, Klima, Wirtschaft – Deutschland kann es besser! Während Sicherheit, Bildung und Infrastruktur dringend mehr Geld benötigen, verschwenden wir Milliarden für Klimaschutzmaßnahmen, die nicht wirken. Global Energy Solutions (GES) arbeitet an smarten, marktwirtschaftlichen Lösungen für Klimaneutralität in Deutschland, Europa und weltweit. Unsere Mission: Der Plan B für die Energiewende. Der Zustand unseres Landes zeigt, wie es nicht geht. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand behalten wir nur, wenn wir alle Optionen kombinieren: Sonne und Wind mit zuverlässig steuerbaren Energien, z. B. fossil mit Carbon Capture oder nuklear. Außerdem klima-freundliche Kraftstoffe und Batterien. Lösungen statt Verbote. Funktionierende Systeme statt lähmender Bürokratie.“

Und aus der Seite „Entstehung“ von „Global Energy Solutions“

„Wenn es dem Verein gelingt, weltweit den Bau entsprechender Anlagen […] in die Wege zu leiten, dann entstehen daraus die Arbeitsplätze der Zukunft“, war Staatssekretär Norbert Barthle überzeugt, als der Verein „Global Energy Solutions e. V.“ am 27.08.2020 im Ulmer Rathaus mit einem Festakt gegründet wurde. Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nannte grünen Wasserstoff das „Öl der Zukunft“.

Und

„Die Aktivitäten des Vereins erfolgen in Partnerschaft mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) und der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) und sind zudem Teil der vielfachen Aktivitäten im Land Baden- Württemberg und in der Region Ulm zum Thema Wasserstoff. „Ein guter Tag für Ulm, ein guter Tag für die Region“, sagte der Präsident der IHK Ulm, Dr. Jan-Stefan Roell, dazu und schenkte dem Verein zum Startschuss 5.000 Euro.“

Mehr Information zum Verein im Anhang.

Die Kritik und die Reaktion

Der Elektroingenieur Klaus Maier schrieb den Autoren von Global Energy Solutions zu Ihrer Studie „ZUKUNFT DER STROMSYSTEMKOSTEN“.

Guten Tag Herr XYZ,

ich habe Ihre Studie quergelesen und einige positive Aspekte entdeckt. So haben Sie sich beispielsweise um die volkswirtschaftlichen Stromsystemkosten gekümmert, ohne die Verteilung der Kosten auf Haushalte, Industrie, Gewerbe und Staat zu berücksichtigen. Positiv ist auch die realistische Betrachtung eines Energy-Only-Marktmodells. Es gäbe noch weitere Punkte, die ich nennen könnte, aber leider überwiegt meine grundsätzliche Kritik.

Aber lassen Sie mich mit der Geschichte vom Traumhaus beginnen:

Die Geschichte vom Traumhaus (Das Fass ohne Boden)

Familie Müller sitzt in ihrer engen Dreizimmerwohnung. Vier Kinder, Spielzeug überall, die Nerven liegen blank. Mutter Sabine drängt: „Wir brauchen Platz, jetzt sofort!“ Da taucht die Gelegenheit auf: Ein altes, stattliches Haus im Nachbarort steht zum Verkauf. Großes Grundstück, verlockend günstiger

Einstiegspreis. Der Makler drückt aufs Tempo: „Es gibt viele Interessenten, Sie müssen sich bis morgen entscheiden!“

Vater Thomas zögert kurz, aber die Sehnsucht nach der perfekten Zukunft siegt. Sie unterschreiben den Vertrag, ohne einen Gutachter mitzunehmen. Die Ratenzahlung presst ihr monatliches Budget bereits bis auf den letzten Cent aus, aber man redet sich ein: „Das wird schon irgendwie klappen.“ Doch kaum sind die Schlüssel übergeben, bricht die Realität über sie herein:

  • Der Keller ist feucht: Schimmel breitet sich aus.
  • Das Dach ist morsch: Beim ersten Regen tropft es im Kinderzimmer.
  • Die Heizung: Ein 35 Jahre altes Monstrum, das komplett ausgetauscht werden muss – zusammen mit den maroden Fenstern und den Leitungen.
  • Der riesige Garten: Ein Dschungel, der täglich Stunden an Arbeit verschlingt, die im Alltag mit vier Kindern einfach nicht da sind.

Ein professioneller Projektmanager würde an diesem Punkt die Reißleine ziehen. Er würde die Zahlen nüchtern nebeneinanderlegen, den Fehler eingestehen und sagen: „Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende. Wir verkaufen das Grundstück wieder, verbuchen den Verlust als Lehrgeld und retten, was von unserer Existenz noch übrig ist.“

Was macht Familie Müller stattdessen?

Sie weigert sich, den Fehler zuzugeben. Schließlich hat man sich so sehr auf das Projekt eingeschworen.

Um die Handwerker für das Dach zu bezahlen, wird der nächste überteuerte Kredit aufgenommen. Für die Heizung reicht das Geld nicht mehr, also wird provisorisch mit teuren Heizlüftern gearbeitet. Thomas rechnet sich die Haushaltskasse abends am Küchentisch schön: „Wenn wir beim Essen sparen und die Zinsen nächstes Jahr magisch sinken, geht die Rechnung auf!“

Aus dem Traum vom Familienglück ist ein unbezahlbares, stressiges Hamsterrad geworden. Sie reparieren an Symptomen herum, während das Fundament wegbricht – nur, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass der Kauf von Anfang an eine Fehlentscheidung war.

Die Brücke zur Realität: Warum das Projekt „Energiewende“ exakt so läuft.

Diese Geschichte spiegelt eins zu eins die aktuelle Sackgasse der politischen Großprojekte wider:

  • Der emotionale Impuls: Damals hieß es, die Energiewende koste den Bürger „nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat“. Getrieben von der absolut verständlichen Sehnsucht nach einer sauberen Zukunft wurde das Projekt überstürzt gestartet.
  • Das Ignorieren der Substanz: Fachleute und Ingenieure warnten von Anfang an vor den „Feuchtigkeiten im Keller“ – der mangelnden Speichertechnologie für Dunkelflauten, den astronomischen Kosten für den Netzausbau und der Instabilität der Stromversorgung. Man ignorierte sie, weil man wollte, dass es einfach so klappt.
  • Das Schönrechnen im Hamsterrad: Heute explodieren die Netzentgelte, die Industrie wandert ab und die Kosten laufen völlig aus dem Ruder. Statt das Projekt als „gescheitert“ zu deklarieren und die ursprüngliche Zielsetzung, die Dekarbonisierung, zu hinterfragen, wird wie bei Familie Müller agiert: Es werden Milliarden an Subventionen dem verbrannten Geld hinterhergeworfen (die nächsten Kredite) und die Statistiken werden politisch schöngeredet, um das Gesicht nicht zu verlieren.

Das Fazit: Ein guter Steuermann korrigiert den Kurs, wenn er sieht, dass er auf ein Riff zusteuert. Wer jedoch den Kompass manipuliert, nur um recht zu behalten, lässt das Schiff sehenden Auges stranden.

Es gehört zum Grundwissen eines Projektmanagers, ein laufendes Projekt abzubrechen, wenn er feststellen muss, dass er die Ziele im Rahmen der einzuhaltenden Randbedingungen (Kosten, Zeit, Lösungsmerkmale) nicht erreichen kann.

Insofern frage ich mich, ob Ihnen der Widerspruch nicht bewusst ist, den Sie mit dem Ergebnis Ihrer Studie offenbaren?

Wenn einerseits das Industrieland Deutschland erhalten bleiben soll und andererseits Ihre Studie zeigt, dass die Dekarbonisierung so hohe Kosten verursacht, dass die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands zerstört wird, muss die Zielsetzung der Dekarbonisierung doch aufgegeben werden!

Sie zeigen die Problemfelder zwar quantitativ auf, bieten aber nur grundsätzliche und qualitative Ansätze zur Lösung bzw. zur Milderung der Probleme an.

An dieser Stelle vielleicht kurz zu meiner Person: Ich bin Elektroingenieur im (Un-)Ruhestand und beschäftige mich seit zwölf Jahren über 25.000 Stunden mit der Energiewende und ihren Implikationen. Dabei lege ich großen Wert auf quantitative Aussagen.

Meine Analyse von sechs Szenarien zeigt eindeutig, dass die Energiewende gescheitert ist, da sich die Dekarbonisierung und die Erhaltung unseres Wohlstandes gegenseitig ausschließen!

Falls Sie sich die Zeit nehmen möchten, einige meiner Papiere näher kennenzulernen (siehe Anlage), so kann ich Ihnen folgende Auswahl empfehlen:

Kurzfassung von Energiewende-Szenarien in Deutschland um 2045 https://magentacloud.de/s/nRa9AYJ2fkAwT7x

und die Langfassung:

Energiemodelle zur Bewertung alternativer Energiesysteme 2045 – Technische Endlösungen im Vergleich
https://magentacloud.de/s/Grrp2NFiE2cFgC2

In meiner Arbeit bewerte ich sechs Szenarien, die alle drei Sektoren (Strom, Wärme und Verkehr) als Gesamtheit betrachten und nicht, wie Sie es machten, nur den Sektor Strom. Meine Methodik ist also umfassender und damit aussagekräftiger.

Es gibt Aussagen verschiedener Institute und Professoren, die von nötigen Gesamtinvestitionen von bis zu 10 Billionen Euro ausgehen. Bei typischen laufenden Betriebskosten von 5 % bis 8 % (inklusive Finanzierungs-, Erhaltungs- und Ersatzkosten) wären das 500 bis 800 Mrd. € pro Jahr an dauerhaften volkswirtschaftlichen Kosten. Wie soll die deutsche Volkswirtschaft diese Kosten stemmen?

Nun kommt noch hinzu,

  • dass die Dramatik der Klimakatastrophe zurückgenommen wurde,
  • dass der Anteil Deutschlands an den CO2-Emissionen weniger als 2% der weltweiten Emissionen beträgt und
  • dass der Rest der Welt (außer der EU und Australien) nicht oder nur halbherzig bei der CO2 Reduktion mitmacht.

Deutschland zerstört seinen Wohlstand und erhält als „Lohn” lediglich, dass der Zeitpunkt, an dem die magischen 2 °C Temperaturerhöhung erreicht werden, nur um wenige Monate später eintritt.

Die Energiewende ist nicht schlecht gemacht – sie ist nicht zumachen!

Ich frage: Welcher Projektmanager ist für dieses Desaster verantwortlich und müsste zur Rechenschaft gezogen werden?

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Maier

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Die Antwort kam prompt:

Sehr geehrter Herr Maier,

Ihren Zeilen entnehme ich, dass wir in der Bewertung einig sind.

Die Lösung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist preiswerte Grundlast. Leider gibt es hierfür nicht allzu viele Optionen.

Gruß

XYZ

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Das konnte ich so nicht stehen lassen und erwiderte (worauf keine Reaktion mehr erfolgte):

Guten Tag Herr XYZ,

ich verstehe Ihre Antwort nicht. Wie können Sie behaupten, dass wir uns in der Bewertung einig seien, wenn Sie in Ihren Handlungsempfehlungen lediglich Stellschrauben der Energiewende beschreiben, die optimaler eingestellt werden sollen? Offenbar mit der Vorstellung, die Energiewende so umzusetzen.

Im Gegensatz dazu habe ich in meiner Stellungnahme und in den von mir zitierten Arbeiten, die mehr als nur „ein paar Zeilen“ umfassten, aufgezeigt, dass die Energiewende scheitern muss. Es geht nicht nur um den Sektor Strom, sondern um die Sektorkopplung. Da macht es wenig Sinn, Strom selektiv zu betrachten.

Leider bin ich es gewohnt, dass es auf meine Kritik und Fragen zu Studien und Artikeln zu keinem ernsthaften, fairen Austausch von Argumenten kommt.

Entschuldigen Sie den Vergleich, aber es kommt mir so vor, als hätte man es mit sehr jungen Menschen zu tun, die sich ihre Visionen nicht zerreden lassen wollen. Oft bleibt ihnen nur, die brutale Realität zu erleben, bis alles Schönreden in Staub zerfällt – also die normative Kraft der Fakten. Der Lerneffekt ist nachhaltig, aber die Wunden schmerzen noch lange …

Konfuzius wusste schon: „Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: erstens durch Nachdenken, das ist der edelste; zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste; und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“

Mit freundlichen Grüßen

Klaus Maier

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Anhang:
Wer ist der Verein Global Energy Solutions e.V.?

Google Ki gibt Auskunft wer den Verein finanziert und welche der Firmen dort aktiv ist.
(Achtung: KI kann irren)

Der Verein Global Energy Solutions e.V. (GES) finanziert sich primär über eine Kombination aus öffentlichen Fördermitteln, Unternehmenspartnerschaften und Spenden. [1, 2, 3]

Die wichtigsten Säulen der Finanzierung im Detail:

  • Öffentliche Förderung: Der Verein erhält projektbezogene Zuschüsse des Bundes, wie etwa vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für die Erarbeitung globaler klimaneutraler Energieszenarien. [1, 2]
  • Unternehmenspartner und Sponsoren: Industriepartner aus dem Energie- und Wirtschaftssektor unterstützen die Arbeit. Die Partnerschaften sind in abgestufte Pakete (bis zu Platinum-Sponsoring für €10.000 im Jahr) unterteilt. [1]
  • Fördermitglieder und Spenden: Als gemeinnütziger Verein nimmt die GES satzungsgemäß Spenden von Mitgliedern, Beiräten und Dritten entgegen. [1]

Der Global Energy Solutions e.V. (GES) vereint namhafte Großunternehmen in seinem Netzwerk und konzentriert sich inhaltlich auf pragmatische, technologieoffene Lösungsansätze für die globale Energiewende. [1]

Aktive Partner und Unternehmen

Im Partnernetzwerk des Thinktanks finden sich bekannte Akteure aus Industrie, Logistik und Technologie. Zu den offiziellen GES-Referenzen und Partnern zählen unter anderem: [1]

  • Bosch (Technologie und Automobilzulieferer)
  • Kühne + Nagel (Logistik)
  • Linde (Gase und Engineering)
  • Heraeus Group (Technologie und Edelmetalle)
  • Vinci Deutschland (Bau und Konzessionen)
  • Schwenk Zement & Progroup (Baustoffe und Papierindustrie)
  • Obrist Group (Entwickler für nachhaltige Antriebe und CO2-neutrale Kraftstoffe) [12]

Kernprojekte und inhaltliche Schwerpunkte

Die Arbeit des Vereins fließt primär in Studien, politische Beratung und Energieszenarien. Das übergeordnete Ziel ist ein klimaneutrales Energiesystem für 10 Milliarden Menschen bis Mitte des Jahrhunderts. Zu den wesentlichen Schwerpunkten gehören: [1, 2]

  • Szenarien für Schwellen- und Entwicklungsländer: In Zusammenarbeit mit Organisationen wie der UNIDO wird erforscht, wie Klimaschutz mit nachholender wirtschaftlicher Entwicklung (z. B. in Afrika) kombiniert werden kann. [1]
  • Der „All In!“-Ansatz statt reiner Elektrifizierung: Der Verein analysiert die Systemkosten der Energiewende. Er plädiert dafür, neben Wind und Sonne intensiv auf Carbon Capture (CO2-Abscheidung), Wasserstoff-Derivate (Powerfuels) und eine Rückkehr zur Kernenergie (z. B. Erforschung von Small Modular Reactors) zu setzen. [1, 2, 3, 4]
  • Wirtschaftspolitische Studien: Gemeinsam mit Partnern wie der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammer) erarbeitet der Verein alternative Transformationspfade („Plan B“), die auf marktwirtschaftliche CO2-Bepreisung statt auf Verbote und Subventionen setzen. [1]

 

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