Cap Allon

Während sich die „Wettermedien“ auf El Niño konzentrieren, droht ein starkes Blockademuster zwischen Skandinavien und dem Ural eine ungewöhnlich frühe Abschwächung des Polarwirbels, wobei die stratosphärischen Winde unter die historischen Tiefstwerte für Anfang November fallen.

Unterdessen deuten Langzeitmodelle darauf hin, dass sich später im Winter eine weitere große Störung entwickeln könnte.

Die neueste GEFS-Prognose für den 20. bis 24. Oktober zeigt einen ausgeprägten Hochdruckrücken über Skandinavien und dem Ural, der die übliche West-Ost-Strömung stört und arktische Tiefdruckgebiete nach Süden verdrängt. Eine solche Blockade kann große atmosphärische Wellen nach oben in die Stratosphäre treiben und so die Winde schwächen, die den Polarwirbel aufrechterhalten.

Laut dem Meteorologen Andrej Flis simulieren sowohl das ECMWF als auch das GFS, dass die Winde des Polarwirbels in der Höhe von 10 hPa am 24. Oktober kurzzeitig auf etwa 22 m/s zunehmen werden, bevor sie bis Anfang November auf nur noch 8–10 m/s abfallen.

10 hPa ^= 30.000 bis 31.000 m ü. NN. A. d. Übers.

Damit würden sie unter das historische Minimum für diesen frühen Zeitpunkt der Saison in den Aufzeichnungen seit 1958 fallen.

Eine Studie aus dem Jahr 2019 ergab, dass eine ähnliche Ural-Blockade im Herbst 2016 intensive atmosphärische Aufwärtswellen erzeugte, die im November zu einem für die Jahreszeit ungewöhnlich schwachen stratosphärischen Wirbel führten, was schließlich in jenem Winter zu Kälteeinbrüchen in Europa führte.

El Niño könnte zur Entstehung des aktuellen Musters beitragen, weil starke El-Niño-Ereignisse atmosphärische Wellen verstärken können, die den Winterwirbel schwächen. Doch auch andere Einflüsse verdienen Beachtung, darunter die schon jetzt hohe Schneedecke in Sibirien und die Temperaturen in der Arktis nach einem rekordkalten Sommer in der Hocharktis. Ob diese Sommerkälte zur aktuellen Blockade beigetragen hat, ist bislang unklar.

Betrachtet man die aktuelle Konstellation, die Vorhersagen und die Vergleiche mit den Vorjahren, würde ich von einer historisch frühen Abschwächung im Oktober und November ausgehen, gefolgt von einer Verstärkung zu Beginn des Winters und einer erneuten Störung gegen Mitte des Winters.

Ich würde erwarten, dass sich einige dieser stratosphärischen Störungen nach unten ausbreiten, was negative Muster der Arktischen und Nordatlantischen Oszillation begünstigt und die Wahrscheinlichkeit arktischer Kälteeinbrüche in Nordamerika, Europa und Asien erhöht.

Alle Augen sind auf El Niño gerichtet. Doch die polare Zirkulation zeigt Anzeichen einer erheblichen Störung mit einer historisch frühen Abschwächung.

Link: https://electroverse.substack.com/p/chinas-october-cold-and-snow-deepens?utm_campaign=email-post&r=320l0n&utm_source=substack&utm_medium=email (Zahlschranke; die verlinkte Studie ist aber frei verfügbar.)

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

Anmerkung des Übersetzers dazu: Für die nächsten Tage bis zu einer Woche simulieren die Modelle (Stand 21. Oktober) übereinstimmend eine glatte starke Westströmung (positive NAO). Jedoch ist die derzeitige Bildung eines mächtigen Hochdruckgebietes über Nordosteuropa (über 1040 hPa) ein Indiz für obige Ausführungen, auch wenn dieses Hochdruckgebiet sich erst einmal wieder zurück zieht.

 

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